{"id":9245,"date":"2021-08-03T11:00:45","date_gmt":"2021-08-03T09:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/boklima.de\/?p=9245"},"modified":"2021-08-03T11:02:44","modified_gmt":"2021-08-03T09:02:44","slug":"hochwasserschutz-verhindern-schuetzen-anpassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/boklima.de\/?p=9245","title":{"rendered":"Hochwasserschutz: \u00bbVerhindern, sch\u00fctzen, anpassen\u00ab"},"content":{"rendered":"\n<p>(27.07.21, spektrum.de) , Original : <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/news\/hochwasser-verhindern-schuetzen-anpassen\/1899532?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p>Hochwasser lassen sich nicht komplett verhindern. Doch man kann die Gefahr senken, sagt Hochwasserschutz-Experte Daniel Bachmann im Interview. Der erste Schritt: sich informieren.<br>von <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/profil\/fischer\/lars\/1126309\">Lars Fischer<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nach den verheerenden \u00dcberschwemmungen im Westen Deutschlands gehen die Aufr\u00e4umarbeiten voran. <a href=\"https:\/\/reportage.wdr.de\/hochwasser-nrw-vorher-nachher-fotos#chapter-140\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Doch die Zerst\u00f6rungen werfen auch die Frage auf, was man gegen solche Katastrophen unternehmen kann<\/a>. V\u00f6llig verhindern kann man solche Ereignisse nicht, erkl\u00e4rt Daniel Bachmann, Professor f\u00fcr Hydromechanik, hydrodynamische Modellierung und Hochwasserrisikomanagement an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Er erkl\u00e4rt, wie man zuk\u00fcnftige Hochwasser im Computer berechnet und Gefahrenkarten erstellt, was der Klimawandel f\u00fcr den Hochwasserschutz bedeutet und was man als Privatperson tun kann, um besser vorbereitet zu sein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00bbSpektrum.de\u00ab: Welche Arten von Modellen kommen bei der Hochwasservorhersage zum Einsatz?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum \u2013 Die Woche, 30\/2021<\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Daniel Bachmann:<\/strong> Wir nutzen f\u00fcr die klassische Hochwasservorhersage eine ganze Modellkette von der Meteorologie bis hin zur Hydrodynamik. Zuerst haben wir die meteorologischen Modelle, die uns den Niederschlag geben. Den lassen wir quasi auf die hydrologischen Modelle fallen, um zu sehen, wie sich der Niederschlag \u00fcber H\u00e4nge in den T\u00e4lern sammelt. Aus solchen Berechnungen kann man aber in der Regel schlecht Wasserst\u00e4nde herausziehen, man erf\u00e4hrt vor allem, wie viel Wasser durch die Landschaft flie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Als n\u00e4chster Schritt folgt ein hydrodynamisches Modell, in dem wir das Wasser den Fluss hinunterlaufen lassen, so dass es sich in der simulierten Landschaft ausbreitet. Und wir gehen in der Forschung inzwischen so weit, dass wir&nbsp;\u2013 au\u00dferhalb der physikalischen Modellierung&nbsp;\u2013 Sch\u00e4den eines Hochwassers in eine Vorhersage integrieren. Da ist eine Stadt, wer ist gef\u00e4hrdet und was sind die Kosten, wenn da das Wasser in den Stra\u00dfen steht? Oder der Ausfall von kritischen Infrastrukturen; das ist ein ganz hei\u00dfes Thema. Die Wasserversorgung h\u00e4ngt von der Stromversorgung ebenso ab wie die Telekommunikation abh\u00e4ngig von Stromversorgung ist, und so weiter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie funktionieren derartige Modelle?