Solarenergie: Saubere Sache mit Zukunft?

( 11.05.21, aus der ard mediathek, zum Video : hier )

Welches Potenzial hat die Sonnenergie? Grünen Strom kann sie liefern. Doch kann sie sogar mehr?

Quarks zeigt, was Solarenergie noch alles kann und wo sie jetzt schon erfolgreich eingesetzt wird.

Solarenergie – Saubere Sache mit Zukunft? –

Expertinnen sehen noch ein riesiges Potential, deutlich mehr Energie aus Sonnenenergie zu gewinnen, als das bisher der Fall ist. Die Sonne strahlt immerhin jedes Jahr mit einer Energie von über 1.000 Kilowattstunden auf jeden Quadratmeter Deutschlands. Davon kann aber nur ein Teil genutzt werden. Deshalb testet Quarks, unter welchen Voraussetzungen sich die Solaranlage auf dem Dach lohnt. Oder auf dem Balkon: denn es gibt mittlerweile sogar Solarpanels, die auch Mieter installieren können!

E-Autos, die ihren eigenen Strom mit Solarzellen auf der Karosserie erzeugen? Noch für dieses Jahr versprechen Hersteller die ersten Modelle. Ist das nur ein Marketing-Gag oder eine ernsthafte Option für Nahstrecken? Quarks geht auf Solar-Testfahrt.

Welches Potential steckt noch in der Sonnenenergie? Könnte man mit Hilfe der energiereichen Sonnenstrahlung auch direkt umweltfreundliche Treibstoffe herstellen? Quarks besucht den Solarturm Jülich, an dem Forscher an dieser neuen Solartechnik arbeiten – mit vielversprechenden Ergebnissen.

Effizientere Solarzellen, Solaröfen, künstliche Photosynthese: viele Expertinnen sind davon überzeugt, dass die Zukunft der Solarenergie erst anfängt. Quarks stellt die neuesten Entwicklungen vor und prüft sie auf ihre Praxistauglichkeit.

Warum gute Klimapolitik Deutschlands Zukunft sichert

( 18.04.21 – Original bei spiegel.de : hier )

Eine Kolumne von Christian Stöcker

Klimaschutz muss man eben machen, aber er schadet der Wirtschaft – so sehen das viele Politiker. Das ist ein gefährlicher Irrtum. Klimapolitik entscheidet, ob Deutschland als Wirtschaftsstandort konkurrenzfähig bleibt.

Die deutsche Volkswirtschaft und ihre Zukunft sind das zentrale Anliegen von zumindest drei derzeit im Bundestag vertretenen Parteien.
… Diese: Klimapolitik wird man zwar irgendwie machen müssen, aber im Grunde ist sie so etwas wie ein wirtschaftlicher Hemmschuh.

Müsste man keine Klimapolitik machen, dann wäre das irgendwie besser. Dieses Gefühl hat man, wenn man zum Beispiel Armin Laschet oder den Klima- und Energiepolitikern der Union zuhört. Gut, vielen dieser Klima- und Energiepolitikern hört jetzt erst mal niemand mehr zu, weil sie aufgrund von Skandalen und undurchsichtigen Nebentätigkeiten ihre Ämter verloren oder aufgegeben haben.

Dass gute Klimapolitik schlechte Wirtschaftspolitik ist, ist aber, volkswirtschaftlich und mittelfristig betrachtet, absoluter Unsinn. …

Heute Ministerpräsident, morgen Kohlemanager

….

Bei der Kohlebranche ist die Sache relativ einfach: Ihr Geschäftsmodell hat keine Zukunft. Von allen fossilen Energieträgern produziert Kohle mit Abstand die größte absolute Menge an CO₂. Kohle muss raus aus dem Energiemix, je schneller, desto besser. 2038 ist nicht schnell, es ist viel zu spät. Bis 2038 damit weiterzumachen, gepolstert mit üppigen Summen vom Steuerzahler, ist für die Kohlebranche gut, für die deutsche Volkswirtschaft schlecht. Es verhindert nämlich, dass mit dem nötigen Druck am absolut zwangsläufigen Umbau unserer Energieversorgung gearbeitet wird. Als ob man lieber noch ein paar Jahre auf Schreibmaschinen schreibt, weil man noch so viele davon hat.

Buchhinweis : Christian Stöcker , Das Experiment sind wir: Unsere Welt verändert sich so atemberaubend schnell, dass wir von Krise zu Krise taumeln. Wir müssen lernen, diese enorme Beschleunigung zu lenken.
Herausgeber: Karl Blessing Verlag Seitenzahl: 384 Für 22,00 €

Die kuriosen Positionen der FDP

Bei der Automobilbranche ist die Situation noch kurioser. FDP-Chef Christian Lindner zum Beispiel liebt Verbrennungsmotoren anscheinend noch mehr als die deutsche Automobilindustrie, obwohl er doch sonst ständig von »Innovationen« redet. Die FDP spricht sich für einen möglichst langen Erhalt des Verbrennungsmotors und für möglichst keine Förderung für Elektroautos aus (»Nicht noch mehr Milliarden«).

