Nachhaltigkeit – Wohlleben , WDR-COSMO

(15.12.21, geo.de ) , Peter Wohlleben Was bedeutet eigentlich nachhaltig?

Ein Gespräch mit Louisa Dellert

Nachhaltigkeit – Der Begriff ist in aller Munde. Doch was genau meinen wir, wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen?
Nachhaltigkeit – Der Begriff ist in aller Munde. Doch was genau meinen wir, wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen?

von Peter Wohlleben 15.12.2021, 12:30 Uhr Woher kommt der Begriff Nachhaltigkeit? Wer hat ihn definiert? Was ist wirklich sozial gerecht? Wieviel schlechte Nachrichten verträgt der Mensch? Über diese Fragen unterhalten sich Peter Wohlleben und die Autorin, Moderatorin und Influencerin Louisa Dellert

zum Audio : hier

Der Begriff ist in aller Munde – mehr und mehr Menschen bekennen sich zu ihm. Doch was genau meinen wir, wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen?

Der Impuls zur Nachhaltigkeit kam nicht von der Forstwirtschaft

Starten wir mit einem berühmten Werbezitat um ein Schweizer Kräuterbonbon: “Wer hat’s erfunden?” Im Falle der Nachhaltigkeit kam der Impuls nicht von der Forstwirtschaft (obwohl die sich die Idee gerne auf die Fahnen schreibt) – es war der Bergbau. Hans Carl von Carlowitz, ein sächsischer Berghauptmann, stellte wie viele Zeitgenossen des 18. Jahrhunderts fest, dass der Branche das so wichtige Holz auszugehen drohte.

Man brauchte es beispielsweise, um die weitverzweigten Stollen gegen Einsturz abzusichern. Von Carlowitz unternahm ausgedehnte Reisen in Europa und traf dort auf Menschen wie den Engländer John Evelyn, einen Gartenbauer, der schon vor von Carlowitz Abhandlungen über Baumanpflanzungen zur Verhinderung einer Rohstoffknappheit geschrieben hatte.

Mengennachhaltigkeit statt Erhalt von Ökosystemen

Unter den Eindrücken seiner Reisen verfasste der Berghauptmann dann sein Werk “Sylvicultura oeconomica”, den Grundstein der heutigen Forstwirtschaft in Deutschland, ja sogar weltweit.

Mit Ökologie hat das allerdings so wenig zu tun, als wollte man ein Maisfeld zu einer Insektenwiese adeln – nein, von Carlowitz führte vielmehr landwirtschaftliche Methoden im Wald ein.

Seither werden Bäume in Feldern angebaut, werden gepflegt und nach wenigen Jahrzehnten mehr oder weniger zeitgleich “geerntet”. Diese Plantagenwirtschaft wird bis heute auf großer Fläche betrieben. Aus damaliger Sicht war die Methode ein Fortschritt. Der Wald glich durch akkurate Gliederung in Abteilungen einem gut kontrollierbaren Vorratslager, aus dem nie mehr entnommen werden sollte als nachwuchs. Es ging also nicht um den Erhalt von Ökosystemen, sondern um eine reine Mengennachhaltigkeit. So etwas betreibt prinzipiell jeder Bauer auf seinem Feld: Jährlich wird in etwa die gleiche Menge an Feldfrüchten geerntet.

Eine moderne Definition von Nachhaltigkeit

Dieses Prinzip wurde bis heute im Wald eingehalten. Gelitten hat unter der Konzentration auf den Rohstoff Holz das Ökosystem. Wirklich alte Buchenwälder, einst in ganz Mittel- und Westeuropa dominierend, sind in Deutschland auf kümmerliche Reste von 0,3 Prozent der Waldfläche zusammengeschmolzen. Nachhaltig kann man das nicht nennen. Doch was wäre eine moderne Definition dieses so inflationär gebrauchten Begriffs? Sinnge­mäß hat man sich international auf Folgendes geeinigt: Das Ökosystem muss in seiner Funktion und Ar­tenausstattung so an die folgende Generation übergeben werden, dass es mindestens dem Zustand entspricht, in dem wir es von un­seren Eltern übergeben bekommen haben.

