{"id":5674,"date":"2020-07-23T15:47:33","date_gmt":"2020-07-23T13:47:33","guid":{"rendered":"https:\/\/boklima.de\/?p=5674"},"modified":"2020-07-23T15:53:37","modified_gmt":"2020-07-23T13:53:37","slug":"die-klimakrise-ist-gewaltig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/boklima.de\/?p=5674","title":{"rendered":"\u201eDie Klimakrise ist gewaltig\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnen-Experte \u00fcber Klimapolitik: \u201eDie Klimakrise ist gewaltig\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Rainer Baake wei\u00df, wie Deutschland klimaneutral werden kann<\/strong>. <br>Mit einer neu gegr\u00fcndeten Stiftung m\u00f6chte er auf die Bundesregierung einwirken.<a href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/4269435\/948\/Namibia-wueste_Namibia-klimaneutral_Baake_Interview_Klimapolitik-Klimakrise-Klimawandel19072020-1.jpeg\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>taz: Herr Baake, bis vor gut zwei Jahren haben Sie die energiepolitische Debatte in Berlin in diversen Funktionen mitgepr\u00e4gt. Dann haben Sie im Wirtschaftsministerium Ihren R\u00fccktritt als Staatssekret\u00e4r eingereicht und sind von der Bildfl\u00e4che verschwunden. Wo haben Sie seitdem gesteckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rainer Baake:<\/strong> Ich bin mit meiner Frau um die Welt gereist. Wir waren 2018 im s\u00fcdlichen und \u00f6stlichen Afrika, 2019 in S\u00fcd- und Nordamerika und dieses Jahr in Australien. Eigentlich sollte es am Schluss dann noch durch Europa gehen, aber dieser Teil ist wegen der Corona-Pandemie dann ausgefallen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vertr\u00e4gt sich eine solche Weltreise denn mit dem Ziel, den Klimawandel aufzuhalten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir waren mit einem gel\u00e4ndeg\u00e4ngigen Fahrzeug unterwegs und haben zwei Jahre lang im Dachzelt geschlafen und fast keine G\u00fcter konsumiert. Keine Heizung, warmes Wasser aus der Solardusche und Strom aus unserer Photovoltaikanlage. Das Auto ist zwischen den Kontinenten mit dem Schiff transportiert worden. Wir selbst sind zwar geflogen, aber unterm Strich haben wir unseren CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck im Vergleich zum Leben in Deutschland nicht erh\u00f6ht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rainer Baake<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der 64-j\u00e4hrige Volkswirt hat die deutsche Energiepolitik in vielen verschiedenen Funktionen mitgestaltet: Als Staatssekret\u00e4r im Umwelt- und im Wirtschaftsministerium, dazwischen als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Deutschen Umwelthilfe und Gr\u00fcndungsdirektor des Thinktanks Agora Energiewende. Seit kurzem leitet er die neu gegr\u00fcndete \u201eStiftung Klimaneutralit\u00e4t\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was war das Ziel der Reise?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben beide gro\u00dfes Interesse am Klimathema und am Natur- und Artenschutz. \u00dcber beide Themen haben wir viel gelernt. Meine Frau hat in ihrem Heimatland Norwegen viele Artikel ver\u00f6ffentlicht, ich habe einen Film f\u00fcr die Internationale Energieagentur produziert. Und jetzt arbeiten wir noch an einem Buch und einem Film \u00fcber die Reise.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche neuen Erkenntnisse haben Sie mitgebracht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Auswirkungen der Klimakrise sind heute schon gewaltig, die k\u00f6nnen Sie auf jedem Kontinent sehen. Im s\u00fcdlichen Afrika haben wir die Folgen der gewaltigen D\u00fcrre erlebt, in Nordamerika ausgetrocknete und gro\u00dffl\u00e4chig abgebrannte Waldgebiete, in Australien die Buschbr\u00e4nde, die es dort zwar schon immer gegeben hat, aber nie in diesem Ausma\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sind Sie jetzt optimistischer oder pessimistischer, dass die Klimakrise noch gestoppt werden kann?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich war immer Optimist, und ich glaube auch jetzt noch daran, dass wir unser eigenes Schicksal noch ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Aber die Dringlichkeit ist mir noch sehr viel deutlicher geworden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hat das Leben im Ausland auch Ihren Blick auf die deutsche Klimadebatte ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung war f\u00fcr mich die Fridays for Future-Bewegung. Ich hatte mir in all den Jahrzehnten vorher immer gew\u00fcnscht, dass die junge Generation, die ja am meisten von den Folgen des Klimawandels betroffen sein wird, auf die Stra\u00dfe geht. Dass das jetzt passiert, ist eine gro\u00dfartige Ver\u00e4nderung. Leider war die offizielle Regierungspolitik mehr von der Angst vor der AfD beeinflusst als von den Forderungen der jungen Generation.