(28.07.21, tagesschau.de) Erdüberlastungstag Menschheit verbraucht “1,74 Erden” Die Welt erreicht heute den sogenannten Erdüberlastungstag. Menschen verbrauchen von heute an mehr Ressourcen als binnen eines Jahres auf natürliche Weise erneuert werden können.
(29.07.21, wdr.de) Erdüberlastungstag: Baustellen verschlingen die meisten Rohstoffe …Eigentlich bräuchten wir 1,74 Erden, um unseren Ressourcenhunger nachhaltig zu stillen… …Beim Materialverbrauch ganz oben steht die Bauwirtschaft: Über 18 Prozent aller Rohstoffe in Deutschland hat sie 2014 nachgefragt… …Für Straßen, Wohnungen, Schulen und Brücken sind riesige Mengen an Baumaterial nötig…. …Vor allem Zement belastet die Umwelt. Bei dessen Herstellung wird Schätzungen zufolge mehr CO2 freigesetzt als im Flugverkehr…
(29.07.21, wdr.de) Erdüberlastungstag – Menschheit lebt ab heute auf Pump: Das war es dann mit dem viel beschworenen Corona-Effekt: Die Pandemie hat der Erde nur eine kurze Verschnaufspause gewährt. Im Jahr 2021 ist der symbolische Erdüberlastungstag, an dem die Menschheit das Kontingent an biologischen Ressourcen aufgebraucht hat, wieder auf den 29. Juli vorgerückt – und liegt damit nach Berechnungen des Global Footprint Network so früh wie 2019. Im Jahr 2020 hatte sich der Stichtag wegen des Lockdowns um fast drei Wochen nach hinten verschoben, auf den 22. August.
Wasserstoff ist mittlerweile auch im Eigenheim angekommen. Dank einer Kombination aus Solarenergie und Wasserstoff können Verbraucher vollständig autark und klimaneutral wohnen – doch dafür müssen sie derzeit noch tief in die Tasche greifen von Marilena Piesker 25. Juli 2021
Hausbesitzer könnten in Deutschland künftig völlig autark leben: Denn dank Wasserstoff lassen sich Strom und Wärme einfach zu Hause produzieren. Das Prinzip dahinter ist simpel: Solarmodule auf dem Dach sammeln Sonnenenergie, die sich mittels Elektrolyse in Wasserstoff umwandeln lässt. Eine Brennstoffzelle im Keller des Hauses macht aus dem Wasserstoff Strom und speist ihn ins Haus ein.
Energie, die nicht genutzt wird, verbleibt in einem Speicher. Bei dem Prozess entsteht zusätzlich Wärme, die Hausbesitzer zum Heizen verwenden können. Das Neue daran: Weil der selbstproduzierte Solarstrom den Wasserstoff generiert, sind Strom und Heizung klimaneutral – sie verursachen also keine CO2-Emissionen mehr.
Verbraucher, die Elektrizität und Wärme mit Wasserstoff erzeugen, sparen nicht nur Strom- und Heizkosten, sondern schonen zugleich auch die Umwelt. Dennoch setzen in Deutschland immer noch die wenigsten Hausbesitzer auf diese Technologie. Der Grund: Wer mit Hilfe von Wasserstoff autark leben will, muss derzeit noch viel Geld in die Hand nehmen. Oft rechnet sich die Investition erst nach einigen Jahren und längst nicht jeder Wasserstoff ist auch klimaneutral.
Nutzung von Brennstoffzellen-Heizungen
Eine Möglichkeit, Wasserstoff zu Hause zu nutzen, besteht in der Installation von Brennstoffzellen-Heizungen. Die Nachfrage danach ist groß, wie eine Umfrage des Portals Hausfrage.net zeigt: Demnach möchten rund 31 Prozent der deutschen Verbraucher in Zukunft auf eine Brennstoffzellen-Heizung umsteigen.
Zwar funktionieren die meisten Brennstoffzellen-Heizungen ähnlich wie eine klassische Gasheizung mit Erdgas. Allerdings verbrennen sie dieses Gas nicht, sondern erzeugen Wärme und sogar Strom stattdessen mittels einer chemischen Reaktion: Aus dem Erdgas wird zunächst Wasserstoff gewonnen, der dann mit dem Sauerstoff aus der Umgebung reagiert.
Brennstoffzellen sind im Vergleich zu anderen Heizsystemen sehr effektiv. Laut einer Studie der deutschen Gaswirtschaft lassen sich mit dieser Technologie im Schnitt bis zu 66 Prozent an Energiekosten einsparen im Vergleich zu einer klassischen Gasheizung.
