Saudi-Arabien, Japan und Australien Staaten sollen versucht haben, IPCC-Klimaberichte abzuschwächen (spiegel)

(21.10.21, spiegel.de) , original : hier

Ausstieg aus fossiler Energie nicht so dringend? Kurz vor der Weltklimakonferenz sorgt ein Datenleck für Wirbel: Laut einem Medienbericht versuchten Staaten und Lobbyverbände, auf einen Bericht des Weltklimarats einzuwirken.

Bis zum Start der Klimakonferenz COP26 in Glasgow sind es nur noch wenige Tage. Kurz vor dem Beginn am 1. November berichtet die »BBC« über ein Datenleck, das zeige, wie mehrere Staaten die Uno aufforderten, die Notwendigkeit einer schnellen Abkehr von fossilen Brennstoffen herunterzuspielen. Demnach zählen Saudi-Arabien, Japan und Australien zu diesen Ländern. Klimakrise

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Wohlhabende Industriestaaten sollen zudem infrage gestellt haben, ob finanzielle Zuwendungen an ärmere Staaten, die den Umstieg auf klimaschonende Technologien ermöglichen sollen, in den bisher genannten Umfängen wirklich nötig sind, heißt es in dem Bericht.

Die »BBC« verweist auf mehr als 32.000 geleakte Dokumente und Kommentare, die aus Regierungskreisen oder von Unternehmen und anderen Interessengruppen stammen. Damit soll versucht worden sein, Wissenschaftler, die an Zustandsberichten des Weltklimarats IPCC, einem Uno-Gremium, arbeiteten, zu beeinflussen.

Mit Blick auf den Weltklimagipfel in Glasgow werfen die Dokumente zu dem Berichtsentwurf Fragen auf, heißt es. Denn damit sei offen, inwiefern Bemühungen dieser Staaten, die Ziele von Paris einzuhalten, ernst genommen werden könnten.

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Welcher Bericht genau gemeint ist, bleibt unklar. Aber das Leak zeige, dass eine Reihe von Ländern und Organisationen argumentieren, dass die Welt den Verbrauch fossiler Brennstoffe nicht so schnell reduzieren muss, wie es der aktuelle Berichtsentwurf empfiehlt.

So habe etwa ein Berater des saudischen Ölministeriums gefordert, dass Formulierungen wie »die Notwendigkeit dringender und beschleunigter Minderungsmaßnahmen auf allen Ebenen« aus dem Bericht gestrichen werden sollen. Ein ranghoher australischer Regierungsvertreter lehnte dem Bericht zufolge die Schlussfolgerung ab, dass die Schließung von Kohlekraftwerken notwendig sei. Dabei ist das Ende der Kohlenutzung eines der erklärten Ziele der COP26-Konferenz. Australien exportiert große Mengen Kohle, Saudi-Arabien ist einer der größten Ölproduzenten der Welt.

Manche der Länder sehen offenbar in der Speicherung von klimaschädlichem Kohlendioxid im Untergrund eine Lösung für das Klimaproblem, darunter Saudi-Arabien, China, Australien und Japan – allesamt große Produzenten oder Nutzer fossiler Brennstoffe. Dabei gilt diese bisher noch teure Technologie bis auf Weiteres höchstens als ergänzende Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel. Zudem steckt die Carbon-Capture-and-Storage-Wirtschaft (CCS) noch in den Anfängen. Laut dem Uno-Bericht könne die Technik in Zukunft eine Rolle spielen, jedoch wird festgehalten, dass es Unsicherheiten über seine Durchführbarkeit gibt. Ähnliches hatte bereits ein früherer IPCC-Bericht festgehalten.

Stattdessen sei aber behauptet worden, dass die Kohlendioxidspeicherung die Emissionen fossiler Brennstoffe aus Kraftwerken und einigen Industriesektoren drastisch reduzieren könnte. Saudi-Arabien fordere die Wissenschaftler der Uno auf, ihre Schlussfolgerung zu streichen, dass der Fokus der Dekarbonisierungsbemühungen im Energiesektor auf der schnellen Umstellung auf kohlenstofffreie Quellen und dem aktiven Ausstieg aus fossilen Brennstoffen liegen müsse. Auch Argentinien, Norwegen und die Opec widersprechen der Aussage. Mehr zum Thema

Die Forschenden des IPCC schätzen die Versuche der Beeinflussung offenbar als wenig dramatisch ein. Zwar seien Regierungskommentare von zentraler Bedeutung für den wissenschaftlichen Überprüfungsprozess. Aber die Autoren sind nicht verpflichtet, sie in die Berichte aufzunehmen. »Unsere Prozesse sind darauf ausgelegt, Lobbyarbeit zu verhindern – von allen Seiten«, zitiert der »BBC«-Bericht den IPCC. Zudem bestehe kein Zweifel an der Unparteilichkeit der Berichte. Alle Kommentare würden nach rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten überprüft, unabhängig davon woher sie kämen, sagte die Klimaforscherin Corinne Le Quéré von der University of East Anglia, die selbst an drei IPCC-Berichten mitgewirkt hat, der »BBC«.

Dass also ein Land oder eine Branche versucht, die eigenen Interessen durchzusetzen, kann nicht verwundern. So argumentieren die großen Fleischproduzenten Argentinien und Brasilien gegen eine Reduzierung des Fleischkonsums, die laut dem Berichtsentwurf notwendig ist, um weniger Treibhausgasemissionen zu produzieren.

Glasgow ohne viele Pazifikstaaten

Klimaexperten und Aktivisten fürchten unterdessen, dass ein ganz anderer Umstand einen negativen Einfluss auf die Klimakonferenz in Glasgow haben wird. Wegen der Coronapandemie planen viele kleine Inselstaaten und Territorien im Pazifik, keine eigenen Regierungsvertreter nach Glasgow zu schicken. Das sei aber wichtig, da gerade diese Nationen stark vom Klimawandel betroffen sind. Bei einem Treffen der pazifischen Regionalorganisationen sei bestätigt worden, dass sieben dieser Länder keine eigenen Vertreter nach Großbritannien entsenden wollten, 13 würden das trotz Corona beabsichtigen. Unter den abwesenden Ländern sind etwa die Marshallinseln oder Vanuatu.

