{"id":7030,"date":"2020-12-29T14:17:29","date_gmt":"2020-12-29T13:17:29","guid":{"rendered":"https:\/\/boklima.de\/?p=7030"},"modified":"2020-12-29T14:17:30","modified_gmt":"2020-12-29T13:17:30","slug":"studie-klimaziele-mit-momentaner-ernaehrungsweise-nicht-zu-erreichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/boklima.de\/?p=7030","title":{"rendered":"Studie: Klimaziele mit momentaner Ern\u00e4hrungsweise nicht zu erreichen"},"content":{"rendered":"\n<p>( heise.de Original : <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Studie-Klimaziele-mit-momentaner-Ernaehrungsweise-nicht-zu-erreichen-4951276.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a> ) <\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Produktion von Nahrungsmitteln werden global so viele Treibhausgase ausgesto\u00dfen, dass schon allein damit das 1,5-Grad-Klimaziel verfehlt wird. <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/forum\/heise-online\/Kommentare\/Studie-Klimaziele-mit-momentaner-Ernaehrungsweise-nicht-zu-erreichen\/forum-461226\/comment\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kommentare lesen 766 Beitr\u00e4ge<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>08.11.2020 11:55 Uhr Von Stefan Krempl<\/p>\n\n\n\n<p>Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung geh\u00f6ren zu den massiven Treibern des Klimawandels. Wie gro\u00df der Beitrag dieses Sektors ist, hat ein Forscherteam um den \u00d6kologen David Tilman und des Biologen Michael Clark jetzt ermittelt. Allein Treibhausgas-Ausst\u00f6\u00dfe aus dem Agrarbereich mit der Produktion von Nahrungsmitteln k\u00f6nnen demnach ein Scheitern der Pariser Klimaschutzziele bewirken, selbst wenn man alle anderen Sektoren umgehend als praktisch klimaneutral ansetzen w\u00fcrde, also alle anderen menschengemachten Emissionen klimawirksamer Gase schnell und vollst\u00e4ndig s\u00e4nken.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"nav_viehhaltung_und__0\"><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Viehhaltung_und_Duengemittel\"><\/span>Viehhaltung und D\u00fcngemittel<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n\n\n\n<p>Im 1,5-Grad-Sonderbericht des Weltklimarats IPCC wird das noch verbleibende Treibhaus-Budget mit insgesamt 420 beziehungsweise 1170 Gigatonnen CO<sub>2<\/sub> beziffert, um mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent das 1,5- beziehungsweise das 2-Grad-Ziel des Pariser Abkommen zu erreichen. Bei der Produktion von Nahrungsmitteln fallen neben CO<sub>2<\/sub> vor allem auch <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Klimaerwaermung-Globale-Methan-Emissionen-auf-Rekordhoch-4864082.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Emissionen von Methan und Lachgas<\/a> (CH<sub>4<\/sub>, N<sub>2<\/sub>O) durch die Viehhaltung und den Einsatz von D\u00fcngemitteln an.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Autoren der am Donnerstag im Magazin &#8220;Science&#8221; <a href=\"https:\/\/science.sciencemag.org\/content\/370\/6517\/705\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\">ver\u00f6ffentlichten Studie<\/a> haben nun untersucht, wie sich die Emissionen aus der Produktion von Nahrungsmitteln in den n\u00e4chsten Jahren entwickeln, wenn die Trends der vergangenen Jahre fortgeschrieben werden. Sie ber\u00fccksichtigen dabei etwa das Wachstum der Weltbev\u00f6lkerung, absehbare Steigerungen der Ernteertr\u00e4ge, die ver\u00e4nderte Landnutzung durch mehr Ackerfl\u00e4chen und die Verluste durch Lebensmittelverschwendung. Auch neue Ern\u00e4hrungsgewohnheiten der Menschen rechnet das Team mit ein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"nav_mehr__1\"><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Mehr_pflanzliche_Ernaehrung_waere_sinnvoll\"><\/span>Mehr pflanzliche Ern\u00e4hrung w\u00e4re sinnvoll<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n\n\n\n<p>Angesichts ihres klaren Ergebnisses nehmen die Wissenschaftler f\u00fcnf Gegenstrategien in den Blick und berechnen, wie sich die Emissionen am effektivsten reduzieren lie\u00dfen. Die gr\u00f6\u00dften Potenziale identifizieren sie dabei in einem Umstieg auf vor allem pflanzenbasierte und ges\u00fcndere Ern\u00e4hrung mit moderatem Konsum tierischer Produkte wie Milch, Fleisch und Eiern. Auch eine gesteigerte Produktionseffizienz sehen sie als Chance. Entscheidend sei daf\u00fcr vor allem eine ver\u00e4nderte Bewirtschaftung etwa durch bedarfsgerechteren Einsatz von D\u00fcngern oder auch durch Zus\u00e4tze im Futter von Wiederk\u00e4uern.<\/p>\n\n\n\n<p>In der deutschsprachigen Forschergemeinde halten viele den Ansatz und die Empfehlungen f\u00fcr nachvollziehbar. Die Autoren verwendeten solide Daten und lieferten plausible Ergebnisse, lobt etwa der G\u00f6ttinger Professor f\u00fcr Weltern\u00e4hrungswirtschaft und rurale Entwicklung Matin Qaim: &#8220;Dynamische Aspekte \u2013 wie steigender Lebensmittelbedarf der wachsenden Weltbev\u00f6lkerung \u2013 werden in den Simulationen korrekt ber\u00fccksichtigt.