Milliardengeschäft Kohle: Warum RWE sogar an steigenden CO2-Preisen verdient

(19.09.21, Handelsblatt) , Original : hier

Zukunft der Energie

Von: Jürgen Flauger, Kathrin Witsch

Die Kohle ist zwar ein Auslaufmodell, trotzdem wird RWE noch blendend an ihr verdienen – weil Deutschlands größter Stromkonzern gut gezockt hat.

Deutschlands größter Stromkonzern verdient weiterhin gut am klimaschädlichen Energieträger.

Düsseldorf Auf den ersten Blick ist die Kohlesparte für RWE nur noch lästiger Ballast. Der Ausstieg ist besiegelt, und Deutschlands Kohlekonzern Nummer eins muss seine Kraftwerke bis spätestens 2038 schrittweise abwickeln.

Tatsächlich kann der Stromproduzent mit dem klimaschädlichen Energieträger nach Informationen des Handelsblatts aber noch viele Jahre lang satte Gewinne erwirtschaften. RWE hat sich äußerst geschickt gegen das größte Risiko abgesichert: die stetig steigenden CO2-Preise.

„Das darf man nicht laut sagen, aber mit Kohle verdient RWE richtig gutes Geld“, sagt ein RWE-Insider. „Was wir im Moment sehen, ist, dass die Nachfrage nach Braunkohle auch bei einem höheren CO2-Preis da ist, weil die Kapazitäten im Strommarkt knapp geworden sind“, sagt eine Sprecherin des Konzerns auf Anfrage. 

Im ersten Halbjahr liefen die Kohlekraftwerke des Konzerns trotz Kohleausstieg und Klimadebatte auf Hochtouren. Mit den Braunkohlekraftwerken erzeugte RWE 21.500 Gigawattstunden (GWh) Strom, fast 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Steinkohlekraftwerke steigerten die Produktion um gut ein Drittel auf 3400 GWh.

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RWEKlimawandelUmweltschutzEnergie- und UmweltpolitikJP Morgan ChaseEnBW

Dabei hatte RWE im Zuge des Kohleausstiegs sogar schon zwei Steinkohleblöcke und einen Braunkohleblock stillgelegt. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in der Sparte Kohle/Kernenergie kletterte um 75 Prozent auf 545 Millionen Euro.

RWE verweist auf „günstige Marktbedingungen“. Eigentlich verwundert das, schließlich ist zwar der Strompreis im Großhandel sprunghaft geklettert, aber genauso der Preis für CO2-Zertifikate, die insbesondere die Kohleverstromung verteuern sollen. Aktuell kostet ein Zertifikat, das zum Ausstoß einer Tonne des Treibhausgases berechtigt, rund 60 Euro. Im vergangenen Jahr waren es im Schnitt nur 25 Euro.

Ausgerechnet bei Deutschlands größtem Kohlekonzern verpufft der Effekt aber. „Wir können den steigenden CO2-Preisen gelassen entgegenblicken“, heißt es von RWE selbst. Das Unternehmen hat sich schließlich schon vor Längerem zu äußerst günstigen Konditionen gegen das CO2-Preis-Risiko gewappnet – und zwar für das ganze Jahrzehnt.

„Wir haben schon vor Jahren angefangen, uns im großen Stil mit Zertifikaten einzudecken“

„Die finanziellen Auswirkungen steigender CO2-Preise sind bis 2030 vollständig abgesichert“, hält RWE in einem Bericht gegenüber der Klimaschutzorganisation Carbon Disclosure Project nüchtern fest: „Um diese Risiken zu mindern, setzen wir Absicherungsinstrumente ein. Daher sehen wir bis 2030 keine potenziellen Auswirkungen.“

Dahinter steckt eine Glanzleistung der eigenen Tradingabteilung. „Wir haben schon vor Jahren angefangen, uns im großen Stil mit Zertifikaten einzudecken, als die Preise im Keller waren“, berichtet ein Ex-RWE-Manager.

Der Konzern will zwar nicht beziffern, wie viele CO2-Zertifikate er sich bis 2030 gesichert hat und zu welchen Preisen. Für 2019 und 2020 hatte er den durchschnittlichen CO2-Preis je Megawattstunde aber mit fünf Euro angesetzt, für 2021 mit acht und für 2022 mit 16 Euro, wie aus einer Präsentation hervorgeht. Dabei fallen pro Megawattstunde Strom in einem Braunkohlekraftwerk etwa eine Tonne CO2 an. RWE hat sich die Zertifikate also zu einem Bruchteil des jeweiligen Marktpreises gesichert.

„Die detaillierten Informationen dazu werden gut gehütet“, sagt Analyst Peter Crampton von Barclays: „Das ist ja auch politisch eher sensibel.“

Die Analysten von JP Morgan bezeichneten jüngst in einem großen Bericht zur RWE-Aktie das CO2-Hedging des Konzerns als „Blackbox“ und „große Unbekannte“ – und eben als entscheidend für die Bewertung des Kraftwerksparks.

Die Analysten schätzen, dass RWE sich aktuell Zertifikate für 200 Millionen Tonnen CO2 gesichert hat. Dabei könne RWE beim Hedging einkalkulieren, dass steigende CO2-Preise auch den Großhandelspreis nach oben treiben. Andere Analysten und Branchenvertreter halten die Schätzung von JP Morgan aber sogar für viel zu tief gegriffen.

RWE muss Debatte um früheren Kohleausstieg fürchten

Tatsächlich ist das Thema brisant. Der RWE-Konzern, der wegen seines Kohleengagements für Klimaschützer noch immer das Feindbild Nummer eins ist und als „Dinosaurier“ gilt, richtet sich endlich auf die Energiewende aus. Seit dem milliardenschweren Tauschgeschäft mit Eon 2019 ist RWE wieder ein großer Spieler bei erneuerbaren Energien.

Während das letzte Atomkraftwerk im kommenden Jahr vom Netz geht und der Kohleausstieg beschlossen ist, hat der Ruhrkonzern Wind- und Solarenergie zum neuen Kerngeschäft erkoren, investiert Milliarden und will bis 2040 klimaneutral werden. Im vergangenen Jahr akzeptierte er auch den Fahrplan zum schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung und der Förderung von Braunkohle im Tagebau.

Dafür wird RWE vom Bund mit 2,6 Milliarden Euro entschädigt. Berichte über gute Geschäfte mit der Kohle dürften die ohnehin starke Kritik an den Entschädigungszahlungen befeuern und den Druck auf die nächste Bundesregierung erhöhen, den Kohleausstieg noch vorzuziehen.

RWE-Chef Markus Krebber

Der Energiekonzern will bis 2040 klimaneutral werden.

