Stadtkühlung durch Photovoltaik

(20.08.19, solarverband Bayern) , Original : hier

Von Dr. Andreas Horn

Photovoltaikanlagen auf Dächern und an Fassaden helfen, die Überhitzung der Städte wirksam abzumildern

Die neuen Temperaturrekorde im Sommer 2019 in Deutschland und Europa rufen die nunmehr für jedermann erkennbaren Folgen der Klimaüberhitzung ins Bewusstsein der Menschen. Vor allem die Städte ächzen unter der brütenden Hitze, die einen Aufenthalt im Freien fast unerträglich macht. Die Städte suchen händeringend nach Möglichkeiten, um den urbanen Temperaturhub von zusätzlichen ca. 4°C gegenüber den Temperaturen auf dem Land abzumildern.

Die Installation von Photovoltaikanlagen ist eine schnelle, einfache und kostengünstige Möglichkeit, um die Überwärmung von versiegelten Flächen abzumildern. Denn die Photovoltaikanlagen wandeln 20% der einstrahlenden Sonnenenergie in Strom um und entziehen somit einen Teil der Solarstrahlung, der dann nicht mehr zur Erwärmung der Gebäude- und Luftmassen beitragen kann.

Dabei ist die Kühlwirkung einer PV-Installation rund fünffach stärker, als die einer unbewässerten, extensiven Dachbegrünung mit Sedum, wie sie heute zu 85% auf begrünten Dächern anzutreffen sind. Gerade aufgrund der in Folge des Klimawandels vorherrschenden langanhaltenden Hitze- und Trockenperioden sind die Gründächer nach wenigen Tagen weitgehend staubtrocken, so dass die trockenheitsresistenten Pflanzen kaum mehr Wasser zur Verfügung haben und die Verdunstung somit weitestgehend einstellen.
[Anm.: Die Evapotranspirationsrate eines unbewässerten Sedumdaches von 0,35 l/m2T, bzw. bei 100 m2 ca. 25 kWh/T, steigt bei einer PV-Installation auf rund 130 kWh/T Energieentzug durch Stromproduktion.]

Eine noch bessere Kühlleistung wäre durch bewässerte, intensive Dachbegrünungen zu erreichen. Diese bedingen jedoch höhere Dachlasten von rund 0,5 t/m2, und erfordern somit deutlich stabilere Gebäudekonstruktionen mit mehr Beton und Stahl, was letztendlich zu einem steigenden Anteil „grauer Energie“ zur Herstellung der Gebäude führt.
Während eine so geartete Dachbegrünung also erhebliche Investitionskosten zugunsten der Stadtbevölkerung bedarf, fällt die Kühlleistung bei PV als kostenloses Nebenprodukt bei der Stromproduktion an, wobei der Strom vorzugsweise im Gebäude – z. B. als Mieterstrom – genutzt werden kann.

Durch den zunehmenden Bedarf von Klimaanlagen steigt der Stromverbrauch gerade dann, wenn viel Solarstrom zur Verfügung steht. Eine ideale win-win-win-Situation.
Die Kühlwirkung der Photovoltaikanlagen kann nicht nur auf Flachdächern, sondern insbesondere auch auf den herkömmlichen Schrägdächern genutzt werden, die für eine Dachbegrünung aufgrund der Neigung meist nicht geeignet sind. Die Lebens- und Aufenthaltsqualität vieler Dachräume – insbesondere im Altbaubestand – steigt nach der Installation einer PV-Anlage erheblich, da die
Räume aufgrund der Beschattung der Dachflächen durch die PV-Anlage in Verbindung mit einer guten Hinterlüftung der Module im Sommer deutlich kühler bleiben. Diese seit gut 20 Jahren etablierte Technik ist zuverlässig und durch Massenproduktion mittlerweile sehr preiswert.

Bei PV-Anlagen auf Flachdächern ist darauf zu achten, dass diese so konstruiert sind, dass auch Regenwasser auf dem Dach zurückgehalten wird. Ein guter RegenwasserAbflussbeiwert von typisch 0,45 kann durch eine geeignete Substratauswahl für die Schüttung, die zur Ballastierung der PV-Anlage genutzt wird, erreicht werden. Bewährt hat sich hier kalkarmer Kiessand ohne organischen Anteil, weil hier die Pflege des Dachaufbaus hinsichtlich die PV-Anlage verschattendem Bewuchs problemlos ist. Wenn die PV-Anlage mit einer Dachbegrünung unter der PV-Anlage kombiniert werden soll, muss die

Anlage vergleichsweise hoch (mindestens 50 cm an der Unterkante!) aufgeständert werden.
Übliche Konstruktionen verteuern die PV-Anlage erheblich.
Als Trostpflaster steigt aber der Solarertrag der durch die Dachbegrünung besser gekühlten Module um ca. 0,3% pro Grad Celsius niedrigere Modultemperatur.
Photovoltaikanlagen auf Dächern und an Fassaden von Gebäuden liefern viele gute Antworten auf die Herausforderungen der Klimaüberhitzung vor allem für die Städte.
Das Mikroklima der Umgebung wird gekühlt, Maßnahmen sind schnell und kostengünstig im Neubau und Bestand umsetzbar, und nicht zuletzt wird mit jeder Kilowattstunde Solarstrom die Emission von CO2 aus fossilen Kraftwerken eingespart und somit der zunehmende Treibhauseffekt gebremst. Damit Städte auch zukünftig lebenswert bleiben.
Dachbegrünungen können zwar kühlen – aber anders als PV-Anlagen – keinen Fossilstrom ersetzen.

Quelle: SFV-Solarbrief 2/19
Dr. Andreas Horn, www.solardoktor.de
Siehe auch www.energiewendeplaner.de &
www.sonnenkraft-freising.de

Photovoltaik-Anlagen lieferten im August knapp 7,57 Terawattstunden Solarstrom

(02.09.22, pv-Magazin) , Original : hier

Den Auswertungen von Energy Charts zufolge liegt diese Summe zwar leicht unter den Volumina der drei Vormonate, ist aber das bislang beste Ergebnis …

Der August war nach Zahlen von Energy Charts ein schlechter Windmonat.