Möglicherweise will man Interessen bündeln und mit anderen Delegationen abgleichen. Aber insgesamt werden dieses Jahr weniger Vertreter aus dieser Region der Welt anwesend sein als sonst – auch weil hohe Reisekosten eine Rolle spielen. Dabei habe bei der Klimakonferenz von Paris gerade die persönliche Anwesenheit dieser Staatsvertreter eine Rolle bei den Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels gespielt, sagte laut einem Bericht des »Guardian« der Oppositionsführer von Vanuatu.

Viele der Pazifikstaaten hatten es geschafft, die Pandemie von ihren Territorien fernzuhalten. Deshalb sei es zu riskant, aufgrund einer so langen Reise die Einschleppung des Virus und die Erkrankung von wichtigen Staatsoberhäuptern zu riskieren oder langwierige Quarantänen umzusetzen, hieß es.

Erneuerbare Energien Wenig Wind lässt Anteil der Ökoenergie am Stromverbrauch sinken (Handelsblatt)

(28.09.21 , Handelsblatt) , Original : hier

Energie

Vor allem Windräder produzierten in den ersten drei Quartalen des Jahres weniger Strom als im Vorjahr. 43 Prozent des Bruttostromverbrauchs wurden durch Erneuerbare Energien gedeckt.

Berlin Ökostrom aus Wind, Sonne und anderen erneuerbaren Energiequellen hat in diesem Jahr nach Branchenangaben bislang rund 43 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland gedeckt – und damit weniger als im Vorjahreszeitraum. Vor allem Windräder an Land und auf See produzierten von Januar bis September weniger Strom als in den ersten drei Quartalen 2020, wie vorläufige Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigen.

Von Januar bis September 2020 lag der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoinlandsstromverbrauch den Angaben zufolge mit knapp 48 Prozent deutlich höher als in diesem Jahr. Der höhere Anteil an erneuerbaren Energien im Vorjahr sei allerdings von einem ungewöhnlich windreichen ersten Quartal 2020 und einen durch die Corona-Einschränkungen deutlich niedrigeren Stromverbrauch geprägt gewesen, berichtete der BDEW. Inzwischen liege der Stromverbrauch wieder auf dem üblichen Niveau.

„Die Energiewende muss ganz oben auf der To-Do-Liste der neuen Bundesregierung stehen“, sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, mit Blick auf die beginnenden Koalitionssondierungen. Vor allem beim Ausbau der Windenergie an Land müsse es mehr Tempo geben.

Professor Frithjof Staiß, geschäftsführender Vorstand des ZSW, mahnte Fortschritte beim Stromsparen und der Energieeffizienz an. „Darum muss sich die neue Bundesregierung intensiver kümmern, wenn sie das ambitionierte Klimaschutzziel von 65 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen gegenüber 1990 bis zum Jahr 2030 erreichen will“, sagte er.

KfW sieht für Klimaneutralität Investitionsbedarf von 5 Billionen Euro (heise)

(07.10.21, heise) , Original : hier

Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden. Dafür müssen nicht nur alle Wirtschaftssektoren umgebaut werden, nötig ist auch ein enormer Investitionsschub.
Von Andreas Wilkens

Damit Deutschland sein Ziel erreicht, bis zur Mitte dieses Jahrhunderts klimaneutral zu werden, sind Investitionen in Höhe von etwa 5 Billionen Euro erforderliche. Das geht aus einer Studie im Auftrag der Förderbank KfW hervor. “Das ist eine gewaltige Summe, aber es ist machbar. Damit die Herausforderung gelingt, müssen öffentliche Investitionsmittel zielgerichtet eingesetzt und private Investitionen mobilisiert werden”, sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib.

Allerdings relativiere sich das hohe Investitionsvolumen, denn vielfach gehe es um ohnehin anstehende Investitionen, die nun in eine nachhaltige Verwendung fließen müssten, heißt es in der Studie ” Der Beitrag von Green Finance zum Erreichen von Klimaneutralität in Deutschland ” (PDF). Mehrinvestitionen seien in Höhe von jährlich 72 Milliarden Euro zu erwarten. Der eigentliche Mehrbedarf an Investitionen wird auf insgesamt 1,9 Billionen Euro beziffert.

Erforderliche Investitionen müssten verstärkt in Alternativen gelenkt werden, die einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten. Das Klimaziel erfordere eine umfangreiche Transformation in allen Wirtschaftssektoren, vom Verkehr über die Industrie bis hin zu den privaten Haushalten, hieß es in der vom Prognos Institut, Nextra Consulting und dem Institut für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI) erstellten Studie.

Die Bundesregierung hatte sich im Mai darauf geeinigt, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral werden soll. Bis 2030 sollen die Treibhausgaseimissionen um 65 Prozent sinken. Damit reagierte die Regierung auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz von Ende April.

Den größten Teil der Investitionen mache dabei der Verkehr mit 2,1 Billionen Euro aus. Wegen der Neuausrichtung ohnehin anstehender Reinvestitionen in diesem Bereich beliefen sich die Mehrinvestitionen auf 153 Milliarden Euro. Die zweithöchsten Investitionen benötige der Bereich Energie mit 840 Milliarden Euro, auf die privaten Haushalte entfielen rund 636 Milliarden Euro. Davon sind den Berechnungen zufolge rund 254 Milliarden Euro Mehrinvestitionen, vor allem für einen klimagerechten Wohnungsbestand.

Auf den Industriebereich kommen 620 Milliarden Euro zu. Davon sind 462 Milliarden Euro tatsächliche Mehrinvestitionen. Produktionstechniken könnten vielfach nur mit großem Aufwand klimafreundlich umgestellt werden, hieß es zur Begründung. Im Bereich Gewerbe, Handel und Dienstleistungen fallen mit rund 237 Milliarden Euro verhältnismäßig geringe Klimaschutzinvestitionen an, etwa 113 Milliarden Euro seien Mehrinvestitionen.