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir nehmen im Prinzip die Topografie sowie die grundlegenden Gesetze der Physik dahinter, etwa die <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/physik\/navier-stokes-gleichungen\/10145\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Navier-Stokes-Gleichungen<\/a>, die Grundgleichungen der Hydrodynamik. Noch niemand hat sie bislang gel\u00f6st, deswegen gehen wir numerisch heran. Das erste numerische Modell hat der englische Meteorologe Lewis Fry Richardson 1922 aufgestellt, damals noch mit der Hand berechnet. Er hat mehrere Wochen gerechnet f\u00fcr eine Wettervorhersage von sechs Stunden, und diese war dann auch noch falsch. Aber er hat die Grundlage geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute benutzen wir Computer, um die Abfl\u00fcsse \u00fcber das Gel\u00e4nde zu modellieren. Und damit k\u00f6nnen wir auch Str\u00f6mungen und \u00dcberschwemmungen simulieren. Der gro\u00dfe Vorteil eines solchen Modells ist, dass ich damit sozusagen spielen kann. Ich kann den Klimawandel einbeziehen, dann lasse ich es noch extremer regnen und schaue, was passiert. Oder ich baue einen Deich ein und beobachte, was sich \u00e4ndert. Modellierung ist ein sehr wichtiges Werkzeug f\u00fcr uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Die bekannten Gefahrenkarten basieren auf derartigen Berechnungen. Sie lassen sich beliebig erweitern, etwa durch ver\u00e4nderte Wasserst\u00e4nde, wenn eine Flussaufweitung erfolgt, Polder gebaut werden und oder wir Wasser verst\u00e4rkt speichern und so weiter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie entstehen Hochwassergefahrenkarten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Hochwassergefahrenkarten muss jedes Land in Europa erstellen, was seit 2007 in der EU so geregelt ist. Da gibt es gesetzliche Vorgaben, wie das abl\u00e4uft. Man kann nat\u00fcrlich nicht jeden Graben in Deutschland modellieren. Deswegen sucht man nach gewissen Kriterien, wie historischen Ereignissen und Schadenspotenzial, Risikogew\u00e4sser in Deutschland heraus. Man hat in dieser Stufe eins zum Beispiel auch Gew\u00e4sser genommen, f\u00fcr die schon Gefahrenkarten vorhanden waren.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u00bbUnter normalen Umst\u00e4nden, wenn es kein Hochwasser gibt, sind diese Gefahrenkarten nat\u00fcrlich nicht bei allen so beliebt\u00ab<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend rechnet man drei Szenarien: eines mit hoher Wahrscheinlichkeit, sprich zehn- oder zwanzigj\u00e4hriges Hochwasser, ein 100-j\u00e4hriges Hochwasser mit mittlerer Wahrscheinlichkeit und eines das als HQ-extrem bezeichnet wird. Was Letzteres bedeutet, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und ist nicht klar geregelt. Hier in Sachsen-Anhalt ist das ein 200-j\u00e4hriges Hochwasser ohne Deiche&nbsp;\u2013 einfach, um zu sehen, was passieren k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn diese Gefahrenkarten existieren, was ist dann schiefgegangen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Erstellung der Karten ist ein zyklischer Prozess, die Karten werden alle sechs Jahre aktualisiert und erweitert. Es kann zum Beispiel passieren, dass so ein Fluss in diesen Karten gar nicht drin war. Das gab es 2017 im Harz mit einem Fluss, der nicht in den Gefahrenkarten enthalten war. Der wurde dann nat\u00fcrlich im n\u00e4chsten Zyklus der Kartenerstellung mit aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt habe ich konkret die Hochwasserkarte von Schuld angesehen, da ist nicht viel blau. Aber: Das ist eine Ferndiagnose, weil ich die \u00dcberflutungsfl\u00e4chen nicht kenne. Ich w\u00fcrde dennoch vermuten, dass das Flutrisiko hier untersch\u00e4tzt wurde. M\u00f6glicherweise ist dieses Extremereignis mit einem Wiederkehrintervall von 200 Jahren zu niedrig gew\u00e4hlt worden. \u00dcber die m\u00f6glichen Ursachen m\u00f6chte ich nicht spekulieren. Vorsichtig gesagt: Unter normalen Umst\u00e4nden, wenn es kein Hochwasser gibt, sind diese Gefahrenkarten nat\u00fcrlich nicht bei allen so beliebt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie genau sind solche Modelle?