Grafik: Energy Charts

Die Photovoltaik-Anlagen in Deutschland haben im vergangenen Monat das bislang beste August-Ergebnis geliefert. Den Energy Charts des Fraunhofer ISE zufolge erzeugten sie 7,567 Terawattstunden Strom und trugen damit 19,2 Prozent zur öffentlichen Nettostromerzeugung bei. ….

Im Juni und Juli hatten die Photovoltaik-Anlagen in Deutschland noch jeweils mehr als acht Terawattstunden zur öffentlichen Stromversorgung beigetragen und damit neue Rekorde erzielt. ….

Green Cities 2035

Diskussionsreihe der Heinrich-Böll-Stiftung

Sonne & Wind — Die Energiewende vor Ort gestalten

Um die Klimakrise zu bekämpfen und eine schnelle Unabhängigkeit von fossilen Energieträger zu erreichen, legt die Bundesregierung mit dem Osterpaket und dem angekündigten Sommerpaket einen ambitionierten Ausbauplan vor: Die Stromerzeugung aus Sonne und Wind soll sich bis 2030 verdoppeln. Dabei sollen auch Kommunen und die Bürgerenergie wieder stärker zum Zuge kommen.

Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Bürgerenergie zu stärken und den Kommunen die Beteiligung am Ausbau Erneuerbarer schmackhaft zu machen? Welche Erfahrungen haben Kommunen gemacht, die stark auf Bürgerbeteiligung beim Ausbau von Photovoltaik und Windstrom setzen? Wie können Bürger/innen und Unternehmen die Energiewende vor Ort vorantreiben? Welche Widerstände und Nutzungskonflikte treten auf, wie können Politik, Unternehmen und Gesellschaft damit umgehen?

Begrüßung:
– Prof. Dr. Carsten Kühl, wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer, Deutsches Institut für Urbanistik
– Jan Philipp Albrecht, Vorstand, Heinrich-Böll-Stiftung

Input:
– Mareike Herrndorff, Projektmanagerin Strom, Agora Energiewende Diskussion:
– Silke Wesselmann, Geschäftsführerin energieland 2050 e.V., Kreis Steinfurt
– Markus Haastert, Geschäftsführer, AgroSolar Europe GmbH, Steinhöfel
– Almut Petersen, Aufsichtsratsvorsitzende, Bürgerwerke eG, Heidelberg

Moderation: Dr. Hannah Büttner, Integrative Dialoge …………………………………………………………………………..

Die Dokumentation der Auftaktveranstaltung sowie weitere Informationen zur Reihe finden Sie hier: https://www.boell.de/de/green-cities-…

Video Aufzeichnung der Veranstaltung vom 30.06.22 : hier


Einige wichtige Aussagen :



Nächste Veranstaltung :

DO 22.09.22 17-19h

Die große Dürre — ARD

(29.08.22, ARD) Die Story im Ersten: Die große Dürre

  • Link in die ARD-Mediathek : hier
  • Link zum direktem Abspielen in der Mediathekview : hier

Deutschland bereitet sich auf Dürren vor, Bauern kämpfen gegen die Trockenheit, Notfallpläne werden erarbeitet. Wie lange reicht unser Wasser noch? Dieser Frage geht Filmemacher Daniel Harrich gemeinsam mit einem Forscherteam nach.

(29.08.22, ARD) Hart aber fair — Die Jahrhundert-Dürre: Erleben wir gerade unsere Zukunft?

  • Link in die ARD-Mediathek : hier
  • Link zum direkten Abspielen in der MediathekView : ….

Dauerhitze, kaum Regen: Deutschland im Dürre-Sommer. Ist das schon der Alltag in Zeiten des Klimawandels? Müssen wir lernen, mit dem Wassermangel zu leben, uns für einen grünen Rasen und vollen Pool schämen? Die Diskussion nach der Dokumentation zum Thema.


Weitere Sendungen zum Thema (MediathekView)

( Die Links führen jeweils zu den Videos in mp4 in mittlerer Auflösung , hohe Auflösung ist über die MediathekView und dann Suche nach dem Titel abrufbar )

Klima-Risiko-Index 2021 — Klimaschutz Index (CCPI) 2022

Klima-Risiko-Index 2021

(2021 , germanwatch.org ) , Originale Kurzversion Deutsch Bericht (PDF) : hier ;
Originale Langversion Englisch (PDF) : hier

Der jährlich erscheinende Klima-Risiko-Index vergleicht wetterbedingte Schadensereignisse (Stürme, Überschwemmungen, Hitzewellen etc.) und ihre Auswirkungen auf die Staaten der Welt.



Länder , die im Zeitraum 2000 – 2019 am stärksten betroffen waren — Deutschland schon auf Platz 18


Weltkarte des globalen Klima Risiko Index 2000 – 2019


  • weitere Klima-Risiko-Indizes : hier


Klimaschutz-Index

In dem von Germanwatch, CAN International und dem NewClimate Institute veröffentlichten Climate Change Performance Index (Klimaschutz-Index) werden die Klimaschutzleistungen von Industrie- und Schwellenländern sowie der EU verglichen.

Über den CCPI

Der Climate Change Performance Index (CCPI), der seit 2005 jährlich veröffentlicht wird, verfolgt die Anstrengungen der Länder zur Bekämpfung des Klimawandels. Als unabhängiges Monitoring-Instrument soll er die Transparenz in der internationalen Klimapolitik erhöhen und einen Vergleich der Klimaschutzbemühungen und -fortschritte einzelner Länder ermöglichen.