Aus Sicht der KfW bieten die Klimaschutzinvestitionen zugleich die Chance, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu verbessern, indem zum Beispiel neue Technik entwickelt werde. Dies könne den exportorientierten Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig stärken. Die Effekte auf das Bruttoinlandsprodukt und die Beschäftigung seien insgesamt gering einzuschätzen; ein Mehr an Klimaschutz beeinträchtige das Wirtschaftswachstum nicht, sondern bringe positive Impulse.

Von der Transformation betroffen sei generell das energieintensive verarbeitende Gewerbe, während bei Handel und Dienstleistungen eher positive Effekte zu erwarten seien. Die Studie zeige jedoch laut KfW, dass ein 95-Prozent-Reduktionspfad in allen Bundesländern zu Wirtschaftswachstum und positiven Beschäftigungseffekten bis 2050 führe. “Somit besteht Spielraum, besonders stark betroffene Regionen bei der Bewältigung der Transformation zu unterstützen, bis die positiven Investitionseffekte in allen Regionen zum Tragen kommen.”

CO2-Ausstoß weltweit: Treibhausgasemissionen pro Kopf nach Ländern

Da die negativen Auswirkungen von CO2 auf das Klima nur sehr langsam im Verlaufe von Jahrhunderten bis Jahrtausenden abklingen müssen die historischen Emissionen bei der Verantwortung der einzelnen Staaten zu Grunde gelegt werden.

(27.07.21, tech-for-future) , Original : hier

Welche Länder haben den höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf? Und warum steigen die Treibhausgasemissionen weltweit immer weiter?

Deutschland verursacht nur 2,4% der weltweiten Treibhausgasemissionen” sagen Klimaschutzgegner. Das stimmt zwar, aber wir stellen auch nur 1% der Weltbevölkerung.

Die CO2-Emissionen pro deutschem Staatsbürger sind also mehr als doppelt so hoch, als sie im Durchschnitt sein dürften. Und selbst der Durchschnitt muss rapide sinken – bis auf Null.

Statt zu fallen, steigt der weltweite CO2-Ausstoß immer weiter. Wir stoßen immer schneller immer mehr CO2 aus – außer vermutlich im Corona-Jahr 2020.

Deutschland hat auch absolut gesehen höhere CO2-Emissionen als fast alle anderen Länder. Wir sind mit unseren 2,4% auf Platz 6 der Klimasünder, hinter China, USA, Russland, Indien und Japan.

Und das ist nur der Anteil, den wir heute noch ausstoßen. Historisch gesehen sind wir mit 5,6% der kumulierten CO2-Emissionen die viertgrößte Klimasau.

Also so viel zum Thema, Deutschland wäre unbedeutend beim Klimaschutz. Lies weiter für einen kompletten Ländervergleich.

Entwicklung des CO2-Ausstoßes weltweit

CO2 Ausstoss weltweit nach Kontinent - CO2-Ausstoß weltweit: Treibhausgasemissionen pro Kopf nach Ländern

Nach wie vor wachsen die CO2-Emissionen Jahr für Jahr. Das heißt, statt weniger auszustoßen, stellen wir weltweit jedes Jahr neue Emissionsrekorde auf.1

Das liegt aktuell vor allem an Asien, wie man bei der Aufteilung nach Kontinenten sieht. China ist dabei der große Vorreiter auf dem langen Weg von der dritten Welt in die erste. Aber auch Südasien und Südostasien holen langsam auf.

Wenn Schwellen- und Entwicklungsländer zu etwas bescheidenen Wohlstand kommen wollen, dann geht das nur über Wachstum. Und für Wachstum braucht man Energie. Die günstigste Energiequelle Kohle ist aber leider klimaschädlich.

In Südamerika und vor allem Afrika gibt es zwar auch sehr viele Schwellen- und Entwicklungsländer, aber das sind noch schlafende Riesen. Wenn Afrika endlich aus der Subsistenzwirtschaft erwacht, dann werden die CO2-Emissionen deutlich steigen – außer wir schaffen es bis dahin klimafreundliche Energie deutlich günstiger zu machen.

Ländervergleich: CO2-Ausstoß nach Ländern im Jahr 2019

CO2 Ausstoss weltweit nach Land - CO2-Ausstoß weltweit: Treibhausgasemissionen pro Kopf nach Ländern

Es stimmt, im Vergleich zu den Top-Emittenten wie China oder den USA stößt Deutschland deutlich weniger CO2 aus. Unser Beitrag ist aber immer noch sehr groß, siehe Ländervergleich.

Wir sind mit 2,4% Anteil an den Gesamtemissionen unter den sechs schlimmsten Klimasündern der Welt. Und das obwohl wir ein kleines Land mit nur 83 Millionen Einwohnern sind.

CO2-Ausstoß weltweit pro Kopf

Und China hat ist immerhin das bevölkerungsreichste Land mit 1,4 Milliarden Einwohner. Um die Bevölkerung zu berücksichtigen macht es Sinn die CO2-Emissionen pro Kopf anzugeben:

CO2 Ausstoss weltweit pro Kopf - CO2-Ausstoß weltweit: Treibhausgasemissionen pro Kopf nach Ländern
  • 38,2 tCO2/Kopf: Luxembu

https://www.tech-for-future.de/wordpress/wp-content/uploads/2021/07/CO2-Ausstoss-weltweit-kumuliert-treemap.png

CO2 Ausstoss weltweit kumuliert treemap - CO2-Ausstoß weltweit: Treibhausgasemissionen pro Kopf nach Ländern

Tip von Ingo

Globales Beteiligungsprojekt: Klima-Bür­ge­r:in­nen­rat startet (taz.de)

(05.10.21, taz.de) , Original : hier

Zufällig ausgewählte Menschen aus aller Welt erstreiten seit Dienstag klimapolitische Einigungen. Sie sollen der Weltklimakonferenz Druck machen.

Wie kommt die Kohle aus der Energiewelt?

BERLIN taz | Sie sind nicht gewählt, sondern ausgelost, haben weder ausgewiesene Expertise noch ein erkennbares Eigeninteresse: 100 Menschen aus aller Welt sollen in einem globalen Bürgerrat darüber diskutieren, wie die Menschheit die Erde bewohnbar halten soll, die sie selbst gefährlich aufheizt.

Das Projekt startete am Dienstag. Initiiert haben den Bürgerrat NGOs, unterstützt wird er auch von den Vereinten Nationen und Regierungen, allen voran Großbritannien.

