{"id":5834,"date":"2020-08-17T15:55:31","date_gmt":"2020-08-17T13:55:31","guid":{"rendered":"https:\/\/boklima.de\/?p=5834"},"modified":"2020-08-17T16:01:27","modified_gmt":"2020-08-17T14:01:27","slug":"waldschaeden-im-harz-die-kraft-toter-baeume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/boklima.de\/?p=5834","title":{"rendered":"Waldsch\u00e4den im Harz: Die Kraft toter B\u00e4ume"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(taz , 14.08.20)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Nationalpark Harz sind die Folgen des Klimawandels besonders sichtbar. Die Natur einfach sich selbst zu \u00fcberlassen kann eine L\u00f6sung sein.<a href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/4318980\/948\/25694036-1.jpeg\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">BRAUNLAGE <em>taz<\/em> | Wer den Harz von fr\u00fcher kennt, ist bei diesem Anblick fassungslos. An der Bundesstra\u00dfe 4 im Harz, kurz vor Braunlage, ragen Tausende graue und braune Silhouetten abgestorbener Fichten in den Himmel. Dasselbe Bild ein paar Kilometer weiter, am Rehberger Graben \u2013 er wurde im 18. Jahrhundert angelegt, um Wasser der Oder nach St. Andreasberg umzuleiten, wo es in Bergwerken Wasserr\u00e4der zur Energieversorgung antrieb. Soweit das Auge reicht, dominieren auch hier Grau und Braun. Auf dem Hang gegen\u00fcber breiten sich riesige Freifl\u00e4chen aus, in denen die St\u00fcrme und Hitze der vergangenen Jahre und mehrere Generationen von Borkenk\u00e4fern die St\u00e4mme ganz umgeworfen haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eHier sieht man den Wald von morgen\u201c, sagt Friedhart Knolle eher beil\u00e4ufig. Was? Das soll der zuk\u00fcnftige Wald sein? \u201eJa, der Wald ist n\u00e4mlich gar nicht so tot, wie er aussieht.\u201c <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Duerre-im-Harz\/!5684385\/\" rel=\"noreferrer noopener\">Die toten Fichten seien nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu einer neuen Wildnis<\/a>. Wo Leben vergehe, da entstehe Platz f\u00fcr Neues. Knolle, Sprecher des Nationalparks Harz, stapft voran \u00fcber abgebrochene St\u00e4mme und vermoderndes Holz \u2013 Totholz, das tats\u00e4chlich gar nicht tot ist: Schon nach ein paar Metern Fu\u00dfweg ist un\u00fcbersehbar, dass zwischen den stehenden und liegenden St\u00e4mmen bereits eine neue Generation Wald heranw\u00e4chst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcberall sprie\u00dfen junge Ahorne, Ebereschen und Birken aus den morschen St\u00fcmpfen. Zwischen den stummen Zeugen des Klimawandels breitet sich ein Teppich aus bl\u00fchenden Kr\u00e4utern aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Intensives Gezwitscher von allen Seiten ist zu h\u00f6ren. \u201eDie Vogeldichte steigt im wilden Wald\u201c, sagt Knolle. Sperlingskauz und Schwarzspecht sind zur\u00fcckgekehrt, die Spechte h\u00e4mmern ihre H\u00f6hlen gern in die toten St\u00e4mme. Im Unterholz finden Luchse und Wildkatzen Unterschlupf. Die vermodernden St\u00e4mme sind zudem Lebensraum und Nahrungsquelle f\u00fcr viele Pilze und Insekten, K\u00e4fer und Wildbienen nutzen Totholz f\u00fcr ihre Brut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Kernzone des Nationalparks, die etwa 60 Prozent der Fl\u00e4che des insgesamt knapp 250 Quadratkilometer gro\u00dfen Schutzgebietes ausmacht, kann sich die Natur seit einigen Jahren frei entwickeln. Ehemalige Wirtschaftsw\u00e4lder d\u00fcrfen wieder zu wildem Naturwald werden. \u201eWir greifen hier nur noch zur Sicherheit der G\u00e4ste und des Stra\u00dfenverkehrs ein\u201c, erkl\u00e4rt Knolle. An Stra\u00dfen, an den Schienen der Harzer Schmalspurbahnen und an besonderen touristischen Zielen w\u00fcrden tote oder absterbende B\u00e4ume also umgerissen und an die Seite gezogen. Aber eben auch nur dort. Friedhart Knolle, Nationalpark<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eJa, der Wald hier ist n\u00e4mlich gar nicht so tot, wie er aussieht\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Totholzreiche, naturnahe W\u00e4lder erm\u00f6glichen nicht nur neue