Dabei muss RWE nach Einschätzung von Branchenexperten gar keine Angst vor einem noch schnelleren Abschalten seiner Kraftwerke haben. „RWE hat schon in den Jahren 2017 und 2018 die Entwicklungen am CO2-Markt richtig eingeschätzt“, sagt Analyst Crampton: „Es war letztlich klar, dass der Preis deutlich ansteigen würde. So ist es ja politisch auch gewollt.“ RWE habe sich für den damaligen Kraftwerkspark bis 2030 komplett gegen das CO2-Risiko abgesichert. Nicht aus spekulativen Gründen, sondern um das absehbare Risiko zu mildern.

„Das war ein hervorragender Move“, sagt Analyst Crampton: „RWE sollte deshalb trotz der steigenden CO2-Preise die Braunkohlekraftwerke auch in den kommenden Jahren gewinnbringend betreiben können.“ Und da inzwischen das Aus für einige Kohlekraftwerke besiegelt wurde, dürfte RWE sogar „überzählige Zertifikate“ haben – und könnte sie möglicherweise mit Gewinn auf den Markt bringen.

In Branchenkreisen wird sogar vermutet, dass RWE bereits damit begonnen hat, CO2-Zertifikate zu Geld zu machen. Die Tradingabteilung hatte zuletzt sehr gut performt. Das könnte an guten Geschäften mit den CO2-Rechten liegen, heißt es.

Es wird sogar spekuliert, dass RWE in den kommenden Jahren vorrangig die CO2-Rechte am Markt verkaufen und die eigenen Kraftwerke wiederum mit teureren Rechten am Markt versorgen könnte. Die Tradingabteilung würde dann hohe Gewinne verbuchen, die Gewinne mit den Kohlekraftwerken würden dagegen nicht zu üppig ausfallen – was politisch opportun wäre.

Riskante Wette auf den Strompreis

„Es ist wahrscheinlich, dass die Tradingabteilung nach und nach manche der CO2-Zertifikate verkaufen wird“, meint Analyst Crampton.

Nach Einschätzungen von Enkraft Capital muss das Geschäft mit den CO2-Rechten sogar so lukrativ sein, dass der Investor „signifikante stille Reserven“ sieht. In einem Brief an RWE forderte die aktivistische Investorengruppe in der vergangenen Woche die Abspaltung des Erneuerbaren-Geschäfts von RWE.

Sie hält das Unternehmen aufgrund der Braunkohleaktivitäten am Aktienmarkt für massiv unterbewertet. „Und da sind die CO2-Zertifikate noch gar nicht mit eingerechnet“, sagt Enkraft-Geschäftsführer Benedikt Kormaier im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Nach unseren Schätzungen liegen die aus den CO2-Zertifikaten und Derivaten resultierenden stillen Reserven zwischen zehn und 13 Milliarden Euro.“ Und das sei noch konservativ kalkuliert. 

In der Tat könnte sich die Frage nach einem Verkauf der Zertifikate in den nächsten Jahren noch öfter stellen. „Wenn die Strompreise auf dem heutigen Niveau bleiben, dann kann RWE damit die Kosten decken. Aber die Tendenz geht eher dahin, dass die Strompreise nicht auf diesem hohen Niveau bleiben“, glaubt Energieexperte Felix-Christian Matthes vom Öko-Institut. Wenn die Strompreise sinken, könne es durchaus attraktiv sein, die gesicherten Zertifikate zu verkaufen, so Matthes.

So positiv die Aussichten für RWEs Kohlekraftwerke in diesem Jahrzehnt auch sind, so unsicher sind sie darüber hinaus.

Es ist eine riskante Wette auf die Zukunft der Strompreise. Trotzdem ist RWE nicht der einzige Akteur, der clever mit CO2-Rechten handelt. Viele Hedgefonds haben sich langfristig mit den Verschmutzungsrechten eingedeckt und spekulieren auf steigende Preise. Und auch Konkurrenten von RWE haben sich nach Informationen des Handelsblatts eingedeckt – in Einzelfällen ebenfalls bis 2030.

Aber auch die Konkurrenz hält sich bei dem Thema offiziell lieber bedeckt. Ein Sprecher der ostdeutschen Leag, des zweitgrößten Förderers von Braunkohle in Deutschland, teilte auf Anfrage mit, das Unternehmen wolle „zu diesen Fragen, die betriebsinterne Details betreffen, keine Stellung nehmen“.

Ähnlich äußerte sich der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper. „Da die Märkte nur auf wenige Jahre im Voraus liquide sind, hedgen wir meist nicht weiter als drei bis vier Jahre in die Zukunft“, teilte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage lediglich mit.

Auch EnBW wollte sich „aus Wettbewerbsgründen“ nicht genauer zu dem Kauf von CO2-Zertifikaten äußern. Aus einer Präsentation für Investoren geht allerdings hervor, dass auch der Energiekonzern aus Baden-Württemberg vorgesorgt hat. So sind selbst 2024 immerhin schon bis zu 30 Prozent der Emissionen abgesichert. 

So positiv die Aussichten für RWEs Kohlekraftwerke in diesem Jahrzehnt auch sind, so unsicher sind sie darüber hinaus. Zumindest bei einer Regierungsbeteiligung der Grünen wird mit einer Debatte um einen auf 2030 vorgezogenen Kohleausstieg gerechnet.

Und selbst wenn nicht, sind die wirtschaftlichen Aussichten düster, da dann die Absicherung gegen die CO2-Preise ausläuft. „Wir erwarten, dass RWEs Braunkohleflotte in die Verlustzone rutscht, sobald das strategische Hedging 2030 ausläuft – und die Flotte komplett dem CO2-Preis ausgesetzt ist“, schreiben die Analysten von JP Morgan.


Tip von Ingo

Ergänzung PV- Vorstellung , Solarmodule mit Stein-Optik verschmelzen mit der Fassade

(29.09.21, heise) , Origonal : hier

*** zu unserer Balkon-Kraftwerks-Seite : Infos zum Photovoltaik-Balkon-Modul ***

Das Institut für Solarenergieforschung hat ein Verfahren entwickelt, handelsübliche Photovoltaik-Module optisch besser in Steinfassaden zu integrieren. Von Gregor Honsel

Die PV-Module mit der Stein-Optik. (Bild: ISFH)

Bläulich schimmernde Solarzellen wirken bei Häusern meist als Fremdkörper. Auch bedruckte Module für Fassaden haben immer noch die Anmutung farbiger Glasscheiben. Forscherinnen und Forscher des Instituts für Solarenergieforschung (ISFH) in Hameln haben nun ein neues Verfahren entwickelt, PV-Module unauffällig in Gebäude einzufügen (Paper). Deren Oberfläche sieht nicht nur aus wie Stein – sie besteht aus Stein.