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Modell ist immer nur ein vereinfachtes Abbild der Natur und nicht perfekt. Darin sind Fehler, in den Ans\u00e4tzen, in den Daten. Wir k\u00f6nnen und wollen die Natur nicht nachbauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem sind die Randbedingungen der Modelle unsicherheitsbehaftet, je l\u00e4nger man in die Zukunft prognostiziert, desto gr\u00f6\u00dfer werden auch die Unsicherheiten in den Ergebnissen. Was man in der Hochwasservorhersage machen k\u00f6nnte&nbsp;\u2013 aber auch da sind wir im Forschungsbereich&nbsp;\u2013, man kann so genannte Ensemblevorhersagen nehmen: Man rechnet dann nicht nur ein Szenario, sondern mehrere. Zum Beispiel hat der Deutsche Wetterdienst ein Ensemble mit 20&nbsp;Szenarien laufen, und unter denen gibt es dann maximale und minimale Werte und Mittelszenarien.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie k\u00f6nnte jetzt eine solche Hochwasservorhersage auf Ensemblebasis aussehen? Das meteorologische Modell gibt die Randbedingungen vor, die Regenmengen. Diese flie\u00dfen in ein hydrologisches Modell, das die Topografie, die Landnutzung und so weiter ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Link :<br>https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/xvhjf1XDFHE?feature=oembed&amp;showinfo=0<br>\u00a9 AG Flood Risk Management HS-MModellierung des Hochwassers 2021 am Unterlauf der Rur<\/p>\n\n\n\n<p>Erstellt von der Arbeitsgruppe Flood Risk Management der Hochschule Magdeburg-Stendal.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit transferiere ich den Niederschlag in Abfluss. Aus 20&nbsp;verschiedenen Niederschl\u00e4gen erhalte ich 20&nbsp;Abfl\u00fcsse, und bei einem gut kalibrierten Modell bleibt die Unsicherheit relativ klein. Der Abfluss wird nun ins hydrodynamische Modell \u00fcberf\u00fchrt, das schlicht den Naturgesetzen folgt. Am Ende erhalten wir relativ gute Wasserst\u00e4nde. Aber ich denke, wenn es diese Modelle gibt und sie gut gepflegt sind, liegt die gr\u00f6\u00dfte Unsicherheit in der Meteorologie. Deshalb macht auch eine Ensemblevorhersage durchaus&nbsp;Sinn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist mit der kritischen Infrastruktur?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei diesem Thema sind wir ganz neu dabei, daran zu forschen. Ihre Relevanz wurde bei den jetzigen Hochwasserereignissen mehr als deutlich. Aber das hat man auch <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/kolumne\/flutkatastrophe-hochwasser-in-deutschland\/1197092\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">beim letzten Elbehochwasser 2013 hier in Magdeburg schon gesehen<\/a>, als das Umspannwerk Rothensee auf Teufel komm raus verteidigt wurde. Alle wussten: Wenn das \u00fcberflutet wird, f\u00e4llt nicht nur in der \u00dcberschwemmungsregion der Strom aus, sondern auch im ganzen Umland, das eigentlich gar nicht betroffen ist. Bekannt ist das Problem irgendwie, aber es ist noch nicht so ganz durchgedrungen; kritische Infrastruktur und Hochwasserrisikomanagement sind noch zwei unterschiedliche Welten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bekommen im Moment auch viele der Daten nicht. Der Katastrophenschutz macht noch relativ viel im Bereich der kritischen Infrastrukturen, aber mit der langfristigen Planung f\u00fcr vorbeugenden Hochwasserschutz hat das wiederum nicht viel zu tun. Und nat\u00fcrlich ver\u00f6ffentlicht man auch nicht so einfach Daten \u00fcber kritische Infrastruktur. Wie man das in den Griff kriegt, wird sich in den n\u00e4chsten Jahren zeigen. Man muss dabei nicht jeden kleinen Transformator ber\u00fccksichtigen. Aber die gro\u00dfen Brocken, die bei diesem Hochwasser anscheinend ausgefallen sind, sollte man nat\u00fcrlich erfassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und der Klimawandel erh\u00f6ht die Unsicherheit weiter?