Skurrilerweise wird dieses benzin-ideologisch motivierte Festhalten an einer sterbenden Technologie weiterhin mit vermeintlicher wirtschaftlicher Vernunft begründet. Der baden-württembergische FDP-Vorsitzende Michael Theurer ist sogar der Meinung, die Regierung »zerstöre« die Automobilindustrie. Er befürchtet »das Ende des Autobaus in Deutschland«.

Die schlechte Studie des VDI

Von den Liebhabern des Benzinverbrennens wird in letzter Zeit permanent eine Studie des VDI zitiert, die angeblich belegt, dass Elektroautos gar kein CO₂ einsparen. In Wahrheit belegt sie das nicht, lustigerweise kann man das sogar in Artikeln nachlesen, die die FDP selbst auf ihren Webseiten als Argument für das Gegenteil verlinkt. ….

Der zweite längst als Quatsch entlarvte Mythos: Die Transformation der Automobilindustrie werde gigantische Jobverluste erzeugen. Auch das ist mittlerweile widerlegt.

Die FDP weiß es besser als Daimler und VW

….

Klimaschutz-Turbo für Deutschland (WAZ, 06.05.21) – Kommentar

Kommentar zu untenstehendem WAZ-Artikel vom BoKlima-Sprecher :

Und hier der Artikel :

Kennt unsere Umweltministerin Svenja Schulze die bereits im Dez. 2015 beschlossene 1,5°-Grenze nicht? Weis sie nicht dass wir nur noch 4200 Mill. t CO2 emittieren dürfen wenn sie eingehalten werden soll:

https://www.wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/5169  ,   
https://www.wupperinst.org/fa/redaktion/downloads/projects/CO2-neutral_2035_Factsheet.pdf  

Selbst dann überschreiten wir die 1,5°-Grenze mit 50 % Wahrscheinlichkeit.
Eine Überschreitung von höchstens 33 1/3 % ist bereits nicht erreichbar (Auskunft des Wuppertalinstituts).

Schulze will 25 Mill. t pro Jahr einsparen.

Dann überschreiten wir unser Kontingent bereits 2025.
(s. Anhang.)

WEGE ZU EINEM KLIMANEUTRALEN ENERGIESYSTEM (Frauenhofer Institut für solare Energie-Systeme )

Die deutsche Energiewende im Kontext gesellschaftlicher Verhaltensweisen

(Febr’ 2020) Philip Sterchele, Julian Brandes, Judith Heilig, Daniel Wrede, Christoph Kost, Thomas Schlegl, Andreas Bett, Hans-Martin Henning

Vorwort

Die Studie »Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem – Die deutsche Energiewende im Kontext gesellschaftlicher Verhaltensweisen« wurde am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Eigenforschung erstellt und durch Arbeiten im BMBF-geförderten Projekt Kopernikus-ENavi unterstützt. Die wesentliche Motivation war es, zu untersuchen, welche Einflüsse spezifische gesellschaftliche Verhaltensweisen und Einstellungen auf den Fortgang der Energiewende haben und wie sich dies mit Blick auf notwendige Investitionen und Kosten für den Umbau des Energiesystems auswirkt.

Wir danken allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die an der Erstellung dieser Studie mit-gewirkt haben. Diese Gruppe ist weit größer als die genannten Autorinnen und Autoren. Insbesondere die große Expertise innerhalb des Instituts zur Frage der zukünftigen Kosten- und Performanceentwicklung wesentlicher Technologien war äußerst wichtig und hilfreich, um die durchgeführten Modellrechnungen auf eine solide Basis zu stellen.

Wir hoffen, dass wir mit dieser Analyse und den dargestellten Ergebnissen einen wertvollen Beitrag zu einer sachlichen Diskussion liefern. Ihre Fragestellung betrifft die Machbarkeit eines klimaneutralen Energiesystems, das im Wesentlichen auf zwei Hauptsäulen, dem Einsatz erneuerbarer Energien und einer höheren Effizienz bei der Wandlung und Nutzung von Energie, basiert.

Freiburg, 13. Februar 2020


Tip von Ingo

Eine Welt ohne Autos (ARD-Mediathek)

(ARD – HR , Original : hier )

Eine Welt ohne Autos

(Direkt zum Video : hier )

03.05.2021 ∙ Doku & Reportage ∙ hr-fernsehen

Kein Auto auf den Straßen – ist das möglich? Wie werden wir uns zukünftig fortbewegen? Fahrrad, Carsharing, autonome Autos? Was wollen wir?


Weitere Beiträge zum Thema

10 Gründe, warum wir (immer noch) ohne Auto leben

( 20.09.2019, aus weltwunder.de : hier )


Carless: Ist eine Welt ohne Autos möglich? Können wir ohne Auto leben?

( 28.08.20 von resetter.org , Original : hier )

Das Auto verkörpert Freiheit und Individualität. Gleichzeitig grenzt uns das Auto auch ein, weil wir die gesamte Welt um das Auto herum gebaut haben.

Eine Welt ohne Autos zu denken, scheint in einer Welt mit etwa 1.5 Milliarden Autos ein Ding der Unmöglichkeit. Oder doch nicht? Was wäre, wenn wir in den Städten wieder saubere Luft einatmen könnten und Fussgänger sowie Radfahrer plötzlich wieder unendlich viel Freiraum hätten? Wie können wir das Autozeitalter hinter uns lassen? Warum ist das Auto so wichtig in unserem Leben, dass wir ohne es fast nicht klarkommen? Solche Fragen diskutiert der Resetter mit dem Wiener Philosophen und Künstler Killian Jörg.

