Die Publikation “33 Baukultur Rezepte” vermittelt Themen der Baukultur auf einem ungewöhnlichen Weg: Ein “Kochbuch für Baukultur” präsentiert 33 Vermittlungsformate in Form von “Rezepten”, die das Bewusstsein für das gute Planen und Bauen stärken sollen. Die Rezepte reichen von öffentlichen Aktionen und Exkursionen über Vernissagen und Ausstellungen bis hin zu Workshops und Beratungsangeboten. Herausgekommen sind übertragbare Ideen zum “Nachkochen” für alle, die sich vor Ort engagieren möchten.
“Das Lesen soll Spaß und Lust auf mehr machen – die Texte sind mit einem Augenzwinkern zu lesen”, sagt BBSR-Expertin Karin Hartmann. “Unser Rezeptbuch zeigt, dass viele oft auch unkonventionelle Wege das Gespräch in den Gemeinden über Baukultur beleben – und damit den Mehrwert qualitätsvoller Architektur und von Freiräumen deutlich machen. Attraktive Orte stiften Identität, gerade in ländlichen Räumen.” Die vorgestellten Formate sind aus dem ehrenamtlichen Engagement von Baukulturinitiativen in Klein- und Mittelstädten hervorgegangen.
Die Rezepte des Kochbuchs enthalten Angaben zum Küchenpersonal (Beteiligte), zu den Zutaten (Materialien, Räume, Werkzeuge), zur Vorbereitung (Zeitplanung) und zur Zubereitung (Vorgehen). Zudem gibt das Buch an, für welche Anlässe sich das Vermittlungsformat eignet und welche Ziele sich damit erreichen lassen. Eine dreistufige Bewertung in den Kategorien “Aufwand”, “Kosten” und “Akteure” hilft Interessierten, den personellen, finanziellen und zeitlichen Aufwand einzuschätzen.
Die besten und meisten Impressionen finden sich bei bo-alternativ.de , hier und hier ein Bericht.
Einige wenige nur mit Handy noch hier (von BG und TB) :
Weitere Berichte meistens von der QuerdenkerDemo :
https://www.derwesten.de/region/nrw-corona-covid-19-querdenken-demo-koeln-aachen-dortmund-essen-duisburg-bochum-muenster-armin-laschet-intensivstationen-id230948012.html ( ab : 21. November 2020, 21.17 Uhr: Zahlreiche Anzeigen bei Corona-Demo in Bochum ; 15.34 Uhr: 300 „Querdenker“ bei Demo in Bochum ; )
https://www.waz.de/staedte/bochum/bochum-kundgebung-der-querdenker-soll-am-mittag-beginnen-id230964796.html ( … Mehr als 300 Gegendemonstranten ; Mehr als 300 Gegendemonstranten postierten sich 150 Meter entfernt am Gersteinring. Der DGB, die Grünen und weitere Verbände und Gruppen hatten zu dem Protest aufgerufen. „Kritik an Maßnahmen? Ja!!! Mit Nazis und AfD? Nein!!!“, stand auf einem ihrer zahlreichen Transparente. Schwarz gekleidete Mitglieder der Antifa rückten näher an die Bühne heran und skandierten: „Nazis raus!“ Es blieb bei verbalen Attacken … )
Fridays for Future ist zurück auf der Straße. Mehr als 1200 Teilnehmerinnen liefen und radelten bei der gestrigen Klimastreik-Demonstration mit. Die Redebeiträge und die Zuhörer*innen zeigten deutlich, dass aus der Schüler*innenbewegung eine gesamtgesellschaftliche Bewegung geworden ist. Die Polizei hatte mit dem Verbot der Zwischenkundgebung vor dem Hauptbahnhof provoziert, blieb aber während der Demonstration friedlich. Lediglich die MLPD störte wieder mit Parteifahnen und eigenem Lautsprecher
1000 Teilnehmer beim KlimaStreik in Bochum auf der Straße …
Kundgebungen allein reichen nicht. Das ist eine der Botschaften des Klimastreiks am Freitag in Bochum. Etwa 1000 Klimaschützer der unterschiedlichsten Gruppierungen, die Fridays-for-Future-Bewegung spricht sogar von der doppelten Zahl an Teilnehmern, zogen bei der mehr als zweistündigen Veranstaltung durch die Stadt.