Dazu ersetzten die Wissenschaftler entweder die Frontscheibe eines handelsüblichen PV-Moduls komplett durch ein Steinfurnier, oder sie laminierten ein Steinfurnier auf die bestehende Frontscheibe auf. Auf diese Weise lassen sich Module auch nachrüsten.

Laut PV-Magazine bestehen die insgesamt 1,5 Millimeter dünnen Furniere aus Glasfaserkunststoff und einer 0,5 Millimeter dicken Steinschicht. Die raue Steinoberfläche wirke auch für Betrachter, die aus nächster Nähe vor der Fassade stehen oder sie berühren, authentisch, sagte Hauptautor Arnaud Morlier gegenüber dem PV-Magazine.

Allerdings halbiert sich durch die Verschattung auch der Wirkungsgrad. Ein weiteres Problem: Je nach Maserung und Störungen lassen die Steinfurniere nur ungleichmäßig Licht durch – etwas, was Solarzellen gar nicht gerne haben. Als Abhilfe schlagen die Hamelner vor, die Lichtdurchlässigkeit des Laminats vor der Montage zu scannen und nur die eher homogenen Bereiche zu verwenden.

Werden Module an einer Fassade montiert, sinkt die Stromausbeute gegenüber konventionellen Dachmodulen weiter, weil sie schlechter zur Sonne ausgerichtet sind. Trotzdem können sie eine sinnvolle Ergänzung zu Dachmodulen sein – etwa, weil sie an Ost- und Westfassaden morgens respektive abends verstärkt Strom liefern.

Für die Tests lieferte ein Partner dünne Schichten aus Schiefer, das sich leicht ablösen lässt. Doch was ist mit Kunden, die keine Schiefer-, sondern beispielsweise eine Sandsteinfassade haben? “Jeder Stein ist anders”, sagt Mitautor Robert Wittek gegenüber TR. “Wir arbeiten aber bereits an Verfahren für andere Steinsorten.” Bei weichen Steinen wie Sandstein sei es beispielsweise denkbar, ihn zu mahlen und die Körner in ein Harzbett einzubringen. Auch mit Holz haben die Hamelner bereits experimentiert. Folgeprojekte sollen nun die Kommerzialisierung vorantreiben.

Literaturhinweis : Technology Review 7/21 : Sonderausgabe zum Klimawandel

(28.09.21, heise) , Original : hier

Sie ist die dringendste Herausforderung unserer Zeit: die Erderwärmung. Das neue Technology-Review-Heft widmet dem Klimawandel daher eine komplette Ausgabe.
von : Luca Caracciolo

29.09.2021 08:12 Uhr MIT Technology Review Von

Die neue Ausgabe der MIT Technology Review beschäftigt sich mit dem Klimawandel in vielen Facetten. Dabei zeigt sich: Technologische Innovationen allein werden nicht genügen, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Der Klimawandel ist vor allem eine kulturelle und soziale Frage – und eine politische Herausforderung. Die nötigen Einschnitte sind hart, die Veränderungen grundlegend.

Die gute Nachricht: Deutschland kann bis Mitte des Jahrhunderts klimaneutral werden. In unserer Titelgeschichte der Ausgabe 7/2021 (ab Donnerstag am gut sortierten Kiosk oder online bestellbar) fassen wir die wichtigsten Szenarien bezüglich der nötigen Veränderungen zusammen, die dafür nötig wären. Es sind Szenarien und keine Prognosen, aber dennoch machen sie deutlich, dass es hart wird: Weniger individuelle Mobilität, also deutlich weniger fliegen und Autofahren. Viel weniger Fleischkonsum. Noch mehr Windräder – ja, auch direkt vor der eigenen Haustür. Die Liste ist lang.

Wie ernst es schon ist, zeigt zum Beispiel die Tatsache, dass es immer mehr Zonen auf der Erde gibt, die an bestimmten Tagen im Jahr eine Kombination aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit aufweisen, die lebensbedrohlich für Menschen ist. Laut einer Studie ist das für 30 Prozent der Weltbevölkerung an mindestens 20 Tagen im Jahr bereits der Fall. Dieser Prozentsatz wird nach den Berechnungen der Forschenden bis zum Jahr 2100 auf fast die Hälfte ansteigen.

Gleichzeitig räumen wir in der Ausgabe mit Illusionen auf, die immer wieder in der Debatte aufkommen – zum Beispiel bezüglich negativer Emissionen. Die Idee, CO2 aus der Atmosphäre zu entnehmen, klingt ganz fantastisch. Das funktioniert technisch sogar. Die Wahrheit ist aber auch, dass die nötige Menge, um bei einer globalen Klimaneutralität bis 2050 das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, gigantisch ist. Das ist mit technischen Lösungen kaum zu schaffen.

Wir stellen sechs Gründerinnen und Gründer vor, die mit ihrem Start-up dazu beitragen wollen, den Klimawandel abzumildern. Es sind ganz unterschiedliche Geschäftsideen: dabei Etwa Ecosia, die grüne Suchmaschine, die einen Großteil der Erlöse in Wiederaufforstungsprojekte steckt. Oder Formo: Das Start-up arbeitet daran, bei Milchprodukten ohne auszukommen. Darüber hinaus haben wir mit Interpanel, Microlino, Neustark und Volterion gesprochen. Was sie zu sagen haben und welche Geschäftsideen sie entwickelt haben, können Sie in sechs Interviews nachlesen.

Zudem haben wir einige der dringendsten Probleme in den Bereichen Industrie, Verkehr und Energie recherchiert. Woran hapert es beim Ausbau von Offshore-Windkraft-Anlagen? Welche Möglichkeiten gibt es, die Stahlproduktion klimaschonender auszurichten? Wie lassen sich großflächige Photovoltaik-Anlagen mit Naturschutz vereinbaren? Was muss passieren, damit die Verkehrswende gelingt und mehr Menschen aufs Fahrrad steigen? Wie steht es mit Carbon Offsetting – echter Beitrag zum Klimaschutz oder eher doch nur Greenwashing? Diese und weitere Fragen diskutieren wir in der Sonderausgabe. Sie liegt ab Donnerstag am gut sortierten Kiosk und kann online bestellt werden.

Propagandaschlacht ums Klima (Buchtip)


Propagandaschlacht ums Klima
Wie wir die Anstifter klimapolitischer Untätigkeit besiegen

Im Original: The New Climate War (von Michael E. Mann)
In der deutschen Übersetzung von Matthias Hüttmann, Tatiana Abarzúa und Herbert Eppel

ISBN 978-3-933634-48-1, 2. Auflage 2021, 440 Seiten,
D: 29,00 € (AT: 29,80 EUR, CH: 33,80 SFr)
Verlag Solare Zukunft

Mit einem Vorwort des Science4Future-Wissenschaftlers Prof. Volker Quaschning und einem Nachwort des Meteorologen Özden Terli.