Autobahnen, Parkplätze, Parkhäuser oder – im Sommer 2020! – Autokino. Die Welt ist für das Auto gebaut. Ist ein Zurück zu einem autolosen Zustand überhaupt möglich? Ist eine autolose Welt eine Utopie oder ein realistisches Ziel? Wie könnten wir eine autolose Gesellschaft erreichen? Der Wiener Philosoph und Künstler Killian Jörg im Gespräch mit dem Resetter.

Kilian Jörg hat mir nach dem Gespräch noch eine Ergänzung zukommenlassen. Kilian meint, dass wir aufhören sollten, das Auto oder die Autofahrer immer nur zu kritisieren und zu verurteilen. Es gehe nicht darum, den Menschen etwas wegzunehmen, sondern….

Killian Jörg gehört zur Aktionsgruppe carless.earth. In Kürze erscheint sein Buch «Backlash Essays zur Resilienz der Moderne». Bei der Berliner Gazette hat Kilian kürzlich ausführlich über eine autolose Gesellschaft geschrieben.


Florian Keiper: Leben ohne Auto

( 01.06.20 aus jetzRettenWirDieWelt.de , Original : hier )

Leben ohne Auto | zum Video : https://www.youtube.com/embed/jYuwbl-dkiQ?feature=oembed&wmode=opaque

Florian Keiper: Leben ohne Auto | MOBILITÄT

Aktion: Autofrei leben

Leben ohne Auto – das können wir uns eigentlich gar nicht vorstellen. So weit will Florian Keiper von der Fahrrad-Bande Berlin auch gar nicht gehen. Doch er plädiert für einen bewussteren und auch autonomeren Gebrauch von Mobilität. Denn er weiß aus eigener Erfahrung, dass es schönere, bessere, bequemere und günstigere Möglichkeiten der Fortbewegung als das Auto gibt. Diese Erkenntnis möchte er gerne mit anderen teilen.

Eine Welt (fast) ohne Autos …

Als ich eine E-Mail bekomme, in der die Kampagne carEXIT der Fahrrad-Bande Berlin angekündigt wird, bin ich sofort Feuer und Flamme: Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen, wohne heute aber in der Stadt und hier wie dort stört mich diese unglaubliche Masse an Blech, Abgasen und Lärm schon sehr.

Eine Welt ohne Autos – oder, na gut, mit deutlich weniger Autos (vielleicht ein Viertel von dem, was wir heute ertragen müssen), das könnte ich mir sehr gut vorstellen. Es wäre eine solche Bereicherung, so viel mehr Lebensqualität, dass ich nicht ganz verstehen kann, warum nicht auch andere davon so sehr träumen, dass sie es einfach sein lassen mit dem eigenen Auto…

Ohne Autos müsste man keine Angst um seine Kinder, Hunde und Katzen haben. Ohne Autos wäre es wunderbar ruhig. Ohne Autos hätten wir alle ganz unglaublich viel mehr Platz! Ohne Autos hätten wir keine Abgase und keinen Feinstaub mehr und wären viel, viel gesünder. Ach, wäre eine Welt (fast) ohne Autos nicht ganz wunderbar? Ihr seht, ich kann mich sehr für die Idee begeistern – und deshalb habe ich auch gleich bei der Fahrrad-Bande um ein Skype-Interview gebeten und mit dem Rad-Afficionado Florian Keiper gesprochen.

Leben ohne Auto bringt viele Vorteile

Florian Keiper scheint es ähnlich zu gehen, wie mir: Auch er ist auf dem Land groß geworden und lebt nun in der Stadt (allerdings Berlin und nicht Hamburg). Auch er träumt von einer autofrei(er)en Welt. Auch er liebt das Radfahren. Anders als ich hat er sich aber schon viel mehr Gedanken gemacht, durch welche Unterstützung es auch anderen Menschen gefallen könnte, vom Auto auf’s Rad umzusteigen.

Deshalb hat er gemeinsam mit seinen Mitstreiter*innen bei der Fahrrad-Bande die Auto-Aussteiger-Kampagne carEXIT ins Leben gerufen. “Viele nutzen das Auto aus Gewohnheit und weil sie nicht darüber nachdenken, dass es bessere Alternativen gibt”, erklärt er. So kommt es, dass es irgendwann die irgendwie überflüssigen Fahrten für Kurzstrecken gibt, die man mit dem Fahrrad oder zu Fuß wirklich besser zurücklegen könnte.

Dabei ist man mit dem Fahrrad viel beweglicher, muss keinen Parkplatz suchen, kann so schnell oder langsam fahren wie man möchte (und steckt nicht im Stau). Man ist nach außen offen – kommt also mit anderen Menschen leichter in Kontakt. Und man ist viel freier und unabhängiger, denn ein Fahrrad muss man nicht betanken und man kann es meistens selbst reparieren. Kostengünstiger und gesünder ist das Rad zudem auch noch. “Viele von uns haben heutzutage Schreibtisch-Jobs, sodass ein bisschen Bewegung wirklich wichtig ist”, meint Florian.