Proteste sind auch immer die Zeit der eingängigen Parolen:
Es kommt immer anders, wenn man denkt —
Kohle ins Museum —
Corona ist ein Drama, Klimawandel ist eine Katastrophe.
Diese und andere Sprüche waren auf den Plakaten und Transparenten zu lesen, die Vertreter von gut einem Dutzend Organisationen von Amnesty International über ‟Omas gegen Rechts” bis zum Bochumer Klimabündnis kund taten.
…
200 Teilnehmer waren in Bochum angemeldet, eine vielfache Zahl war tatsächlich dabei. Nach mehreren Monaten, in denen die Klimaaktivisten coronabedingt auf Proteste auf der Straße verzichten mussten, war der Wunsch deutlich zu spüren, ein Zeichen zu setzen. Die zentrale Botschaft in Bochum? ‟Das wird sich zeigen, sagt Annika, eine der Sprecherinnen von Friday for Future in Bochum. ‟Das Schöne ist, dass das Bündnis für den Klimawandel aus ganz unterschiedlichen Blickwinkel gesehen wird.”
Und Radio Bochum :
1.000 bei Klimademo
Veröffentlicht: Freitag, 25.09.2020 17:34
Aktivisten von Fridays for Future Bochum und zahlreiche Sympathisanten haben am Nachmittag in der Bochumer Innenstadt demonstriert.
Sie alle haben sich am weltweiten Klimastreik beteiligt. Die Aktion stand unter dem Motto “kein Grad weiter”, womit die Eindämmung der Erderwärmung gemeint ist. Die Demonstranten weltweit fordern eine nachhaltigere Klimapolitik. Die Klimastreikenden hatten sich um 14 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz versammelt. Danach gab es einen Demonstrationszug durch die Stadt mit geschätzt 1.000 Teilnehmern. An der Abschlusskundgebung vor dem Rathaus haben circa 450 Menschen teilgenommen. Alles ist friedlich verlaufen, sagte uns ein Sprecher der Polizei.
8 Forderungen für den Erhalt und die Förderung der Artenvielfalt in Nordrhein-Westfalen . Unterschreiben!
18 Fußballfelder verschwinden täglich unter Beton.
18 Mio. Vögel sterben jährlich durch Kollision an Glasfassaden.
55 % der Schmetterlingsarten in NRW sind gefährdet.
Insekten retten – Artenschwund stoppen
In vielen Handlungs- und Politikfeldern muss grundlegend umgesteuert werden. Gemeinsam mit vielen Unterstützer*innen setzen wir uns dafür ein, dass Artenvielfalt und Naturschutz auf die politische Agenda gesetzt werden.
16. Sep: Als „zahnlosen Tiger“ kritisieren die nordrhein-westfälischen Naturschutzverbände BUND, LNU und NABU das heute von Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser vorgestellte “Maßnahmenpaket zur intelligenten und effizienten Flächenentwicklung“. Das Paket enthalte überwiegend Placebos und löse nicht das Problem des weiterhin fortschreitenden Flächenfraßes. Mehr erfahren
Schotter raus, Blüten rein
09. September: Trotz der breiten gesellschaftlichen Diskussionen um den Klimawandel und den Rückgang der Insekten scheint in vielen Kommunen der Handlungswille zu fehlen, ganz konkret gegen die Schotterung von Vorgärten vorzugehen. Volksinitiative Artenvielfalt NRW fordert ein Verbot von Schottergärten und mehr Arten- und Klimaschutz in den Städten. Mehr erfahren
Gesetzentwurf zum Landeswassergesetz: Volksinitiative Artenvielfalt NRW fordert Zurücknahme
20. August: Auf heftige Kritik der NRW-Naturschutzverbände stößt die von der schwarz-gelben Landesregierung beschlossene Novellierung des Landeswassergesetzes. BUND, LNU und NABU sehen darin einen „Angriff auf den Gewässerschutz“. Mehr erfahren
Vor dem Düsseldorfer Landtag starteten BUND, LNU und NABU heute die gemeinsame Initiative. Mindestens 66.000 Unterschriften werden benötigt. Die Verbände rufen alle Bürger*innen in NRW dazu auf, mit ihrer Unterschrift ein klares Signal für mehr Artenschutz zu setzen.