Klappentext

Propagandaschlacht ums Klima” von Michael E. Mann

Der renommierte Klimawissenschaftler Michael E. Mann zeigt, wie die fossile Brennstoffindustrie seit 30 Jahren eine Kampagne führt, um von Schuld und Verantwortung abzulenken und Maßnahmen gegen den Klimawandel zu verzögern. In dem Buch präsentiert er seinen Aktionsplan zur Rettung des Planeten.

Recyceln. Weniger Fliegen. Weniger Fleisch essen. Das sind einige der Maßnahmen, von denen uns gesagt wurde, dass sie den Klimawandel verlangsamen können. Aber die übermäßige Betonung des individuellen Verhaltens ist das Ergebnis einer Marketingkampagne, die es geschafft hat, die Verantwortung für die Bewältigung des drohenden Klimawandels vollständig auf die Schultern des Einzelnen zu legen.

Die Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie sind dem Beispiel anderer Branchen gefolgt, die ebenso die Schuld von sich weisen –man denke nur an »Waffen töten keine Menschen, Menschen töten Menschen« –oder an das Greenwashing der Getränkeindustrie mit der »Crying Indian« Kampagne in den 1970er Jahren. Gleichzeitig blockieren sie Bemühungen, den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid zu regulieren oder zu bepreisen, führen PR-Kampagnen durch, die darauf abzielen, praktikable Alternativen zu diskreditieren, und entziehen sich ihrer Verantwortung, das von ihnen geschaffene Problem zulösen. Das Ergebnis ist für unseren Planeten verheerend.

In »Propagandaschlacht ums Klima« vertritt Mann die Ansicht, dass noch nicht alles verloren ist. Er beschreibt die Fronten zwischen den Verbrauchern und den Verursachern –den Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie, den rechtsgerichteten Plutokraten und den Petrostaaten. Und er skizziert einen Plan, um unsere Regierungen und Konzerne zu zwingen, aufzuwachen und echte Veränderungen vorzunehmen, einschließlich:

  • Einer vernünftigen, realistischen Herangehensweise bei der Bepreisung von CO2 und einer Korrektur der gut gemeinten, aber fehlerhaften, derzeit vorgeschlagenen Version des Green New Deals
  • Einer fairen Konkurrenz zwischen Erneuerbaren Energien und fossilen Energieträgern
  • Der Entlarvung falscher Narrative und Argumente, die sich in die Klimadebatte eingeschlichen haben und einen Keil zwischen diejenigen treiben, die Lösungen für den Klimawandel unterstützen
  • Einer Bekämpfung von Klimauntergangsstimmung und Hoffnungslosigkeit.

Angesichts der immens mächtigen Interessen, die den Status quo der fossilen Brennstoffe verteidigen, wird der gesellschaftliche Wandel nur mit der aktiven Beteiligung der Bürger gelingen, die den gemeinsamen Vorstoß unterstützen. Dieses Buch will überalldie Menschen erreichen, informieren und befähigen, sich dem Kampf um unseren Planeten anzuschließen

Einfach Grün. — Greening the City (Ausstellung DUS)

(10.09.21, baukultur.nrw) , Original : hier


<< Das wäre doch auch eine Ausstellung für Bochum !! >>


Die Ausstellung „Einfach Grün. Greening the City“ zeigt von 17.9 bis 17.10.2021 in Düsseldorf die Vorteile und Herausforderungen des städtischen Grüns. Präsentiert werden technische Möglichkeiten und praktische Lösungen anhand von Beispielen von Düsseldorf über Mailand bis Singapore.

Einfach Grün – Greening the City
Eine Ausstellung des Deutschen Architekturmuseums (DAM), Frankfurt, in Kooperation mit dem Museum der Baukultur Nordrhein-Westfalen, der Stadt Düsseldorf und dem BLB NRW. Unterstützt wird die Ausstellung durch ingenhoven architects.

Laufzeit

17. September – 17. Oktober 2021

Öffnungszeiten

täglich 9 – 18 Uhr

Ausstellungsort

Bürgerpark, Düsseldorf (Gegenüber vom Haupteingang
zum Landtag NRW; Adresse: Platz des Landtags 1, 40221 Düsseldorf):  https://goo.gl/maps/jkmnZ5zARXf9VaZy9

Begleitveranstaltungen

16. September, 18 Uhr
Ausstellungeröffnung + Diskussion
Welchen Beitrag können insbesondere Bauherrn und Bürger*innen für eine grüne Architektur leisten?

12. Oktober 2021, 18–19:30 Uhr
Webinar der Verbraucherzentale NRW
Gründächer als Beitrag zur Klimaanpassung

Handbuch zur Ausstellung

Begleitend zur Ausstellung ist ein Handbuch zum Gebäudegrün erschienen mit vielen Beispielen, vor allem aber praktischen Tipps und Handreichungen zu Fragen rund um das Thema Begrünung von Gebäuden, von der Pflanzenauswahl, über den Aufbau einer Dachbegrünung bis hin zur Frage, ob und wie eine intensive Dachwiese gemäht wird.

„Einfach Grün. Greening the City“
hrsg.v. Hilde Strobl, Peter Cachola Schmal, Rudi Scheuermann

DAM, Frankfurt a. M. 2021, 304 Seiten, deutsch/ englisch
ISBN 978-3-939114-10-9; 2. erweiterte Auflage, 2021
19 Euro

Das Buch ist auch während der Laufzeit der Ausstellung beim Museum der Baukultur zu bestellen.


Tip von Stefan

Hungerstreik fürs Klima Umweltaktivisten protestieren vor dem Berliner Reichstag

(02.09.21 , tagesspiegel ) , Original : hier

Sieben junge Berliner fordern eine radikale Klimawende und Gespräche mit den Kanzlerkandidaten. Dafür protestieren sie vor dem Reichstagsgebäude. 

Für eine radikale Klimawende haben sieben junge Leute in Berlin nach eigenen Angaben einen unbefristeten Hungerstreik begonnen. Am Donnerstag demonstrierten einige der Aktivisten mit Unterstützern am Reichstagsgebäude. 

Erklärtes Ziel ist eine öffentliche Diskussion mit den Kanzlerkandidaten von CDU/CSU, SPD und Grünen sowie die Einsetzung eines Bürgerrats, der der Politik Sofortmaßnahmen gegen die Erderwärmung vorgeben soll.