Tipps für ein Leben ohne Auto

Weitere Tipps für ein Leben ohne Auto, bzw. den Umstieg auf’s Rad, gibt dir Florian Keiper in diesem Video-Interview. Außerdem haben wir eine Aktion, die dich ebenfalls Schritt für Schritt anleitet, wie du dein Leben nach und nach immer autofreier gestalten kannst. Interessiert? Dann klicke einfach auf den Button unten. Melde dich an und sammele Weltretter-Punkte für jede erledigte Aufgabe. So kannst du der Welt da draußen zeigen, dass auch dich dabei bist, unsere wunderbare, schöne Welt mit zu retten!

Aktion: Autofrei leben

Autofrei leben – das klingt so nach Freiheit. Doch bedeutet ein Leben ohne Auto nicht vielmehr Verzicht, Unbequemlichkeit und jede Menge Nachteile?Ich lebe ohne Auto und deshalb kann ich sagen, dass sich ein Leben ohne Auto für uns genauso gut und komfortabel anfühlt.

Aktion: Autofrei leben

Nach Urteil des Bundesverfassungsgerichts Ministerin Schulze kündigt Entwurf für neues Klimaschutzgesetz schon bis Ende der Woche an

(03.05.21 , aus dem tagesspiegel.de , Original : hier )

Der Entwurf soll ein Einsparziel für die Reduktion der Treibhausgase enthalten. In der Höhe will sich Svenja Schulze von ihren Sachverständigen leiten lassen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat angekündigt, bis zum Ende der Woche den Entwurf für eine Novelle des Klimaschutzgesetz vorzulegen. Laut der SPD-Politikerin soll darin soll auch ein neues Einsparziel für die Reduktion der Treibhausgase enthalten sein.
Bislang war geplant, die CO2-Emmissionen bis 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. „Wir arbeiten daran, schon in der kommenden Woche einen Gesetzentwurf vorzulegen, der auch ein neues deutsches Klimaziel für 2030 vorsehen wird“, sagte Schulze dem SPIEGEL.

In der Höhe wolle sie sich von ihren eigenen Sachverständigen leiten lassen. „Die Experten schätzen, dass das Ziel zwischen 62 und 68 Prozent liegen sollte. Ich nehme diesen Expertenrat sehr ernst.“

Schulze reagiert damit auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Donnerstag.

Als Reaktion will Schulze mit dem Koalitionspartner CDU neben jahresgenauen Einsparzielen bis 2050 auch neue Strommengen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien bis 2030 festlegen.

„Mehr Planungssicherheit erreichen wir, indem wir nicht nur bis 2030, sondern auch danach konkrete Vorgaben für den Übergang in Richtung Klimaneutralität machen.“

„Seine Nebelkerzenpolitik macht mich sauer“

Sie fordert auch den zuständigen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf, einen neuen Vorschlag vorzulegen. „Ich habe dazu im Winter einen Vorschlag gemacht, wonach das Ausbautempo bei Wind- und Solaranlagen in den 20er Jahren im Vergleich zu den bisherigen Planungen verdoppelt würde“, sagte Schulze dem SPIEGEL.

Auch Vizekanzler Olaf Scholz hat sich gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung bereits zu dem neuen Gesetzentwurf geäußert


Tip von Stefan

Greenwashing per Gesetz: Versorger liefern bis zu 58 Prozent weniger Ökostrom als offiziell angegeben


Siehe hierzu auch :


(29.04.21 aus spiegel.de , Original : hier )

Viele deutsche Stromversorger sind schmutziger, als sie tun.

Ein Gesetz will, dass sie ihren Ökostromanteil künstlich groß rechnen. Nach jahrelanger Kritik plant die Regierung nun eine Reform.
Von Stefan Schultz 29.04.2021.

Deutschlands Stromversorger liefern ihren Kundinnen und Kunden erheblich weniger Ökostrom, als sie offiziell ausweisen. Das geht aus einem Gutachten des Hamburg Instituts im Auftrag des Ökostromanbieters Lichtblick hervor.

Der Energiekonzern E.on zum Beispiel weist einen Ökostromanteil von 56 Prozent aus, obwohl erneuerbare Energien nur sieben Prozent seines Strommixes ausmachen. Der Versorger EnBW steigert seinen Ökostromanteil auf dem Papier von 13 auf 65 Prozent, das Unternehmen Vattenfall von 15 auf 66 Prozent. Insgesamt hat das Hamburg Institut 30 Versorger untersucht, die meisten davon sind schmutziger, als sie auf dem Papier ausweisen.

Ursache des groß angelegten Greenwashings ist die gesetzliche Stromkennzeichnung. In dieser muss jeder Versorger angeben, aus welchen Quellen er die Elektrizität für seine Kunden beschafft hat und wie viel Gramm CO₂ bei der Produktion einer Kilowattstunde seines Stroms verursacht werden.