Das Vereinigte Königreich richtet im November in Glasgow die diesjährige Weltklimakonferenz aus, die oft mit „COP 26“ abgekürzt wird. Dort soll der Bürgerrat auch seine politischen Empfehlungen präsentieren. Von einer „fantastischen Initiative“ sprach der diesjährige Klimagipfelpräsident Alok Sharma.

Dass sie zufällig ausgewählt sind, ist der Clou an Bürger:innenräten. Nur auf eine repräsentative Verteilung von demographischen Faktoren wie Geschlecht oder Bildungsstand wird geachtet. Im Rahmen des Projekts bekommen alle Teil­neh­me­r:in­nen dieselben wissenschaftlich gesicherten Informationen – dann müssen sie diskutieren.

Worauf kann sich die Gesellschaft einigen?

Damit unterscheiden sie sich von Beteiligungsgremien wie beispielsweise der Kohlekommission in Deutschland, die das Kohleausstiegsgesetz vorbereitet hat. An der waren zwar auch Bür­ge­r:in­nen beteiligt, aber nur solche, die etwa durch ihren Wohnort besonders von der Kohlewirtschaft betroffen sind.

Daneben saßen darin auch Unternehmensverbände, Umweltverbände und Wissenschaftler:innen, also Personen mit besonderen Perspektiven auf das fragliche Thema. Das ist bei Bür­ge­r:in­nen­rä­ten bewusst anders. Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, worauf sich die Gesellschaft einigen kann.

….


Das brauchen wir auch für Bochum …..

Klimaforscher Hasselmann erhält Physik Nobelpreis

Wenige Wochen vor der Weltklimakonferenz in Glasgow hat sich das Nobelkomitee entschieden, drei Wissenschaftler für ihre Beiträge zur Erforschung des Klimas zu ehren: Der Physiknobelpreis geht in diesem Jahr an den deutschen Wissenschaftler Klaus Hasselmann sowie den in den USA forschenden Japaner Syukuro Manabe und den Italiener Giorgio Parisi. Sie werden für ihre “bahnbrechenden Beiträge zu unserem Verständnis komplexer physikalischer Systeme” ausgezeichnet, wie das Nobelkomitee mitteilte.

Sie hätten mit ihrer Forschung die Grundlage für das Wissen über das Erdklima und den Einfluss des Menschen gelegt und die Theorie ungeordneter Materialien und zufälliger Prozesse revolutioniert.

Einige Links und Auszüge :

(05.10.21, tagesschau.de) Erneut Physik-Nobelpreis für Deutschen

Original : hier

Hervorgehoben wurde die Bedeutung von Hasselmanns und Manabes Forschung für das physikalische Modellieren des Klimas der Erde. Sie hätten die Grundlage für das Wissen über das Erdklima und den Einfluss des Menschen gelegt. Parisis Forschung beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Unordnung und Fluktuationen physikalischer Systeme von der atomaren bis hin zur planetarischen Ebene.

Hasselmann zählt zu den führenden deutschen Klimaforschern und war zunächst Professor und später Direktor des Instituts für Geophysik und Planetarische Physik an der Universität Hamburg. Nach mehreren Auslandsstationen übernahm er von 1975 bis November 1999 die Leitung des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg und war von 1988 bis 1999 erster wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Klimarechenzentrum in Hamburg.

(05.10.21, taz.de) , Nobelpreis für Klimaforscher: Klaus Hasselmann gewinnt

Original : hier

https://taz.de/picture/5146033/948/28562132-1.jpeg

Der Hamburger Meteorologe Klaus Hasselmann musste 89 Jahre alt werden, bis er mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Gilt als „Erfinder“ des menschengemachten Klimawandels: der Physik-Nobelpreisträger Klaus Hasselmann

Foto: Fabian Bimmer/reuters

BERLIN taz | Wahrscheinlich wäre es für alle – also wirklich für alle – besser gewesen, wenn dieser Mann diesen Preis schon einige Jahrzehnte früher erhalten hätte. So musste der Meteorologe Klaus Hasselmann 89 Jahre alt werden, bevor er an diesem Dienstag mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Hasselmann gilt als „Erfinder“ des menschengemachten Klimawandels. Er hat eine Methode entwickelt, mit der der Effekt menschengemachter Treibhausgase auf die globale Durchschnittstemperatur nachgewiesen werden konnte.

Sein Modell wies nach, dass die globale Erderwärmung nicht mit natürlichen Ursachen zu erklären ist.

Wegen Hasselmann stellte der zweite große Bericht des UNO-Weltklimarats IPCC 1995 erstmals fest, der Einfluss des Menschen auf die Erderwärmung sei erkennbar. Damit war die Handschrift der Schöpfung im Klima eingraviert. Dies ist heute Gemeinwissen für fast die gesamte Wissenschaft – auch wenn AfD oder Donald Trump immer noch Zweifel daran sähen wollen.

In den kommenden 100 Jahren würde der Meeresspiegel um einen Meter zulegen und sich der Globus um zwischen 2 und 6 Grad erwärmen, deshalb habe Hasselmann „die Klimaentwicklung als weitreichendstes Umweltproblem in der Katastrophenliste ganz oben angesiedelt“, schrieb die taz bereits 1988. Er sei „wirklich einer der Helden unseres Forschungsfeldes, einer der Gründer der modernen Klimawissenschaft“, betonte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung am Dienstag.

„Ich will gar nicht aufwachen“, sagte Hasselmann, „für mich ist das ein schöner Traum“

Hasselmann studierte Physik und Mathematik in Hamburg, von 1975 …

Doch dann wies Hasselmann bereits 1979 auf den Abdruck des Menschen beim Klima hin. Nur: Diese Arbeit sei „für Außenstehende völlig unverständlich“ gewesen, gab der Emeritus erst vor zwei Wochen in einem Interview zu. Bei der nächsten Veröffentlichung habe er dann eine Pressekonferenz gegeben, danach wusste „plötzlich der Friseur, wer ich war“, sagte Hasselmann. Aber nur für kurze Zeit.