„Keines der Wahlprogramme der etablierten Parteien greift auch nur ansatzweise das auf, was notwendig ist, (…) um ein Überleben auf diesem Planeten zu ermöglichen“, sagte der 22-jährige Simon Helmstedt, einer der Hungerstreikenden, der Deutschen Presse-Agentur. Aus Sicht der Wissenschaft blieben nur noch drei Jahre Zeit, um gegenzusteuern. „Ich finde das sehr erschütternd.“

Vor dem Hungerstreik hätten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vergeblich andere Protestformen gewählt. „Wir wurden ignoriert“, sagte der Biologiestudent. Man wisse, dass die Nahrungsverweigerung gefährlich sei. „Das ist ja eine fundamentale Entscheidung, in den unbefristeten Hungerstreik zu treten“, sagte der junge Berliner. „Für mich ist es klar geworden, dass es jetzt notwendig ist.“


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Von den Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) gebe es vorerst keine Rückmeldung, sagte die Sprecherin der Aktion, Hannah Lübbert, am Donnerstag. Der Hungerstreik begann den Angaben zufolge am Montag. Die Aktivisten kampieren auf einer Wiese im Spreebogen in der Nähe des Reichstagsgebäudes. (dpa)

Missing Link: Verkehrswende – wir brauchen ÖPNV, der besser als das Auto ist (heise)

(05.09.21, heise.de ) , Original : hier

Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs soll helfen, die Klimaziele zu erreichen. Wie soll das gehen, wenn auch im zweiten Corona-Jahr die Fahrgäste wegbleiben? Von Franziska Zehl , Timo Daum.

Bei der Forderung, den öffentlichen Personennahverkehr auszubauen, herrscht seltene Einigkeit quer durch alle politischen Lager. Damit wird die Hoffnung verbunden, dieser könne einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, zur Reduktion von Emissionen und Treibhausgasen sowie zu einer weniger autozentrierten Mobilität leisten. Eine Studie des Berliner Thinktanks Agora Verkehrswende hält gar eine Verdoppelung des Verkehrsaufkommens im ÖPNV bis 2035 für notwendig, um die Klimaziele zu erreichen.

Aber ist das überhaupt realistisch? In der Corona-Pandemie war ein Rückgang der Nutzung motorisierter Verkehrsmittel zu verzeichnen, auch die Nutzung des ÖPNV brach ein. Lag der Anteil des ÖPNV am Verkehrsaufkommen bereits vor der Pandemie bei schlappen 15 Prozent, hat er sich im Zuge dieser globalen Krise noch einmal halbiert. Repräsentative Befragungen zeigten bereits im Frühjahr und Herbst 2020 tiefe Einbrüche in Verkehrsaufkommen und -leistung des ÖPNV.

Aber auch mehr als zwei Jahre nach Beginn der Pandemie sieht es schlecht für den ÖPNV aus, wie quantitative Daten aus dem MOBICOR-Projekt eindrücklich zeigen. Ein kürzlich erschienener MOBICOR-Sonderbericht lieferte weitere Einblicke in die derzeitige Rolle des ÖPNV: Nur wer keine Wahl hat, nutzt zu Zeiten der Pandemie öffentliche Verkehrsmittel.

Verkehrsleistung pro Tag absolut nach Verkehrsmitteln, zurückgelegte Wege von Personen ab 16 Jahren (Hochrechnung in Mio Personenkilometern)
Modal Split vor und während der Pandemie, Angaben in Prozent; Datengrundlage: Verkehrsmittelnutzung für am Berichtstag zurückgelegte Wege von Personen ab 16 Jahren

Die geringe Beliebtheit des ÖPNV war vor allem zur Hochzeit der Pandemie eng mit der Angst vor Ansteckung mit dem Corona-Virus in Bussen und Bahnen verknüpft.

Allerdings sind es gerade diejenigen, die vor der Pandemie, wenn überhaupt, ohnehin nur selten mit Bus oder Bahn fuhren, die besonders häufig in ein abweisendes Narrativ verfallen. Leitsätze wie ‘safety first’ oder ‘Gesundheit geht vor’ werden als Gründe für die konsequente Meidung öffentlicher Verkehrsmittel genannt. Die Pandemie scheint damit gerade den Menschen, die der ÖPNV auch vor der globalen Krise schon nicht erreichen konnte, den letzten Grund zu liefern, Bussen und Bahnen endgültig den Rücken zu kehren.

Aber auch Menschen, die sonst regelmäßig den ÖPNV nutzten, steigen im Zuge der Pandemie verstärkt vom ÖPNV aufs Rad oder das Auto um. Dabei waren es im zweiten Corona-Jahr sogar nochmal mehr Befragte (44 Prozent) als im ersten Corona-Jahr 2020 (34 Prozent). Obgleich die derzeitige Datenlage gegen eine erhöhte Ansteckungsgefahr in öffentlichen Verkehrsmitteln spricht, wenden sich immer mehr selbst vormals treue ÖPNV-Fahrgäste von diesem ab. Dabei ist die Corona-Pandemie keineswegs der einzige Grund für die geringe Nutzung des ÖPNV.

Auch wenn die quantitativen Befragungsdaten offenlegen, dass rund die Hälfte der Befragten im Mai 2021 ihre Meidung des ÖPNV mit dem Corona-Virus begründet, zeigt sich auch, dass strukturelle Probleme genauso bedeutsam sind. Vor allem mangelnde Verbindungen stellen ein Problem für die Befragten dar und sind für 42 Prozent der Grund, Bus und Bahn zu meiden. Zur Wahrheit gehört also auch, dass neben der vermeintlichen Ansteckungsgefahr auch die fehlende Flexibilität und mangelnde Produktqualität starke Motive sind, den ÖPNV zu meiden.

Welches Verkehrsmittel von den Versäumnissen des ÖPNV in der Krise profitieren kann, legen die Daten der dritten Erhebungswelle im MOBICOR-Projekt offen: der motorisierte Individualverkehr (MIV) ist und bleibt auch im Mai 2021 Gewinner der Pandemie.

Doch nutzen nicht alle Menschen das vermeintlich Pandemie-resistente Verkehrsmittel Auto gleichermaßen. Stattdessen offenbart das zweite Corona-Jahr eine noch extremere soziale Schieflage in der Mobilität. Der Zugang zu einem oder mehreren Pkw steigt mit dem ökonomischen Status des Haushaltes. Diese Unterschiede machen sich entsprechend in der Autonutzung von Menschen mit unterschiedlichem ökonomischem Haushaltsstatus bemerkbar:

Nutzung privater PKW im Alltag nach ökonomischem Status des Haushaltes, Mai 2021

Hinzu kommt, dass Vielverdiener:innen noch häufiger als im ersten Corona-Mai vollkommen alleine im Auto sitzen – und das trotz der deutlich entspannteren Infektionslage als zu Beginn der Pandemie. So sind im Mai 2021 bereits mehr als drei Viertel der Wege von Vielverdiener:innen Alleinfahrten.

