„Die Klimakrise ist gewaltig“

Grünen-Experte über Klimapolitik: „Die Klimakrise ist gewaltig“

Rainer Baake weiß, wie Deutschland klimaneutral werden kann.
Mit einer neu gegründeten Stiftung möchte er auf die Bundesregierung einwirken.

taz: Herr Baake, bis vor gut zwei Jahren haben Sie die energiepolitische Debatte in Berlin in diversen Funktionen mitgeprägt. Dann haben Sie im Wirtschaftsministerium Ihren Rücktritt als Staatssekretär eingereicht und sind von der Bildfläche verschwunden. Wo haben Sie seitdem gesteckt?

Rainer Baake: Ich bin mit meiner Frau um die Welt gereist. Wir waren 2018 im südlichen und östlichen Afrika, 2019 in Süd- und Nordamerika und dieses Jahr in Australien. Eigentlich sollte es am Schluss dann noch durch Europa gehen, aber dieser Teil ist wegen der Corona-Pandemie dann ausgefallen.

Verträgt sich eine solche Weltreise denn mit dem Ziel, den Klimawandel aufzuhalten?

Wir waren mit einem geländegängigen Fahrzeug unterwegs und haben zwei Jahre lang im Dachzelt geschlafen und fast keine Güter konsumiert. Keine Heizung, warmes Wasser aus der Solardusche und Strom aus unserer Photovoltaikanlage. Das Auto ist zwischen den Kontinenten mit dem Schiff transportiert worden. Wir selbst sind zwar geflogen, aber unterm Strich haben wir unseren CO2-Fußabdruck im Vergleich zum Leben in Deutschland nicht erhöht.

Rainer Baake

Der 64-jährige Volkswirt hat die deutsche Energiepolitik in vielen verschiedenen Funktionen mitgestaltet: Als Staatssekretär im Umwelt- und im Wirtschaftsministerium, dazwischen als Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe und Gründungsdirektor des Thinktanks Agora Energiewende. Seit kurzem leitet er die neu gegründete „Stiftung Klimaneutralität“.

Was war das Ziel der Reise?

Wir haben beide großes Interesse am Klimathema und am Natur- und Artenschutz. Über beide Themen haben wir viel gelernt. Meine Frau hat in ihrem Heimatland Norwegen viele Artikel veröffentlicht, ich habe einen Film für die Internationale Energieagentur produziert. Und jetzt arbeiten wir noch an einem Buch und einem Film über die Reise.

Welche neuen Erkenntnisse haben Sie mitgebracht?

Die Auswirkungen der Klimakrise sind heute schon gewaltig, die können Sie auf jedem Kontinent sehen. Im südlichen Afrika haben wir die Folgen der gewaltigen Dürre erlebt, in Nordamerika ausgetrocknete und großflächig abgebrannte Waldgebiete, in Australien die Buschbrände, die es dort zwar schon immer gegeben hat, aber nie in diesem Ausmaß.

Sind Sie jetzt optimistischer oder pessimistischer, dass die Klimakrise noch gestoppt werden kann?

Ich war immer Optimist, und ich glaube auch jetzt noch daran, dass wir unser eigenes Schicksal noch verändern können. Aber die Dringlichkeit ist mir noch sehr viel deutlicher geworden.

Hat das Leben im Ausland auch Ihren Blick auf die deutsche Klimadebatte verändert?

Die größte Überraschung war für mich die Fridays for Future-Bewegung. Ich hatte mir in all den Jahrzehnten vorher immer gewünscht, dass die junge Generation, die ja am meisten von den Folgen des Klimawandels betroffen sein wird, auf die Straße geht. Dass das jetzt passiert, ist eine großartige Veränderung. Leider war die offizielle Regierungspolitik mehr von der Angst vor der AfD beeinflusst als von den Forderungen der jungen Generation.

Sie haben Ihren Rücktritt als Staatssekretär damit begründet, dass Deutschland seine Klimaziele aufgrund des Koalitionsvertrags deutlich verfehlen wird. Jetzt wird das 2020-Ziel doch erreicht, die Erneuerbaren liefern mehr als die Hälfte des Stroms und der Kohleausstieg wurde auch beschlossen. Bedauern Sie im Nachhinein, dass Sie nicht mehr dabei waren?

Nein, ich glaube der Schritt war richtig. Dass Deutschland jetzt sein Klimaziel für 2020 möglicherweise erreicht, ist ein Einmaleffekt durch die Corona-Krise. Und für 2030 prognostizieren ja selbst die Gutachten der Regierung, dass das Ziel mit den bisher beschlossenen Maßnahmen deutlich verfehlt wird. Und das nationale Ziel wird ja noch weiter angehoben werden müssen, wenn die EU ein neues Ziel für 2030 beschließt.

In der Klimaszene geben Ihnen manche eine Mitschuld an den verfehlten Zielen. Denn Sie haben als Staatssekretär die Umstellung des Ökostroms von festen Vergütungen auf Ausschreibungen durchgesetzt. Danach ist der Wind-Ausbau eingebrochen.

Da sehe ich keinen Zusammenhang. Dass in Deutschland derzeit zu wenig Windräder gebaut werden, liegt nicht an den Ausschreibungen, sondern daran, dass es zu wenige rechtskräftig genehmigte Projekte gibt, was verschiedene Ursachen hat. Fast überall auf der Welt ist auf Ausschreibungen umgestellt worden. Der Markt kann die notwendigen Zuschüsse nun mal besser ermitteln als die Politik.

Zurückgemeldet haben Sie sich in Berlin jetzt als Direktor einer neuen „Stiftung Klimaneutralität“. Was steckt dahinter?

Es geht genau um diese Frage: Wir wollen eine Klima-Roadmap für Deutschland entwickeln, eine sektorübergreifende Strategie, wie Deutschland im europäischen Kontext klimaneutral werden kann. Dabei soll es nicht nur um Szenarien gehen, sondern auch um politische Instrumente, mit denen Klimaziele tatsächlich erreicht werden.

Woher kommt das Geld dafür?

Von Climate Imperative, einer in Gründung befindlichen Stiftung in den USA, die global tätig ist. Dahinter stehen wohlhabende Privatpersonen, die etwas gegen den Klimawandel unternehmen wollen. Von dort haben wir eine siebenstellige Zuwendung erhalten, mit der wir arbeiten können.