Die Umsetzungsphase des Pariser Abkommens tritt Ende 2020 in eine entscheidende Phase ein, in der die Länder ihre aktualisierten national festgelegten Beiträge (NDCs) einreichen müssen. Vor diesem Hintergrund will der CCPI den Prozess der Anhebung der Klimaziele beeinflussen. Als langjährig bewährtes und zuverlässiges Instrument zur Ermittlung von Vorreitern und Nachzüglern im Klimaschutz kann der CCPI ein wirkungsvolles Instrument sein, um Regierungen für ihre Verantwortung zum Handeln in der Klimakrise zur Rechenschaft zu ziehen und einen Wettlauf an die Spitze des Klimaschutzes anzuregen.

Germanwatch, das NewClimate Institute und das Climate Action Network veröffentlichen den Index jährlich. Der einzigartige klimapolitische Teil des CCPI, in dem die nationale und internationale klimapolitische Leistung der Länder bewertet wird, ist nur durch die kontinuierliche Unterstützung und Beiträge von rund 350-400 Klima- und EnergieexpertInnen möglich. Wir möchten unseren Dank aussprechen und schätzen ihre Zeit, ihre Bemühungen und ihr Wissen bei der Mitarbeit an dieser Publikation sehr.

Weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Website des CCPI.

(09.11.21, germanwatch.org ) , Original Kurzfassung Deutsch (PDF) : hier

Klimaschutz-Index 2022: Die wichtigsten Ergebnisse

Cover CCPI Zusammenfassung

Seit 2005 bietet der Climate Change Performance Index (CCPI) jährlich ein unabhängiges Kontrollinstrument, um die Klimaschutzbemühungen von 60 Ländern und der EU zu messen. Damit verbessert er die Transparenz in der internationalen Klimapolitik und ermöglicht einen Vergleich der Klimaschutzleistungen und Fortschritte der einzelnen Länder.

CCPI 2022 – Gesamtergebnis

Die wichtigsten Gesamtergebnisse: Noch immer kein Land auf den drei vorderen Plätzen


Bei erneuerbaren Energien nur auf Platz 28

(Seite 11, im englischen Original)


Aus dem Pressebericht :

Rennen zur Klimaneutralität hat begonnen: Erste Staaten gehen voran

Neuer Klimaschutz-Index von Germanwatch und NewClimate Institute bewertet Klimaschutz-Fortschritte der 61 größten Emittenten: Skandinavische Länder sowie Staaten wie Großbritannien und Marokko führen beim „Race to zero“ / Deutschland verbessert auf Rang 13 …

Deutschland ist mit Rang 13 so gut platziert wie seit acht Jahren nicht mehr. „Auf die Frage, wie Deutschland seine Klimaziele tatsächlich erreichen will, hat die Politik allerdings noch keine ausreichenden Antworten gegeben“, gibt Mitautor Jan Burck von Germanwatch zu bedenken. „Alle Prognosen für dieses Jahr sagen voraus, dass wir uns nach dem Rückgang der Corona-Einschränkungen wieder deutlich unterhalb des Klimaziels für 2020 befinden. Zudem zeigt der gerade vorgelegte Projektionsbericht für die Bundesregierung, dass Deutschland mit den bisher beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen seine gesetzlich vorgeschriebenen Ziele für 2030 krachend verfehlen wird.


Weitere Links


Was sich kein Politiker zu sagen traut

(17.08.22, t-online) , Original : hier

Meinung Von Florian Harms

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

sengende Hitze, ausgetrocknete Flüsse, brennende Wälder: Dieser Sommer vermittelt uns eine Ahnung davon, was uns in den kommenden Jahren erwartet. Der Planet heizt sich schneller auf, als es selbst pessimistische Wissenschaftler erwartet haben, und noch immer wirkt die Klimaschutzpolitik wie Tropfen auf den heißen Stein.

Bezahlbare Energie für die gesamte Bevölkerung hat derzeit Priorität, das ist schon klar. Aber es mutet absurd an, dass wir selbst jetzt noch verzweifelt versuchen, unsere Lebensgewohnheiten vollständig beizubehalten, nur dass Gas halt teurer wird und künftig aus Norwegen statt aus Russland kommt. Noch immer traut sich kein einziger führender Politiker, den Bürgern reinen Wein einzuschenken.https://player.podigee-cdn.net/podcast-player/podigee-podcast-player.html?v=bc9dd&id=pdg-4bd38e04&iframeMode=script

Reiner Wein würde bedeuten: Wir müssen unseren Konsum, Verkehr und Verzehr grundsätzlich hinterfragen und ändern. Das sagt sich leicht und tut sich schwer, auch das ist klar. Deshalb habe ich die Journalistin Sara Schurmann dazu befragt. Sie beschäftigt sich intensiv mit den Folgen der Erderhitzung und hat das Buch “Klartext Klima” geschrieben. Was sie zu sagen hat, ist bemerkenswert:

Dürren, Stürme und Überschwemmungen nehmen auch hierzulande zu. Wie schlimm ist die Lage an der “Klimafront” wirklich?

In Deutschland und Europa herrscht oft noch die Vorstellung, dass es uns schon nicht so hart treffen werde. Natürlich wird der Globale Süden schon heute viel härter von den Auswirkungen der Klimakrise getroffen. Aber es ist eine Illusion, dass die nördlichen Länder glimpflich davonkommen.

Woran machen Sie das fest?

Der Mittelmeerraum trocknet zusehends aus, im Klima-Risiko-Index lag Deutschland schon in den Jahren 2000 bis 2019 international auf Platz 18 – und da zählte die Flutkatastrophe 2021 noch gar nicht mit hinein. In ihrem Buch “Deutschland 2050” beschreiben die Journalisten Toralf Staud und Nick Reimer, welche massiven Veränderungen Deutschland in den kommenden Jahren schon bei 1,5 Grad Erderhitzung erleben wird. Und Annika Joeres und Susanne Götze zeigen in ihrem Buch “Klima außer Kontrolle”, dass die Folgen in Deutschland völlig unterschätzt und dringend nötige Anpassung und Schutzmaßnahmen fast komplett vernachlässigt werden. Es scheint weder verstanden worden zu sein, dass alles, was wir heute erleben, wegen der bereits erfolgten 1,2 Grad Erderhitzung geschieht und die Auswirkungen mit jedem Zehntelgrad extremer werden. Noch, dass wir technisch zwar in der Lage wären, das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten, das Zeitfenster dafür sich aber rapide schließt – und die Regierungen es noch nicht einmal versuchen.