23. Juli 2020 – Mit einer Aktion vor dem Landtag in Düsseldorf haben die drei großen NRW-Naturschutzverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) und Naturschutzbund Deutschland (NABU) heute den Startschuss für die landesweite Volksinitiative Artenvielfalt gegeben. Unter dem Motto „Insekten retten – Artenschwund stoppen“ sollen in den nächsten Monaten mindestens 66.000 Unterschriften gesammelt werden. Dann muss sich der NRW-Landtag mit der Volksinitiative beschäftigen. In acht zentralen Handlungsfeldern fordern die Naturschützer einen deutlichen Politikwechsel.
„Wir wollen mit der Volksinitiative ein eindeutiges Signal für mehr Artenvielfalt auf dem Land und in unseren Städten geben“, sagte die NABU-Landesvorsitzende Dr. Heide Naderer zum Auftakt. „Dabei appellieren wir an alle Bürgerinnen und Bürger, sich mit ihrer Unterschrift für ein lebenswertes Nordrhein-Westfalen einzusetzen und so ein deutliches Signal für notwendige Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt an die Landesregierung zu senden.” Ursprünglich sollte die Volksinitiative bereits im April starten. Corona-bedingt hatten die Verbände den Start verschoben. „Inzwischen sind 45 Prozent der Arten in NRW bedroht. Der dramatische Rückgang vieler Insekten-, Vogel- und Pflanzenarten duldet keinen Aufschub mehr“, so Naderer. „Wir gehen trotz Corona jetzt bewusst raus auf die Straßen und Marktplätze um Unterschriften zu sammeln. Dabei werden wir alle Hygieneregeln beachten.“
Konkret fordern die Verbände einen Stopp des Flächenfraßes, mehr Waldflächen ohne Nutzung, die Ausweitung des Biotopverbundes und die Ausweisung eines Nationalparks Senne. Auch müssten der ökologische Landbau deutlich ausgeweitet, ein Verbot chemisch-synthetischer Pestizide in Naturschutzgebieten durchgesetzt sowie Gewässer und Auen wirksam geschützt werden.
Dr. Heide Naderer bei der Unterzeichnung – Foto: Bernd Schaller
„In allen diesen Politikfeldern sehen wir Stillstand oder Rückschritte“, kritisierte der BUND-Landesvorsitzende Holger Sticht. „Wir können nicht erkennen, dass die Landesregierung gewillt ist, dem dramatischen Verlust an biologischer Vielfalt konsequent zu begegnen.“ Vereinzelte Förderprogramme ersetzten keine Strategie, und ansonsten werde dem Credo, die Wirtschaft zu ‚entfesseln‘, alles untergeordnet. „Damit zerstört die Landesregierung die natürlichen Lebensgrundlagen unserer Kinder und Enkel.“
Der Natur- und Artenschutz müsse aber nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt gestärkt werden. Die Landesregierung sei gefordert, dafür den ordnungsrechtlichen Rahmen zu setzen. Die Verbände fordern so zum Beispiel klare landesrechtliche Vorgaben etwa zur Eindämmung der Lichtverschmutzung und ein Verbot so genannter Schottergärten. Umgesetzt werden müssten die Maßnahmen dann allerdings in den Städten und Gemeinden.