In diesen Strommix müssen die Anbieter allerdings nachträglich Ökostrom reinrechnen, den sie gar nicht gekauft und geliefert haben:

, sondern beim Gesetzgeber«, stellt ein Lichtblick-Sprecher trocken fest. Mehr zum Thema Vermurkster Systemwechsel: 100 Dinge, die bei der CO2-Wende schieflaufen Eine Mängelliste von Stefan Schultz

Irreführung der Verbraucher

In den Anfangsjahren der deutschen Energiewende hatte diese Regelung womöglich ihre Berechtigung. Inzwischen aber ist der Anteil erneuerbarer Energien an der deutschen Stromversorgung stark gewachsen – und mit ihm sind auch die zusätzlichen Ökostromprozente immer höher geworden, die die Versorger auf ihren Strommix draufschlagen müssen.

Verbraucher werden so in die Irre geführt. Dazu wird der Wettbewerb verzerrt: Versorger, deren Strom größtenteils aus Kohlekraftwerken stammt, wirken auf dem Papier fast so klimafreundlich wie echte Ökostromanbieter.

Die Regierung will das veraltete Gesetz nun reformieren.


Info von Stafan

“Save The Green Deal! – Wie können wir den Europäischen Green Deal noch retten?” (Video Sven Gigold)

ShareSaveSven Giegold

Aufzeichnung der 85. Ausgabe von Europe Calling, dem digitalen Veranstaltungsformat von Sven Giegold, Sprecher der deutschen Grünen im Europaparlament.

( Youtube Link : hier )


die Europawahl war die erste Klima-Wahl überhaupt. Millionen Menschen sind auf die Straße gegangen. Ihre Forderung an die Politik: Nehmt die Klimakrise und die Wissenschaft endlich ernst!

Doch nun zeigt sich: Diese Rufe wurden nur vermeintlich gehört. Die neue EU Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen brachte zwar den “European Green Deal” auf den Weg. Der Deal sollte Europas “Man on the Moon”-Moment werden. Aber nun da es an die Umsetzung geht, fallen die großen Ankündigungen in sich zusammen. 

Die EU-Staaten, allen voran die deutsche Bundesregierung, blockieren jedes einzelne Vorhaben des Green Deals und schwächen die großen Ambitionen bis zur Unkenntlichkeit ab.

Vom Klima-Champion ist weit und breit keine Spur, sondern die Errungenschaften werden nach und nach abgebaut.  → Bei der EU-Landwirtschaftspolitik werden rund 400 Milliarden Euro verplant, die dem Klima noch mehr schaden, anstatt dass dieser klimaschädliche Sektor endlich zum Klimaschutz beiträgt.  → Bei der EU-Regelung für nachhaltige Finanzprodukte (EU-Taxonomie) drohen klimaschädliches Gas und tödliche Atomkraft als “nachhaltige Investition” beworben werden.  → Beim EU-Klimaziel, dem zentrale Orientierungspunkt des Green Deals, kommen statt der vom EU-Parlament geforderten 60 Prozent Treibhausgasreduktion nur 52,8 Prozent Reduktion raus. Ein Ende der klimaschädlichen Subventionen? Fehlanzeige!

Das Europäische Klimagesetz, der Pfeiler des Green Deals, steht auf Sand und versinkt gerade. Unter dem Druck ihrer nationalen Regierungen scheren nun Sozialdemokraten und Liberale aus der progressiven Klima-Allianz im Europaparlament aus und akzeptieren die schmutzigen Deals der Christdemokraten, der EU-Mitgliedstaaten und der EU-Kommission.

Es reicht! Wir lassen uns nicht länger abspeisen. Die EU Kommission, die Bundesregierung und die EU-Staaten müssen ihre Verantwortung für den Planeten und die junge Generation endlich ernst nehmen.

Während die USA unter Präsident Biden beim Klimaschutz mit einem Klimaziel von 57 Prozent Treibhausgas-Minderung auf die internationalen Bühne zurückkehren, blockiert Deutschland – unter der Federführung von Verkehrsminister Andreas Scheuer und Wirtschaftsminister Peter Altmaier.

Deshalb sagen wir: #SaveTheGreenDeal!
Unterschreibt unsere Petition gleich hier!
Denn noch ist das möglich! Es ist noch nicht vorbei. Auch wenn wir jetzt Rückschläge erleiden und die Gegner*innen von ambitionierter Klimapolitik es ausnutzen, dass niemand auf die Straße gehen kann. Wir kommen wieder. Im Sommer wird das größte Klimagesetzespaket vorgestellt, das es je in der EU gab. Dann werden die Klimaregeln für Autos, Energieeffizienz von Gebäuden und der entscheidende CO2-Preis festgelegt. Dieses Paket muss Europa auf den 1,5 Grad-Pfad bringen.

Hier setzen wir an, den Europäischen Green Deal zu retten. Wir fordern:  Ein EU-Kohleausstieg muss bis spätestens 2030 durch einen europäischen CO2-Preis in Europa von weit über 100 Euro geschehen.Keine neuen Autos mit Verbrennungsmotoren ab spätestens 2030.Alle Kräfte mobilisieren für 100 Prozent Erneuerbare Energien.