Braucht es in der Klimapolitik wirklich noch einen weiteren Akteur?

Es geht nicht um Konkurrenz oder Dopplung, sondern um eine Ergänzung und Kooperation mit anderen Akteuren. Unser dreiköpfiges Team bringt seine Kompetenz ein, dazu bringen wir zusätzliches Geld mit. Damit können wir Studien und Gutachten erstellen und Dialogprozesse organisieren. Denn unsere Ergebnisse sollen nicht in irgendeinem Regal vergammeln, sondern Eingang finden in die klimapolitische Debatte.

Das klingt wie ein Vorbereitungsprogramm für die nächste Bundesregierung.

Absolut. Wir wollen als Teil der Zivilgesellschaft Vorschläge unterbreiten und hoffen, dass diese dann auch von den politischen Parteien aufgegriffen werden.

Und zieht es Sie dann noch einmal zurück in die Politik, um das Ganze auch selbst umzusetzen?

Ich bewerbe mich nicht um ein politisches Amt. Mein Anliegen ist der Klimaschutz, und den habe ich in den letzten 29 Jahren in verschiedenen Rollen vorangetrieben. Ich weiß, was man von außerhalb der Regierung machen kann, aber das Regierungsgeschäft kenne ich auch. Ich finde, man sollte weder das eine noch das andere unterschätzen.



Aus der Taz



Zum Schwerpunkt-Thema Klimawandel bei der Taz, mit vielen interessanten Beiträgen.

Blick in Klima-Zukunft Die Welt steuert auf den höchsten CO2-Wert in der Luft seit 3,3 Millionen Jahren zu – schon 2025

Aus Spiegel.de :

Forscher haben Klimadaten entschlüsselt, die Millionen Jahre in winzigen Fossilien gebunkert waren. Der Rückblick offenbart, wie die Erde damals aussah – und lässt Schlüsse zu, was ihr nun bevorstehen könnte. 13.07.2020, 16.20 Uhr

Als das letzte Mal so viel CO2 in der Luft war, wuchsen Pflanzen in der Antarktis Foto: George Clerk/ Getty Images

In fünf Jahren wird der Gehalt von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre wahrscheinlich noch höher sein als in der wärmsten Periode der vergangenen 3,3 Millionen Jahre. Das berichten Forscher im Fachblatt “Scientific Reports”. Das sogenannte Pliozän vor gut 5,3 bis 2,5 Millionen Jahren gilt als Blaupause für das künftige Klima und ist deshalb für Wissenschaftler besonders interessant.

“Das Wissen über den CO2-Gehalt in der geologischen Vergangenheit ist wichtig, weil es uns zeigt, wie das Klimasystem, die Eiskappen an den Polen und der Meeresspiegel darauf reagiert haben”, sagt Studienautor Elwyn de la Vega von der University of Southampton. Gemeinsam mit seinen Kollegen analysierte er die Schalen von winzigen Fossilien, die sich vor Jahrmillionen im heutigen Karibischen Meer abgelagert hatten. Die Daten offenbaren, wie hoch der CO2-Anteil in der Atmosphäre zu dieser Zeit war.

Meeresspiegel lag bis zu 20 Meter höher

Auch vorherige Studien hatten gezeigt, dass die Atmosphäre auf die CO2-Marke von vor gut drei Millionen Jahren zusteuert. Im Pliozän lagen die Temperaturen drei bis vier Grad höher als heute, in Europa lebten Giraffen, in der Antarktis wuchsen Pflanzen, Grönland war komplett eisfrei und der Meeresspiegel war wahrscheinlich 15 bis 20 Meter höher.

In der aktuellen Studie untersuchten die Forscher die Isotope des Elements Bor, das in den Schalen von Zooplankton gespeichert ist. Diese winzigen Organismen strömten schon im Pliozän zu Milliarden durch die See, die allermeisten waren höchstens einen halben Millimeter groß. Wenn die Tierchen abstarben, sanken sie auf den Meeresboden. Mit der Zeit bildete sich dadurch eine dicke Schicht aus versteinertem Zooplankton – ein Tresor an Klimainformationen, den die Forscher nun knacken konnten. Mehr zum Thema Klimaforscher Schellnhuber: “Wir werden viel mehr Glück brauchen, als wir Verstand haben” Von Valerie Höhne

Der Bor-Gehalt in den Schalen verrät, wie hoch der pH-Wert im Wasser zu der Zeit war. Weil der Säuregrad in den Meeren auch vom CO2-Gehalt in der Atmosphäre abhängt, lässt sich dadurch die Zusammensetzung der Luft rekonstruieren. Auch heutige Messungen zeigen, dass der pH-Wert in den Weltmeeren wegen der gestiegenen Emissionen allmählich sinkt.

Laut den Analysen schwankte der CO2-Gehalt in der Atmosphäre des Pliozäns zwischen 380 und 420 Teilchen pro eine Million Teilchen Luft (ppm). Das entspricht in etwa dem heutigen Durchschnittswert. “Weil der CO2-Gehalt um etwa 2,5 ppm pro Jahr steigt, werden wir bis zum Jahr 2025 alles übertroffen haben, was wir aus den vergangenen 3,3 Millionen Jahren kennen”, sagt Studienautor Thomas Chalk. “Das heißt, wir befinden uns bereits auf einem Level, das in der Erdgeschichte mit steigenden Temperaturen und einem höheren Messerspiegel verbunden war.”

Anthropozän: Wenn der Mensch den gesamten Planeten beeinflusst

Dass die Erde nicht schon jetzt ähnlich hohe Temperaturen und Wasserpegel erlebt wie im Pliozän, liegt laut den Forschern daran, dass es eine Weile dauert, bis das Klima auf den höheren CO2-Gehalt reagiert. Wenn die Emissionen weiter steigen, wird die Atmosphäre bald den CO2-Gehalt vom Pliozän übertreffen. Dann wäre so viel CO2 in der Luft wie noch nie seit 15 Millionen Jahren. Inzwischen beeinflusst der Mensch den gesamten Planeten so sehr, dass Forscher bereits vom Anthropozän sprechen.