„Mit der Volksinitiative Artenvielfalt wollen wir uns bewusst im Kommunalwahlkampf bemerkbar machen“, sagte der LNU-Landesvorsitzende Mark vom Hofe. „Auch vor Ort muss sich die Politik daran messen lassen, was sie für lebenswerte Städte und Gemeinden tut. Hier geht der Artenschutz Hand in Hand mit dem Klimaschutz. Denn mit mehr Natur in der Stadt können wir auch wirksam dem Klimawandel begegnen.“
Um die Forderungen der Volksinitiative Artenvielfalt NRW zum Thema im Landtag zu machen müssen mindestens 0,5 Prozent der Stimmberechtigten (ab 18 Jahren) in Nordrhein-Westfalen unterschreiben. Gültig sind nur manuelle Unterschriften auf dem offiziellen Unterschriftenbogen. Das Stimmrecht aller Unterzeichnenden müssen sich die Initiatoren der Volksinitiative von der jeweiligen Gemeinde der Hauptwohnung bestätigen lassen.
Trotz anhaltendem Artenschwund gibt es bisher keine konsequente Naturschutzpolitik in NRW. Ziel der Kampagne von BUND, LNU und NABU ist es, konkrete Handlungsvorschläge in den Landtag einzubringen und das Land so zu mehr Natur- und Artenschutz zu bewegen. mehr →
In Deutschland wird ein Verbot für Verbrennungsmotoren ab 2030 diskutiert. Frankreich peilt das Jahr 2040 an, Norwegen 2025. Auch wenn diese Ausstiegs-Szenarien nicht in Stein gemeißelt sind, klar ist: Europa steht vor einer Verkehrswende, die nicht nur neue Antriebstechniken erfordert, sondern vor allem einen Umbau der städtischen Infrastruktur. Wie werden wir uns in unseren Städten künftig fortbewegen? Wird das Auto dabei überhaupt noch eine Rolle spielen?
Autofrei in Köln – ein Modell mit Zukunft?
Familieneinkauf mit dem Bollerwagen. | Bild: BR
Eine Großstadt wie Köln ohne Autos – derzeit ist das kaum vorstellbar. Doch es gibt ein besonderes Viertel, in dem sind Autos streng verboten. Die dreijährige Johanna wohnt mit ihren Eltern im “Stellwerk60” in Köln-Nippes, in der aktuell größten, komplett autofreien Siedlung Deutschlands. Zusammen mit rund 1.300 anderen Bewohnern haben sich Inga Feuser und ihr Mann per Mietvertrag verpflichtet, kein privates Auto zu besitzen. Zum Einkaufen geht es mit dem Rad oder dem Bollerwagen. Ein großer Wocheneinkauf ist so zwar nicht möglich, dafür kauft die junge Familie fast täglich frisch in den zahlreichen Geschäften rund um die Siedlung. Leben ohne Auto – das bedeutet Verzicht, aber auch einen enormen Gewinn an Lebensqualität, vor allem für die Kinder. Denn wo vorher die Gehwege zugeparkt waren, ist jetzt Platz zum Spielen – und die Eltern müssen auch nicht ständig auf den Verkehr aufpassen. “Man kann die Tür aufmachen, die Kleine läuft raus, obwohl sie erst drei ist, spielt auf der Straße und ich muss mir keine Sorgen machen”, erzählt Inga Feuser begeistert.