Die Ampelregierung hat sich im Koalitionsvertrag zur Klimaneutralität bekannt, kümmert sich nun aber vorrangig um die Folgen des Ukraine-Krieges, etwa den Ausgleich des Gasmangels durch Flüssiggas und längere Laufzeiten für Kohlekraftwerke. Sind die deutschen Klimaziele überhaupt noch erreichbar?

Natürlich wären die Klimaziele erreichbar, würde die Regierung es ernsthaft versuchen. Wir setzen gerade extrem viel Geld in den Sand, indem wir in weitere fossile Infrastruktur und Subventionen investieren. Aber sollten wir jemals den Punkt erreichen, an dem die Regierung, die Öffentlichkeit und die Medien das Ausmaß der Krise wirklich anerkennen, könnten wir natürlich aufhören, die fossile Infrastruktur zu nutzen. Je später wir das machen, desto ungemütlicher wird es allerdings. Es wäre bequemer, jetzt sofort klimaneutrale und nachhaltige Strukturen aufzubauen.

Warum betreibt noch immer kein einziges Industrieland konsequenten Klimaschutz, obwohl die verheerenden Konsequenzen offensichtlich sind?

Meine These ist: Die Klimakrise ist noch nicht wirklich begriffen worden. Die wenigsten Menschen haben sich mit dem Zusammenhang von CO2-Budget, Kipppunkten und den konkreten Auswirkungen von 1,5 Grad Erderhitzung beschäftigt. Lobbyisten stellen Lösungen als schwierig und diffus dar, psychologische Abwehr- und Schutzmechanismen und eine verzerrte Darstellung der Klimakrise durch die Medien machen es uns leicht, das Problem von uns wegzuschieben. Viele Journalisten kennen sich zu wenig aus, um politische Meinungen konsequent mit wissenschaftlichen Erkenntnissen abzugleichen. Nennen Sie mich naiv, aber ich fürchte, viele Politiker sind sich daher gar nicht bewusst, welchen massiven Schaden sie gerade verantworten.

Warum ist das Problem so zeitkritisch?

Weil Klimaschutz nicht bedeutet, die Emissionen langsam zu reduzieren. Wenn wir verhindern wollen, Kipppunkte zu erreichen und dramatische, irreparable Schäden zu verursachen, bedeutet es, den Ausstoß von Treibhausgasen in allen Bereichen und Branchen so schnell wie möglich auf null zu bringen. Wir haben keine Zeit mehr zu diskutieren, wer wo anfängt. Wir müssen alles, was geht, so schnell wie eben machbar tun.

Welche Rolle könnte Deutschland als Vorreiter beim Klimaschutz spielen?

Würde Deutschland wirklich anfangen, konsequent und so schnell wie möglich die Wirtschaft und die Gesellschaft klimaneutral und nachhaltig umzubauen, hätte das eine massive Signalwirkung. Das könnte das weltweite Problem, alles so lange wie möglich hinauszuzögern, umdrehen: in einen Wettbewerb, wer die Klimaziele am schnellsten und besten erreicht.

Aber hat es wirklich einen nennenswerten Effekt, wenn wir in Deutschland mehr für den Klimaschutz tun, während gleichzeitig China, Indien und andere Länder noch jahrelang massiv Treibhausgase ausstoßen?

Deutschland hat etwa ein Prozent der Weltbevölkerung, ist aber für zwei Prozent der Emissionen verantwortlich. Es geht nicht darum, dass wir allein die Welt retten, sondern darum, dass wir zumindest mal unseren Anteil dazu leisten. Formulieren wir die Frage doch mal um: Wenn Sie begreifen, dass etwas, das Sie aufgrund von Werbung lange für ein normales Lebensmittel gehalten haben, wissenschaftlich nachweislich giftig und akut gesundheitsgefährdend ist – würden Sie es Ihrer Familie dann weiterhin jeden Abend zum Essen servieren, weil es ja satt macht, weil Sie es in der Kantine eh aufgetischt bekommen und weil andere es auch essen? Oder würden Sie auf das Gift verzichten und dann die Kantine überzeugen, es ebenfalls vom Speiseplan zu nehmen?

Wir müssen einerseits alles tun, um erneuerbare Energien so schnell wie möglich auszubauen, und andererseits endlich darüber sprechen, wie viel Ressourcen und Energie wir überhaupt verbrauchen wollen. Das kann sich nicht darin erschöpfen, die Bürger zu bitten, kürzer zu duschen. Ansonsten können wir uns leider nicht mehr aussuchen, was wir wann umsetzen. Dafür wurde der Klimaschutz zu lange hinausgezögert. Wir müssen jetzt alles tun, was schnell möglich ist: Kurzstreckenflüge verbieten, Tempolimit einführen, Autobahnausbau stoppen, Fleischkonsum reduzieren. Letzteres würde auch das Risiko weiterer Pandemien reduzieren.

Was kann jeder Einzelne noch tun, um effektiv zum Klimaschutz beizutragen?

Wir müssen soziale Kipppunkte erreichen. Das heißt, Punkte, an denen sich das Bewusstsein, Normen und Werte in der Bevölkerung verschieben und so politische Veränderungen ermöglichen. Um daran mitzuwirken, ist es wichtig, etwas zu tun, das über den eigenen Haushalt hinausgeht. Man kann sich dafür einsetzen, dass die Firmen- oder Schulkantine nachhaltig und klimaneutral kocht. Man kann die Verkehrswende in der eigenen Gemeinde unterstützen. Man kann sich für dezentrale, erneuerbare Bürgerenergie engagieren oder beim Fußballverein darauf drängen, dass eine Solaranlage aufs Dach kommt. All das spart vor Ort Emissionen ein, holt vermeintlich abstrakte Debatten um den Klimaschutz in den Freundes- und Bekanntenkreis und verändert dort, was als normal und legitim empfunden wird.