Jüngst warnte die Weltwetterorganisation (WMO), dass die globalen Durchschnittstemperaturen schon bald die entscheidende 1,5 Grad-Grenze knacken werden. Ab diesem Wert rechnen Forscher mit irreversiblen Kipppunkten, die eine Kettenreaktion im Klima auslösen könnten, die die globale Erderwärmung zusätzlich verstärken und sich nur noch schwer aufhalten lassen.

Klimaforscher mahnen seit Langem, dass die weltweiten Emissionen bis zum Jahr 2050 in der Summe auf null gebracht werden müssen, wenn der globale Temperaturanstieg – wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart – möglichst auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden soll. Bleiben die Länder dagegen bei ihren bisherigen Zusagen, ist laut Klimamodellen ein Anstieg um bis zu vier Grad Celsius in den kommenden Jahrzehnten wahrscheinlich. Dann wäre die Welt, auch was die Temperaturen angeht, wieder im Pliozän angekommen. koe


Genaueres und mehr siehe der Spiegel , hier

EU muss bis 2040 auf erneuerbar umstellen – Diskussion auf campact

Studie des DIW Berlin 08. Juli 2020

von Jörg Staude , Klimareporter.de

Um 65 Prozent muss die Europäische Union ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2030 verringern, um Mitte des Jahrhunderts klimaneutral zu werden. Die bisherigen Klimaziele reichen nicht aus, schreibt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in einer heute veröffentlichten Studie. 


Installation von Solarmodulen in München 100 Prozent erneuerbar in 20 Jahren: Theoretisch zu schaffen, praktisch bisher nicht in Sicht. (Foto: Solarinitiative)

Zu dem Ziel, die EU bis 2050 klimaneutral zu machen, haben sich schon alle Mitgliedsstaaten außer Polen bekannt, freute sich Bundeskanzlerin Angela Merkel letzte Woche im Bundestag. Heute stellt Merkel das Programm der deutschen EU-Ratspräsidentschaft in Brüssel vor und der Klimaschutz soll dabei – neben der Coronakrise, der Digitalisierung und dem Brexit – zu den Schlüsselfragen gehören.

Was das Ziel “Klimaneutralität 2050” politisch wirklich bedeutet, haben heute zum Auftakt der deutschen Ratspräsidentschaft das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und die Technische Universität Berlin in einer Studie auf den Tisch gepackt.

“Bisher geht die EU-Kommission von einem CO2-Reduktionsziel von 40 Prozent aus. Doch damit wird Europa nicht bis 2050 klimaneutral, wie unsere Berechnungen zeigen”, sagt Studienautorin Claudia Kemfert. “Die Ziele müssen sehr viel ambitionierter sein.”

Für die Forscher sind dabei nicht nur die als offizielles Klimaziel vereinbarten 40 Prozent Reduktion bis 2030 zu wenig, sondern auch die von der EU-Kommission vorgeschlagenen 50 bis 55 Prozent. Damit die EU bis 2050 klimaneutral wird, müssen die CO2-Emissionen bis 2030 um 65 Prozent sinken, rechneten DIW und TU Berlin aus. 

Die Eckpunkte des entsprechenden, mit dem Paris-Abkommen kompatiblen Klimaschutzszenarios haben es in sich: Bereits 2040 muss die Energiegewinnung in der EU vollständig auf erneuerbare Quellen umgestellt sein.

Ein Bau neuer Atomkraftwerke komme nicht mehr infrage. Auch Kraftwerke mit CCS-Technologie – CO2-Abscheidung, -Transport und -Speicherung – stellen sich für die Forscher als “unrentabel” dar. Bis 2040 müsse neben der Kohle auch das fossile Erdgas aus dem Energieträgermix verschwinden.

Halbierter Energieverbrauch – doppelter Strombedarf

Die Studie geht dabei davon aus, dass der Primärenergiebedarf in der EU bis 2050 um mehr als 50 Prozent sinkt – von heute rund 75.000 Petajoule auf dann noch knapp über 30.000 Petajoule.

DIW-Energieökonomin Kemfert hält diese Reduzierung für machbar. Das liege vor allem daran, dass die bisher dominierenden konventionellen Energien enorm schlechte Wirkungsgrade haben – aus dem Grund sei auch der Primärenergiebedarf so hoch.

Dies ändert sich Kemfert zufolge in einem erneuerbaren System deutlich – wenn zudem der Ökoenergie-Ausbau nicht nur einfach beschleunigt, sondern auf kluge Lösungen wie E-Mobilität und Wärmepumpen statt auf Wasserstoff und Power-to-Gas gesetzt werde.

Wenn die EU ihre Efficiency-First-Strategie wirklich ernst nimmt und vor allem auch auf den Direkteinsatz von Ökostrom setzt, sei eine Halbierung des Verbrauchs realistisch, so die Energieexpertin gegenüber Klimareporter°. 

Der Trend zur Elektrifizierung führt laut Studie dazu, dass sich – innerhalb des sinkenden Energieverbrauchs – die jährliche Stromnachfrage in der EU bis 2050 ungefähr verdoppelt: von heute rund 4,5 Billionen auf dann neun Billionen Kilowattstunden. An die Stelle fossiler und nuklearer Stromerzeugung treten vor allem Windkraft und Photovoltaik.

Den gesamten Investitionsbedarf für erneuerbare Energien gibt die Studie mit etwa 3.000 Milliarden Euro an. Dem stünden jedoch Einsparungen von allein knapp 2.000 Milliarden Euro gegenüber, die nicht mehr für den Import fossiler Energieträger ausgegeben werden müssten. Zur Finanzierung bauen die Forscher vor allem auf die wegen der Coronakrise geschnürten Hilfspakete.

Das 65-Prozent-Ziel hatten bisher vor allem Umweltverbände und Grüne gefordert. Entsprechende Szenarien beinhalteten auch Lebensstiländerungen.

Redaktioneller Hinweis: Claudia Kemfert gehört dem Herausgeberrat von Klimareporter° an.


Von : klimareporter.de



Campagne und Diskussion von / bei campact.de

Bundestagswahl Klimakrise Klimawandel Kohle

Kohle – und jetzt?

Viel Kohleausstieg bringt es nicht: Das gerade verabschiedete Kohlegesetz ist schwach. Trotzdem hatten wir nie bessere Chancen auf ein schnelles Aus für die Kohlemeiler – die müssen wir jetzt gemeinsam richtig nutzen. Campact-Vorstand Christoph Bautz schreibt, wie das gehen kann.