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie haben Ihren R\u00fccktritt als Staatssekret\u00e4r damit begr\u00fcndet, dass Deutschland seine Klimaziele aufgrund des Koalitionsvertrags deutlich verfehlen wird. Jetzt wird das <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/CO2-Ausstoss-2019-stark-gesunken\/!5654471\/\" rel=\"noreferrer noopener\">2020-Ziel<\/a> doch erreicht, die Erneuerbaren liefern mehr als die H\u00e4lfte des Stroms und der Kohleausstieg wurde auch beschlossen. Bedauern Sie im Nachhinein, dass Sie nicht mehr dabei waren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, ich glaube der Schritt war richtig. Dass Deutschland jetzt sein Klimaziel f\u00fcr 2020 m\u00f6glicherweise erreicht, ist ein Einmaleffekt durch die Corona-Krise. Und f\u00fcr 2030 prognostizieren ja selbst die Gutachten der Regierung, dass das Ziel mit den bisher beschlossenen Ma\u00dfnahmen deutlich verfehlt wird. Und das nationale Ziel wird ja noch weiter angehoben werden m\u00fcssen, wenn die EU ein neues Ziel f\u00fcr 2030 beschlie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In der Klimaszene geben Ihnen manche eine Mitschuld an den verfehlten Zielen. Denn Sie haben als Staatssekret\u00e4r die Umstellung des \u00d6kostroms von festen Verg\u00fctungen auf Ausschreibungen durchgesetzt. Danach ist der Wind-Ausbau eingebrochen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Da sehe ich keinen Zusammenhang. Dass in Deutschland derzeit zu wenig Windr\u00e4der gebaut werden, liegt nicht an den Ausschreibungen, sondern daran, dass es zu wenige rechtskr\u00e4ftig genehmigte Projekte gibt, was verschiedene Ursachen hat. Fast \u00fcberall auf der Welt ist auf Ausschreibungen umgestellt worden. Der Markt kann die notwendigen Zusch\u00fcsse nun mal besser ermitteln als die Politik.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zur\u00fcckgemeldet haben Sie sich in Berlin jetzt als Direktor einer neuen \u201e<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.stiftung-klima.de\/\" rel=\"noreferrer noopener\">Stiftung Klimaneutralit\u00e4t<\/a>\u201c. Was steckt dahinter?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es geht genau um diese Frage: Wir wollen eine Klima-Roadmap f\u00fcr Deutschland entwickeln, eine sektor\u00fcbergreifende Strategie, wie Deutschland im europ\u00e4ischen Kontext klimaneutral werden kann. Dabei soll es nicht nur um Szenarien gehen, sondern auch um politische Instrumente, mit denen Klimaziele tats\u00e4chlich erreicht werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Woher kommt das Geld daf\u00fcr?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Von Climate Imperative, einer in Gr\u00fcndung befindlichen Stiftung in den USA, die global t\u00e4tig ist. Dahinter stehen wohlhabende Privatpersonen, die etwas gegen den Klimawandel unternehmen wollen. Von dort haben wir eine siebenstellige Zuwendung erhalten, mit der wir arbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Braucht es in der Klimapolitik wirklich noch einen weiteren Akteur?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es geht nicht um Konkurrenz oder Dopplung, sondern um eine Erg\u00e4nzung und Kooperation mit anderen Akteuren. Unser dreik\u00f6pfiges Team bringt seine Kompetenz ein, dazu bringen wir zus\u00e4tzliches Geld mit. Damit k\u00f6nnen wir Studien und Gutachten erstellen und Dialogprozesse organisieren. Denn unsere Ergebnisse sollen nicht in irgendeinem Regal vergammeln, sondern Eingang finden in die klimapolitische Debatte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das klingt wie ein Vorbereitungsprogramm f\u00fcr die n\u00e4chste Bundesregierung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Absolut. Wir wollen als Teil der Zivilgesellschaft Vorschl\u00e4ge unterbreiten und hoffen, dass diese dann auch von den politischen Parteien aufgegriffen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und zieht es Sie dann noch einmal zur\u00fcck in die Politik, um das Ganze auch selbst umzusetzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bewerbe mich nicht um ein politisches Amt. Mein Anliegen ist der Klimaschutz, und den habe ich in den letzten 29 Jahren in verschiedenen Rollen vorangetrieben. Ich wei\u00df, was man von au\u00dferhalb der Regierung machen kann, aber das Regierungsgesch\u00e4ft kenne ich auch. Ich finde, man sollte weder das eine noch das andere untersch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Aus der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/taz.de\/Gruenen-Experte-ueber-Klimapolitik\/!5695932\/\" target=\"_blank\">Taz<\/a> <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Zum <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/taz.de\/Schwerpunkt-Klimawandel\/!t5008262\/\" target=\"_blank\">Schwerpunkt-Thema Klimawandel<\/a> bei  der Taz, mit vielen interessanten Beitr\u00e4gen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr\u00fcnen-Experte \u00fcber Klimapolitik: \u201eDie Klimakrise ist gewaltig\u201c Rainer Baake wei\u00df, wie Deutschland klimaneutral werden kann. 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