Wie wichtig ist persönlicher Verzicht für den Klimaschutz?

Wir haben alle möglichen technischen Innovationen zur Hand, nutzen sie bisher aber nicht im nötigen Maße. Wenn wir unsere Lebensgrundlagen erhalten wollen, müssen wir innerhalb dieses Jahrzehnts einen Großteil der nötigen Transformation hinter uns bringen. Das werden wir nicht schaffen, indem wir darauf hoffen, dass innerhalb von acht Jahren neue Technologien erfunden und global implementiert werden. Wir müssen uns also fragen: Was ist uns wichtig? Heute in den Urlaub zu fliegen und täglich Fleisch zu essen oder in den kommenden Jahren eine stabile Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser zu haben und ein Zuhause, das nicht ständig von Stürmen, Fluten, Dürren oder Waldbränden bedroht wird? Wenn man die Illusion aufgibt, dass man beides haben könne, fühlt sich eine Urlaubsreise mit dem Zug oder ein vegetarischer Burger für viele Leute vermutlich gar nicht mehr wie Verzicht an.

Kann man überhaupt klimaneutral leben?

Nein, komplett klimaneutral zu leben, ist im derzeitigen System nicht möglich. Ich finde den Fokus auf den eigenen Haushalt daher oft nicht zielführend, da er von strukturellen Fragen ablenkt, indem er Schuld und Scham erzeugt und dafür sorgt, dass wir das Problem verdrängen. Regelmäßige Urlaubsflüge jedoch können keine Selbstverständlichkeit mehr sein. Das sind sie ohnehin nur für einen kleinen, privilegierten Teil der Weltbevölkerung, selbst im reichen Deutschland hat in den vergangenen Jahren knapp die Hälfte der Bevölkerung kein Flugzeug betreten. Es sind die Reichsten, die die meisten Emissionen erzeugen: Vielflieger, die nur ein Prozent der Bevölkerung ausmachen, waren 2018 verantwortlich für die Hälfte des CO2-Ausstoßes im Flugsektor. Würde dieses eine Prozent die Anzahl seiner Flüge halbieren, würde das die Emissionen des Flugverkehrs um ein Viertel senken. Schon ein Hin- und Rückflug von Berlin nach New York hat eine größere Klimawirkung als in 112 Ländern dieser Erde eine durchschnittliche Person innerhalb eines Jahres erzeugt.

Abgesehen von Vielfliegern: Müssen wir unseren Lebensstil grundlegend ändern?

Ja. Und das wird unser Leben auch gesünder, angenehmer und reicher machen. Autofreie Innenstädte etwa machen unseren Alltag ruhiger und die Luft sauberer, sie verringern Unfallgefahren, schaffen Raum für Bäume, die in der Hitze Schatten spenden, und entsiegelte Böden, die Starkregen besser aufnehmen und Überflutungen verhindern. Das ist keine Utopie, das ist die Wahl, die wir haben. Aber indem wir die Transformation hinauszögern, entscheiden wir uns für die Katastrophe und immer radikalere Einschnitte zu einem späteren Zeitpunkt.

Zum Schluss bitte eine Prognose: Wie wird unsere Welt im Jahr 2035 aussehen, wenn wir weitermachen wie bisher?

Ich habe keine Glaskugel, aber Expertinnen wie die Klimawissenschaftlerin Frederike Otto warnen davor, dass die heutigen Auswirkungen der Klimakrise massiv unterschätzt werden. Das Grünbuch Öffentliche Sicherheit sagt schon 2030 für Deutschland ein Szenario voraus, wie wir es im vergangenen Sommer in Griechenland gesehen haben: mit massiven Hitzewellen und Waldbränden, sodass man tagsüber kaum noch das Haus verlassen kann, und mit Problemen bei der Trink- und Löschwasserversorgung. Nach allem, was wir in den vergangenen Jahren gesehen haben, halte ich das für plausibel. Deshalb geht es jetzt darum, uns einerseits so gut wie möglich auf die vorhersehbaren Risiken vorzubereiten und andererseits die Erderhitzung so stark wie möglich zu begrenzen, um unsere Wirtschaft und unsere Infrastruktur an die Veränderungen anzupassen. Beides ist möglich. Wir haben es nur noch nie ernsthaft versucht.


Wetter und Klima sind nicht dasselbe.

Ob Regen oder Sonne: Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Herzliche Grüße

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

E-Autos als Energiespeicher?

“Die hätten eine Kapazität von 100 Atomkraftwerken”

(04.08.22, ntv.de ) , Original : hier

Wer sich eine Solaranlage auf seinem Dach installiert, steht vor einem Problem: Der günstige Strom wird vor allem dann produziert, wenn man selbst nicht zu Hause ist. Nach dem Sonnenuntergang bleibt abends nur die teure Energie aus dem Netz. Um den Verbrauch zu optimieren, werden die meisten Solaranlagen deshalb nur noch mit Heimspeicher verkauft. Die mit Abstand besten Energiespeicher stehen aber vor der Haustür. Doch das Potenzial von E-Autos lässt Deutschland in den Augen von Christian Rahn bisher ungenutzt. Vor allem die hiesigen Ladesäulen sind ein Problem. “Andere Länder machen vor, dass es funktioniert”, ärgert sich der Geschäftsführer von Otovo Deutschland im “Klima-Labor” von ntv. “Es gibt keinen Grund, warum das in Deutschland nicht auch funktionieren sollte.”

ntv.de: Erklären Sie bitte einmal, was “bidirektionales Laden” bedeutet.

Christian Rahn: Das bedeutet schlicht, Energie in beide Richtungen auszutauschen. In erster Linie geht es um Strom, den man irgendwo speichern und in unterschiedliche Bereiche wieder abgeben kann.

Und das brauchen wir in Deutschland ganz dringend, um die Energiewende zu schaffen?