Hier entscheidet sich der Europäische Green Deal in der Umsetzung und hier werden wir kämpfen. Das bedeutet, wir werden Druck auf die Bundesregierung ausüben und alle Mitgliedstaaten und die EU Kommission. Rettet Europas Green Deal! Unterschreibt gleich hier und teilt den Link mit anderen: https://www.change.org/save-the-green-deal Mit entschlossenen europäischen Grüßen, Michael Bloss MdEP & Sven Giegold MdEP

( Tip von Ingo )


Weitere Links:

Michael Bloss EU

( orginal : hier )

21.04.2021

Jetzt erst recht: #SaveTheGreenDeal!

Liebe Alle,

Vor ca 30 Jahren war die erste Weltklimakonferenz. Damals war ich noch zu jung, um die Konsequenzen zu verstehen. Aber schrittweise dämmerte es mir. Ich engagierte mich in der Greenpeace Jugend und kam darüber in die Politik. Auch wenn Armin Laschet nicht das Warum verstand, war 2019 die erste Klima-Wahl überhaupt. Dank Euch, die ein Zeichen setzen wollten. Dass es dazu überhaupt kommen musste, ist natürlich ein Politikversagen, dass wir jetzt reparieren müssen.

Die Europawahl in Deutschland war ein Weckruf, für Armin Laschet, aber auch die gesamte Politik. Der jetzige CDU-Vorsitzende und frisch gekürte Kanzlerkandidat der CDU ließ damals tief in die Ratlosigkeit der Klima-Politik der Bundesregierung blicken. Was dann folgte, waren viele neue “Empty Promises.”

Denn trotz des Wahlergebnisses wurden auch auf europäischer Ebene diese Rufe nur vermeintlich gehört. Die neue EU Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) versprach den “European Green Deal” – Europas “Man on the Moon”-Moment. Viele blumige Worte, die jetzt aber im stillen Hinterzimmer-Kämmerlein von ihrer eigenen Partei zerpflückt wurden.

Das EU Parlament schritt voran

Aber beginnen wir vorne. Vor gut einem Jahr stellte die Kommission mit dem EU-Klimagesetz das Herzstück des Green Deals – die Rahmengesetzgebung, die mit ihren Emissionsminderungszielen die Richtschnur für die Klima-Ambitionen für die nächsten 30 Jahre festlegt. Zielmarke: Klimaneutralität 2050 und Klimaziel 2030 von 50 – 55 Prozent. Der Gesetzentwurf war eine Farce. Greta Thunberg nannte es eine Kapitulation vor der Realität. Der Green Deal von Kommissionspräsident Ursula von der Leyen bröckelte und doch blieb noch Zeit, es zu korrigieren.

Im Oktober legte dann das EU Parlament seinen Beschluss vor:

  • Ein Klimaziel von 60 Prozent bis 2030 – ohne Rechentricks.
  • Ein Treibhausgas-Budget
  • Ein unabhängiger EU Klimarat
  • Das Aus für fossile Subventionen
  • Ein Recht auf Klimaschutz
  • Die 2050 Klimaneutralität für alle EU-Staaten

Das war ein Meilenstein und ein wirklicher Klima-Hammer, den wir gegen Widerstände von Konservativen, den Rechten und in Teilen der Liberalen durchsetzen konnten. Das Parlament schritt voran und dafür habe ich gemeinsam mit euch über ein Jahr lang gekämpft.

Der EU Rat blieb stehen

Dann sollten die Verhandlungen mit dem EU Rat losgehen, aber der ließ auf sich warten. Wertvolle Wochen verstrichen und erst Ende Dezember legten sich die Mitgliedsstaaten auf ein unambitioniertes Ziel von minus 55 Prozent netto fest – also mit jeder Menge Rechentricks.

Rechentrick? Ja, weil die Senken nichts anderes bedeuten als Wälder, Moore und Co mit einzubeziehen, die im alten Klimaziel außen vor gelassen wurden. Und das aus gutem Grund. Denn brennt ein Wald ab oder gibt es eine schwere Dürre, verschiebt sich die Rechnung massiv. Ein Senkenziel birgt große Unbekannte und sollte vermieden werden.

Anfang 2021 begannen dann die Verhandlungen schrittweise um erste Punkte des EU-Parlamentsvorschlages, aber der Rat weigerte sich über das Klimaziel 2030 zu sprechen. Wieder verstrichen wertvolle Wochen und Monate, ohne dass wir irgendwie voran kamen.

Und dann musste auf einmal alles ganz schnell gehen. Bis zum 22. April 2021 sollte alles stehen, weil der Rat und die Kommission beim Earth Day zusammen vor den USA im Rampenlicht stehen wollten. Es ging um eine Show, obwohl sich nichts änderte. Denn Vizekommissar Frans Timmermans und der EU Rat bewegten sich beim Klimaziel noch immer nicht. Keinen Millimeter. Was bedeutete das? Nichts gutes fürs Klima. Wir endeten mitten in der Nacht bei 52.8 Prozent und einem Senkenziel, dass mehr Magie verspricht als wirklich konkret zu sein.

Auch bei den fossilen Subventionen ging der Rat nicht mit. Die sollen weiter in Diesel, Benzin, Kerosin und Co fließen. Das Recht auf Klimaschutz wurde fallen gelassen. Alles, was unbequem für die Regierungen ist, wird einfach blockiert. Oder anders gesagt: alles was tatsächlich Emissionen senkt, wurde gekürzt. Stattdessen verlässt man sich jetzt auf ein Russisch-Roulette-Klimaziel mit vielen Senken.

