CO2-Emissionen bei Stromproduktion: Den Superverschmutzern auf der Spur

(30.07.21, taz.de) , Original : hier

For­sche­r:in­nen haben Tausende Kraftwerke untersucht, um herauszufinden, welche besonders viel CO2 emittieren. Eines der schlimmsten steht in Deutschland.

Auf Platz 7 der Superverschmutzer: Kraftwerk Niederaußem in Pulheim, Nordrhein-Westfalen

Nur wenige Kraftwerke weltweit emittieren fast drei Viertel der Treibhausgase in der Stromproduktion. Zu dem Schluss kommt eine neue Studie in der Zeitschrift „Environmental Research Letters“. Für die Studie analysierten ForscherInnen an der Universität Boulder 29.000 fossile Kraftwerke in 221 Ländern. Die Daten sind auf dem Stand von 2018.

Die Studie zeigt, dass die dreckigsten Kraftwerke vor allem in Nordamerika, Europa, Ostasien und China zu finden sind. In einigen Ländern – den USA, Japan, Südkorea, Deutschland und Australien – ist ein Bruchteil der Kraftwerke für 75 bis 90 Prozent der Emissionen verantwortlich, ein ähnliches Ergebnis wie weltweit. Die ForscherInnen berechnen, dass weltweit insgesamt ein Viertel der Emissionen aus der Stromproduktion reduziert würde, wenn die Effizienz der Kraftwerke verbessert würde.

Umgekehrt zeigt die Studie, dass solche „Superverschmutzer“ kaum in Südamerika, Afrika oder im Pazifik zu finden sind – der Globale Süden damit gemeinhin nicht Teil des Problems ist.

Unsere Grafik zeigt die 10 Kraftwerke weltweit mit den höchsten Emissionen. Alle zehn werden mit Kohle betrieben und sind nicht nur besonders groß, sondern auch ineffizient im Vergleich zu anderen ähnlichen Kraftwerken im Land. https://datawrapper.dwcdn.net/RrPkV/1/

Auf Platz 1: Das Braunkohle-Kraftwerk Bełchatów, das etwa 20 Prozent des Stroms in Polen produziert und jährlich mehr Treibhausgase emittiert als die Schweiz. Es soll bis 2036 stillgelegt werden. Auf Platz sieben der Liste findet sich ein deutsches Kraftwerk: die RWE-Anlage Niederaußem in NRW. Laut der Studie ist es um rund 45 Prozent ineffizienter als andere Kohlekraftwerke in Deutschland. Bisher wurde erst ein Block des Kraftwerks mit etwa einem Zehntel der Gesamtleistung stillgelegt. Der letzte Block soll voraussichtlich erst 2038 vom Netz gehen.

Von den anderen acht dreckigsten Kraftwerken stehen zwei in Indien, drei in Südkorea, und je eins in Taiwan, China und Japan.

„Eine der Herausforderungen für Kli­ma­ak­ti­vis­t:in­nen ist, zu bestimmen, wer genau für die Klimakrise verantwortlich gemacht werden soll“, sagte Studienautor Don Grant der Nachrichtenwebsite Vice. „Unsere Studie versucht dieses Problem anzugehen, indem sie Superverschmutzer identifiziert.“


Tip von Ingo

„Wir wohnen hier gerade dem Todesstofß für die Menschheit bei“

(31.07.21, FR)

„Wir wohnen hier gerade dem Todesstofß für die Menschheit bei“
Gespräche an der Abbruchkante:
– Eckart von Hirschhausen und Theresa Krüger
über den Moment, in dem man begreift, dass es so nicht mehr weitergeht, über den nächsten Schritt und die eigentliche K-Frage


Tip von Stefan

Komplizierte Regeln für Erneuerbare Energien — Auch Bürokratie belastet das Klima

(22.07.21, tagesspiegel.de) , Original : hier

Die Politik bekundet gern, beim Klimaschutz jetzt endlich verstanden zu haben, bremst dann aber bei Details. Das gilt für Windräder wie Photovoltaik. Ein Kommentar. Jakob Schlandt

Deutschland soll bis 2045 klimaneutral sein, hat die Regierungskoalition beschlossen. Und die EU soll fünf Jahre später folgen. Daran haben manche Klimaaktivisten immer noch zu mäkeln, und man kann tatsächlich trefflich streiten, ob das nun reicht, fast reicht oder doch zu kurz gesprungen ist, weil man die historischen Emissionen nicht miteinbezieht.

Tatsächlich muss die neue Bundesregierung vor allem ein ganz konkretes Problem anpacken. Vom abgekochten Industrielobbyisten bis zu den Hardlinern der Grünen sind sich in einem alle einig: Wir brauchen mehr erneuerbare Energien, und zwar viel mehr und viel schneller als bisher. Für den direkten Stromgebrauch, aber auch für den Einsatz zur Erzeugung von Wasserstoff als, grob gesprochen, Erdgasersatz.

Da hilft alles nichts, es geht um die Details. Um die Frage – man blicke auf CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet und die neuen Regeln im von ihm geführten Nordrhein-Westfalen –, welche Abstände Windräder von Wohngebäuden halten müssen. Um die Frage, wie genau sich Windkraft mit Vogelschutz vertragen kann und ob pfiffige neue Vogelwarnsysteme helfen können.

Besonders bei der naturgemäß recht konfliktarmen Solarkraft – sie verursacht keinen Lärm, versperrt nicht den Ausblick und ist zudem inzwischen günstig – muss die Handbremse gelöst werden. Die gerade zu Ende gegangen Ausschreibung für Photovoltaik (PV) auf Gewerbeimmobilien zeigt, dass deutlich mehr gehen könnte. Da ist zu viel Bürokratie im Spiel. Branchenvertreter kritisieren sowohl, dass der Strom vom Dach nicht selbst verbraucht werden darf, als auch die Bevorzugung großer Anlagen und die kurze Umsetzungsfrist. Innerhalb eines Jahres muss die Anlage laufen.