Verkehrspioniere: Französisches Viertel in Tübingen
Zweirad statt PKW: Französisches Viertel in Tübingen. | Bild: BR
Leben ohne Pkw, das klingt revolutionär im Auto-Land Deutschland. Aber kann das langfristig funktionieren? Ähnliches Konzept – andere Stadt: Im Französischen Viertel in Tübingen hat die Verkehrswende schon vor 20 Jahren begonnen. Autos dürfen hier zwar rein, abgestellt werden sollen sie aber im Parkhaus. Eigentlich – doch seit einiger Zeit sind die Gehwege im Viertel immer öfter zugeparkt. Trotz Parkverbot ist das Auto wieder dabei, die Macht im Quartier zu übernehmen. Der Kunstdozent Frido Hohberger ist einer der Gründungsväter der alternativen Siedlung. Seit er vor über 20 Jahren mit seiner Familie hierhergezogen ist, hat sich das Viertel stark verändert. Die Euphorie von damals ist verflogen und mit ihr die Disziplin. “Am Anfang war es eine Art Biotop und das hat sich normalisiert, durch Wegzug oder natürlich auch dadurch, dass die Leute älter geworden sind. Jetzt ist es ein ganz normales Viertel mit allen Schwierigkeiten, die man auch in anderen Vierteln findet”, sagt der leidenschaftliche Radfahrer Hohberger, vor dessen Haus die Autos vor allem abends immer öfter den Weg versperren.
Trotzdem ist Frido Hohberger kein Autofeind. Seine Familie hat selbst ein Auto – für Ausflüge und um in den Urlaub zu fahren. Sonst steht es im Parkhaus. An die Jahre im autofreien Viertel erinnern sich seine inzwischen erwachsenen Kinder gerne zurück – selbst wenn sie das Auto in manchen Situationen vermisst haben, denn auch als Kind ist man ab und zu bequem.
Umbau der Innenstädte
Innenstädte: Elektroautos für die Logistik. | Bild: BR
Trotz mancher Schwierigkeiten, scheint das Prinzip des autofreien Viertels aufzugehen – im Kleinen. Doch lässt sich das Konzept auch auf eine ganze Großstadt übertragen? Christian Piehler leitet den Bereich Verkehrsforschung am Deutschen Luft- und Raumfahrzentrum in Köln. So wie hier sind die meisten Städte in Deutschland immer noch stark auf den Autoverkehr ausgelegt. Doch aus Sicht des Verkehrsexperten führt an einem Umbau der Innenstädte kein Weg vorbei: „Ich denke was passieren müsste, um die Probleme, die wir mit den autofixierten Städten in Deutschland haben zu lösen, ist, dass wir zu einer stärkeren Verbindung der Mobilitätskonzepte mit der Stadtentwicklung kommen, ohne dass wir das konventionelle Auto einsetzen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln etwa, aber auch durch eine Stärkung des Fußgänger- und Radverkehrs”,sagt Christian Piehler.
Und so könnte die Stadt in Zukunft aussehen: Die großen Einfallsstraßen werden zurückgebaut, um den privaten Autoverkehr zu verdrängen. In der Innenstadt fahren nur noch elektrische Lastentransporter, Fahrräder und E-Trikes, um die Güter zu transportieren – dazu automatisierte Quartiersbusse für ältere Menschen. Alles ist vernetzt und die Fahrpläne lassen sich per App miteinander kombinieren.
Die autofreie Großstadt, das zeigen Experimente im Ausland, muss keine Utopie sein. Der Podcast erklärt, warum sich Deutschland so schwertut – und wo die Grenzen sind. Von Ileana Grabitz und Marc Brost 18. September 2020, 11:15 Uhr
Brüssel, Paris und Mailand und Amsterdam sowieso: Immer mehr Städte vertreiben die Autos aus ihren Innenstädten – beflügelt auch durch Corona, das vielerorts zeigte, wie entspannt ein Leben mit weniger Straßenverkehr sein kann. Ist die autofreie Stadt nur eine romantische Idee von Weltverbesserern oder wäre ein Leben ohne Staus und Verkehrsunfälle, ohne Lärm und Schmutz auch für Großstädter möglich, wenn es die Politik wirklich wollte?
In der neuen Folge von Das Politikteil diskutieren wir, wie eine autofreie Großstadt aussehen könnte, welche Städte in Europa mit gutem Beispiel vorangehen und warum die Widerstände ausgerechnet in Deutschland viel größer sind als in vielen Nachbarländern. Zu Gast ist Petra Pinzler, Politikredakteurin der ZEIT und Expertin für Stadtentwicklung und Umweltpolitik. Um wirklich etwas zu verändern, meint Pinzler, müsse das Autofahren deutlich unbequemer werden. Was aber sind die Anreize, mit denen man Autofahrer zum Umstieg aufs Rad oder auf den ÖPNV motivieren kann? Und wie verträgt sich das mit dem Freiheitsgedanken? Darf die Politik die, die gerne Auto fahren wollen oder vielleicht auch darauf angewiesen sind, derart bevormunden?