Auf dem Gesetz steht Kohleausstieg – aber es ist viel zu wenig drin. Was die Abgeordneten von CDU/CSU und SPD letzten Freitag im Bundestag beschlossen haben, ist gleich aus mehreren Gründen völlig aus der Zeit gefallen: 

Verzögert, verzockt, verzweifelt

  1. Verzögert: Bis 2038 sollen …
  2. Verzockt: Die Kohle-Konzerne bekommen …
  3. Verzweifelt: Dörfer im Rheinland sollen …

Die Bedingungen, das Ende der Kohle schnell einzuläuten, sind besser denn je

Ein ziemlich wirkungsloses Kohleausstiegsgesetz – haben wir damit den Kampf um einen Ausstieg vor 2030 verloren? Mitnichten. Denn die Bedingungen, das Ende der Kohle schnell einzuläuten, sind besser denn je. Auf dem Energiemarkt ist es derzeit eng für die Kohle. Sie bekommt immer mehr Konkurrenz durch günstigen Wind- und Sonnenstrom – dank des niedrigen Gaspreises auch durch Gaskraftwerke. Gleichzeitig macht der relativ hohe CO2-Preis den Kohlestrom teurer. Im Ergebnis wurde in der ersten Jahreshälfte 36 Prozent weniger Strom aus Braun- und 46 Prozent weniger aus Steinkohle erzeugt – schlicht weil der Kohlestrom am Markt zu teuer ist.

Also regelt der Markt den Ausstieg? Nein. Darauf zu vertrauen, wäre fatal. Denn die schlechte Marktlage für Kohle ist nur eine Momentaufnahme. Gas- und CO2-Preis schwanken heftig. Läuft es schlecht, ist die Kohle demnächst wieder konkurrenzfähig.

Mit diesem Dreischlag bekommen wir die Kohle-Meiler vom Netz

Genau hier können wir ansetzen: Gemeinsam müssen wir dafür sorgen, dass die Bedingungen für Kohle am Markt schlecht bleiben. Dann schaffen wir den Ausstieg deutlich vor 2030. Und das geht so:

  1. Erneuerbare Energien massiv ausbauen: Je mehr Wind- und Solarstrom …
  2. Einen CO2-Mindestpreis einführen: Der europäische Emissionshandel, …
  3. Schadstoffe-Grenzwerte für Kohlekraft verschärfen: Quecksilber, Stickoxide, Feinstaub – …

Details und eine interessante Diskussion bei campact.de


Kohleausstiegsgesetz Der Wald vertrocknet, die Regierung zündelt

SPIEGEL, 05.07.20

Eine Kolumne von Christian Stöcker Wer sich nicht vorstellen kann, was die Klimakrise bei uns anrichtet, sollte mal über Land fahren. Die klar erkennbare Zerstörung der Wälder ist nicht nur alarmierend: Wir alle finanzieren sie mit. 05.07.2020, 16.21 Uhr

Waldsterben im Naturpark Arnsberger Wald Jochen Tack/ imago images

Wer im Moment durch Deutschland fährt, kann die Katastrophe schon sehen, mit bloßem Auge, fast überall. Bewaldete Hänge, egal ob in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen oder Bayern, sehen aus wie die Rücken räudiger Tiere: überall hässliche braune Flecken, schüttere Stellen, große Flächen mit schon von Weitem als tot erkennbaren Bäumen. Es sind vor allem Fichten, die unter der Dürre, die Deutschland mittlerweile im dritten Jahr plagt, leiden: Wenn sie zu trocken werden, sind sie leichte Beute für Borkenkäfer.

Auch wenn es in der zurückliegenden Woche vielerorts viel geregnet hat: Es ist auch 2020 viel zu trocken in Deutschland. Und natürlich auch zu warm, wie fast jedes Jahr mittlerweile.

Die deutschesten aller Bäume, vom Tode bedroht

Jahrgang 1973, ist Kognitions­psychologe und seit Herbst 2016 Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). Dort verantwortet er den Studiengang “Digitale Kommunikation”. Vorher leitete er das Ressort Netzwelt bei SPIEGEL ONLINE.

Auch Buchen und Eichen, die gewissermaßen deutschesten aller Bäume, sind durch klimabedingten Schädlingsbefall in teils dramatischen Prozentsätzen vom Tode bedroht. Von der Waldbrandgefahr ganz zu schweigen. Seltsam, dass gerade die, die so gern über die “Heimat” schwadronieren, das Problem nach wie vor nicht sehen wollen.

Schon im Mai 2020 lag die Expertenschätzung für die Waldfläche, die dieses Jahr zugrunde gehen wird, bei 400.000 Hektar. Das ist, sorry, zweimal so viel wie die Fläche des Saarlandes. Und es entspricht einem wirtschaftlichen Schaden in Milliardenhöhe.

“Dass der Klimawandel im Gange ist, das war uns allen bekannt. Aber dass es uns jetzt in dieser Intensität so schnell überrollt hat, das haben wir, glaube ich, alle nicht geglaubt”, hat ein Forstwirt dem ZDF dieses Frühjahr gesagt.

Jetzt überlegen Sie mal kurz, was Sie lieber mögen: Wälder oder Kohlekraftwerke?

Zu späte Reue

Deutsche Regierungen sind bekannt für euphemistisch benannte Gesetzesvorschläge, aber “Kohleausstiegsgesetz” dürfte, was die Schönfärberei angeht, zur Spitzengruppe gehören. Die Bundesregierung will deutsche Kohlekraftwerke noch bis 2038 weiterlaufen lassen. Der heutige Wirtschafts- und Energieminister Peter Altmaier wird dann, es sei ihm ein langes Leben gewünscht, 80 Jahre alt sein, genauso wie Finanzminister Olaf Scholz, Angela Merkel wird 84 Jahre alt sein. Sie alle werden bis dahin mit eigenen Augen zunehmend entsetzt wahrnehmen, was der Klimawandel nicht nur mit bemitleidenswerten Schwellenländern, sondern auch mit dem früher einmal in einer gemäßigten Klimazone gelegenen Deutschland anstellt. Sie werden zu spät Reue empfinden.