Darüber hinaus steigen im Mai 2021 aber auch Menschen mit niedrigem ökonomischem Status vermehrt vom ÖPNV aufs Auto um. Insgesamt versuchen auch Geringverdiener:innen im Mai 2021 öfter das Auto zu nutzen – nur die hohe ökonomische Schicht hat aber auch tatsächlich und häufiger die Mittel dazu, diesem durch die Pandemie befeuerten Wunsch nachzugehen.

Entlang des verfügbaren Nettoäquivalenzeinkommens betrachtet, wird so eine soziale Schieflage der ÖPNV-Nutzung sichtbar. Während der ÖPNV im Herbst 2020 nur 2 Prozent vom Verkehrsmittelmix der Vielverdienenden (über 2.200 €) ausmacht, wird im selben Zeitraum fast jeder zehnte Weg (9 Prozent) von Personen mit niedrigem Einkommen (bis 1.300 €) mit Bus oder Bahn zurückgelegt.

Gesamtniedrigmittelhoch
Mai 202057516060
Mai 202159526177
Anteil der Wege, die alleine im Auto zurückgelegt wurden nach ökonomischem Status des Haushaltes (Angaben in Prozent)

Genau wie die ÖPNV-Nutzung ist auch die Inanspruchnahme von Homeoffice sozial ungleich verteilt, so dass sich zeigt: die im ÖPNV verbliebenen, meist geringverdienenden Fahrgäste nutzen öffentliche Verkehrsmittel hauptsächlich noch aus beruflichen Gründen. Dementsprechend beginnen oder enden 58 Prozent der im Oktober/NÖPNVember 2020 getätigten ÖPNV-Wege im Nahverkehr an der Ausbildungs- bzw. Arbeitsstätte. Zum Vergleich: Im Corona-freien Oktober 2017 lag dieser Anteil noch bei 49 Prozent. Das heißt auch: Busse und Bahnen werden während der Pandemie vor allem von jenen genutzt, die weiterhin im Präsenzbetrieb arbeiten (müssen) und für ihren Arbeitsweg auf den ÖPNV angewiesen sind.

Ob das Ende der Pandemie also wirklich Voraussetzung für eine wieder unbeschwerte Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sein könnte, bleibt zu bezweifeln. Weder unser Klima noch die Verkehrsbetriebe können es sich zudem leisten, am ‘weiter wie bisher’ festzuhalten und sich auf einen möglichen Zulauf im öffentlichen Verkehr zum noch unbestimmbaren Ende der Pandemie zu verlassen.

Stattdessen gilt es zu erkennen, dass die Corona-Krise als Brennglas wirkt, unter dem sich die Außenseiterrolle des ÖPNV unter den gegebenen Rahmenbedingungen immer weiter verstärkt. Statt der Pandemie die Schuld an den derzeitigen Missständen zu geben, sollte der ÖPNV einsehen, dass diese hausgemacht sind und er sie selbst seit Jahren am Leben hält. Viel zu lange pflegt der ÖPNV schon seine eigene Nische und wehrt sich gegen jegliche Modernisierung. Zuletzt erst Anfang des Jahres, als Verkehrsbetriebe sich im Zuge der NÖPNVelle des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) wieder einmal einer innÖPNVativen Angebotserweiterung verschlossen.

Warum also kommt der ÖPNV auch im zweiten Jahr der Pandemie nicht in die Gänge? Die Ergebnisse zeigen: Es liegt nicht nur an der Maskenpflicht, an den Corona-Einschränkungen, sondern an viel älteren, hausgemachten Problemen, eines Verkehrssystems, das “mal eine gute Idee war – vor einhundert Jahren”, so der Verkehrsforscher Andreas Knie.

Damit ist auch die Tatsache, dass sich der ÖPNV nicht einmal während einer globalen Krise wie der jetzigen traut über den eigenen Tellerrand zu blicken, nicht der Corona-Pandemie zuzuschreiben, sondern lediglich ein Symptom der grundlegenden Unfähigkeit des ÖPNV neu und größer zu denken. Die entscheidende Erkenntnis aus der Pandemie sollte daher sein, dass die derzeitige Strategie des ÖPNV nicht aufgeht. Statt die Scheuklappen aufzuziehen und tatenlos auf ein Leben ohne Corona zu warten, müssen Politik und Verkehrsbetriebe sich besser gestern als heute um ein sorgenfreies ÖPNV-Fahren trotz Corona bemühen.

Mit dem ÖPNV, wie wir ihn kennen, diesem Hartz-4 der Mobilität ist keine Verkehrswende zu machen. Er ist nicht kundenorientiert, sogar diskriminierend, nur auf den ersten Blick ökologisch vorteilhaft, und vor allem mit Blick auf die Zukunft nicht skalierbar, tritt auf der Stelle. Die Krise des ÖPNV ist durch Corona noch deutlicher geworden, er ist dringend reformbedürftig. Wenn statt stündlich ein leerer Bus bald halbstündlich ein leerer Bus fährt — das ist nicht Verkehrswende.

Er muss sich hingegen gründlich neu erfinden, muss in allen Belangen besser als das Auto werden – schneller, bequemer, gesünder, günstiger, ja luxuriöser! Vorschläge für eine nachhaltige und starke Zukunft des ÖPNV, mit der die Klimaziele erreicht werden können, gibt es genug. Verkehrsbetriebe und Politik müssen aber endlich und gerade jetzt in der Corona-Pandemie beginnen, außerhalb ihrer eigenen Komfortzone zu denken und zu handeln.

Klimawahlcheck

(06.09.21, klimawahlcheck.org) , Original : hier

Über den Klimawahlcheck

Der Klimawahlcheck nimmt die Wahlprogramme der großen Parteien zur Bundestagswahl 2021 klimapolitisch unter die Lupe. Wir haben die Programme von CDU, SPD, Grünen, FDP und Linken analysiert und zeigen, wer eine ambitionierte Klimaschutzpolitik verfolgt und wer nicht. Der Klimawahlcheck hilft dir dabei, deine eigene Position zum Klimaschutz im Parteienspektrum zu verorten und eine klimapolitisch informierte Wahlentscheidung zu treffen. Gleichzeitig findest du hier Antworten auf wichtige Fragen zur Erderwärmung sowie Forderungen der Zivilgesellschaft an die Parteien für einen wirksamen Klimaschutz. 

Der Klimawahlcheck ist keine Wahlempfehlung. … Der Klimawahlcheck gibt dir eine erste Orientierung sowie Informationen zu den klimapolitischen Inhalten der Parteien.

Die Bundestagswahl 2021 ist entscheidend für unsere Zukunft.