Viele Gewerbehallen können kaum eine extradicke Schneedecke tragen

Für große Anlagen kommt aber nicht jedes Dach infrage. Viele moderne Gewerbehallen sind zu fragil dafür, sie können höchstens eine dicke Schneedecke tragen. Dennoch ist das Potenzial enorm. Experten schätzen, dass erst zehn bis 20 Prozent der wirtschaftlich nutzbaren Dachfläche für PV erschlossen sind. Rechnet man alle Lager-, Logistik- und Produktionshallen mit mehr als 1000 Quadratmetern Gewerbefläche zusammen, kommt man nach Statistiken aus der Immobilienbranche auf eine Dachfläche von 450 Millionen Quadratmetern.

Es ist ein aktuelles Beispiel unter vielen. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat gleich mehrfach in seiner Amtszeit signalisiert, er habe beim Klimaschutz jetzt endlich verstanden. Bei den (vermeintlichen) Details bremste er dann aber wieder und wieder. Für die neue Bundesregierung wird es darum gehen, diesen Widerspruch endlich aufzulösen.


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Wirtschaftsminister Altmaier im Interview „Klimaschutz darf keine Frage des dicken Geldbeutels werden“ Georg Ismar Miriam Schröder


Tip von Ingo

Klimapolitik und Mobilität: Mit dem Auto das Klima schützen

(25.07.21, taz.de) , Originalö : hier

Die Chance für eine bessere Klimapolitik ist da. Die konkreten Auswirkungen müssen den Menschen nur nachvollziehbar erklärt werden.

Stau auf der A40. Immer noch gilt: lieber mit dem Auto statt mit der Bahn

Wie konnte das so schiefgehen? Bei der Sonntagsfrage von Forsa hatten die CDU/CSU Anfang April Zustimmungswerte von 21 Prozent und die Grünen 28 Prozent. Drei Monate später lagen die CDU/CSU bei 30 Prozent und die Grünen bei 19 Prozent. Sicher, ein Teil des Absturzes geht auf das Konto des gescheiterten Baerbock-Buchs. Doch Buch und Lebenslauf erklären nicht alles.

Dabei ist der politische Gegner Armin Laschet eher oberflächlich, verkündet Pyrrhussiege und ändert seine Meinung öfters schon mal. Beispiel: Das verunglückte WDR-Interview mit Susanne Wieseler, der er am Tag der Hochwasserkatastrophe sagte, dass man wegen eines Ereignisses an einem Tag seine Politik doch nicht ändere. Sein Bundesland NRW steht weit schlechter da, als er es anpreist.

Eine groß angekündigte Ruhrkonferenz sollte den Aufbruch für das Ruhrgebiet auslösen und hat sich in kleinteilige Projektgrüppchen zerlegt. Die Olympia-Bewerbung von NRW ist ein Scherbenhaufen. Das von ihm selbst ausgerufene Elektromobilitätsland NRW läuft hinterher. Der Aachener Hochschullehrer und Rotary-Freund Günter Schuh hatte mit viel Trara und Landesgeldern erst den Streetscooter, dann den e.go und dann Pläne einer Batteriezellenfabrik aus der Taufe gehoben.

Es waren die Vorzeigeprojekte für Laschet, auf die er mächtig stolz war. Übrig geblieben ist davon so gut wie nichts. Immer wieder hatte die Laschet-Mannschaft versucht, Batteriezellfabriken in NRW anzusiedeln, aber weder Tesla, noch CATL, noch sVolt, noch Farasis, noch Northvolt oder Stellantis bauen Zellen in NRW. Sie haben sich für Grünheide, Erfurt, das Saarland, Bitterfeld, Salzgitter und Kaiserslautern entschieden.

Elektroautoland NRW blieb Illusion

Die anderen waren erfolgreich, nur das von Armin Laschet ausgerufene Elektroautoland NRW ist gescheitert. Zufall? Noch im Herbst 2019 war „Fridays for Future“ für Laschet eine Schülerbewegung. Wenig ehrlich erklärte er bei der Flutkatastrophe NRW zum Klimaschutz-Vorreiterland. Im Ländervergleich hat NRW im letzten Jahr 25 Millionen Tonnen weniger CO2 ausgestoßen. Das entspricht einem Drittel des CO2-Rückgangs in Deutschland. Was Laschet verschweigt:

NRW stößt dreimal so viel aus wie etwa Bayern oder Baden-Württemberg und pro Einwohner das Doppelte von beiden Bundesländern. Ein Großteil der Einsparung ist das Ergebnis der Abschaltung der Steinkohlekraftwerke. Damit hat Laschet wirklich nichts zu tun. Die Verdienste gehen zurück bis auf den früheren Bundeswirtschaftsminister Werner Müller und Ex-Kanzler Gerd Schröder. Gern schmückt sich Laschet mit dem Kohleausstieg. Tatsächlich hat NRW den schnelleren Ausstieg mit verhindert.

Oberflächlich, sprunghaft und fadenscheinig prangert Laschet geplante Benzinpreiserhöhungen der Grünen an. Dabei weiß er genau, dass die CO2-Besteuerung in Berlin beschlossen wurde. Immerhin erklärt er höhere Treibstoffsteuern für notwendig, aber den Billigflug nach Mallorca definiert er als eine Art Grundrecht. Jeder müsse sich schließlich den jährlichen Mallorca-Flug leisten können. Warum also verlieren die Grünen im Wettkampf mit Armin Laschet?

Das grüne Wahlprogramm ist ehrgeizig. Aber was bedeutet es für Otto Mustermann, wenn seine Lebenshaltungskosten mit erhöhten CO2-Preisen beängstigend steigen? Das Schlagwort Energiegeld soll es richten. Aber was konkret erhält Mustermann? Allgemeine Aussagen wirken bei staatlichen Abgaben wenig glaubhaft. Dazu kamen die unglücklich verkürzten Interviews, bei denen die Steuer hängen blieb, das Energiegeld aber unter den Tisch fiel. Ähnlich zum Verbot der Inlandsflüge.