Beitrag zum Verständnis des Erdklimas

zusammen mit seinem US-japanischen Kollegen Syukuro Manabe für deren physikalische Modelle für eine „zuverlässige Vorhersage der Erderwärmung“ geehrt

(05.10.21, mpg.de) , Physik-Nobelpreis für Klaus Hasselmann

Original : hier

Klaus Hasselmann, ehemaliger Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie, erhält gemeinsam mit Syukuro Manabe (USA)  und Giorgio Parisi (Italien) den Nobelpreis für Physik 2021 5. Oktober 2021 Geoforschung Klima Preise

Klaus Hasselmann und Syukuro Manabe werden für ihre fundamentalen Beiträge zur Klimaforschung, Giogio Parisi für seine Forschung an ungeordneten Materialien und Zufallsprozessen geehrt. Klaus Hasselmann hat unter anderem ein Modell entwickelt, wie kurzfristige Wetterphänomene und langfristige Entwicklungen des Klimas zusammenhängen, wie also etwa die schnellen Temperaturschwankungen der Atmosphäre die langfristige Veränderung der Ozeantemperatur beeinflussen. Er lieferte so Belege, warum Klimamodelle trotz kurzfristiger Wetterschwankungen zuverlässige Vorhersagen liefern können.

Auf diese Weise wies er gemeinsam mit anderen Forschenden den Zusammenhang zwischen dem Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre und der Erderwärmung nach.

Der 89-Jährige beschäftigte sich schon früh mit dem menschengemachten Klimawandel und dem Treibhauseffekt.

“In 30 bis 100 Jahren, je nachdem, wieviel fossiles Brennmaterial wir verbrauchen, wird auf uns eine ganz erhebliche Klimaänderung zukommen. Klimazonen werden sich verschieben, Niederschläge anders verteilen. Dann wird man nicht mehr von Zufallsergebnissen reden können”,

sagte er vorausschauend in einem Interview von 1988. “Man sollte sich bewusst werden, dass wir in eine Situation hineinkommen, wo es keine Umkehr mehr gibt.”

Klaus Hasselmann hat ein Modell entwickelt, das Wetter und Klima miteinander verknüpft und damit die Frage beantwortet, warum Klimamodelle zuverlässig sein können, obwohl das Wetter wechselhaft und chaotisch ist. Er entwickelte auch Methoden zur Identifizierung spezifischer Signale,  Fingerabdrücke, die sowohl natürliche Phänomene als auch menschliche Aktivitäten im Klima hinterlassen. Mit seinen Methoden wiesen Forschende unter anderem des Max-Planck-Instituts für Meteorologie nach, dass der Temperaturanstieg in der Atmosphäre auf den Kohlendioxidausstoß des Menschen zurückzuführen ist.

(05.10.21, rp-online.de) , Physik-Nobelpreis geht an drei Klimaforscher – auch Deutscher dabei

Original : hier

Stockholm Für seine Klimamodellierungen erhält der deutsche Klaus Hasselmann als einer von drei Forschern den Nobelpreis für Physik. Er habe mit seinen Kollegen den „Grundstein für unser Wissen zum Klima der Erde“ gelegt, begründete die Akademie.

Wenige Wochen vor der wichtigen Weltklimakonferenz in Glasgow werden drei Wissenschaftler für ihre Beiträge zur Erforschung des Klimas und anderer komplexer Systeme mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet. Der Deutsche Klaus Hasselmann und der Japaner Syukuro Manabe teilen sich eine Hälfte des Preises, die andere geht an den Italiener Giorgio Parisi. Alle drei hätten entscheidend zum Verständnis des Erdklimas und anderer komplexer Systeme beigetragen, teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm zur Begründung mit.

… Er entwickelte ein Modell, das verdeutlichte, dass Klimamodelle verlässlich sein können, obwohl sich das Wetter selbst chaotisch verhält, schreibt das Nobel-Komitee. Er entwickelte zudem Methoden, die es ermöglichten, Spuren menschlicher Aktivitäten im Klima nachzuweisen.

Der in 1931 in Japan geborene Manabe forscht an der Princeton University in den USA. Er zeigte mit seinen Arbeiten, dass ein erhöhter Kohlendioxid-Gehalt in der Atmosphäre einen Anstieg der Temperatur an der Erdoberfläche zur Folge hat, so das Komitee. Seine Arbeiten seien grundlegend für die Entwicklung der gegenwärtigen Klimamodelle gewesen.

Manabe und Hasselmann hätten im Geiste von Alfred Nobel zum größten Nutzen für die Menschheit beigetragen, indem sie eine solide physikalische Grundlage für unser Wissen über das Erdklima geschaffen haben, begründet das Nobelkomitee seine Entscheidung. „Wir können nicht mehr sagen, wir hätten es nicht gewusst – die Klimamodelle sind eindeutig. Erwärmt sich die Erde? Ja. Ist die Ursache dafür die erhöhte Menge an Treibhausgasen in der Atmosphäre? Ja. Kann dies allein durch natürliche Faktoren erklärt werden? Nein. Sind die Emissionen der Menschheit der Grund für den Temperaturanstieg? Ja.“

(05.10.21, sueddeutsche.de) , Ohne vernünftigen Zweifel

Original : hier

Seit etwa dreißig Jahren kann die Erwärmung in den Daten nachgewiesen werden: Eisplatten auf dem Arktischen Ozean am Nordpol.

Mit der Auszeichnung von zwei Klimaforschern setzt Stockholm ein Zeichen: Die Modellierung der Erderwärmung basiert auf solider Physik. Wenn trotzdem nicht genug passiert – an der Wissenschaft liegt das nicht.

Kommentar von Marlene Weiß

Es ist normalerweise eher die Aufgabe des Friedensnobelpreises, politische Botschaften zu senden. In der Vergangenheit ist das manchmal geglückt, manchmal ging es ziemlich daneben. In diesem Jahr jedoch liegt ein ungewöhnlicher Fokus auf den Aussagen, die man in die wissenschaftlichen Preise hineinlesen kann. Viele hatten erwartet, das Nobelpreis-Komitee würde den am Montag bekannt gegebenen Medizinnobelpreis nutzen, um sich für den Segen der Corona-Impfungen starkzumachen. Diese Gelegenheit hat die Akademie verstreichen lassen, vorerst jedenfalls.