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"nav_ergebnis__2\"><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Ergebnis_Umfassende_Veraenderungen_noetig\"><\/span>Ergebnis: Umfassende Ver\u00e4nderungen n\u00f6tig<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Qaim verdeutlicht die Analyse &#8220;nochmals sehr eindringlich, dass umfassende Ver\u00e4nderungen n\u00f6tig sind, und zwar rasch&#8221;. Sonst gebe es \u00fcberhaupt keine Chance mehr, die Pariser Klimaziele noch zu erreichen. Gut findet der Agrar\u00f6konom die Klarstellung, dass f\u00fcr eine klimafreundlichere Produktion auch neue Technologien wie Gentechnik und Genomeditierung wichtig seien. Sonst m\u00fcsste die wachsende Nachfrage durch eine weitere Ausdehnung der Landwirtschaft in W\u00e4lder und Naturr\u00e4ume gedeckt werden, was zu hohen zus\u00e4tzlichen Emissionen f\u00fchren w\u00fcrde. Der \u00d6kolandbau &#8220;mit seinen niedrigeren Ertr\u00e4gen&#8221; k\u00f6nne &#8220;nicht als Patentrezept f\u00fcr den Klimaschutz gelten&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Gr\u00f6\u00dftenteils steht die Studie auf solidem Fundament und alle wichtigen Emissionen sind ber\u00fccksichtigt, aber es gibt einige methodische Schw\u00e4chen&#8221;, merkt Florian Schierhorn vom Leibniz-Institut f\u00fcr Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa an: So seien etwa der errechnete Emissionswert mit 333 Tonnen CO2 pro Hektar sowie der bei 211 Tonnen CO2 pro Hektar angesetzte Kohlenstoff-Ausscheidewert f\u00fcr Brachland &#8220;mit gro\u00dfen Unsicherheiten behaftet&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"nav__quot_riesige__3\"><span class=\"ez-toc-section\" id=\"%E2%80%9CRiesige_globale_Kraftanstrengung%E2%80%9D\"><\/span>&#8220;Riesige globale Kraftanstrengung&#8221;<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n\n\n\n<p>Schierhorn h\u00e4lt es zwar auch f\u00fcr m\u00f6glich, dass neue Technologien wie die <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Genschere-Chemie-Nobelpreis-an-Emmanuelle-Charpentier-und-Jennifer-Doudna-4923108.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Genschere Crispr<\/a> die Ertragspotenziale anheben und negative Klimaauswirkungen kompensieren. Er sehe f\u00fcr dieses optimistische Szenario aber keine plausible Grundlage. Es gelte daher st\u00e4rker auf pflanzenbasierte Ern\u00e4hrung umzustellen. Ein f\u00fcr das Klimasystem wirksamer Effekt w\u00e4re bereits erzielt, wenn die Menschen in der Breite vom Verzehr von Wiederk\u00e4uern zu Schweinefleisch oder Gefl\u00fcgel wechselten. Zugleich bedauert der Experte, dass die EU Ma\u00dfnahmen f\u00fcr einen effizienten Klimaschutz in der Landwirtschaft bislang nicht auf der Agenda habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Da das Team Emissionen aus Transport, Verarbeitung, Verpackung und Vertrieb von Lebensmittel nicht ber\u00fccksichtige, untersch\u00e4tzte es die tats\u00e4chlichen Emissionen tendenziell sogar eher, bef\u00fcrchtet der \u00d6kobilanz-Experte Nils Rettenmaier vom Institut f\u00fcr Energie- und Umweltforschung Heidelberg. Eine Ern\u00e4hrungsumstellung auf pflanzliche Produkte sei unerl\u00e4sslich. Seine Institutskollegin Susanne K\u00f6ppen untermauert, dass der n\u00f6tige Wandel &#8220;eine riesige globale Kraftanstrengung erfordert&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Uns bleiben nur wenige Jahre, die globale durchschnittliche Ern\u00e4hrungsweise zu \u00e4ndern&#8221;, mahnt der Karlsruher Klimaforscher Klaus Butterbach-Bahl. Helmut Haberl, Vorstand des Wiener Instituts f\u00fcr Soziale \u00d6kologie r\u00e4t, darauf zu fokussieren, dass eine klimafreundliche, pflanzenbasierte Ern\u00e4hrung &#8220;\u00fcberwiegend auch ges\u00fcnder ist&#8221;.<\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_82_2 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-transparent ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalte dieser Seite :<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 eztoc-toggle-hide-by-default' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/boklima.de\/?p=7030\/#Viehhaltung_und_Duengemittel\" >Viehhaltung und D\u00fcngemittel<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/boklima.de\/?p=7030\/#Mehr_pflanzliche_Ernaehrung_waere_sinnvoll\" >Mehr pflanzliche Ern\u00e4hrung w\u00e4re sinnvoll<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/boklima.de\/?p=7030\/#Ergebnis_Umfassende_Veraenderungen_noetig\" >Ergebnis: Umfassende Ver\u00e4nderungen n\u00f6tig<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/boklima.de\/?p=7030\/#%E2%80%9CRiesige_globale_Kraftanstrengung%E2%80%9D\" >&#8220;Riesige globale Kraftanstrengung&#8221;<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>( heise.de Original : hier ) Bei der Produktion von Nahrungsmitteln werden global so viele Treibhausgase ausgesto\u00dfen, dass schon allein damit das 1,5-Grad-Klimaziel verfehlt wird. 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