Gegen 48 Millionen Autobesitzer ist nicht zu gewinnen

Es macht Sinn, nicht die ganze Welt in einem Satz zu erklären, sondern eine Sache in den konkreten Auswirkungen für den Einzelnen nachvollziehbar zu machen. Was erwartet die Autobesitzer von einer grünen Kanzlerin? Es ist unmöglich, eine Wahl gegen 48 Millionen Autobesitzer gewinnen. Sicher macht es Sinn, Radwege auszubauen. Das unterstützen alle. Sicher muss man die Bahn verbessern. Aber jetzt alles auf die Bahn setzen? Das Klimaproblem wird dadurch nicht gelöst.

Bisher sind Autofahrer von der Bahn wenig begeistert. Wer im Ruhrgebiet Bahn fährt, braucht gute Nerven und ein gefülltes Portemonnaie. Nicht ohne Grund stehen die Menschen lieber im Stau auf der A40. Und die Bahnversprechen sind so alt wie die Republik. Die Hochwasser haben gezeigt, dass es beim Klimawandel fünf nach zwölf statt fünf vor zwölf ist. Alle sind überzeugt, dass wir deutlich mehr tun müssen.

Alle, außer dem Kanzlerkandidaten der CDU/CSU, der in TV-Interviews verkündet, dass NRW schon viel macht und wir an die Arbeitsplätze denken müssen. Die Chance für eine bessere Klimapolitik ist da. Wir müssen es den Menschen nur sauber erklären und nicht 48 Millionen Dinge wegnehmen, die ihnen wertvoll sind. Mit dem vollelektrischen Auto haben wir die Technik.

Mittlerweile ist das Angebot groß, die Fahrzeuge sind alltagstauglich, die Preise mit den Förderungen fast auf Verbrennerniveau. Sämtliche Risiken, wie Einbußen beim Wiederverkauf oder nicht geplante Reparaturen, lassen sich mit dem Auto-Abo ausschließen. Alle Voraussetzungen sind erfüllt, um ausschließlich abgasfreie Neuwagen zu verkaufen. Was würde passieren, wenn wir den Preis für Benzin und Diesel einfach verdoppeln, also auf 3 Euro statt 1,50 pro Liter Super erhöhen?

Drohte dann eine Gelbwestenrevolte wie in Frankreich? Nein, dieses Drohpotenzial kann neutralisiert werden. Die Lösung: Wer heute ein Auto mit Verbrennungsmotor besitzt, bekommt die zusätzliche Treibstoffsteuer zurückerstattet, genießt also Bestandsschutz. Wer sich aber ein neues Benzin- oder Dieselauto kauft, bezahlt den vollen Spritpreis. Als beste Wahl bliebe dann nur das Elektroauto – und zwar ohne komplizierte Bonus-Malus-Rechenspielchen bei der Kfz-Steuer. Die Chancen für die Grünen sind da. Sie müssen sie nur nutzen.


Tip von Ingo

Förster zur Flutkatastrophe »Dass unsere Umwelt ganz schön kaputt ist, sehe ich jeden Tag«

(25.07.21, spiegel – panorama), Original : hier

Das Hochwasser an der Ahr wurde durch Schäden im Wald verschärft – und wird der Natur am Fluss schaden. Ein Revierförster fordert zum Umdenken auf. Aus dem Ahrtal berichtet Jan Friedmann

Der Förster Jens Willen ist Opfer und Experte zugleich, eine seltene Kombination im Katastrophenfall. Willen hat sein Revier in Reifferscheid in der Eifel. Sein Haus steht hingegen unten im Ahrtal in Schuld. Das ist der kleine Ort am Oberlauf des Flusses, der teilweise zerstört wurde und den Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte.

Die Bundeskanzlerin und ihr Tross beschränkten sich bei ihrem Rundgang auf den Ortskern, wo die Aufräumarbeiten schon weit fortgeschritten sind. Wer zu Jens Willen möchte, muss ein Stück am Fluss entlanggehen, wo entwurzelte Bäume und Kühlschränke liegen, in den Böschungen Dämmplatten und Teile von Wohnwagen.

In dem letzten Abschnitt der Hauptstraße geht es über einen Haufen aus Treibholz; darin liegt, in Plastik verpackt, eine Portion Schweinegulasch. Weiter über bizarr zerrissene Zacken von Asphalt, ein Bach hat sie in die Straße gerissen.

Förster Willen sieht die Flut auch als Umweltkatastrophe – in ihrem Hergang und ihren Folgen.

Es ist eine Perspektive, die wohl immer stärker in den Blick rücken wird. Zurzeit dominieren noch das allgegenwärtige menschliche Leid, die persönlichen Katastrophen. Überall entlang des Flusses, in Schuld wie in anderen Orten, räumen die Menschen auf; sie retten, was zu retten ist, und sie trauern um die Toten aus der Nachbarschaft.

Auch Willen, 61, reinigt mit Freunden und Kollegen das Untergeschoss seines Hauses. Dort unterhielt er auch sein Forstbüro und bewahrte wertvolle Maschinen für den Wald auf, die jetzt kaputt sind. Das Treibgut in seinem Garten hat selbst er, der mit Motorsägen erfahren ist, noch nicht auseinanderbekommen.

Der kranke Wald

In einer Pause berichtet er davon, was er über die Ursache und die Folgen des Hochwassers denkt, das den Fluss in sein Haus brachte. »Dass unsere Umwelt ganz schön kaputt ist, das sehe ich jeden Tag, wenn ich arbeite«, erzählt der Forstamtmann. »Jeden Tag sehe ich kranke Bäume, und meine Aufgabe als Förster ist es, diese kranken Bäume zu entfernen.«

Er sieht einen Zusammenhang zur Flut: Ein trockener, kranker, gelichteter Wald nehme das Wasser nicht mehr so gut auf. Das gelte vor allem dann, wenn er – wie rund um die Ahr – weitgehend auf Steilhänge beschränkt sei, mit Freiflächen oben auf den Kuppen. Von dort schoss das Wasser kaum gebremst in Seitentäler und von dort in die Ahr, die Region weist große Höhenunterschiede auf.