Nun jedoch enthält stattdessen der Physiknobelpreis eine ziemlich deutliche Botschaft. Er geht unter anderem an zwei Forscher, die vor Jahrzehnten die Grundlagen dafür gelegt haben, dass man heute erstens die Erderwärmung hervorragend messen und vorhersagen kann. Und dass man sie zweitens zum größten Teil eindeutig den Taten des Menschen zuordnen kann.

Der Klimawandel ist real, dagegen hilft auch keine schlechte Laune

Was das heißen soll, wäre selbst dann klar gewesen, wenn es nicht bei der Verkündung der Entscheidung noch einmal explizit gemacht worden wäre: Die Modellierung des Klimas basiert auf absolut solider Wissenschaft, es handelt sich schlicht und einfach um Physik, die bestens verstanden und gesichert ist. Wer es also weiter vermeiden möchte, im Klimaschutz zu Taten zu schreiten, soll sich auf irgendetwas berufen – Bequemlichkeit, Ängste, schlechte Laune, Zahnschmerzen. Aber bitte nicht auf Zweifel an der Wissenschaft.

Es ist natürlich ein Jammer, dass es im Jahr 2021 noch nötig ist, diese Tatsache festzuhalten. Seit rund fünfzig Jahren gibt es Modelle, die die Entwicklung des Klimas vorhersagen können, seit etwa dreißig Jahren kann die reale Erwärmung in den Daten nachgewiesen werden. Ähnlich lange gibt es Bemühungen, dem politisches Handeln entgegenzusetzen – noch reichen sie bei Weitem nicht aus, trotz aller Fortschritte.

Doch eines ist mit dem diesjährigen Physiknobelpreis nochmals klargestellt: An der Wissenschaft liegt das nicht.

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So viel CO2 stößt der Straßenverkehr aus

(05.10.21, heise), Original : hier

Statistik der Woche: So viel CO2 stößt der Straßenverkehr aus

Pkw, Busse, Schwerlaster: Unsere Infografik zeigt, wie der CO2-Ausstoß auf deutschen Straßen verteilt ist. Von Mathias Brandt

158 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO₂) hat der Straßenverkehr in Deutschland 2019 verursacht – das sind 22 Prozent des hierzulande emittierten CO₂. Größter Umweltverschmutzer ist der Individualverkehr, wie der Blick auf die Statista-Grafik zeigt.

Personenkraftwagen (PKW) sind für rund 63 Prozent des CO2-Austoßes auf deutschen Straßen verantwortlich. Auf Schwerlastwagen und Busse entfallen 29 Prozent. Unter den PKW sind die größten auch die schädlichsten. Ein Kleinwagen stößt pro Jahr im Schnitt 870 Kilogramm weniger CO₂ aus als ein großer SUV. Bei einem Mittelklassewagen beträgt die Differenz im Vergleich zu einem großen SUV 720 Kilogramm.

Moderne PKW verursachen zwar weniger CO₂ aus als frühere Fahrzeuggenerationen – weil es aber insgesamt mehr Autos gibt, steigen die Emissionen unterm Strich trotzdem. So sind die Emissionen pro Verkehrsleistung dem Umweltbundesamt zufolge seit 1995 um rund fünf Prozent gesunken, während die absolute Summe der Emissionen um rund fünf Prozent zugelegt haben.

Alarmierender Bericht: Die Arktis schmilzt, der Meeresspiegel steigt

(22.09.21, heise) , Original : hier

Den Weltmeeren geht es immer schlechter. Das geht aus dem fünften Bericht des Copernicus-Meeresumweltüberwachungsdienstes hervor. In dem jährlich erscheinenden Bericht zeigen 150 Wissenschaftler:innen im Auftrag der Europäischen Kommission, wie schnell sich die Ozeane durch den Eingriff des Menschen verändern. Von dpa

Der Report nennt die schlimmsten Folgen: Die Erwärmung der Weltmeere und das schmelzende Landeis führen demnach zu einem Anstieg des Meeresspiegels – im Mittelmeerraum um 2,5 Millimeter pro Jahr und weltweit bis zu 3,1 Millimeter. Als Beispiel für die drohenden Folgen wird im Bericht die Überflutung Venedigs im November 2019 genannt, als der Wasserstand auf bis zu 1,89 Meter anstieg. Die Erwärmung der Ozeane habe zudem zur Folge, dass Meeresbewohner in kühlere Gewässer abwandern oder die Bestände von Arten schrumpfen.

Das arktische Meereis geht laut Bericht stetig zurück: Zwischen 1979 und 2020 habe die Arktis eine Eisfläche verloren, die etwa sechs Mal so groß wie Deutschland ist. Seit 1979 sei das Eis um 12,89 Prozent pro Jahrzehnt zurückgegangen. Die Tiefststände wurden dabei in den vergangenen beiden Jahren verzeichnet. Der Report warnt: Wenn das arktische Meereis weiter schmelze, könne das zur regionalen Erwärmung, der Erosion der arktischen Küsten und zu einer Veränderung der globalen Wettermuster beitragen.

Eine weitere Erkenntnis: Extreme Schwankungen aufgrund von Hitze- und Kältewellen in der Nordsee stehen in einem direkten Zusammenhang mit Veränderungen im Fischfang. Genannt werden hier die Seezunge, der Europäische Hummer, Seebarsch und Taschenkrebse.”

Klimawandel, Umweltverschmutzung und Übernutzung haben eine nie dagewesene Belastung für den Ozean verursacht”, sagt Karina von Schuckmann, Vorsitzende des Ocean State Reports in einer Mitteilung zum Bericht. Die Weltmeere bedeckten den Großteil der Erdoberfläche und regulierten das Klima, eine genaue und zeitnahe Überwachung sei entscheidend, um die Ozeane besser zu verstehen und auf Veränderungen reagieren zu können.

Copernicus ist das Erdbeobachtungsprogramm der Europäischen Union. Sein Ziel ist es, auf Grundlage von Satellitenbeobachtungen und Messungen auf der Erde den Zustand von Land, Meeren und Atmosphäre oder den Klimawandel und seine Folgen zu überwachen.