In Das Politikteil sprechen wir jede Woche über das, was die Politik aktuell beschäftigt, über die Geschichten hinter den Nachrichten und darüber, was noch kommen könnte. Immer freitags mit zwei Moderatoren, einem Gast – und einem Geräusch. Im Wechsel sind als Gastgeber Tina Hildebrandt und Heinrich Wefing oder Ileana Grabitz und Marc Brost zu hören.
Die Auswirkungen des Klimawandels machen nach Ansicht von Forschern einige Landstriche der Erde unbewohnbarer. Betroffen sind meist Krisenstaaten. Lesezeit: 1 Min.
(Bild: guentermanaus/Shutterstock.com)
08:36 Uhr Von dpa
Im Jahr 2050 könnte einer Studie zufolge der Lebensraum von mehr als einer Milliarde Menschen auf der Welt bedroht sein. Klimawandel, Konflikte und Unruhen könnten etliche dieser Menschen dazu drängen, ihre Heimatländer zu verlassen, wie eine Untersuchung des Institute for Economics and Peace prognostiziert, die am Mittwoch in London vorgestellt wurde. Besonders bedrohte Hotspots sind demnach die afrikanische Sahelzone, weiter südlich liegende afrikanische Staaten wie Angola oder Madagaskar sowie der Nahe Osten von Syrien bis Pakistan. Als größte Bedrohungen sehen die Autoren Stürme und Überflutungen, aber auch Wasserknappheit und eine unsichere Versorgung mit Lebensmitteln. Bei ihren Berechnungen gehen die Wissenschaftler davon aus, dass Naturkatastrophen mindestens mit gleicher Regelmäßigkeit auftreten wie in den vergangenen Jahrzehnten.
Insgesamt machen die Forscher des Institute for Economics and Peace anhand etlicher Faktoren 31 Staaten aus, die sie als nicht widerstandsfähig genug einstufen, um die ökologischen und politischen Veränderungen der kommenden Jahrzehnte zu schultern. Das werde diese Länder vielleicht nicht vollständig unbewohnbar machen, aber doch etliche Bürger zum Umsiedeln zwingen. Die Bevölkerung dieser Länder mache mehr als eine Milliarde der Weltbevölkerung aus.
Die Autoren sehen einen Zusammenhang zwischen politischen Konflikten und ökologischen Bedrohungen durch den Klimawandel: Je weniger Frieden in einer Region herrsche, desto eher drohe der Kollaps. “Es ist eine Art Teufelskreis. Durch Konflikte werden die natürlichen Ressourcen von Ländern zerstört – und die Knappheit wiederum führt dann zu weiteren Konflikten”, wie Killelea erklärt. So sei es etwa im Jemen der Fall.
Massenflucht
Infolge dieser Entwicklung warnen die Experten vor massenhaften Migrationsbewegungen, von denen vor allem die als relativ krisensicher eingestuften europäischen Länder betroffen sein würden. “Wir haben seit dem Jahr 2015 gesehen, wie selbst eine relativ kleine Zahl an Migranten massive politische Unruhen und Entwicklungen auslösen können, sagte Autor Steve Killelea der dpa. Damals kam mehr als eine Million Flüchtlinge nach Europa, viele aus Syrien oder dem Irak.
Die zukünftigen ökologischen und politischen Bedrohungen dürften den Prognosen zufolge eine deutlich größere Anzahl an Menschen dazu bewegen, ihre Heimatländer zu verlassen und Zuflucht in sichereren Regionen zu suchen. So könnten sich etwa aus Pakistan, Iran oder Äthiopien Hunderte Millionen Menschen auf den Weg machen.