Willen ist schon seit vielen Jahren Revierförster. Er hat beobachtet, wie sich der Zustand des Waldes in den vergangenen Jahren verschlechtert hat – durch Hitze, Trockenheit und wiederkehrende Unwetter. »Die Geschwindigkeit der Wetterwechsel ist immens«, sagt er, das schwäche die Bäume.

Selbst Bestände hundertjähriger Eichen lichteten sich, ganz von selbst. Er halte sich zurück, dort zusätzlich Holz zu schlagen: »Da habe ich seit 25 Jahren keine Axt mehr dran gehabt.« Auch in den anderen Flächen: absterbende Bäume. »Buchen, Ahorn und ganz klar die Nadelbäume, Kiefer, Lärche, Fichte«, alle Arten seien betroffen. »Die einheimischen Baumarten können sehr viel ab, aber ob es auf Dauer reicht, bin ich mir nicht sicher«, sagt Willen.

Hätte ein anderer Wald die Katastrophe verhindern können? Mancher Experte glaubt das nicht, weil die Wassermasse schlicht extrem groß war. In einem aber ist sich Willen sicher: dass ein langfristiges Umdenken notwendig ist, auch in der Region. »Ich denke nicht an meinen Beruf, ich denke vor allem an meine Kinder und Enkel.« Es gelte, längerfristig CO₂ einzusparen und die Intensivlandwirtschaft zu beschränken.

Warnung vor Schadstoffen

Zu den langfristigen Problemen tritt nun ein neues, vor allem unten im Tal. »Die ganze Gewässerökologie ist kaputt«, so der Förster. Überall Müll, kaputte Autos, Öl und andere Schadstoffe. Die gelangten in die Nahrungskette und auf Äcker und Wiesen. Die Behörden warnen die Menschen an der Ahr vor Keimen und Schadstoffen im Wasser. Förster Willen erzählt, bei ihm habe sich schon eine kleine Wunde infiziert, er musste eine Tetanus-Spritze bekommen.

Und überall entlang der Ahr fragen sich die Menschen, wie und wo sie wohl ihre Dörfer wieder aufbauen werden. Die breite Schneise der Verwüstung hat die Trennlinien zwischen Natur und dem von Menschen beanspruchten Territorium neu definiert. Schon nach dem Hochwasser im Jahr 2016 erweiterten Orte am Oberlauf die Kanalisation und bearbeiteten das Flussbett. Es half nichts gegen die Wucht des Wassers.


Klimakrise

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Tip von Ingo

So wollen die großen Parteien in Zukunft Hochwasser-Katastrophen verhindern — Wer überzeugt am meisten?

(20.07.21) vice.de , Original : hier

Plötzlich ist Katastrophenschutz also Wahlkampfthema. Nur: Was heißt Katastrophenschutz? Experten sagen, der Klimawandel sei mit Schuld an derlei Wetterereignissen. Geht es also um langfristige Prävention, kurzfristige Warnmöglichkeiten oder mittelfristige Anpassungen von Landschaften? Oder alles auf einmal?

Wir haben allen Parteien im Bundestag – außer der AfD – dieselbe Frage gestellt: 

Was will Ihre Partei konkret tun, um Hochwasser-Katastrophen zu verhindern?

Hier die Antworten.


CDU

“Mit zunehmenden Extremwetter-Ereignissen ist das Wassermanagement inzwischen eine Frage, die ganz entscheidend für unser Land geworden ist. Es geht dabei um Hochwasserschutz nicht nur an Küsten, sondern auch an Flüssen und kleinen Bächen, um Maßnahmen zur Klimaanpassung und den Klimaschutz.

Dies alles ist auch eine Form von Bevölkerungsschutz. Daher setzen wir an, bevor der Ernstfall eintritt und entwerfen unsere Politik in langen Linien: Wir machen uns stark für einen ambitionierten Klimaschutz, um die Erderhitzung zu begrenzen. Wir setzen uns ein für ein Klima-Anpassungsgesetz, das den Folgen des Klimawandels in der Stadt, auf dem Land sowie an Küsten, Meeren und in den Bergen wirksam begegnet.

Uns ist wichtig, dass unser Land widerstandsfähiger und krisenfester wird. Es braucht Klima-Anpassungskonzepte und Starkregen-Gefahrenanalysen sowie technischen Hochwasserschutz – in festen Strukturen und auch mobil. Wichtig ist dabei, dass wir vermehrt auf natürliche Lösungen setzen und die Flächenversiegelung verringern. Der natürliche Hochwasserschutz muss wieder mehr an Bedeutung gewinnen. Die Natur müssen wir dabei als Partner verstehen und Möglichkeiten zum Wasserrückhalt schaffen.

Hochwasserschutz, Schutzbedürfnisse und Schutzvorkehrungen sind vor Ort verschieden. Beim Bevölkerungsschutz hingegen braucht es eine gemeinsame nationale Katastrophenschutz-Strategie. Unser föderales System für den Bevölkerungsschutz ist leistungsfähig, flexibel und flächendeckend verfügbar. Die Anforderungen von heute sind allerdings andere als früher. Wir wollen deshalb neue Kriterien für eine länderübergreifende Schadenslage entwickeln und zwischen Bund und Ländern einen modernen Bevölkerungsschutz etablieren. Für eine engere Vernetzung und Verzahnung aller Akteure im Bevölkerungsschutz wollen wir eine gemeinsame Plattform bilden, sodass sie stärker als bisher in einem integrativen Netzwerk zusammenwirken können.”