Das Umweltbundesamt schätzt, dass eine Tonne aus fossilen Brennstoffen erzeugtes CO2 Folgeschäden in Höhe von 180 Euro erzeugt. Die Branchen, deren Geschäftsmodell in der Erzeugung von CO2 besteht, müssen für diese Schäden aber nicht aufkommen, im Gegenteil: Sie werden subventioniert. Daran ändert auch die immer noch lächerlich niedrige CO2-Steuer nichts.

Hunderte Milliarden Euro Schaden, alle kräftig subventioniert


Mehr zum Thema


Allein in die Steinkohle hat Deutschland seit den Sechzigern Hunderte Milliarden Steuergelder gesteckt, die Braunkohle wird auf Umwegen ebenfalls mit Abermillionen pro Jahr gefördert. Dem “Kohleausstiegsgesetz” zufolge sollen RWE und Leag, die größten Braunkohlekonzerne, am Ende noch 4,35 Milliarden Euro dafür bekommen, dass sie ihre unfassbar schädlichen Kraftwerke und landschaftszerstörenden Tagebaue bis 2038 endlich stilllegen.

Deutsche Kohlekraftwerke sind, kombiniert, klimaschädlicher als alle anderen in Europa. Sieben der in absoluten Zahlen zehn größten CO2-Emittenten der Europäischen Union stehen in Deutschland. Und Deutschland ist mit weitem Abstand der Top-Treibhausgas-Emittent in der EU.

Allein die deutschen Braunkohlekraftwerke haben im Jahr 2018 noch 131 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. In den Jahren davor war es noch mehr. Multipliziert man 131 Millionen Tonnen Kohlendioxid mit der Schadensschätzung des Umweltbundesamtes von 180 Euro pro Tonne, kommt man auf eine erstaunliche Zahl:

Knapp 23,6 Milliarden Euro Schaden. In einem Jahr.

23,6 Milliarden Euro. In dieser Größenordnung liegen die Schäden durch Braunkohlestrom in Wahrheit jährlich. Wir alle bezahlen dafür. Man nennt das Vergesellschaftung von negativen Externalitäten. Oder kürzer: Ihr macht es kaputt, verdient dabei kräftig, und wir alle bezahlen.

Noch nach dem Beginn der sogenannten Energiewende im Jahr 2011 haben deutsche Braunkohlekraftwerke nach dieser Kalkulation Hunderte Milliarden Euro CO2-Schäden verursacht, immer fleißig bezuschusst vom Steuerzahler. Jetzt sollen manche davon noch weitere 18 Jahre weiterlaufen dürfen. Und am Ende gibt es dann noch einen Milliardenbonus.

Wir gehören zu den Langsamsten in Westeuropa

Sicher, die Schäden, die so eine Tonne CO2 verursacht, fallen vermutlich nicht nur innerhalb der Landesgrenzen an. Und andere Länder produzieren auch CO2. Aber erstens ist “sollen die anderen doch anfangen” bei einem globalen Problem wie dem Klimawandel eine kleinkindhaft unsinnige Position. Und zweitens steigen zumindest in Westeuropa nahezu alle anderen Staaten deutlich früher aus der Kohleverstromung aus als Deutschland. Anzeige

Das Experiment sind wir: Unsere Welt verändert sich in einem so atemberaubenden Tempo, dass wir von Krise zu Krise taumeln. Wir müssen lernen, diese enorme Beschleunigung zu lenken.

Herausgeber: Karl Blessing Verlag Seitenzahl: 300 Für 22,00 € kaufen Bei Amazon bestellen Bei Thalia bestellen Produktbesprechungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Über die sogenannten Affiliate-Links oben erhalten wir beim Kauf in der Regel eine Provision vom Händler. Mehr Informationen dazu hier

Frankreich: 2021. Italien: 2025. Belgien: schon kohlefrei. Niederlande: Ausstieg bis 2030. Großbritannien und Österreich: 2025, vielleicht noch früher. Schweden: 2022. Norwegen: kohlefrei. Finnland, der skandinavische Top-Emittent und Nachzügler: 2029.

Renitenter als Deutschland sind in Sachen Kohleverstromung nur noch Spanien und Länder wie Polen und Tschechien, die bekanntlich in vielfacher Hinsicht eher nicht als vorbildhaft gelten können.

Deutschland müsste dringend Vorbild sein, ist es aber nicht. Genauer: Wir …..


Mehr siehe Spiegel.de

https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/kohleausstieg-der-wald-vertrocknet-die-regierung-zuendelt-kolumne-a-4d73cec2-3cb1-4b86-a649-5f1198aa8c84

Tunnel ohne Ende ( Stuttgart 21 )

Von Oliver Stenzel| , Datum: 01.07.2020

Auf einmal sind für Stuttgart 21 ein neuer Gäubahntunnel auf den Fildern und zusätzliche Gleise im Norden im Gespräch. Die sollen Probleme lösen, die es ohne das Bahnhofsprojekt gar nicht gäbe. Was nun als Verbesserung verkauft wird, ist nichts anderes als eine Bankrotterklärung.

Für große Aufregung in der Landespresse hatten sie nicht gerade gesorgt, die vergangene Woche bekannt gewordenen Pläne der Bundesregierung, zugunsten des Deutschlandtakts neue Tunnel zu bauen – darunter im Rahmen von Stuttgart 21 einerseits einen neuen Gäubahntunnel auf den Fildern, zum anderen im Norden Stuttgarts zusätzliche Zuläufe zum geplanten Tiefbahnhof für die Schnellfahrstrecke aus Mannheim. Dabei sind diese Pläne im Grunde nichts anderes als eine Bankrotterklärung für das Projekt, ein Offenbarungseid. Denn vor allem die Überlegungen für einen Gäubahntunnel zeigen, wie ein zentraler Bestandteil von S 21, der bis vor Kurzem noch als problemlos umsetzbar behauptet wurde, nun im Handumdrehen entsorgt wird – weil dieser Bestandteil nichts anderes ist als eine planerische Katastrophe. Murks. Letzteres sagt, oh Wunder, nun sogar die bei S 21 sonst so unkritische CDU im Landtag.