Immerhin konnten wir einen Klimarat und ein Treibhausgas-Budget etablieren – letzteres ist aber deutlich abgeschwächt und hat wenig Aussagekraft.

Der Green Deal löst sich auf

Diese Entwicklung im Green Deal ist systematisch. Erst wurde die Landwirtschaftsreform zur Lachnummer auf Kosten der Klimakrise, dann finden sich unfassbare fossile Schlupflöcher für Gas und Atomkraft in der EU Taxonomie für nachhaltige Finanzen und jetzt verkümmert das Klimagesetz in der Ecke. Ja, der Green Deal wurde groß angekündigt. Es wurden auch einige Fortschritte gemacht. Ich glaube sogar, Ursula von der Leyen will wirklich was bewegen. Und allein Dank Eures Drucks, meines Teams und der Arbeit meiner Parlamentskolleg*innen, konnten wir einiges retten. Aber ich bin ehrlich: das ist noch lange nicht genug. Weder für das Klima, noch für die Wirtschaft oder für ein gutes Leben auf einem lebendigen Planeten.

Der vormalige Klima-Champion, der die EU sein wollte, ist nicht zu sehen. Die Union, im EU-Parlament unter der EPP-Fraktion vertreten, scheint gemeinsam mit Rechten und teilen der Liberalen beschlossen zu haben, den Green Deal zu bekämpfen, anstatt der Klima-Realität in die Augen zu blicken.

#SaveTheGreenDeal

Das ist alles sehr bitter. Ich habe von der Leyens Worten geglaubt. Ich wollte ihnen glauben. Denn als Grüne im Parlament stellen wir nur keine Mehrheit und wir brauchen starke Verbündete in allen Reihen, die gegen die massive Lobbyarbeit der Öl- oder Gas-Industrie antritt, aber auch gegen Politiker*innen mit zweifelhaften Verbindungen in die fossile Industrie.

Jetzt aber reicht es für mich. Ich will mich nicht länger abspeisen lassen. Die EU Kommission und die Bundesregierung muss ihre Verantwortung für den Planeten und die junge Generation endlich ernst nehmen. Das macht mich wütend, aber es gibt mir auch Ansporn. Nach den heutigen Verhandlungen und dem schwachen Deal für das EU Klimagesetz, dürfen wir nicht aufgeben und müssen in die nächste Runde. Noch ist nichts verloren. Das EU-Parlament muss den Kompromiss noch einmal absegnen. Hier können wir ansetzen und die Klima-Wende schaffen.

Denn der nächste Dürresommer kommt bestimmt. Das nächste Extremwetter durch die Klimakrise kommt bestimmt. Und dann darf es nicht heißen, wir hätten von nichts gewusst.

Deshalb ist für mich klar: #SaveTheGreenDeal und unterschreibe die Petition, die ich gemeinsam mit meinem Kollegen Sven Giegold im Parlament aufgesetzt habe.

@klima.neutral – Der Instagramkanal zur Klimapolitik; Klimakiller mode (WDR)

Was hat die Klimakrise mit mir zu tun? Welche Maßnahmen der Politik helfen wirklich? Und welchen Akteuren sollten wir jetzt zuhören?

Themenwoche 10 – Klimamigration

https://www.instagram.com/p/COFzM96Hn8A/embed/captioned/?cr=1&v=13&wp=465&rd=https%3A%2F%2Fwww1.wdr.de&rp=%2Fnachrichten%2Flandespolitik%2Fklima-neutral-instagram-100.html#%7B%22ci%22%3A0%2C%22os%22%3A39200%7D

Inhaltsverzeichnis




Klimakiller Mode

( von wdr.de : hier )

Audio

Eine Frau näht an einer Jeans mit der Aufschrift "If you can catch me" in dem Slum Shastri Park am Fluß Yamuna im Osten von Delhi, Indien Audio starten, abbrechen mit Escape . 00:00:0000:07:46 Audio starten, abbrechen mit Escape

WDR 3 Resonanzen. 23.04.2021. 07:45 Min.. Verfügbar bis 23.04.2022. WDR 3.

Im Schnitt kauft jeder Deutsche 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr. Doch die Herstellung neuer Klamotten belastet unsere Umwelt massiv. Ein Gespräch mit Textil-Experte Manfred Santen über die CO2-Bilanz von Fast Fashion.

„Die Natur der Zukunft“ : Die Zeitbomben ticken schon

( 23.04.21 Original bei faz.net , hier , Von Christian Schwägerl )

Ein nuanciertes Bild der neuen Ökologie: Bernhard Kegel schildert, wie sich der Klimawandel auf die Natur auswirkt. Seine wichtigste Botschaft betrifft aber nicht Tiere und Pflanzen, sondern den Menschen.

Dass es, wenn wir Menschen die Atmosphäre weiter mit Kohlendioxid und Methan vollpumpen, immer heißer, in manchen Regionen der Erde viel zu trocken und in anderen viel zu nass wird, gehört inzwischen zum Allgemeinwissen. Doch die Klimakrise, in der wir uns befinden, ist kein rein physikalisches Phänomen. Nicht nur die Temperatur und die Verteilung des Wassers auf der Erde verändern sich, nein, alles gerät ins Rutschen, die gesamte Natur.