SPD

“Wir werden den Klimawandel und seine Folgen wie Unwetter nicht schnell umkehren können. Daher wollen wir auf der einen Seite den Klimaschutz durch mehr Investitionen und eine Veränderung der Energieerzeugung in Deutschland voranbringen. Unser Ziel ist ein klimaneutrales Deutschland.

Die akuten Auswirkungen des Klimawandels – vor kurzer Zeit starke Unwetter, Überschwemmungen und Hochwasser – wollen wir als Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen angehen. So sollen Hochwasserkatastrophen verhindert werden. Das wird viel Geld kosten. Geld, das die kommunale Ebene der Städte, Gemeinden und Kreise nicht hat. Daher müssen sie finanziell durch Länder und Bund unterstützt werden. Gleichzeitig müssen Planungen der Städte und Gemeinden für neue Baugebiete kritisch überprüft werden, sodass Flüsse mehr Raum als früher erhalten oder Regenrückhaltebecken gebaut werden. Unsere Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat dazu viele Projekte und Programme – zum Beispiel zum Hochwasserschutz – angestoßen und auch Vorschläge für mehr Klimaschutz gemacht.

Vor allem in Überschwemmungsgebieten innerhalb von Ortschaften ist das Bauen nur in Ausnahmefällen zulässig. Hierfür haben wir ein Gesetz beschlossen, damit Bauvorhaben die Hochwasserschutzbelange vor Ort und in den Nachbargemeinden besonders berücksichtigen. Auch für andere Hochwasser-Risikogebiete gelten seitdem strengere Auflagen an eine hochwassersichere Bauweise.”

CSU

“Klimaschutz ist präventiver Hochwasserschutz: Bayern hat sich daher das ambitionierte Ziel gesetzt, bereits im Jahr 2040 klimaneutral zu sein. Wir wollen im Freistaat insgesamt 22 Milliarden Euro investieren, um diese Vorgabe zu erreichen. Auf Bundesebene setzen wir uns mit Blick auf den Klimawandel beispielsweise für einen schnelleren Ausstieg auf der Kohleverstromung bis 2030 oder für eine Solarpflicht auf allen Neubauten ein.

Trotz aller Klimaschutz-Anstrengungen müssen wir uns aber an die bereits eingesetzten Klimaveränderungen anpassen: Dazu gehört, sich auf häufigere Extremwetter-Ereignisse vorzubereiten. Um Hochwasser-Katastrophen zu verhindern, setzen wir uns für den naturnahen Binnen- und Außendeichbau ein und wollen Anreize für die Renaturierung von Bächen und Auen setzen. Retentionsflächen wollen wir erhalten, und auch der Bau von Flutpoldern ist ein wichtiger Bestandteil der Sicherheitsvorkehrungen.

Beim Schutz vor Hochwasser dürfen wir den Blick aber nicht nur auf die großen Gewässer lenken, jeder kleine Bach kann sich innerhalb weniger Minuten in einen reißenden Strom verwandeln, wie sich zuletzt auf dramatische Weise gezeigt hat. Daher müssen wir die Gefahrenlage in jeder einzelnen Kommune genau überprüfen. Fördermittel zum Hochwasserschutz stehen in ausreichender Höhe zur Verfügung, sie werden bisher aber nur zögernd abgerufen. Mit einem verpflichtenden Hochwasser-TÜV wollen wir in Bayern dafür sorgen, dass die Gelder künftig schneller für geeignete Maßnahmen verwendet werden. Unabhängige Experten sollen die Gefahrenlage für Hochwasser in jeder Kommune in einem Praxis-Check bewerten und Empfehlungen zum Hochwasserschutz abgeben. Hochwasserschutz ist die beste Form der Klimaanpassung.”

FDP

“Wir Freien Demokraten wollen einen handlungsfähigen Staat. Dazu gehört, dass der Staat seine Bürgerinnen und Bürger auch im Katastrophenfall bestmöglich schützt. Wir streben auch hier eine umfassende Modernisierung unseres Landes an. Um die Menschen künftig besser vor Hochwasser-Katastrophen zu schützen, wollen wir ein niedrigschwelliges und digitales Frühwarnsystem aufbauen. Mit der Mobilfunk-Infrastruktur sind Warnungen per SMS auf jedes Handy in einem Gefahrenbereich leicht umsetzbar. Aktuell behindert die geltende Rechtslage diesen Cell-Broadcast, der in anderen Ländern längst üblich ist. Das wollen wir ändern.

Für den Fall, dass Strom und Mobilfunk ausfallen, müssen weitere Kommunikationsmittel wie Sirenen und Lautsprecher zur Verfügung stehen. Zudem wollen wir das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ausbauen und so die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen optimieren. Wir wollen darüber hinaus klären, ob und wie die Meldungen des EU-Flutwarnsystems früher an die Menschen hätten gelangen können. In unserem Wahlprogramm fordern wir mehr Mittel und eine bessere Ausrüstung der Bundeswehr. Die aktuelle Katastrophe zeigt, wie wichtig der Einsatz unserer Soldatinnen und Soldaten auch bei nationalen Katastrophenfällen ist. Ganz grundsätzlich wollen wir Investitionen in die Kernfunktionen unseres Staates stärken.”

Die Linke

“Regen fällt vom Himmel. Aber dass sich schwere Unwetter häufen, hat seine Ursache im menschengemachten Klimawandel. Hitzerekorde, Waldbrände, Starkregen und Überschwemmungen – all diese Phänomene nehmen zu und gefährden das Leben und die Existenz von Menschen.  Den Klimawandel aufzuhalten, ist daher eine Überlebensfrage der Menschheit. Wir dürfen beim Klimaschutz nicht länger auf kurzfristige Interessen der Wirtschaft Rücksicht nehmen, angesichts der dramatischen Folgen. Wir müssen viel schneller weg von Kohle und Öl. Energie, Verkehr und Wohnen müssen so umgebaut werden, dass sie nicht länger schädlich fürs Klima sind.