Zusätzlich 44 Tunnelkilometer – zu bislang 62

Was nun folgen soll: Zusätzlich zu den schon jetzt gebauten und geplanten 62 Tunnelkilometern unter und um Stuttgart auf den Fildern noch 20 bis 24 Kilometer – und eine Milliarde Euro Kosten mehr. Die trägt möglicherweise hauptsächlich der Bund, falls der Abschnitt in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird. Und bei den Zulaufstrecken im Norden kämen bei der vorgestellten Ausbau-Option noch einmal rund 20 Kilometer Tunnel hinzu, so der Landesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) Matthias Lieb. Laut Klaus Gebhard von der Gruppe “Umstieg 21” sogar rund 24 Kilometer. Damit “werden die Tunnelkilometer für Stuttgart 21 auf die Spitze getrieben”, sagt Lieb.

Scheuers Masterplan

Die Pläne für neue Tunnel im deutschen Schienennetz wurden erstellt im Rahmen des „Masterplans Schienenverkehr“, den Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am 30. Juni mit viel Show vorgestellt hat. Er soll dem Ziel dienen, den „Deutschlandtakt“ umzusetzen, „um bis 2030 doppelt so viele Bahnkundinnen und Bahnkunden im Schienenpersonenverkehr zu gewinnen“. In dem Dokument ist dabei auch von einem „Ausbau der Planungs- und Baukapazitäten“ von momentan zwei Milliarden Euro hin zu drei bis vier Milliarden Euro pro Jahr die Rede. Allerdings enthält die präsentierte Fassung des Masterplans noch keine Liste konkreter Infrastrukturprojekte; diese soll bis zum 15. Juli folgen. (os)

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Noch einmal mindestens rund 44 Kilometer zusätzlich, auf einen Schlag noch einmal über zwei Drittel der bisherigen Menge mehr, man wäre dann am Ende bei bald 110 Kilometern. Riesige Mengen zusätzlich an Beton, dessen Bedarf S 21 schon in der bisher geplanten Dimension zu einer CO2-Schleuder macht (Kontext berichtete), und das in einer Zeit, in der die Folgen des Klimawandels nicht mehr zu leugnen sind. Dies führt jede Argumentation, die klimafreundliche Bahn jetzt durch den Deutschlandtakt attraktiver zu machen, ad absurdum.

Kurz: enorme zusätzliche Kosten, enormer zusätzlicher CO2-Ausstoß, ein Umsetzungszeitraum, den man mit Planung, Planfeststellung, Einwendungen, Ausschreibungen und Bau vermutlich eher auf 20 als auf zehn Jahre taxieren kann. Und das alles, um für die neue Station eine Betriebsqualität zu schaffen, die der alte Kopfbahnhof ohnehin schon hat. “Wahnsinn wird mit Wahnsinn bekämpft” beschreibt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 den in seinen Augen “sündhaft teuren Versuch (…) noch irgendwie zu retten, was nicht mehr zu retten ist”.

Auf den Fildern: Von Anfang an Murks

An wenigen Stellen des Projekts trat der Murks so offen zutage wie bei der Filderplanung für die Gäubahn, oder konkret, dem Planungsfeststellungsabschnitt ….

Bahnvertreter argumentierten auf Informationsveranstaltungen zu diesem Abschnitt gegenüber Kritikern auch mit Simulationen, die angeblich eine gute Betriebsqualität und Fahrbarkeit der Strecke nachweisen sollten. Die stimmten nun offenbar doch nicht so ganz, und die Kritiker haben Recht behalten. Gutes Futter für Gedankenspiele, wie sich dereinst dieses Szenario in der zu klein dimensionierten Tiefhaltestelle im Stuttgarter Talkessel wiederholen wird.


Weiter siehe : Kontext Wochenzeitung 01.07.20



( Hinweis von Holger )

Verbote für den Klimaschutz? –

Teil 2: Verbote für den Klimaschutz? – 28. Juni 2020

Die Mehrheit der Bevölkerung hält die Erderwärmung für eine Bedrohung und Gegenmaßnahmen für dringend erforderlich. Doch im Konsumverhalten schlägt sich das kaum nieder. Menschen verzichten ungern freiwillig. Appelle an die Vernunft oder gar die Moral bewirken wenig. Muss also der Staat mit Verboten und Steuern für klimagerechtes Verhalten sorgen? Oder sind Selbstverpflichtungen der bessere Weg – im Privaten wie in der Politik?

Von Dirk Asendorpf Audio starten, abbrechen mit Escape

Deutschland, deine Regeln (2/8) – Verbote für den Klimaschutz?

Audio Download . Download mit LINUX: Rechte Maustaste und “Ziel speichern unter” oder “Link speichern unter”.

  • Sendehinweis: Tiefenblick (Wdh.) | SO 28.05.20 22.30 – 23.00 Uhr | WDR 5

WDR 5 Tiefenblick: Deutschland, deine Regeln. Teil 2 von 8. 28.06.2020. 27:38 Min.. Verfügbar bis 22.06.2021. WDR 5.


Aus der WDR5 – Serie Tiefenblick ; zur WDR-Seite
oder aus der Audiothek

AGROPHOTOVOLTAIK – DOPPELT UND DREIFACH ERNTEN (Vortrag, Frauenhofer, 16.05.20)

auf der letzten LAG Sitzung Wald, Land und ländlicher Raum gab es 2 Vorträge zum Thema Agrar PV-Anlagen die Helge.Ehrhardt (Grüne) sehr gut fand.   Natürlich haben wir in Bochum nicht soviel Agrarfläche, aber das System könnte ja auch auf anderen Flächen sinnvoll eingesetzt werden.   Auf Parkplätzen wie Ruhrpark oder dem großen Kaufland am Ümminger See kann ich mir sehr gut eine Überdachung von 2-3 Parkreihen gleich mit E-Tankstellen darunter vorstellen.  

FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR SOLARE ENERGIESYSTEME ISE
AGROPHOTOVOLTAIK – DOPPELT UND DREIFACH ERNTEN
Max Trommsdorff
Gemeinsame Sitzung BAGen Landwirtschaft und Energie
Online-Sitzung am 16. Mai 2020 www.ise.fraunhofer.de

Agenda
 Herausforderungen Energiewende
 Agrophotovoltaik – von der Idee zur Umsetzung
 Forschungsergebnisse APV-RESOLA
 Food-Energy-Water Nexus


(Info via Heidi))

News von Correctiv.org: Die Verkehrswende und Corona

Klimawandel  Nachrichten zu Klimawandel und Umweltschutz  Liebe Leserin, lieber Leser, unsere besten Zeiten liegen fünf Wochen zurück – zumindest in Sachen Verkehrsemissionen. Mit Corona kam der Verkehr nahezu zum Stillstand: Berufstätige blieben im Homeoffice, Schulen und Kitas schlossen. Die Menschen fuhren mit dem Rad oder gingen zu Fuß.