Es könnte zumindest ein Baustein sein. Bei den erneuerbaren Energien ist es ja in aller Regel so, dass insbesondere bei der Solarenergie, aber auch bei der Windenergie Strom dann produziert wird, wenn die Sonne scheint und der Wind besonders stark weht. Das bedeutet aber nicht, dass ich diese Energie auch in diesem Moment benötige.

Die Sonne scheint nicht nachts, darauf wird ja immer wieder hingewiesen.

Und auch nicht am frühen Morgen oder in den Abendstunden. Vielleicht ist das aber genau die Zeit, in der ich meinen selbst produzierten Strom am liebsten nutzen möchte. Sowohl im kleinen Bereich, aber auch mit Blick auf die Makroebene oder Deutschland kommen an dieser Stelle Stromspeicher ins Spiel. Es ist ja heute schon teilweise so, dass wir mehr Strom produzieren als wir speichern können, wenn die Sonne scheint und der Wind kräftig bläst. Insofern spielt das Thema Speichern bei den erneuerbaren Energien eine große Rolle.

Es heißt aber bidirektionales Laden. Was wird dort geladen?

Bei Solaranlagen ist in der Regel zu 85 Prozent ein sogenannter Heimspeicher dabei, ein Stromspeicher für den Keller. Damit kann ich den Tag über überschüssigen Strom speichern und in den Abendstunden wieder nutzen. Das ist eine Art des bidirektionalen Ladens oder Abgeben: Ich lade einen Speicher und gebe die Energie zurück an alle Verbraucher, die an das Haus angeschlossen sind.

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Und wenn man den Strom in das Netz einspeist, bekommt man Geld?

Ich selbst habe vor zwölf Jahren eine Solaranlage auf meinem Dach installiert und erhalte aus der damaligen Zeit noch eine Einspeisevergütung von über 30 Cent.

Das lohnt sich ja.

Leider ist die Einspeisevergütung in den letzten Jahre immer weiter gesunken, während die Strompreise in der gleichen Zeit drastisch gestiegen sind. Man zahlt mehr als 30 Cent für jede Kilowattstunde Strom. Die Produktionskosten liegen bei einer normalen Solaranlage bei 12 bis 14 Cent pro Kilowattstunde. Das heißt, ich produziere verhältnismäßig günstig Strom. Ohne Speicher verbrauche ich aber nur 35 bis 40 Prozent davon selbst. Mit einem gut dimensionierten Speicher kann ich den Verbrauch auf 85 bis 90 Prozent steigern.

Wo finde ich das Klima-Labor?

Das Klima-Labor finden Sie bei ntv und überall, wo es Podcasts gibt: Audio Now, Apple Podcasts, Amazon Music, Google Podcasts, Spotify, RSS-Feed

Also haben alle Menschen, die sich erst jetzt eine Solaranlage anschaffen, finanziell einen Nachteil, wenn sie ihren Strom ins Netz einspeisen, anstatt ihn selbst zu benutzen?

Genau. Der selbstproduzierte Strom kostet 12 bis 14 Cent. Für den Strom aus dem Netz zahlt man 30 Cent. Die Strategie ist also, möglichst viel selbstproduzierten Strom zu speichern und zu verbrauchen und die Menge des Stroms, die aus dem Netz bezogen wird, zu minimieren.

Und wie gut funktioniert das in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern?

Wir hier stehen tatsächlich noch ganz am Anfang. Gerade im Bereich der E-Mobilität und bei den Speichern, die in E-Autos verbaut sind. Das ist ein Potenzial, das bei der Energiewende einen wichtigen Baustein liefern könnte. Das hat damit zu tun, dass die Speicher, die in Solaranlagen eingesetzt werden, üblicherweise eine Kapazität von zehn Kilowattstunden haben. In E-Autos sind die Speicher im Schnitt 75 Kilowattstunden groß. Das ist ein Vielfaches dessen, was in Häusern als Heimspeicher zur Verfügung steht, ein gigantisches Potenzial.

E-Autos sind also super gute Energiespeicher?

Bayerns Energiekrise “CSU hat Ausbau der Erneuerbaren kaputtgemacht”

Potenziell auf jeden Fall. Aber das setzt natürlich voraus, dass die Autos irgendwo am Netz hängen und ihren Speicher zur Verfügung stellen. Das tun sie nicht, wenn sie unterwegs sind. Aber wir wissen natürlich, dass Autos im Alltag zu 95 Prozent vor der Tür rumstehen. Insofern wäre es sinnvoll, dieses Potenzial in der Ladeinfrastruktur zu nutzen.

In Berlin sieht man immer häufiger Ladesäulen, aber auch E-Autos auf den Straßen. Das könnte man einfach nutzen?

Nein, in der Regel noch nicht. Es gibt aktuell in Schwäbisch Hall einen Feldversuch. Dort hat die Gemeinde ein Parkhaus mit entsprechenden Ladesäulen versehen, bei dem man sein E-Auto mit der entsprechenden Technologie anschließen kann.

Woran liegt das? Kann man Autos und Ladesäulen nicht nachrüsten?

Technisch ist das alles möglich. In Utrecht in den Niederlanden gibt es sehr viel Infrastruktur, die Autos sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich in das Stromnetz einbindet. Auch in Asien sind viele Länder wie so oft schon deutlich weiter, was das betrifft. Genauso wie die Autohersteller. Man braucht im Grunde genommen Software, die bestimmte intelligente Lade- und Entlade-Prozesse steuern, und die entsprechende Hardware. Letzten Endes geht es darum, die richtigen Stecker zu haben.

Wirtschaft 08.04.22

Enpal-Gründer im Interview “Unsere Nachfrage explodiert gerade”

Das heißt, man könnte die Ladesäulen nachrüsten?

Ja. Viele Autos sind dafür auch vorgesehen. Man müsste in vielen Bereichen nur die Infrastruktur Hardware-seitig anpassen.

Wird das nicht gemacht, weil die Technik zu anspruchsvoll ist? Oder sind die rechtlichen Hürden zu hoch?