Europa müsse sich der Auswirkungen und der damit verbundenen Verantwortung bewusst werden, forderte Killelea. Regierungen müssten sich damit auseinandersetzen, wie sich die Widerstandsfähigkeit von Krisenstaaten stärken lasse. Insbesondere beim Thema Wasserknappheit gelte es, Unternehmen und Regierungen zu unterstützen. Bereits 2040 könnten mehr als fünf Milliarden Menschen von hoher oder extrem hoher Wasserknappheit betroffen sein, etwa in Indien oder China.
Im Realbetrieb stoßen Plug-in-Hybride bis zu 7-mal so viel CO2 aus wie offiziell angegeben. Darum fordert die DUH, sie nicht mehr zu fördern.
Der Name täuscht: Tatsächlich zum Laden eingesteckt werden Plug-in-Hybride nur selten Foto: Jorge Silva / Reuters
Der Bundesregierung gelten sie offiziell als Klimaschützer: Sogenannte Plug-in-Hybride, also Fahrzeuge, die sowohl einen Benzin- als auch einen Elektromotor haben und deren Batterie an der Steckdose aufgeladen werden kann. Die Anschaffung wird vom Staat mit bis zu 4.500 Euro unterstützt, als Dienstwagen werden sie geringer besteuert, und weil Plug-in-Hybride ebenso wie reine Elektroautos mit dem Buchstaben „E“ am Ende des Nummernschilds gekennzeichnet werden, dürfen sie in manchen Kommunen kostenlos parken und vereinzelt sogar Busspuren benutzen.
Begründet wird diese Förderung mit der angeblichen Klimafreundlichkeit der Fahrzeuge. Und tatsächlich ist der CO2-Ausstoß pro Kilometer auf dem Papier gering: Die Werte liegen zwischen 25 und 90 Gramm – und damit weit unterhalb von vergleichbaren reinen Benzinern und unter dem EU-Flottengrenzwert von 95 Gramm.
Doch das stimmt nur, wenn der Wagen tatsächlich zum Großteil mit dem Elektromotor angetrieben wird. Das sei aber in der Praxis nicht der Fall, meint Barbara Metz, stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Die Fahrzeuge verfügten oft nicht über Schnellladetechnik, sodass das Laden extrem lange dauere.
Zudem würden sie oft als Dienstwagen zugelassen, die die NutzerInnen mit einer Tankkarte betanken könnten. „Damit gibt es keinen Anreiz, sie zu Hause zu laden“, meint Metz. Von Händlern ist zu hören, dass bei gebrauchten Hybridfahrzeugen das Ladekabel oft gar nicht ausgepackt worden sei. Und selbst wenn die Fahrzeuge geladen werden, ist die Batterie so klein, dass sie schon nach kurzer Zeit wieder mit Benzin fahren müssen.
Und dann sieht die Klimabilanz völlig anders aus als auf dem Papier. Das zeigen Tests, die die DUH mit mehreren Modellen durchgeführt hat. So stieß eine Mercedes A-Klasse statt der offiziell angegebenen 28 Gramm CO2 pro Kilometer im realen Betrieb 128 bis 209 Gramm aus. Bei einem Volvo XC40 waren es statt 50 Gramm bis zu 362 Gramm, wenn die Batterie leer war. Beim Porsche Cayenne E-Hybrid wurden statt der angegebenen 89 Gramm bis zu 500 Gramm gemessen, wenn das Fahrzeug im „SportPlus“-Modus gefahren wurde.
Verkehrsexperte Axel Friedrich, der die Tests für die DUH durchgeführt hat, findet es „pervers“, dass die Fahrzeuge als umweltfreundlich beworben werden dürfen. Die DUH fordert darum, dass die Bundesregierung die Förderung von Plug-in-Hybriden beim Autogipfel in der nächsten Woche beendet. „Es muss Schluss sein mit milliardenteuren Scheinlösungen, die dem Klima nicht nützen, sondern sogar schaden“, sagte Barbara Metz.