Mittlerweile hat sich wieder Normalität eingestellt. Mit den Lockerungen kehren die Menschen zurück auf die Fahrbahnen und Straßen. Doch gerade der ÖPNV scheint als Verlierer aus der Krise zu gehen. Viele steigen aus Angst vor dem Virus eher ins eigene Auto statt in den Bus – keine guten Nachrichten für die Klimabilanz! Wie geht es nun weiter, was können wir mitnehmen aus der Corona-Zeit und wie packen wir die überfällige Verkehrswende an? Wie gewonnen, so zerronnen: Was wir aus dem Lockdown für die Verkehrswende lernen können Pop-Up-Radwege, kostenloser ÖPNV oder einfach mal im Homeoffice bleiben. Es gibt viele Konzepte, die den Verkehr im Ruhrgebiet entspannen würden. Mit 1,4 Mllionen Menschen, die hier täglich zwischen den Kommunen zur Arbeit und zurück fahren, ist das Ruhrgebiet absolute Pendlerhochburg. Und viele sind mit dem eigenen Auto unterwegs. In Bochum stößt nun die aktuelle Frei-Park-Aktion in der Innenstadt auf Widerstand bei Umweltinitiativen. Die kostenlosen Parkplätze sollen Anreiz sein, doch mal wieder zum Shoppen und Essen gehen in die Stadt zu fahren – existenziell für die lokalen Läden. Doch aus Klimasicht fatal und möglicherweise ein falsches Zeichen. Wir haben Bürger:innen bei unserer aktuellen Crowdrecherche „Wo Stehst Du?“ sowie lokale Mobilitätsinitiativen gefragt: Was nervt, wo gibt es Hoffnung und was ist die wichtigste Maßnahme auf dem Weg zur überfälligen Verkehrswende? 


Wie gewonnen, so zerronnen (CORRECTIV)
„Wo Stehst Du?“ (Bürgerrecherche) Generation Rettungsschirm Dass Konsequenzen aus der Krise gezogen werden, fordern auch die jungen Vertreter der Generationen Stiftung: „Wir brauchen einen Generationen-Rettungsschirm. Nicht morgen, nicht nächstes Jahr, sondern JETZT.“ Unter diesem Motto fordern sie die Bundesregierung auf, vier Sofortmaßnahmen umzusetzen. Ziel ist eine sozial gerechtere und ökologisch nachhaltige Zukunft. Mit dabei: Klimaschutz! Die Bunderegierung solle das Klimabudget aufstocken, die Klimaschutzbemühungen verstärken und die Notfallsituation der Klimakrise anerkennen. Sie können die Kampagne mit Ihrer Unterschrift und auch aktiver Mithilfe unterstützen.


Jugendorganisationen: Sie kriegen die Krise (Zeit)
Kampagne:Generation Rettungsschirm (Generationen Stiftung) Webinar zur KlimaSCHMUTZlobby Der grüne Europa-Abgeordnete Michael Bloss hatte zu seinem Webinar über die „Klimaschmutzlobby“ gleich zwei Expertinnen unserer Klimaredaktion eingeladen: Katarina Huth erzählte über die Undercover-Recherche bei den millionenschweren Klimawandel-Leugnern der USA, dem Heartland-Institut. Mit einer Kuli-Kamera und monatelangem Taktieren konnte sie beweisen, wie jede:r beim angeblich wissenschaftlichen Institut für Geld Kampagnen kaufen kann. Unsere Klimareporterin Annika Joeres erzählte über ihr neuestes Buch zur „KlimaSchmutzlobby“. Zusammen mit Susanne Götze hat sie jahrelang und mit vielen verdeckten Quellen recherchiert, wer seit Jahrzehnten dafür sorgt, dass der Ausstoß von CO2 immer neue Rekorde erreicht. Diese Spurensuche nach den Bremsern von Klimaschutz hatte aber seinen Preis: Klimawandel-Leugner erteilten ihnen Hausverbote auf ihrer Münchener Konferenz, Ökonomie-Professoren schrieben auf journalistische Anfragen, sie „wollten für ihre restliche Lebenszeit“ nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Dennoch fanden sie Netzwerke marktradikaler Denkfabriken mit direktem Zugang zur Bundesregierung, Rechtspopulisten, die sich mit Klimawandelleugnern vereinigen, und Staatssekretäre, die intern zum „Bermudadreieck der Energiewende“ getauft werden. 

Verschickt: Di, 23. Jun. 2020 8:12
Betreff: Die Verkehrswende und Corona + Anti-Klimaschutz Lobbyismus + Generation Rettungsschirm



Info von Ingo

Erneuerbare Energien: Berliner Unternehmen nimmt Solarstraße in Betrieb

Solmove glaubt, dass große Flächen in Deutschland in Solarkraftwerke verwandelt werden können. Ein Projekt in Frankreich war jedoch wenig erfolgreich.
Artikel veröffentlicht am 18. Juni 2020, 11:30 Uhr, Werner Pluta

Solarstraße (Symbolbild): ergänzen durch induktive Ladesysteme oder LEDs
Solarstraße (Symbolbild): ergänzen durch induktive Ladesysteme oder LEDs (Bild: Charly Triballeau/AFP via Getty Images)

Strom aus der Straße: Das Berliner Startup Solmove hat im Ruhrgebiet ein Stück Straße mit Solarmodulen ausgelegt. Nach einer längeren Testphase ist die Solarstraße jetzt in Betrieb und liefert Strom für ein Bürogebäude und eine Ladestation für Elektrofahrräder.

Die Testanlage der Smart Solar Street befindet sich auf einem Parkplatz auf dem Gelände der stillgelegten Zeche Westerholt zwischen Gelsenkirchen und Herten. Solmove hat dort im Mai vergangenen Jahres 40 Quadratmeter Solarmodule installiert. Die Photovoltaikzellen sind in eine harte Glasschicht integriert und stabil genug, dass Autos darüberfahren können.