Bei der Regulierung ist auf jeden Fall auch noch einiges zu tun. Aber grundsätzlich gilt, dass andere Länder uns bereits vormachen, dass es funktioniert. Es gibt keinen Grund, warum das in Deutschland nicht auch funktionieren sollte.

Hat man das denn politisch auf dem Schirm? Haben Sie eine Idee, wo es hakt?

Bis zu 600 Euro jährlich So lässt sich mit privaten Solaranlagen Geld sparen

Es gibt jetzt ein neues Förderprogramm der Bundesregierung. Das sieht vor, bidirektionales Laden mit knapp 100 Millionen Euro zu fördern. Man hat es also schon auf dem Schirm. Ich bin auch sehr zuversichtlich, dass in dem Bereich viele Dinge in Gang kommen, weil das Potenzial riesig ist. Es gibt ja viele Prognosen, was die Verbreitung der Elektroautos betrifft. Es wird von bis zu 15 Millionen Fahrzeugen gesprochen, die bis 2030 in Deutschland unterwegs sind. Die hätten, wenn man das hochrechnet, eine Kapazität von 100 Atomkraftwerken. Das ist gigantisch. Insofern spricht alles dafür, dass wir diese Speicherkapazität nutzen.

Wie teuer wäre es denn aktuell, sich eine Photovoltaikanlage, einen Speicher, eine Wallbox für die Garage und ein E-Auto anzuschaffen?

Das E-Auto ist mit Sicherheit das Teuerste. Eine Photovoltaikanlage für einen Vier-Personen-Haushalt kostet je nach Strombedarf zwischen 12.000 bis 15.000 Euro. Je mehr Module für die Stromproduktion verbaut werden, desto teurer wird es. Beim Speicher muss man noch mal mit 5000 Euro plus x rechnen. Wallboxen, mit der man das Auto aufladen kann, sind inzwischen sehr günstig, die kriegt man deutlich unter 1000 Euro. Soll die Wallbox für das bidirektionale Laden geeignet sein, sieht es aufgrund der ziemlich dünnen Verbreitung allerdings anders aus. Die kosten momentan etwa 10.000 Euro.

Größter Hebel für CO2-Bilanz E-Auto-Batterien bekommen zweites Leben

Also schon eine höhere fünfstellige, wenn nicht sogar sechsstellig Summe. Ist denn die Nachfrage bei Ihnen und Otovo nach Solaranlagen trotz der Kosten hoch?

Ja, extrem hoch. Die hat vor allem durch die Ukrainekrise noch mal eine besondere Dimension bekommen. Die Nachfrage ist aber allein durch die Konstellation der vergangenen Jahre sehr hoch: Die Strompreise sind massiv gestiegen, die Kosten für Solaranlagen gleichzeitig extrem gesunken.

Und wie lange ist die Wartezeit derzeit ungefähr?

Das hängt ein bisschen davon ab, welche Anlage sie bestellen. Wenn Sie heute bestellen, müssen Sie damit rechnen, dass es drei Monate dauert, bis sie tatsächlich auf Ihrem Dach installiert ist.

Weil Monteure fehlen? Das hört man ja häufiger.


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Der Fachkräftemangel spielt in unserer Branche grundsätzlich eine große Rolle. Es besteht ein Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Installationskapazität. Bei Otovo konzentrieren wir uns auf den privaten Bereich, also auf Eigenheimbesitzer. In Deutschland gibt es ungefähr 15 Millionen Häuser, die für eine Solaranlage geeignet sind. Davon haben derzeit nur knapp 10 Prozent tatsächlich eine Anlage auf dem Dach, obwohl die Nachfrage groß ist. Aber wir können mit den vorhandenen Kapazitäten derzeit nur zwischen 250.000 und 300.000 Anlagen pro Jahr installieren. Da könnte deutlich mehr gehen.

Worauf muss man denn achten, wenn man beschließt, sich eine Solaranlage anzuschaffen?

Nichtso vieles, wenn man einen kompetenten Partner hat, der einen berät. Wir führen erst einmal eine Bedarfsanalyse durch und schauen genau, wie hoch der Strombedarf in den nächsten Jahren ist, um die Anlagen optimal zu dimensionieren. Als nächstes schauen wir uns die Gegebenheiten auf dem Dach an. Ein Speicher ist natürlich eine Möglichkeit, um den Eigenverbrauch möglichst zu optimieren. Dann braucht man einen lokalen Partner, der diese Anlage installiert. Das sind Fachbetriebe. Die kümmern sich in Abstimmung mit uns auch darum, die Anlage beim Netzbetreiber anzumelden. Natürlich muss auch von einem Elektriker geprüft werden, ob die Stromleitungen im Haus auf dem aktuellen Stand sind, damit ich die Anlage anschließen kann.

Wir wollen das Gebäude ja nicht abbrennen.

Genau! Das sind natürlich eine Menge Dinge, aber nichts, worum ich mich als Kunde aktiv kümmern muss. Es gibt auch ein Register, bei dem sämtliche Solaranlagen registriert und angemeldet sind. Das ist aber auch kein Hexenwerk. Im Grunde muss man nur die Anlage mit den Leistungswerten eingeben. Damit ist es dann auch schon getan.

Mit Christian Rahn sprachen Juliane Kipper und Christian Herrmann. Das Gespräch ist zur besseren Verständlichkeit gekürzt und geglättet worden.

Klima-Labor von ntv

Was hilft gegen den Klimawandel? Klima-Labor ist der ntv-Podcast, in dem Clara Pfeffer und Christian Herrmann Ideen und Behauptungen prüfen, die toll klingen, es aber selten sind. Klimaneutrale Unternehmen? Gelogen. Klimakiller Kuh? Irreführend. Aufforsten? Verschärft Probleme. CO2-Preise für Verbraucher? Unausweichlich. Windräder? Werden systematisch verhindert.