Amazon, Apple, Microsoft & Co. unterstützen Lobby gegen US-Klimaschutzgesetz

(03.10.21, heise) , Original : hier

Große Technologie- und Medienkonzerne in den USA versprechen, die Klimakrise zu bekämpfen. Sie gehören aber Lobby-Gruppen an, die das Gegenteil fordern.

Von Stefan Krempl

Führende US-Unternehmen wie Amazon, Apple, Disney und Microsoft unterstützen Lobby-Organisationen, die Millionen US-Dollar ausgeben, um den Entwurf für ein weitreichendes US-Klimaschutzgesetz auszuhöhlen. Dies geht aus einem Bericht hervor, den die zivilgesellschaftliche Organisation Accountable.us am Freitag herausgegeben hat. Die Konzerne und ihre Chefs selbst behaupten dagegen gerne, beim Kampf gegen den Klimawandel mit Zielen für mehr Nachhaltigkeit und zur CO2-Reduktion an vorderster Front dabei zu sein.

Über 50 großen Firmen wirft Accountable.us daher Heuchelei vor. Sie seien aktive Mitglieder in Lobby-Institutionen, die massiven Widerstand gegen das von Präsident Joe Biden und den Demokraten im US-Kongress vorangetriebene Budgetpaket mit Ausgaben in Höhe von rund 3,5 Billionen US-Dollar angekündigt haben. Dieses gilt Beobachtern als das “bislang größte Gesetz gegen den Klimawandel”. Es umfasst etwa ein Programm für die Förderung erneuerbarer Energien in Höhe von 150 Milliarden US-Dollar, das den Umstieg von Versorgern auf Wind-, Solar- und Wasserkraft erleichtern würde. Atomkraft soll allerdings auch gefördert werden, was in der EU umstritten ist.

Die Autoren der Analyse verweisen etwa auf den Schwur der US-Handelskammer, “alles zu tun, was wir können, um zu verhindern, dass dieses steuererhöhende und arbeitsplatzvernichtende” Gesetz beschlossen werde. Dem Vorstand der Vereinigung gehören Führungskräfte von Unternehmen wie Microsoft, Intuit, United Airlines, der Fluglinie Delta und Deloitte an, die sich alle besorgt über den Klimawandel geäußert und ein Gegensteuern angekündigt haben.

Eine andere Wirtschaftsallianz, der Business Roundtable, hat sich “zutiefst besorgt” über das als “Versöhnungsgesetz” bezeichnete Paket gezeigt, da es unter anderem die Steuern für Reiche erhöhen würde. Der Organisation gehören Firmenchefs wie Tim Cook von Apple an, der von Regierungen und Unternehmen stärkere Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise gefordert hat. Weitere Mitglieder sind Andy Jassy, der neue Chef von Amazon, Sundar Pichai, CEO der Google-Muttergesellschaft Alphabet, und Darren Woods, Chef des Ölriesen Exxon.

Die Gruppe Pharmaceutical Research and Manufacturers of America (PhRMA), der unter anderem Bayer, AstraZeneca sowie Johnson & Johnson angehören, hat laut der Untersuchung Anzeigen geschaltet, in denen sie den Gesetzentwurf angreift. Die Rate Coalition, die AT&T, Disney, FedEx, UPS und Verizon zu ihren Mitgliedern zählt, plant ebenfalls eine Werbekampagne, um die Initiative für den Corona-Wiederaufbau zu verhindern. Erklärtes Ziel der National Association of Manufacturers, bei der etwa Dow, Goodyear und SchneiderElectric mitmischen, ist es, die Biden-Agenda “auf jede erdenkliche Weise” zu kippen.

Der Guardian bat eine Vielzahl der genannten Konzerne um einen Kommentar. Der Zeitung zufolge wollte aber keiner davon die Haltung der jeweiligen Lobbygruppen, denen sie angehören, kritisieren. Kein Mitglied habe erklärt, dass man die Verbindungen zu diesen Lobby-Verbänden überprüfen werde.

Dies steht im Kontrast zu öffentlichen Klimaschutzbekenntnissen. Jeff Bezos, der zu den reichsten Menschen der Welt zählt, hält die Klimakrise offiziell für die “größte Bedrohung für unseren Planeten”. Der von ihm gegründete Handelsriese Amazon hat sich verpflichtet, seine Emissionen bis 2040 auf null zu reduzieren und klimaneutral zu werden. Microsoft hat versprochen, schon in einem Jahrzehnt “kohlenstoffnegativ” zu sein. Disney will innerhalb des gleichen Zeitraums nur noch Strom aus erneuerbaren Energiequellen verwenden.

Kyle Herrig, Präsident von Accountable.us, monierte, die Unternehmen versteckten sich hinter “zwielichtigen Gruppen” und finanzierten hinter verschlossenen Türen den Widerstand gegen das Gesetzespaket. Damit gefährdeten sie aber nicht nur die Umwelt massiv, sondern auch ihren eigenen Ruf.

Das Vorhaben Bidens und der Demokraten ist derzeit an einem kritischen Punkt. Die oppositionellen Republikaner lehnen es geschlossen ab. Auch in den eigenen Reihen gibt es Abweichler wie den Senator Joe Manchin, der den Entwurf für unsinnig hält und die bestehenden Subventionen für Kohle, Öl und Gas beibehalten will. Bidens Klima-Ambitionen erlitten bereits im Sommer einen Dämpfer. Bei einem ersten Infrastrukturpaket musste der Präsident einen Kompromiss eingehen, weil den Republikanern gerade die enthaltenen Klimaschutzmaßnahmen nicht passten. Nun soll es der zweite Korb richten. Umweltorganisationen und Wissenschaftlern geht auch dieser aber nicht weit genug.

Der Traum von der grünen Cloud — Wie wirken Cloud-Dienste auf Klima und Umwelt?