Steigen die CO₂-Emissionen weiter so an wie bisher, erwärmt sich die Erde um mehr als vier Grad. Die Folgen für Mensch und Natur wären dramatisch. Es bleiben noch zehn Jahre, um die globale Erwärmung auf ein erträgliches Maß von 1,5 Grad zu begrenzen.

Die nächste Bundesregierung ist also mitentscheidend dafür, in welcher Welt wir leben werden.

Mach den Klimawahlcheck!

Wir haben die Wahlprogramme der großen Parteien im Hinblick auf ihre Klimaschutzpolitik ausgewertet. Checke zuerst, was für dich selbst Klimaschutz bedeutet und vergleiche dann deine Einstellung mit den Positionen der großen Parteien.

Los geht’s

NABU zeigt sich entsetzt: Umfrage: Klima spielt für ältere Wähler kaum Rolle (n-tv)

(02.09.21, n-tv) , original : hier

59 Prozent der über 65-Jährigen lehnen es laut der Umfrage ab, die Klimainteressen junger Generationen bei ihrer Wahlentscheidung zu berücksichtigen.

In der öffentlichen Debatte ist der Klimaschutz zu einem der zentralen Themen geworden. Doch je älter die Wähler, desto weniger spielen die Interessen der jungen Generation eine Rolle bei der Wahlentscheidung. Das zeigt eine aktuelle Umfrage – die Umweltschützer erschreckt.

Je älter die Menschen sind, desto weniger richten sie ihr Wahlverhalten an den Klimaschutzinteressen der jüngeren Generation aus. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die der Naturschutzbund Deutschland (NABU) veröffentlichte. Darin gaben insgesamt 58 Prozent der Befragten an, sie berücksichtigten bei ihrer Wahlentscheidung die Klimaschutzinteressen der jungen Generation nicht.

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Die Zustimmung zu der Aussage: “Meine Entscheidung zur Bundestagswahl orientiere ich an Klima- und Naturschutzinteressen junger Generationen” nimmt den Ergebnissen zufolge mit zunehmendem Lebensalter immer weiter ab. Bei den 30- bis 39-Jährigen sind es etwas über 40 Prozent, bei den 40- bis 49-Jährigen 36 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen noch 30 Prozent.

Mit Blick auf die über 65-Jährigen ergibt sich folgendes Bild: 59,1 Prozent lehnen es ab, die Klima- und Naturschutzinteressen junger Generationen bei ihrer Wahlentscheidung zu berücksichtigen. 27,9 Prozent beziehen sie in ihre Wahlentscheidung ein.

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger bezeichnete die Ergebnisse der Umfrage als erschreckend. “Wir wissen aus anderen Umfragen, dass Klima- und Umweltschutz mit der wichtigste Themenkomplex für die Bundestagswahl ist.” Mit den Folgen des Klimawandels “werden sich vor allem unsere Kinder und Enkelkinder befassen müssen”. Damit dürften sie aber nicht alleine gelassen werden. “Die Bekämpfung der Klima- und Artenkrise ist eine gemeinsame Aufgabe aller Generationen.”

Für die Umfrage befragte das Meinungsforschungsunternehmen Civey zuletzt vom 20. bis 22. August 2021 rund 5000 Menschen.


Tip von Ingo



Weitere Infos

(03.09.21, vnexplorer ) , Original : hier

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Nabu ist erschreckt: Für Ältere spielt Klimaschutz beim Wahlverhalten geringe Rolle

02/09/2021 Je älter die Menschen sind, desto weniger richten sie ihr Wahlverhalten an den Klimaschutzinteressen der jüngeren Generation aus. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) am Donnerstag veröffentlichte. Darin gaben insgesamt 58 Prozent der Befragten an, sie berücksichtigten bei ihrer Wahlentscheidung die Klimaschutzinteressen der jungen Generation nicht.

© dpa Klima-Aktivistin Greta Thunberg Die Zustimmung zu der Aussage: „Meine Entscheidung zur Bundestagswahl orientiere ich an Klima- und Naturschutzinteressen junger Generationen“ nimmt den Ergebnissen zufolge mit zunehmendem Lebensalter immer weiter ab. Bei den 30- bis 39-Jährigen sind es etwas über 40 Prozent, bei den 40- bis 49-Jährigen 36 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen noch 30 Prozent.

Mit Blick auf die über 65-Jährigen ergibt sich folgendes Bild: 59,1 Prozent lehnen es ab, die Klima- und Naturschutzinteressen junger Generationen bei ihrer Wahlentscheidung zu berücksichtigen. 27,9 Prozent beziehen sie in ihre Wahlentscheidung ein.

Klimaschutz ist „gemeinsame Aufgabe“

Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger bezeichnete die Ergebnisse der Umfrage als erschreckend. „Wir wissen aus anderen Umfragen, dass Klima- und Umweltschutz mit der wichtigste Themenkomplex für die Bundestagswahl ist.“ Mit den Folgen des Klimawandels „werden sich vor allem unsere Kinder und Enkelkinder befassen müssen“. Damit dürften sie aber nicht alleine gelassen werden. „Die Bekämpfung der Klima- und Artenkrise ist eine gemeinsame Aufgabe aller Generationen.“



(03.09.21 , windmesse ) , Original : hier

Meldung von NABU – Naturschutzbund Deutschland

NABU-Umfrage zum Klimaschutz: Interessen der jungen Generation werden bei der Wahl ignoriert

Krüger: Klima- und Artenschutz sind Aufgaben aller Generationen – wir dürfen unsere Kinder und Enkelkinder nicht alleine damit lassen Bild: Pixabay

Hochwasser, Waldbrände, steigende Temperaturen – der Klimawandel ist längst Realität. Die dramatischen Ereignisse der vergangenen Wochen haben bei vielen Menschen in Deutschland das Bewusstsein hinsichtlich der Klimaveränderungen noch einmal steigen lassen. Für rund ein Drittel ist Klimapolitik das wahlentscheidende Thema – seit den letzten Extremwetterereignissen mit steigender Tendenz.

Knapp 58 Prozent berücksichtigen bei ihre Wahlentscheidung allerdings nicht die Klimaschutzinteressen der jungen Generation, die zukünftig jedoch erheblich von den Folgen des Klimawandels betroffen sein wird. Das hat eine zweite vom NABU in Auftrag gegebene, repräsentative Umfrage bestätigt. In der ersten, deckungsgleich vor den Hochwasserereignissen durchgeführten Umfrage zeigte sich bereits ein vergleichbares Bild: Die Klimaschutzinteressen junger Generationen spielten auch hier nur eine untergeordnete Rolle.