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/news\/hochwasser-ich-hoffe-dass-hier-irgendwann-der-groschen-faellt\/1897198\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">der Klimawandel bewirkt, dass die H\u00e4ufigkeit der extremen Ereignisse zunimmt<\/a>. Der Abfluss, der bisher statistisch gesehen einmal in 100&nbsp;Jahren auftrat, tritt jetzt vielleicht im Mittel alle 70&nbsp;Jahre ein. M\u00f6glicherweise muss man in die Gefahrenkarten ein eigenes Klimaszenario mit aufnehmen, in dem zum Beispiel ein h\u00f6herer Abfluss eingesetzt wird. Das wird man \u00fcberpr\u00fcfen m\u00fcssen. Und man muss auch mehr und mehr in die nachhaltige Planung reingehen. Das hei\u00dft, dass man nicht nur f\u00fcr den Ist-Zustand plant, sondern f\u00fcr das Jahr 2050 oder 2100, und dann mit Klimazuschlag. Das sind nat\u00fcrlich unsichere Szenarien, die zu berechnen sind, aber das sollte man mitnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie geht man mit der Situation um?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, dass die Adaption, also die Anpassung an den Klimawandel, wieder st\u00e4rker in den gesellschaftlichen Diskurs muss. Dass wir nicht nur den Klimawandel verhindern m\u00fcssen, sondern dass er jetzt schon stattfindet und die Situation ver\u00e4ndert. Zum Beispiel werden die Deiche an der K\u00fcste bereits mit Klimazuschlag erneuert: Man erweitert die Deichbreite schon so, dass man in zehn Jahren relativ einfach erh\u00f6hen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u00bbM\u00f6glicherweise muss man in die Gefahrenkarten ein eigenes Klimaszenario mit aufnehmen\u00ab<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Denn im Klimawandel sind ebenfalls Unsicherheiten vorhanden. Beim Meeresspiegel reichen Prognosen von 20&nbsp;Zentimeter bis zwei Meter Anstieg. Deswegen ist es clever, robuste Ma\u00dfnahmen zu machen, die bei Bedarf erweiterbar sind. Bemerkt man, dass die Prognose doch nicht voll zutraf, und ist mit dem K\u00fcstenschutz zufrieden, dann kann man das so lassen. Aber wenn der Meeresspiegel schneller und h\u00f6her steigt, l\u00e4sst sich das recht schnell ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Teil kriegen wir die Anpassung an den Klimawandel also mit vorbeugendem Hochwasserschutz hin. Aber andererseits sind damit auch viele andere Aspekte verbunden. Da ist zum Beispiel das Niedrigwassermanagement, wenn nicht zu viel Wasser da ist, sondern zu wenig wie in den Sommern 2018 und 2019, als die Schifffahrt wegen Niedrigwasser eingestellt werden musste und Kraftwerken das K\u00fchlwasser fehlte.<\/p>\n\n\n\n<p>Hochwasser wiederum kann Talsperren vor Probleme stellen: Jetzt wurden sie zu voll und mussten abgelassen werden. Lasse ich als Betreiber eine gr\u00f6\u00dfere Reserve f\u00fcr Extremhochwasser, werde ich im hei\u00dfen Sommer eventuell gefragt, warum die Talsperre denn so leer ist. Deswegen werden uns Hochwasser und Niedrigwasser immer mehr besch\u00e4ftigen. Die Wasserwirtschaft wird f\u00fcr den Umgang mit dem Klimawandel ganz zentral.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine wesentliche Frage ist also, bis zu welchen Punkt Schutzma\u00dfnahmen sinnvoll sind?