Klima-Ökonom Ottmar Edenhofer erhält den diesjährigen Umweltpreis der Bundesstiftung Umwelt DBU. Geehrt wird sein Kampf für die CO2-Bepreisung.
Chef des Potsdam-Institus für Klimafolgenforschung Ottmar Edenhofer Foto: Mauersberger/imago
BERLIN taz | Mit Preisen kennt sich Ottmar Edenhofer nun wirklich aus: Seit etwa 15 Jahren bearbeitet der Ökonom und Chef des Potsdam-Institus für Klimafolgenforschung (PIK) die Politik, seine Zunft und die Öffentlichkeit mit der Forderung, Kohlendioxid müsse überall einen ordentlichen Preis bekommen, um das Versagen des Marktes zu beenden.
Letztes Jahr erzielte der weltweit renommierte Wissenschaftler einen kleinen Erfolg: Im Klimapaket der Bundesregierung tauchte ein CO2-Preis für Verkehr und Gebäude auf (wenn auch in eher homöopathischen Dosen).
Nun bekommt Edenhofer einen richtig großen Preis: Die Deutsche Bundesstitfung Umwelt DBU verleiht ihm ihren Umweltpreis 2020, für „entscheidende Impulse im Diskurs über finanzielle Anreize als Instrument für mehr Klima- und Umweltschutz“. Edenhofer teilt sich Europas bestdotierte Öko-Auszeichung (500.000 Euro) mit dem Geschwisterpaar Trappmann, das seine Blechwarenfabrik in Limburg auf Umweltschutz trimmt.
„Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten“
Ottmar Edenhofer ist neben Co-Leiter des PIK (zusammen mit Johan Rockström) auch Professor an der TU Berlin und Chef des Thinktanks Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC). Dazu schreibt er mit KollegInnen regelmäßig Studien und Papers. Edenhofer berät unter anderem die Bundesregierung und die Weltbank und legte 2014 als Hauptautor des UN-Klimarats IPCC dar, dass sich Klimaschutz auch ökonomisch rentiere. Sein Credo: „Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten.“
Der 1961 in Niederbayern geborene Edenhofer wollte ursprünglich katholischer Priester werden. Als Mitglied des Jesuitenordens betreute er im Bosnien-Krieg Flüchtlinge. Geblieben ist dem inzwischen verheirateten zweifachen Vater die Verbindung zur Kirche: 2015 beriet er Papst Franziskus, als der seine einflussreiche Öko-Enzyklika „Laudato Si“ schrieb.
Den Kapitalismus will der Ökonom reformieren, nicht abschaffen. Er fordert staatliche Eingriffe wie Regeln und Steuern, andererseits plädiert er für nachhaltiges Wirtschaftswachstum, um vor allem in Entwicklungsländern die Armut zu bekämpfen.
„Der Preis ist eine große Ehre und kommt überraschend“, sagte Edenhofer der taz. „Ich hätte am Beginn meiner Arbeit nie gedacht, dass dieses Thema so prägend würde. Ich meinte: Das liegt doch auf der Hand, dass externe Kosten in die Preise einfließen müssen.“
Er habe unterschätzt, wie sensibel die Politik auf höhere Energiepreise für Arme oder Landbewohner reagiere, etwa wenn Benzinpreise duch CO2-Abgaben steigen, sagt Edenhofer.
Seine Vorschläge, die Einnahmen aus den CO2-Einnahmen des Klimapakets sozialverträglich auszugleichen und an die Menschen zurückzugeben, wurden von der Koalition allerdings ignoriert. Edenhofer hat in seinen Jahren der Politikberatung auch gelernt: In der Politik setzt sich nicht immer die beste Lösung durch.
Bis 2009 beriet er auch den damaligen SPD-Außenminister Frank Walter Steinmeier. Der überreicht ihm nun am 25. Oktober als Bundespräsident den Umweltpreis.