Im Herbst mussten an dem System einige Veränderungen vorgenommen werden. Seit dieser Testphase sei sie vollständig funktionsfähig. Je nach Sonnenstunden liefern die Module zwischen 8 und 18 Kilowattstunden (kWh). Der Solarstrom wird in einen 10-kWh-Stromspeicher gespeist. Dieser versorgt ein Bürogebäude sowie eine Ladestation für Pedelecs.

Die Solarmodule böten die Möglichkeit, auf versiegelten Verkehrsflächen wie Straßen, Radwegen oder Parkplätzen Strom zu erzeugen, teilte Solmove mit. In Deutschland könnten nach Angaben des Berliner Unternehmens auf einer Fläche von rund 1.400 Quadratkilometern Solarstraßen eingerichtet werden.

Media player poster frame

Video: Solarstraße Wattway – Colas (1:11)

Der Ertrag könnte ausreichen, um rund 20 Millionen Elektrofahrzeuge zu versorgen. Zudem stellt sich Solmove vor, die Solarstraßen mit weiteren Systemen auszustatten. Induktive Ladetechnik etwa könnte es ermöglichen, die Akkus von Elektroautos während der Fahrt zu laden. Eine andere Möglichkeit wäre, mehrfarbige Leuchtdioden (LED) in die Fahrbahn zu lassen. Die können als Informationssystem fungieren. Eine weitere Idee wäre, die Straßen mit dem Solarstrom zu beheizen, so dass sie im Winter nicht vereisen. Schließlich könnten die Kommunen den Strom ins Netz speisen und so ihre chronisch leeren Kassen füllen.

Der Nutzen solcher Solarstraßen ist allerdings umstritten. In der Normandie, im Nordwesten von Frankreich, wurde 2016 eine in Betrieb genommen. Doch blieben die realen Erträge deutlich hinter den Erwartungen zurück. Der Straßenbelag war zudem nicht stabil genug.



Referenz : bei golem.de : https://www.golem.de/news/erneuerbare-energien-berliner-unternehmen-nimmt-solarstrasse-in-betrieb-2006-149162.html

Dokumentationen / Hintergründe / Filme zu Klimawandel , Klimaschutz , Klimanotstand

Hier mal eine kleine Zusammenstellung von Dokumentationen / Berichten aus der Mediathek zum Thema Klimawandel / Klimaschutz . — Auf alle Fälle diskussionswürdig und sehenswert :
( Die Verfügbarkeit ist unterschiedlich )


Zugriff auf die Mediathek-View-Web zum Stichwort
* Klimawandel ,
* Klimanotstand


Einige besondere Beiträge :

  • (22.06) , ARD , Wie der Klimawandel die Alpen verändert
    Der Klimawandel trifft die Alpen besonders stark. Gletscher schmelzen, Pflanzen und Tiere wandern immer weiter in die Höhe – und Skiliftbetreiber müssen sich wegen des fehlenden Schnees längst neue Methoden für ihren Betrieb ausdenken.
  • (22.06) , ARD , Bäume im Klimawandel & Neutronensterne
    Diesmal verrät uns der Astrophysiker Jörn Wilms von der Remeis-Sternwarte der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, was Neutronensterne sind. Und der Ökophysiologe Henrik Hartmann vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena fragt, wie es unserem Freund, dem Baum, in Zeiten des Klimawandels geht.
  • (22.06) , ARD , Klimawandel, Plastik, rücksichtslose Fangmethoden: Wie bedroht sind unsere Fische?
    Die Themen: Huchen, Äschen, Barben: Heimische Arten in Gefahr | Forschungsschiff Aldebaran: Flüsse und Seen im Visier | Immer weniger Fisch: Ist der Bodensee zu nährstoffarm? | Nachhaltiger Fischfang: Wie verlässlich ist das MSC-Siegel? | Plastik im Wasser: Wie Forscher Nano-Partikel erkennen
  • (20.06) , ARD , Archäologische Holzfunde als Blaupausen für Waldumbau
    Das Projekt “Archaeoforest” hat letzten Herbst begonnen. Ziel ist es, den Wald dem Klimawandel anzupassen und ihn zukunftsbeständig zu machen. Wir zeigen Ihnen, welche Rolle mittelalterliche Bergbauhölzer dabei spielen.
  • (17.06) , ZDF , Klimawandel hinterlässt seine Spuren
  • (13.06) , ARD , Sven Plöger über den Klimawandel
    ARD-Meteorologe Sven Plöger hat ein Buch darüber geschrieben, wie das Klimasystem funktioniert. Fundiert und leicht verständlich erklärt er die komplexen Zusammenhänge. Trotz der hitzigen Aussichten hat er sogar eine gute Nachricht dabei: Wir können das Schlimmste verhindern – vorausgesetzt, wir handeln jetzt!
  • (27.06.19) , ARD , Wie Gemeinden mehr Umweltschutz erreichen wollen
    Erlangen war die erste bayerische Stadt, die den Klimanotstand ausgerufen hat, viele Gemeinden folgten und werden folgen – viele lehnen diesen Schritt aber auch ab. Was bewegt Kommunalpolitiker, wie sehen sie den “Klimanotstand”?
  • (12.12.18) , 3SAT , Klimakiller Holzkohle
    Holzkohle ist ein brandheißes Thema, auch mit Blick auf den Klimawandel. Jedes Jahr nutzen die Europäer 800.000 Tonnen Holzkohle zum Grillen. 70 Prozent der europäischen Grillkohle werden dafür…
  • (15.03.19) , SRF , Grüne Träume
    Es ist die vielleicht grösste globale Protestbewegung seit den 68ern: In über 500 Städten auf der ganzen Welt sind Schülerstreiks geplant. Die Jugendlichen verlangen die Ausrufung des «Klima-Notstands». Und sie verlangen, dass die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 auf netto Null gesenkt werden. Ihr Traum ist so einfach wie klar: Den Klimawandel doch noch rechtzeitig stoppen zu können.
    Wie stark …..
  • x
    • Link hohe Qualität
    • Link niedrige Qualität
    • Link zur Website
  • x
    • Link hohe Qualität
    • Link niedrige Qualität
    • Link zur Website

Weitere Anregungen und Vorschläge bitte eintragen / zusenden …