Diese dringend notwendigen Maßnahmen, auch wenn sie sofort und konsequent umgesetzt werden, können die Klimaerwärmung nur begrenzen. Deshalb müssen wir auch Vorkehrungen treffen, um Städte und Gemeinden auf Extremwetter-Phänomene wie Hitzesommer, Stürme und Hochwasser-Katastrophen vorzubereiten, bestmöglich vorherzusagen und abzumildern.

Maßnahmen wie Bodenentsiegelung, Renaturierung, Begrünung von Stadtgebieten sind wesentliche Bausteine, um auf die Herausforderungen vorbereitet zu sein. Dazu gehört auch festzustellen, welche Gebiete noch als sicheres Bauland gelten und wo zum Beispiel potentielle Überflutungsgebiete liegen. Die Klimafolgenforschung leistet hier seit vielen Jahren wichtige Arbeit, und ihre Erkenntnisse müssen endlich politisch ernst genommen und umgesetzt werden.

Notwendig ist auch, den Katastrophenschutz zu stärken, allem voran die Warnung und die Evakuierung der Bevölkerung. Hier gibt es offensichtlich bislang große Defizite, die in der aktuellen Flutkatastrophe vielen Menschen das Leben gekostet haben.

Allen sollte klar sein, dass wir nach dieser Katastrophe nicht einfach zur Tagesordnung übergehen dürfen.”

Bündnis 90/Die Grünen

“Die Wassermassen kosteten viele Menschen das Leben, rissen Existenzen davon und zerstörten Heimat – die aktuelle Flutkatastrophe lässt uns alle tief betroffen zurück, und unsere Anteilnahme und Solidarität gilt denen, die ihre Angehörigen verloren haben und vor dem Nichts stehen. Unser Dank und unsere Anerkennung geht an die vielen haupt- und ehrenamtlichen Helfer*innen, die unermüdlich retten und räumen. Wir müssen jetzt zunächst dafür sorgen, dass Hilfen schnell und unkompliziert bei den Menschen vor Ort ankommen.

Die Flutkatastrophe führt uns schmerzlich vor Augen, dass die Klimaerhitzung nicht nur auf weit entfernten Pazifikinseln zur Bedrohung wird, sondern auch bei uns in Deutschland spürbare Folgen hat. Dagegen müssen wir uns dringend besser wappnen. Wir Grüne fordern deshalb, Katastrophenschutz und Wettervorhersagen stärker zu verzahnen und eine zentrale Koordinationsstelle beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zu schaffen, die in unübersichtlichen Lagen die Hilfen koordiniert. Auch gilt es, die Menschen besser zu warnen, vorzugsweise auf mehreren Wegen wie Cell-Broadcasting, Warn-Apps oder die klassische Sirene. Außerdem müssen Hochwasserrisiken insgesamt neu bewertet und die Bevölkerung regelmäßig über geeignete Schutzmaßnahmen informiert werden.

Die beste Vorsorge gegen Hochwasser ist es, das Wasser ‘in der Landschaft’ zu halten, damit sich Starkregen gar nicht erst zu solchen Wassermassen auftürmen kann. Das gelingt, indem wir unter anderem neue Überflutungsgebiete schaffen, Flächen entsiegeln, die Kommunen zu klimafesten Schwammstädten umbauen und die Fließgeschwindigkeit durch natürliche Hindernisse im Flusslauf reduzieren. Ergänzend dazu müssen wir auch auf technischen Hochwasserschutz setzen, wie etwa Rückhaltebecken, mobile Hochwasserwände sowie die Ertüchtigung von Wällen und Deichen.

All diese Maßnahmen bekämpfen lediglich die Symptome der Klimaerhitzung, doch selbstverständlich müssen wir auch an die Ursachen ran: Deshalb pochen wir Grünen vehement darauf, das Klimaabkommen von Paris umzusetzen. Wir wollen die Wirtschaft ökologisch modernisieren, schnell aus der Kohle aussteigen, klimaschädliche Subventionen abbauen und einen höheren CO2-Preis bei gleichzeitiger sozialer Entlastung von Kleinverdiener*innen und Familien einführen.”

29. Juli 2021 – Erdüberlastungstag — Übersicht (Für Deutschland bereits am 05. Mai 2021)

Earth Overshoot Day 2019: Ressourcen verbraucht in Deutschland

Eine kleine Auswahl an Presse-Berichten zum Weltüberlastungstag (wird kontinuierlich fortgeschrieben) :

Hintergrund :

Presse Berichte

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(Hinweise zu weiteren wichtigen Beiträgen bitte an
boklima (at) boklima (dot) de )

Klimaschutz: Autarkes Wohnen im Wasserstoff-Haus

(25.07.21 , aus capital ) , Original : hier

Wasserstoff ist mittlerweile auch im Eigenheim angekommen. Dank einer Kombination aus Solarenergie und Wasserstoff können Verbraucher vollständig autark und klimaneutral wohnen – doch dafür müssen sie derzeit noch tief in die Tasche greifen von Marilena Piesker 25. Juli 2021

Hausbesitzer könnten in Deutschland künftig völlig autark leben: Denn dank Wasserstoff lassen sich Strom und Wärme einfach zu Hause produzieren. Das Prinzip dahinter ist simpel: Solarmodule auf dem Dach sammeln Sonnenenergie, die sich mittels Elektrolyse in Wasserstoff umwandeln lässt. Eine Brennstoffzelle im Keller des Hauses macht aus dem Wasserstoff Strom und speist ihn ins Haus ein.

Energie, die nicht genutzt wird, verbleibt in einem Speicher. Bei dem Prozess entsteht zusätzlich Wärme, die Hausbesitzer zum Heizen verwenden können. Das Neue daran: Weil der selbstproduzierte Solarstrom den Wasserstoff generiert, sind Strom und Heizung klimaneutral – sie verursachen also keine CO2-Emissionen mehr.