Das Klima-Labor – jeden Donnerstag eine halbe Stunde, die informiert und aufräumt. Bei ntv und überall, wo es Podcasts gibt: Audio Now, Apple Podcasts, Amazon Music, Google Podcasts, Spotify, RSS-Feed

https://audionow.de/podcast/8dfade80-929b-4b5c-a135-dd70e4471fd7/embed/all/0/333333*Datenschutz

Quelle: ntv.de

Wir müssen die alten Bäume retten

(05.08.22, der Standard) , Original : hier

Gegen die Hitze: Lasst die alten Bäume stehen!

Pro angefangene 15 Zentimeter an Stammumfang muss ein Ersatzbaum gepflanzt werden.

Eine 80 Jahre alte Linde kühlt wie 208 Kühlschränke, zeigt eine Untersuchung der TU München. Dennoch werden in Wien immer noch Bäume gefällt

Sie sind das wichtigste Gut, das wir haben, wenn die Temperaturen in der Stadt auf über 30 oder gar 35 Grad wandern: Bäume. In Wien sind sie durch das Baumschutzgesetz geschützt, doch es gibt diverse Ausnahmen – so fallen etwa Bäume mit einem geringeren Stammumfang als 40 Zentimeter oder Obstbäume nicht darunter.

Und auch bei der Auslegung der Bestimmungen werden Unternehmen mitunter kreativ, denn Bäume stehen oft im Weg, wenn neu und lukrativ gebaut werden soll. Und dann wird eben doch ein Baum gefällt, der eigentlich stehen bleiben müsste, weil aus wirtschaftlichen Interessen ein Schlupfloch gefunden oder eine Vorgabe großzügig ausgelegt wird.

Neu statt alt

Die Beschwichtigung heißt dann Ersatzpflanzung. In Wien ist vorgesehen, dass für für Bauvorhaben oder für Projekte entfernte Bäume pro angefangene 15 Zentimeter an Stammumfang ein Ersatzbaum mittlerer Baumschulqualität mit acht bis 15 Zentimeter Stammumfang gepflanzt werden muss.

Umgerechnet bedeutet das: Wird etwa eine 80 Jahre alte Linde mit Stammdurchmesser von 60 Zentimetern entfernt, müssen dafür vier junge Bäume gesetzt werden. Sind Ersatzpflanzungen nicht möglich, muss eine Ausgleichsabgabe gezahlt werden – wozu viele Bauträger gerne bereit sind, zumal pro Baum nur 1090 Euro anfallen.

Was auf dem Papier nicht schlecht klingt, bringt in der Realität und vor allem in schweißtreibenden Sommernächten in der Stadt nicht wirklich Linderung. Denn Baum ist nicht gleich Baum – das zeigt ein Vergleich der TU München: Eine 20 Jahre alte Linde verdunstet über ihre Blätter Wasser im Volumen von 32 Badewannen, während es bei einer 80 Jahre alten Linde 320 Badewannen sind. Noch deutlicher: Der junge Baum kühlt wie 21, der alte wie 208 Kühlschränke. Das zeigt klar: Wir müssen um die alten Bäume kämpfen! (Bernadette Redl, 5.8.2022)

Spiegel-Quiz : Ist TikTok oder Facebook schlechter für das Klima?

(31.07.22 , spiegel.de ) , Original : hier

Das Netz braucht ungefähr so viel Strom wie ganz Indien.

Aber was ist problematischer: Downloaden oder Streamen, Scrollen oder Posten? Und wie viel sparen Sie mit abgeschalteter Kamera im Videoanruf?

Ob Sie ein Tablet oder Smartphone benutzen, verändert ihren Stromverbrauch – wichtiger aber ist die Lebensdauer der Geräte und was sie damit machen.

Macht mal das Quiz — wer hat alle Fragen richtig ? : hier


Einige Kommentare zum Quiz:

(aus den Spiegel-Kommentaren)

  • Oje, die Antworten im Quiz sind ja beängstigend. Auch wenn wir durch das Internet z.B. Fahrerei reduzieren, weil wir ein Meeting online abhalten, oder einen Film zuhause schauen, sollte jeder seinen Energieverbrauch zumindest einschätzen können. Besser noch, kennen.
  • Quiz für Wissenschaftsjournalisten:
    Mit dem Stromverbrauch aller Schwimmbäder Frankfurts könnte man:
    a) sieben Eiffeltürme übereinander stapeln,
    b) das Saarland mit Fussballfeldern parkettieren,
    c) die Eiffeltürme aus a) und die Fussballfelder aus b) in einen Zug verladen, der dann fünfmal bis zum Mond fahren könnte.

    Liebe Autoren populärwissenschaftlicher Artikel,

    es gibt ein ausgezeichnetes Einheitensystem. Nennt sich “SI-System”. Ich weiß nicht, was ihr auf den Journalismusschulen lernt, aber Schwimmbäder, Eiffeltürme und Saarländer sind keine SI-Einheiten. Und, nein, die taugen auch nicht zur Veranschaulichung. Ich zumindest kann mir keine sieben Eiffeltürme übereinander vorstellen. Der zweite würde nämlich schon den ersten kaputtmachen. Auch was so ein Schwimmbad an Strom verbraucht weiß ich auch nicht.

    Aber was ein Joule und ein Watt ist, das weiß ich. — Ihr auch?

  • Klar: Streamen und diese Kunstwährungen verbrauchen übermäßig Energie und andere Ressourcen. Noch hinter der Werbung die ca. 3/4 allen internetten Datenverkehrs ausmacht, Riesenseiten inklusive (yt bringt pro Seite bereits ca. 7 MB auf die Waage).
  • “Wenn Sie das 15-mal die Woche bei einem einstündigen Meeting machen, reduzieren Sie Ihre monatlichen Emissionen um so viele CO2-Äquivalente, dass Sie damit ein durchschnittliches Smartphone drei Jahre lang jede Nacht laden können” – – Warum so kompliziert formulieren? Nach 1 Stunde Meeting haben Sie so viele CO2-Äquivalente gespart, dass Sie damit ein durchschnittliches Smartphone 73 Mal laden können.