Die natürlichen Lebensgemeinschaften von heute, also etwa Wälder, Savannen, Korallenriffe und die Tundra, werden „in der Verteilung und Zusammensetzung, wie wir sie kennen, keinen Bestand haben“, warnt der Biologe und Autor Bernhard Kegel in seinem neuen Buch „Die Natur der Zukunft“. Anschaulich und kenntnisreich legt er dar, dass es sich nicht um einen Wandel handelt, wie er ganz normal ist für die Evolution, sondern um ein schnelles und gewaltiges Geschehen. Kegel schöpft dabei wie in früheren Büchern sowohl aus eigenem Erleben wie auch aus einem umfassenden Studium wissenschaftlicher Quellen, was sein Werk zugleich gut lesbar und lehrreich macht.

Warnende Töne

Die Natur gerät durch die Erwärmung schon heute in Bewegung. Nicht nur Tiere, auch Pflanzen reagieren auf die veränderten Klimabedingungen, werden seltener, weil sie mit den Veränderungen nicht mitkommen, oder auch häufiger, weil sich ihnen neue Territorien zur Besiedlung öffnen. In Deutschland etwa sei damit zu rechnen, dass sich Pflanzen wie die Beifuß-Ambrosie, die ursprünglich bei uns nicht heimisch war, aber warmes Klima mag, mit Ausnahme der hohen Gebirgslagen flächendeckend ausbreiten wird. „Für Allergiker ist das keine gute Nachricht“, schreibt Kegel. Schon heute macht diese äußerst allergene Pflanze vielen Menschen zu schaffen. https://aw.faz.net/api/book/3832181385

Zu den Vorzügen des Buchs zählt, dass der Autor kein schwarzweißes, sondern ein nuanciertes Bild der neuen Ökologie zeichnet. So stellt er auch dar, dass Neophyten, also pflanzliche Einwanderer, durchaus eine positive Rolle spielen könnten, wenn sie Funktionen in Ökosystemen übernehmen, die heimische Pflanzen nicht mehr ausfüllen können. Insgesamt überwiegen jedoch die warnenden Töne. Anhand eines früheren Temperaturmaximums der Erdgeschichte, an der Grenze von Paläozän zu Eozän vor rund 56 Millionen Jahren, führt Kegel seinen Lesern vor Augen, mit welchen Umbrüchen in der Natur bei starkem Anstieg von Kohlendioxid und Temperaturen zu rechnen ist: Von Massensterben von Meeresorganismen bis zur evolutionären Schrumpfung von Säugetieren hätten damals die Konsequenzen gereicht.

Eine existentielle Gefahr für viele Vogelarten

Dass die Natur diese Ereignisse verkraftet hat, dürfe uns nicht trösten: Die Phasen des Wandels seien für Lebewesen, die sie durchmachen mussten, oftmals existenzbedrohend gewesen. „Außerdem ist diese Krise (…) anders: Sie ist schneller, sie spielt sich in einer Welt ab, die vom Menschen völlig verändert wurde, in der Arten sich nicht mehr frei bewegen können, in der es überall Grenzen und Hindernisse gibt und in der viele Arten, ganze Ökosysteme bereits angeschlagen und in hohem Maße gefährdet sind“, warnt Kegel.

Akribisch beschreibt der Autor Prozesse, die bereits heute ablaufen. Während sich mancher darüber freuen wird, dass die Winter kürzer werden, bedeutet dies zum Beispiel für viele Vogelarten eine existentielle Gefahr. Die Rhythmen des Vogelzugs seien auf das bisherige Klima eingestellt. Kürzere Winter in Europa bedeuten, dass sich Insekten früher entwickeln. Das bekommen Vogelarten zu spüren, die zur gewohnten Zeit aus den Winterquartieren zurückkehren und deren Jungen dann nicht mehr weiche, gut verdauliche Larven vorfinden, sondern bereits weiterentwickelte Insekten mit härteren Körpern.

Ganze Ökosysteme sind bedroht

Auch physiologisch könnten viele Arten den Veränderungen nicht gewachsen sein, schreibt Kegel. Für Miesmuscheln und andere Meerestiere könnte der Ozean von morgen zu heiß werden. Zwar gebe es in jeder Population „Plastizität“, also Individuen, die mit Extremen besser klarkommen als andere, und zudem die Fähigkeit zur Adaptation, also zu einer schnellen Anpassung an neue Bedingungen. In der warmen Zukunft werde sich das Rad der Evolution aber schneller drehen: „Ob es reichen wird, um entstandene Lücken im Artenbestand wieder zu füllen und Tiere und Pflanzen schnell an den Klimawandel anzupassen, kann heute noch niemand beantworten.“

Dass ganze Ökosysteme bedroht sind, etwa Korallenriffe, und die Erderwärmung zur Ausbreitung von gefährlichen Krankheitserregern und sogar neuen Pandemien beitragen kann, verleihen den Ausführungen ihre Dringlichkeit: „Zeitbomben“ heißt ein Unterkapitel, „Defaunation“ ein anderes.