Verbraucher, die Elektrizität und Wärme mit Wasserstoff erzeugen, sparen nicht nur Strom- und Heizkosten, sondern schonen zugleich auch die Umwelt. Dennoch setzen in Deutschland immer noch die wenigsten Hausbesitzer auf diese Technologie. Der Grund: Wer mit Hilfe von Wasserstoff autark leben will, muss derzeit noch viel Geld in die Hand nehmen. Oft rechnet sich die Investition erst nach einigen Jahren und längst nicht jeder Wasserstoff ist auch klimaneutral.

Nutzung von Brennstoffzellen-Heizungen

Eine Möglichkeit, Wasserstoff zu Hause zu nutzen, besteht in der Installation von Brennstoffzellen-Heizungen. Die Nachfrage danach ist groß, wie eine Umfrage des Portals Hausfrage.net zeigt: Demnach möchten rund 31 Prozent der deutschen Verbraucher in Zukunft auf eine Brennstoffzellen-Heizung umsteigen.

ImmobilienSo rentiert sich die Solaranlage auf dem DachViele Hausbesitzer hätten gern eine Solaranlage auf dem Haus, scheuen aber die Kosten. Dabei sind Solarmodule inzwischen nicht nur effizienter, sondern auch deutlich günstiger als früher. Welche Renditen möglich sind und worauf Eigentümer achten sollten

Zwar funktionieren die meisten Brennstoffzellen-Heizungen ähnlich wie eine klassische Gasheizung mit Erdgas. Allerdings verbrennen sie dieses Gas nicht, sondern erzeugen Wärme und sogar Strom stattdessen mittels einer chemischen Reaktion: Aus dem Erdgas wird zunächst Wasserstoff gewonnen, der dann mit dem Sauerstoff aus der Umgebung reagiert.

Brennstoffzellen sind im Vergleich zu anderen Heizsystemen sehr effektiv. Laut einer Studie der deutschen Gaswirtschaft lassen sich mit dieser Technologie im Schnitt bis zu 66 Prozent an Energiekosten einsparen im Vergleich zu einer klassischen Gasheizung.

Ein weiterer Vorteil: Brennstoffzellen-Heizungen sind relativ emissionsarm. Im Schnitt verbrauchen sie 69 Prozent weniger CO2 als ein klassischer Gas-Heizkessel. Da die Brennstoffzelle Wasserstoff aus fossilem Erdgas gewinnt, ist diese Form des Heizens allerdings nicht klimaneutral. Diese Form des Wasserstoffs bezeichnet man auch blauen Wasserstoff.

Anmerkung BoKima :

Zitat:
Von der staatlichen Förderbank KfW können Interessenten zurzeit einen Zuschuss von bis zu 10.000 Euro für ein Brennstoffzellen-Heizung bekommen, und sogar bis zu 15.000 Euro für die Installation des regenerativen Picea-Systems.

Die Förderung der Brennstoffzellenheizung auf Basis von Erdgas ist klimaschädigend und müsste sofort eingestellt werden.

Einsatz von Photovoltaik

Wasserstoff lässt sich aber auch aus regenerativen Energien wie Photovoltaik gewinnen. Diese Variante wird als sogenannter grüner Wasserstoff bezeichnet.  Das Besondere daran: Wenn Solarenergie in Wasserstoff umgewandelt wird, lässt er sich speichern. Dieser Vorgang macht den Solarstrom sogar im Winter nutzbar, weil sich der überschüssige Wasserstoff in einem Tank speichern lässt.

Deutschlandweit ist bisher allerdings nur ein Anbieter dieser regenerativen Technik bekannt. Das Berliner Start-up Home Power Solutions (HPS) hat mit Picea einen Speicher entwickelt, der Hausbesitzern das gesamte Jahr über eine vollständig CO2-freie Energieversorgung garantieren soll.

Preis schreckt viele ab

Doch so romantisch das autarke Leben auch klingt und so wichtig die Umstellung auf Wasserstoff für den Klimawandel langfristig ist – sie hat für Verbraucher auch ihren Preis und der schreckt viele ab. Egal ob Eigenheimbesitzer auf die Brennstoffzellen-Heizung mittels Erdgas oder regenerativer Energien umsteigen wollen – die Anschaffung ist in jedem Fall teuer und amortisiert sich erst nach vielen Jahren.

Dabei müssen Verbraucher, die klimaneutral heizen wollen, nochmal deutlich tiefer in die Tasche greifen: Während Eigenheimbesitzer für eine Brennstoffzellen-Heizung mit Erdgas durchschnittlich 30.000 Euro an Anschaffungskosten hinlegen müssen, kostete das regenerative System Picea im Schnitt zwischen 70.000 und 100.000 Euro. Käufer sparen zwar erheblich an Energiekosten ein, trotzdem amortisiert sich die Anschaffung einer Brennstoffzellen-Heizung erst nach knapp 15 Jahren, die von Picea sogar erst nach 26 Jahren.



Tip von Ingo

Deutschland 2050 – Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird (WDR5-Quarks, Gespräch mit dem Autor)

Aprikosen aus Hamburg, Kühlräume für Berlin und Hochleistungskühe im Hitzestress.

(25.07.21, WDR5-Quarks) Ab Minute 15:15
Gespräch mit Nick Reimer

  • (31:25′) Wir müssten unsere Lebensweise ändern – wer will das
  • (33:10′) grönländisches Eisschild taut nach unten , es kann nicht mehr aufgehalten werden
  • (33:41′) Wenn der abschmilst dann steigt der Meeresspiegel um 7m – Emden liegt auf 1m.
  • (33:58′) (Alle Eisschilde schmelzen) — Düsseldorf wäre dann weg


Spätestens die Hitzesommer 2018 und 2019 sowie die auch 2020 anhaltende Trockenheit haben es deutlich gemacht:

Der menschengemachte Klimawandel ist keine Bedrohung für die ferne Zukunft ferner Länder, der Klimawandel findet statt – hier und jetzt. Doch welche konkreten Auswirkungen wird er auf unser aller Leben in Deutschland haben? Selbst wenn es Deutschland und der Welt gelingen sollte, den Ausstoß von Treibhausgasen in den nächsten Jahrzehnten drastisch zu reduzieren – bereits jetzt steht fest: Das Klima in Deutschland verändert sich.