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen nat\u00fcrlich vorbeugenden Hochwasserschutz machen, aber Sie k\u00f6nnen so viele Ma\u00dfnahmen machen, wie Sie wollen: Irgendwann werden wieder bei einem Hochwasser H\u00e4user \u00fcberflutet werden und Menschen betroffen sein. Das muss man ganz klar sagen. Man kann und will sich ja nicht bis zum Ende sch\u00fctzen. Vielleicht k\u00f6nnte man 50&nbsp;Meter hohe Mauern ans Wattenmeer und an die Fl\u00fcsse bauen, nur wer m\u00f6chte das? Es geht darum, die Ma\u00dfnahmen so zu konzipieren, dass sie \u00f6konomisch, aber auch vor dem Hintergrund der Lebensqualit\u00e4t noch sinnvoll&nbsp;sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was hei\u00dft das konkret?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/news\/hochwasser-wie-lassen-sich-flutkatastrophen-kuenftig-verhindern\/1896826\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wir werden Ma\u00dfnahmen implementieren m\u00fcssen, um Hochwasser zu verhindern<\/a>, zum Beispiel Entsiegelung, Aufforstung, Speicherung oder Raum f\u00fcr die Fl\u00fcsse. Wir k\u00f6nnen uns aktiv sch\u00fctzen, mit Deichen und Mauern zum Beispiel. Aber man kann eben auch eine andere Strategie fahren, um sich anzupassen, zum Beispiel H\u00e4user auf Stelzen oder generell eine darauf ausgelegte Bauweise.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein ganz wichtiger Aspekt bei den Ma\u00dfnahmen ist ganz sicherlich die Raumplanung. Sie ist der effektivste Schutz vor Hochwasserkatastrophen. Denn der Fluss oder das Meer sind nicht die B\u00f6sen, sondern die Leute bauen dort, wo der Fluss einst ausgeufert ist. Sie haben ihn auch oft verengt. Dabei gibt es historisch gewachsene St\u00e4dte, in denen der Fluss tats\u00e4chlich zuvor sichere Bereiche flutet, aber die Menschen haben sich selbst in den Bereich des Flusses gesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute k\u00f6nnen wir das nur noch zu einem gewissen Grad \u00e4ndern, wir wollen und k\u00f6nnen zum Beispiel Hamburg nicht umsiedeln. In einem gewissen Ma\u00df m\u00fcssen wir das Risiko akzeptieren, das vom Wasser ausgeht. Aber dieses Restrisiko m\u00fcssen wir managen k\u00f6nnen. Da brauchen wir Warnsysteme und Notfallpl\u00e4ne, und wir m\u00fcssen Verhaltensmuster f\u00fcr den Ereignisfall ein\u00fcben. Ich habe drei Strategien genannt: verhindern, sch\u00fctzen, anpassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Strategie k\u00f6nnte jedoch auch sein, das Wiederaufstehen nach einem Ereignis so leicht wie m\u00f6glich zu machen. Versicherungen und staatliche Wiederaufbauhilfe sind dabei wichtig. Im Endeffekt wird man nicht jedes Ereignis verhindern k\u00f6nnen. Wenn es nur um \u00f6konomische Werte geht, k\u00f6nnen wir es uns vielleicht leisten, das wieder neu aufzubauen. Bei der Elbeflut wurde die Bahnstrecke untersp\u00fclt, und alle fragten sich: Warum baut die Bahn denn ausgerechnet im Gefahrengebiet wieder neu auf? Aber die Bahn sagt ganz klar: Wenn wir das verlegen, kostet das so viel Geld, dass wir die Bahnstrecke dreimal neu aufbauen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Also muss man gucken, welche Sch\u00e4den man einpreist?