Schnell wird klar: Wirklich nachhaltig zu handeln ist in der heutigen Zeit, auf diesem Niveau des Lebensstandards, nicht mög­lich. Egal was wir tun, was wir pro­duzieren oder verbrauchen: Es hin­terlässt Spuren in der Umwelt, die sich nicht so schnell tilgen lassen. Trotzdem lohnt es sich, es wenigs­tens zu versuchen, und dabei mag die Einführung eines neuen Wortes helfen, denn neuerdings wird dem Begriff Nachhaltigkeit ein Adjektiv an die Seite gestellt: enkelgerecht. Und genau das sollte unser Han­deln prägen: Es muss den künfti­gen Generationen eine lebenswerte Zukunft ermögli­chen, einschließ­lich einer ausreichend großen, in­takten Natur.



(25.12.21, WDR-COSMO) Wasteland Rebels – Der COSMO Nachhaltigkeits-Podcast

Wie anfangen mit mehr Nachhaltigkeit im Alltag?

Der innere Schweinehund – wir kennen ihn alle. In dieser Folge sprechen Jessica und Shia, warum es es so schwer ist den Alltag nachhaltiger zu gestalten. Auch wenn wir eigentlich wissen, dass das eine gute und wichtige Sache ist. Und welche ersten konkreten Schritten bringen viel für den Klimaschutz? Und wir erfahren, wie Shia angefangen hat ihr Leben auf Zero-Waste und komplett nachhaltig umzukrempeln.

In dieser Folge beleuchten Hosts Jessi und Shia, warum es eigentlich so schwer ist, den eigenen Alltag nachhaltiger zu gestalten, obwohl wir doch wissen, dass es wichtig ist, wenn wir die schlimmsten Folgen des Klimawandels verhindern wollen. Audio starten, abbrechen mit Escape

Wie anfangen mit mehr Nachhaltigkeit im Alltag?

COSMO Wasteland Rebels – besser nachhaltig. 25.12.2021. 44:55 Min.. Verfügbar bis 25.12.2022. COSMO. Von Cengiz Tarhan.

Audio Download . Download mit LINUX: Rechte Maustaste und “Ziel speichern unter” oder “Link speichern unter”.

Wie und wo fängt man am besten an, das eigene Leben nachhaltiger zu gestalten?

Ah, der innere Schweinehund – wir kennen ihn alle! Nicht umsonst heißt es: Aller Anfang ist schwer. Das bewahrheitet sich bei vielen Dingen, die wir uns vorknöpfen wollen – ein nachhaltigeres Leben ist da keine Ausnahme.

Selbstdisziplin ist nun wirklich nicht die Stärke von Shia. Im Gegenteil, sie ist Chaotin und oft eine ziemlich faule Socke. Trotzdem lebt sie seit über 7 Jahren Zero Waste und noch länger vegan. Wie das sein kann – das möchte Jessi in dieser Folge von Shia wissen.

Das Mindset scheint eine große Rolle zu spielen. Wenn wir defizitorientiert an die Sache gehen und immer nur sehen, was wir noch nicht können, verlieren wir schnell die Motivation. Shia vergleicht es wie das Erlernen einer Sprache – da erwarten wir doch auch nicht, direkt nach kurzer Zeit die Sprache fließend zu beherrschen. Jeder kleine Erfolg verdient es, gefeiert zu werden.

Dazu sprechen sie mit Psychologin Ellen Matthies von der Otto-von-Guericke-Universität und holen sich da auch noch mal viele Tipps, die helfen, das Ganze effizient anzugehen, sich bei Laune zu halten und den Spaßfaktor hochschrauben.


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