Im Jahr 2050 wird es bei uns im Durchschnitt mindestens zwei Grad Celsius wärmer sein. Was sind die praktischen Konsequenzen dieses Temperaturanstiegs? Wie wird unser Leben in Deutschland in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts konkret aussehen, wenn es immer heißer, trockener und stürmischer wird? Welche Anpassungen werden nötig und möglich sein? In ihrem neuen Buch geben die Autoren Nick Reimer und Toralf Staud konkrete Antworten auf die Frage, wie der Klimawandel uns in Deutschland treffen wird. Auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse aus zahlreichen Forschungsfeldern schildern sie, wie wir in dreißig Jahren arbeiten, essen, wirtschaften und Urlaub machen. Welche neuen Krankheiten uns zu schaffen machen. Wie sich unsere Landschaft, unsere Wälder, unsere Städte verändern.

Entstanden ist eine aufrüttelnde Zeitreise in die Zukunft: Selbst wenn wir den Klimawandel noch bremsen können, wird sich unser Land tiefgreifend verändern. Ohne verstärkten Klimaschutz jedoch wird Deutschland 2050 nicht wiederzuerkennen sein


„Deutschland 2050. Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird“- Es wird bald sehr ungemütlich

(22.06.21) Besprechung bei Deutschlandfunk Kultur , Original : hier (Von Günther Wessel)

Das Wasser wird knapp, Schienen verbiegen sich und es wird Kälteräume brauchen. In knapp 30 Jahren wird sich vieles in Deutschland wegen des Klimawandels ändern. Was genau, das beschreiben Nick Reimer und Toralf Staud erschreckend realistisch.

Die beiden Journalisten Nick Reimer und Toralf Staud haben für ihr Buch „Deutschland 2050. Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird“ mit zahlreichen Wissenschaftler*innen gesprochen, unter anderem mit denen vom Deutschen Wetterdienst. Deren Prognose: 2050 wird es in Deutschland zwischen 1,9 bis 2,3 Grad Celsius wärmer sein als 1881, egal was wir tun. Denn die CO2-Mengen, die dann das Klima bestimmen werden, sind schon längst in die Atmosphäre emittiert.

Detailliert bröseln Reimer und Staud auf, was zwei Grad Erwärmung für uns Menschen konkret bedeutet: Das Leben in Deutschland wird ungemütlich.

Gab es beispielsweise im Südwesten von 1971 bis 2000 im Schnitt an 30 Tagen Temperaturen von über 25 Grad Celsius, werden es Mitte des Jahrhunderts bis zu 80 Tage sein – bei Spitzenwerten von 45 Grad. In Stuttgart wird es an 70 Tagen heißer als 30 Grad Celsius sein. In Hamburg herrscht dann ein Klima wie heute in Pamplona, in Berlin wie in Toulouse.

Kälteräume, Überschwemmungen, veränderte Landwirtschaft

Städte werden Kälteräume einrichten müssen und Altenheime müssen dauerhaft klimatisiert sein.

Außerdem wird es im Winter mehr, im Sommer weniger regnen und wenn, dann mehr als Starkregen mit Überschwemmungen. Trotzdem nimmt die Trockenheit zu, da der ausgedörrte Boden das Wasser nicht aufnehmen kann. Der sinkende Grundwasserpegel gefährdet die Wasserversorgung, und Konflikte um Wassernutzung sind programmiert.

Kaum eine Folge der Erwärmung bleibt so unerwähnt und genau das macht dieses Buch so lesenswert. Alles ist nachvollziehbar beschrieben. Denn Reimer und Staud haben fleißig die Ergebnisse verschiedener Studien zusammengetragen. Nichts dabei ist Kaffeesatzleserei, alles ist wissenschaftlich fundiert und abgesichert.

Leider, muss man sagen, denn die Befunde sind bedrohlich: So sind von den in Deutschland vorkommenden 71.900 Tier- und Pflanzenarten 30 Prozent durch den Klimawandel bedroht.

Zahlreiche einheimische Tiere sind bedroht

Die Brockenanemone wird ganz sicher aussterben. Das Hahnenfußgewächs gedeiht nur noch auf dem höchsten Gipfel des Harzes, denn es braucht bestimmte niedrige Temperaturen, aber die wird es in ein paar Jahren auf dem Brocken nicht mehr regelmäßig geben.

Oder der Moselapollofalter: Diese Schmetterlingsart kommt weltweit nur an der Mosel vor, wo sich die Raupen von der weißen Fetthenne ernähren. Normalerweise schlüpften die Raupen erst im April, jetzt aber wegen des fehlenden Frostes immer früher, und finden dann kein Futter, weil die Fetthenne noch nicht herangewachsen ist. Selbst Igel und Kuckuck werden 2050 bedroht sein.

Dafür wird es mehr asiatische Tigermücken geben, die das Denguefieber verbreiten können. Die Mückenart wurde 2007 erstmals im Südwesten Deutschlands nachgewiesen und wird sich bis 2050 im ganzen Land verbreitet haben.

Beeindruckende Lektüre

Den beiden Autoren ist ein beeindruckendes und irritierendes Buch gelungen. Beeindruckend ob der Faktenfülle und der Anschaulichkeit, irritierend, weil der Klimawandel, die Klimakrise so nahe rückt. Das Fazit: Alles wird sich ändern, wenn wir nichts ändern.

Nick Reimer/Toralf Staud: „Deutschland 2050. Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird“
Kiepenheuer & Witsch 2021
388 Seiten, 18 Euro