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das geht nat\u00fcrlich nur bei reinen \u00f6konomischen Sch\u00e4den. Nicht, wenn es um Menschenleben geht oder auch&nbsp;\u2013 da f\u00e4ngt es ja schon bei pers\u00f6nlichen Werten an&nbsp;\u2013 das Fotoalbum der Familie oder die Festplatte mit den Kinderfotos zerst\u00f6rt sind. Aber wenn die Leute versichert sind oder es einen Hilfsfond gibt, k\u00f6nnen die Leute, zumindest \u00f6konomisch gesehen, wieder schneller aufstehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was macht denn die Privatperson, um sich auf Hochwasser vorzubereiten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/whg_2009\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wasserhaushaltsgesetz von 2009<\/a> steht, dass jede Privatperson auch f\u00fcr die Eigenvorsorge verantwortlich ist. Das ist neu. Vorher war Hochwasserschutz eine rein staatliche Sache beziehungsweise wurde so empfunden. Nun werden auch die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger vom Gesetzgeber in die Pflicht genommen. Das wissen viele wahrscheinlich noch gar nicht, aber so steht es im Gesetz&nbsp;\u2013 was auch richtig&nbsp;ist.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u00bbWelche Dokumente schnappe ich mir als Erstes? Muss man unbedingt das Kinderfotoalbum im Keller aufbewahren? Wo stelle ich vielleicht mein Auto hin?\u00ab<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wie betreibt man nun diese Vorsorge? Als Erstes w\u00fcrde ich <a href=\"https:\/\/geoportal.bafg.de\/karten\/HWRM\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">in die Hochwassergefahrenkarte<\/a> gucken. Informationsvorsorge ist ein ganz wichtiger Aspekt. Ein Reporter hatte mich gefragt: Woher soll ich denn wissen, dass ich in Erftstadt von Hochwasser betroffen bin? Da sage ich doch, Moment, das hat Erftstadt doch schon im Namen&nbsp;\u2013 den Fluss Erft. Das muss man sich dann schon klarmachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich kann man bei Starkregen auch entfernt vom Fluss betroffen sein. Leider sind die Warnkarten f\u00fcr Starkregenereignisse zum Beispiel an Hanglagen oft noch nicht vorhanden. Aber die Hochwassergefahrenkarten sind der erste Schritt. Dann muss man sich Gedanken machen, was ich im Hochwasserfall mache. Welche Dokumente schnappe ich mir als Erstes? Muss man unbedingt das Kinderfotoalbum im Keller aufbewahren? Wo stelle ich vielleicht mein Auto hin? Vielleicht sollte man das auch einfach besser f\u00fcr die Leute zusammenfassen, zum Beispiel in Form eines analogen oder digitalen Faltbl\u00e4ttchens: Wie verhalte ich mich bei Hochwasser? Oder man trainiert ab und an das Verhalten bei Hochwasser in \u00dcbungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und letztlich muss man das in einem gewissen Ma\u00df mit sich selbst ausmachen; dazu muss man sich der Gefahr nat\u00fcrlich bewusst sein. Das klingt jetzt ein bisschen einfach gedacht f\u00fcr die Opfer, keine Frage, doch man muss das Risiko durch das Wasser bis zu einem gewissen Grad akzeptieren; oder nicht, dann allerdings entsprechende Konsequenzen ziehen. Wenn man aber&nbsp;\u2013 im Normalfall&nbsp;\u2013 unten am Fluss in den Wiesen steht, dann kann man sich auch sagen: Es ist echt sch\u00f6n, hier zu wohnen. Daf\u00fcr nehme ich das verbleibende Risiko in&nbsp;Kauf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herr Bachmann, herzlichen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/profil\/fischer\/lars\/1126309\">Lars Fischer<\/a><\/strong> Lars Fischer ist Chemiker und Redakteur bei \u00bbSpektrum.de\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Tip von Ingo<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(27.07.21, spektrum.de) , Original : hier Hochwasser lassen sich nicht komplett verhindern. Doch man kann die Gefahr senken, sagt Hochwasserschutz-Experte Daniel Bachmann im Interview. Der erste Schritt: sich informieren.von Lars Fischer Nach den verheerenden \u00dcberschwemmungen im Westen Deutschlands gehen die Aufr\u00e4umarbeiten voran. 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