Artenvielfalt, sie erf\u00fcllen auch eine wichtige Funktion f\u00fcr den Klimaschutz: Langsam verrottende St\u00e4mme und die m\u00e4chtigen Humusb\u00f6den speichern gro\u00dfe Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid. Gr\u00e4ser, Kr\u00e4uter und nachwachsende B\u00e4ume nehmen frei werdende N\u00e4hrstoffe auf und binden sie in neuer Biomasse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was vorerst bleibt, ist der h\u00e4ssliche Anblick. Knolle r\u00e4umt ein, dass es deshalb auch Kritik gibt an der Waldpolitik der Nationalparkverwaltung. <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Forstwissenschaftler-ueber-Waelder\/!5658314\/\" rel=\"noreferrer noopener\">Und dass das Motto \u201eNatur Natur sein lassen\u201c nicht bei allen gut ankommt.<\/a> Allerdings h\u00e4tten sich die Widerst\u00e4nde inzwischen \u201eauf ein Minimum reduziert \u2013 vor allem seit klar ist, dass sich auch so Geld verdienen l\u00e4sst\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Tourismus n\u00e4mlich. Wie viele Politiker haben auch Touristiker im Harz die Klima\u00adkrise lange Zeit ignoriert oder ihr Ausma\u00df kleinzureden versucht. Diese Strategie ist gescheitert, <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Forstwissenschaftler-ueber-Waelder\/!5658314\/\" rel=\"noreferrer noopener\">das wurde beim Harzer Tourismustag 2019 in Goslar deutlich<\/a>. F\u00fcr eine ausschlie\u00dfliche Pr\u00e4vention sei es bereits zu sp\u00e4t, hie\u00df es dort. In den vergangenen beiden Jahren habe man die schmerzliche Erfahrung machen m\u00fcssen, dass den Auswirkungen des Klimawandels nur bedingt etwas entgegengesetzt werden k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil das Problem nun aber erkannt ist, soll es k\u00fcnftig auch offensiv benannt werden, betont die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Harzer Tourismusverbandes, Carola Schmidt. Sie stellte den rund 100 Teilnehmern der Veranstaltung die neue Kommunikationskampagne des Verbandes mit dem Titel \u201eDer Wald ruft!\u201c vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Statt den Urlaubern den Zustand der W\u00e4lder zu verschweigen, sollen Harz-Reisende bereits vor dem Start im Internet, mit Flyern und in Brosch\u00fcren darauf vorbereitet werden, welcher Anblick sie wom\u00f6glich erwartet. Und wie der Nationalpark mit den klimawandelbedingten Sch\u00e4den umgeht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch vor Ort werden Waldsterben und Waldleben inzwischen thematisiert. Zuletzt entstanden eine Multimedia-Station im Nationalparkhaus Schierke und vier Themeninseln entlang der Brockenstra\u00dfe \u2013 der beliebte Wanderweg f\u00fchrt auf den h\u00f6chsten Berg im Harz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An diesen Punkten k\u00f6nnen sich Wandersleute nun direkt zu den Waldbildern informieren, die ihnen auf ihrem Weg zum Gipfel begegnen. Anhand von Panoramafotos und passenden Sichtachsen l\u00e4sst sich die stetig voranschreitende Entwicklung hin zur Wildnis an den jeweiligen Standorten gut vergleichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter dem Motto \u201eBaustelle Natur \u2013 Hier baut die Natur die neue Wildnis\u201c erlauben die Themeninseln Einblicke in den rasanten Waldwandel. Und sie erl\u00e4utern, warum tote B\u00e4ume im Nationalpark nicht das Ende des Waldes, sondern den Beginn der neuen Waldwildnis einl\u00e4uten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/taz.de\/Waldschaeden-im-Harz\/!5702305\/\" target=\"_blank\">Taz<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiteres zum Thema <a href=\"https:\/\/taz.de\/Schwerpunkt-Klimawandel\/!t5008262\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Klimawandel bei der Taz<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(taz , 14.08.20) Im Nationalpark Harz sind die Folgen des Klimawandels besonders sichtbar. Die Natur einfach sich selbst zu \u00fcberlassen kann eine L\u00f6sung sein. BRAUNLAGE taz | Wer den Harz von fr\u00fcher kennt, ist bei diesem Anblick fassungslos. 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