(03.10.21, heise.de ) , Original : hier

Wie wirken Cloud-Dienste auf Klima und Umwelt? Darüber ist wenig bekannt, doch Gerichtsurteile, und politische Vorgaben erhöhen den Druck auf die IT-Branche.
Von Christiane Schulzki-Haddouti

Wie viel CO2-Emissionen sind mit “Hallo Siri!” verbunden? Wie hoch ist der Wasserverbrauch? Welcher Rohstoffaufwand steht hinter der Rechenleistung? Und wie viel Energie kostet der kleine Sprachbefehl? Die Antwort ist kurz: Man weiß es nicht. Noch nicht. Denn Siri ist eine verteilte Anwendung. Was in der iPhone-App und was auf der Server-Anwendung abläuft, ist Firmengeheimnis von Apple.

Um mehr Licht in die “Blackbox Cloud” zu werfen, untersuchten Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration sowie des Berliner Öko-Instituts für das Umweltbundesamt im Projekt “Green Cloud-Computing” vier typische Nutzungsszenarien: Storage, Streaming, Videokonferenz und virtueller Desktop. Zu diesen einzelnen Cloud-Dienstleistungen lassen sich nun Aussagen treffen, wenn diese sich auf den Umweltverbrauch eines bestimmten Cloud-Dienstes in einem bestimmten Rechenzentrum beziehen. Die Studie wurde vor kurzem veröffentlicht.

Die neue Green-Cloud-Computing-Methodik (GCC-Methodik) erfasst den Umweltaufwand zur Herstellung von Informationstechnik und zum Betrieb von Rechenzentren in vier Wirkungskategorien: Rohstoffaufwand (ADP), Treibhausgasemissionen (GWP), Kumulierter Energieaufwand (CED) und Wasserverbrauch. Der Umweltaufwand lässt sich für einzelne Serviceeinheiten benennen. Dabei kann es sich um eine Stunde Nutzung, um einen einzelnen Kunden oder eine einheitliche Datenmenge handeln. Die GCC-Methodik kann für eine umweltbezogene Produktdeklaration wie einen CO2-Fußabdruck oder eine Energieverbrauchskennzeichnung für Cloud-Services genutzt werden.

Um den Umweltaufwand verschiedener Nutzungsarten für ein “Proof of Concept” beispielhaft erfassen und bewerten zu können, suchten die Forscher Cloud-Dienste, die genau eine Nutzungsart als Dienstleistung anbieten, um aus deren Verbräuchen eine Aussage zu den spezifischen Cloud-Nutzungen ableiten zu können. Der Wasserverbrauch wurde dabei nicht berücksichtigt, da keines der untersuchten Rechenzentren über Wasser-relevante Kühlsysteme und -Gebäudetechnik verfügte. Die Kennzahlen zum Rohstoffverbrauch konnten nur für zwei Rechenzentren gebildet werden.

Für die Bewertung von Online-Storage untersuchten die Wissenschaftler vier Rechenzentren und stellten fest, dass die Bandbreite der GCC-Kennzahlen von 166 bis zu 280 Kilogramm CO2-Äquivalente pro Terabyte Speicherplatz reichte. Die Aussage besagt, wie viele CO2-Emissionen jährlich pro Terabyte belegtem Online-Speicher freigesetzt werden.

Für Videostreaming wurde ein Streamingdienst untersucht, der wie eine Art Online-Videorekorder funktioniert: Nutzer können jeden beliebigen Film online aufnehmen und sich zu einem späteren Zeitpunkt ohne Lizenzgebühren abspielen lassen. Das bedeutet, dass die Server- und Speicherinfrastruktur ausschließlich für Streaming genutzt wird. Pro Stunde Videostream wurde ein CO2-Fußabdruck von 1,46 Gramm CO2-Äquivalenten erzeugt. Hinzu kommen 0,014 Mikrogramm Antimon-Äquivalente für den Rohstoffverbrauch und 24 Kilojoule für Primärenergie. Eine vollständige CO2-Bilanz für Videostreaming müsste allerdings auch die CO2-Emissionen in Netzwerken und in Haushalten einbeziehen.

Für Videokonferenzen wurde eine Online-Plattform untersucht, die auf Basis der Open-Source-Software Jitsy Videokonferenzen anbietet. Die Treibhausgasemissionen zur Teilnahme an einer Stunde Videokonferenz betragen 2,27 Gramm CO2-Äquivalente für die Herstellung der Server (15 Prozent) und für den Energieverbrauch im Rechenzentrum (85 Prozent). Für die Gesamt-Bilanz spielt die Endgeräte-Auswahl die entscheidende Rolle: Während mit Laptop die Teilnahme an einer Videokonferenz mit 55 Gramm CO2-Äquivalenten/Stunde verbunden ist, sind es mit einem großen Videomonitor bereits 295 Gramm CO2-Äquivalente/Stunde.

Für das Rechenbeispiel für die virtuelle Desktop-Infrastruktur versorgte eine Behörde 890 Thin Client-Arbeitsplätze über ein eigenes Rechenzentrum: Dafür werden im Rechenzentrum jährlich Rohstoffe in Höhe von 0,22 Gramm Antimon-Äquivalente, Treibhausgasemissionen von 59 Kilogramm Kohlendioxid-Äquivalente sowie Primärenergie in Höhe von 995 Megajoule aufgewendet. Etwa Dreiviertel dieser Aufwände entfallen auf die Server-Seite.

Die Forscher zeigten in ihrem Projekt, dass eine Erfassung der Umweltverbräuche möglich ist und dass sich die Verbräuche auch einzelnen Diensten zuordnen lassen.

Der Weg in die Praxis ist allerdings noch weit. Sowohl der IT-Branchenverband Bitkom wie auch der Internet-Verband eco halten bereits eine genauere Erfassung des Energieverbrauchs für wenig praxisfreundlich, von Wasser, CO2-Emissionen und Rohstoffen ganz zu schweigen. Immerhin spricht sich der Bitkom-Verband dafür aus, ein europaweit einheitliches Energielabel auf Basis bestehender Normen wie etwa der Rechenzentrumsnorm EN50600 zu entwickeln. Grundsätzlich solle ein Energieausweis für Rechenzentren, wie er dem Bundesumweltamt vorschwebt, “nur auf Basis branchenüblicher Kriterien”ausgestellt werden. Das heißt: Energieverbrauch erfassen: ja, die Energieeffizienz messen: nein. Den “Blauen Engel” für Rechenzentren lehnt er im Übrigen als “nicht praxistauglich” ab.