Der Anteil derer, die der Aussage “Meine Entscheidung zur Bundestagswahl orientiere ich an Klima- und Naturschutzinteressen junger Generationen“ zustimmen, nimmt mit zunehmendem Lebensalter der Befragten immer weiter ab. Nach der jüngsten Umfrage sind es bei den 30- bis 39-Jährigen etwas über 40 Prozent, bei den 40- bis 49-Jährigen 36 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen noch 30 Prozent.

Mit Blick auf die über 65-Jährigen ergibt sich folgendes Bild: 59,1 Prozent lehnen es ab, die Klima- und Naturschutzinteressen junger Generationen bei ihrer Wahlentscheidung zu berücksichtigen. 27,9 Prozent beziehen sie in ihre Wahlentscheidung ein.

Bei den 18- bis 29-Jährigen haben 39,2 Prozent die Klima- und Naturschutzinteressen junger Generationen im Blick und stimmen zu.

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: “Das Ergebnis hat uns wirklich erschreckt. Wir wissen aus anderen Umfragen, dass Klima- und Umweltschutz mit der wichtigste Themenkomplex für die Bundestagswahl ist. Die Ursachen des Klimawandels haben eine direkte Verbindung zu der langen Wohlstandsphase in unserem Land. Wir alle, insbesondere die geburtenstarken Generationen, haben direkt davon profitiert. Mit den Folgen werden sich vor allem unsere Kinder und Enkelkinder befassen müssen. Damit dürfen wir sie nicht alleine lassen. Die Bekämpfung der Klima- und Artenkrise ist eine gemeinsame Aufgabe aller Generationen. Mit unserer Stimme bei der Bundestagswahl entscheiden wir gemeinsam, wie zukunftsfähig die Politik in unserem Land gestaltet wird.“

Der NABU fordert gemeinsam mit anderen Umweltverbänden und großen Organisationen, die Bundestagswahl 2021 zu einer Klima- und Naturschutzwahl zu machen. Die Bekämpfung der Klima- und Artenkrise müsse oberste Priorität für jede Partei haben. Weit über 300.000 Wähler*innen haben bereits ihr persönliches Versprechen gegeben, sich bei der Bundestagswahl 2021 mit ihrer Stimme für Klima und Natur einzusetzen. Mehr Infos: https://mitmachen.nabu.de/de/pledge

Zur Umfrage:
Das Meinungsforschungsunternehmen Civey hat im Auftrag vom NABU zunächst im Zeitraum 5. bis 7. Juli 2021 und erneut im Zeitraum vom 20. bis 22. August 2021 rund 5.000 Personen zu Einflussfaktoren bzgl. ihrer bevorstehenden Wahlentscheidung befragt. Die Ergebnisse sind unter Berücksichtigung des angegebenen statistischen Fehlers repräsentativ für die deutsche Gesamtbevölkerung.

Mit mehr als 820.000 Mitgliedern und Fördernden ist der 1899 gegründete NABU der mitgliederstärkste Umweltverband Deutschlands. Der NABU engagiert sich für den Erhalt der Lebensraum- und Artenvielfalt, den Klimaschutz sowie die Nachhaltigkeit der Land-, Wald- und Wasserwirtschaft. Zu den zentralen NABU-Anliegen gehören auch die Vermittlung von Naturerlebnissen und die Förderung naturkundlicher Kenntnisse.

Mehr Infos: www.NABU.de/wir-ueber-uns Quelle: NABU Autor: Pressestelle Link: www.nabu.de/… Keywords:NABU, Bundestagswahl, Umfrage, Klimaschutz, Generation, Klimakatastrophe, Extremwetter, Hochwasser, Waldbrand, Interesse

Höherer C02-Ausstoß als vor 2020: Trend trotz Corona ungebrochen

(25.08.21, taz) , Original : hier

Weltweit steigen die Treibhausgas-Emissionen weiter stark an. Wissenschaftler fordern eine „blitzschnelle Energiewende“.

Nach der Coronakrise werden global mehr Treibhausgase ausgestoßen als vorher

BERLIN taz | Der weltweite Einbruch von Industrieproduktion und Verkehr in der Covidpandemie hat den Trend zu global immer weiter steigenden Treibhausgas-Emissionen nicht gebrochen – ganz im Gegenteil: Stromverbrauch und CO2-Ausstoß aus dem Energiesektor lagen im ersten Halbjahr 2021 um 5 Prozent höher als in der ersten Hälfte 2019, also vor der Pandemie. Das geht aus einer Studie des britischen Thinktanks Ember hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wird und 63 Länder analysiert, die 87 Prozent des weltweiten Stroms verbrauchen. „Die hochschießenden Emissionen sollten die Alarmglocken auf der ganzen Welt läuten lassen“, sagte Ember-Chef Dave Jones. „Wir bauen nicht besser wieder auf, sondern schlechter.“ Eine „blitzschnelle Energiewende“ sei nötig, um das 1,5-Grad-Limit einzuhalten.

Dabei wurde im letzten Jahr weltweit die Rekordsumme von 380 Milliarden Dollar in saubere Energien investiert. 57 Prozent des zusätzlichen Stromverbrauchs kamen laut Studie von Wind und Sonne – aber die restlichen 43 Prozent eben von dreckiger Kohle. Der Anteil von Gas blieb gleich, Wasserkraft und Atom nahmen ab. In den alten Industriestaaten der EU, in den USA, Japan und Südkorea sanken die Emissionen aus dem Strom und Erneuerbare wurden wichtiger, aber vor allem wegen langsamer wachsender Stromnachfrage, hieß es. Doch in China, Indien, der Mongolei, Vietnam oder Bangladesch sei das Wirtschaftswachstum noch nicht vom CO2-Ausstoß abgekoppelt: Hier stiegen die Emissionen rapide an.

Genau vor diesem Szenario hatte die Internationale Energieagentur IEA im Juli gewarnt. Von den weltweit 16 Billionen Dollar für den ökonomischen Wiederaufbau flossen demnach 2,3 Billionen in die Wirtschaft, aber nur 380 Milliarden in saubere Energie. Das öffentliche und private Geld ging vor allem in den Verkehr, effiziente Gebäude und neue Treibstoffe. Diese jährliche Summe werde bis 2030 etwa stabil bleiben, sei aber nur ein Drittel der jährlichen Billion, die für eine weltweite Energiewende gebraucht werde, so die IEA.

Zwischen den Staaten gibt es große Unterschiede: während die alten Industrieländer 76 Milliarden an Steuergeld für Investments in saubere Energien vorsahen, waren es bei Schwellenländern nur 8 Milliarden. Und während einige Länder wie Südafrika, Indien, China und Thailand teilweise auch in Stromleitungen oder Energieeffizienz investierten, gaben viele Länder ihre knappen Mittel für kurzfristige Hilfen bei Stromkosten der Haushalte oder für ihre Energiekonzerne aus.