Ein weiterer Vorteil: Brennstoffzellen-Heizungen sind relativ emissionsarm. Im Schnitt verbrauchen sie 69 Prozent weniger CO2 als ein klassischer Gas-Heizkessel. Da die Brennstoffzelle Wasserstoff aus fossilem Erdgas gewinnt, ist diese Form des Heizens allerdings nicht klimaneutral. Diese Form des Wasserstoffs bezeichnet man auch blauen Wasserstoff.
Anmerkung BoKima :
Zitat: Von der staatlichen Förderbank KfW können Interessenten zurzeit einen Zuschuss von bis zu 10.000 Euro für ein Brennstoffzellen-Heizung bekommen, und sogar bis zu 15.000 Euro für die Installation des regenerativen Picea-Systems.
Die Förderung der Brennstoffzellenheizung auf Basis von Erdgas ist klimaschädigend und müsste sofort eingestellt werden.
Einsatz von Photovoltaik
Wasserstoff lässt sich aber auch aus regenerativen Energien wie Photovoltaik gewinnen. Diese Variante wird als sogenannter grüner Wasserstoff bezeichnet. Das Besondere daran: Wenn Solarenergie in Wasserstoff umgewandelt wird, lässt er sich speichern. Dieser Vorgang macht den Solarstrom sogar im Winter nutzbar, weil sich der überschüssige Wasserstoff in einem Tank speichern lässt.
Deutschlandweit ist bisher allerdings nur ein Anbieter dieser regenerativen Technik bekannt. Das Berliner Start-up Home Power Solutions (HPS) hat mit Picea einen Speicher entwickelt, der Hausbesitzern das gesamte Jahr über eine vollständig CO2-freie Energieversorgung garantieren soll.
Preis schreckt viele ab
Doch so romantisch das autarke Leben auch klingt und so wichtig die Umstellung auf Wasserstoff für den Klimawandel langfristig ist – sie hat für Verbraucher auch ihren Preis und der schreckt viele ab. Egal ob Eigenheimbesitzer auf die Brennstoffzellen-Heizung mittels Erdgas oder regenerativer Energien umsteigen wollen – die Anschaffung ist in jedem Fall teuer und amortisiert sich erst nach vielen Jahren.
Dabei müssen Verbraucher, die klimaneutral heizen wollen, nochmal deutlich tiefer in die Tasche greifen: Während Eigenheimbesitzer für eine Brennstoffzellen-Heizung mit Erdgas durchschnittlich 30.000 Euro an Anschaffungskosten hinlegen müssen, kostete das regenerative System Picea im Schnitt zwischen 70.000 und 100.000 Euro. Käufer sparen zwar erheblich an Energiekosten ein, trotzdem amortisiert sich die Anschaffung einer Brennstoffzellen-Heizung erst nach knapp 15 Jahren, die von Picea sogar erst nach 26 Jahren.
(31:25′) Wir müssten unsere Lebensweise ändern – wer will das
(33:10′) grönländisches Eisschild taut nach unten , es kann nicht mehr aufgehalten werden
(33:41′) Wenn der abschmilst dann steigt der Meeresspiegel um 7m – Emden liegt auf 1m.
(33:58′) (Alle Eisschilde schmelzen) — Düsseldorf wäre dann weg
Spätestens die Hitzesommer 2018 und 2019 sowie die auch 2020 anhaltende Trockenheit haben es deutlich gemacht:
Der menschengemachte Klimawandel ist keine Bedrohung für die ferne Zukunft ferner Länder, der Klimawandel findet statt – hier und jetzt. Doch welche konkreten Auswirkungen wird er auf unser aller Leben in Deutschland haben? Selbst wenn es Deutschland und der Welt gelingen sollte, den Ausstoß von Treibhausgasen in den nächsten Jahrzehnten drastisch zu reduzieren – bereits jetzt steht fest: Das Klima in Deutschland verändert sich.
Im Jahr 2050 wird es bei uns im Durchschnitt mindestens zwei Grad Celsius wärmer sein. Was sind die praktischen Konsequenzen dieses Temperaturanstiegs? Wie wird unser Leben in Deutschland in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts konkret aussehen, wenn es immer heißer, trockener und stürmischer wird? Welche Anpassungen werden nötig und möglich sein? In ihrem neuen Buch geben die Autoren Nick Reimer und Toralf Staud konkrete Antworten auf die Frage, wie der Klimawandel uns in Deutschland treffen wird. Auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse aus zahlreichen Forschungsfeldern schildern sie, wie wir in dreißig Jahren arbeiten, essen, wirtschaften und Urlaub machen. Welche neuen Krankheiten uns zu schaffen machen. Wie sich unsere Landschaft, unsere Wälder, unsere Städte verändern.
Entstanden ist eine aufrüttelnde Zeitreise in die Zukunft: Selbst wenn wir den Klimawandel noch bremsen können, wird sich unser Land tiefgreifend verändern. Ohne verstärkten Klimaschutz jedoch wird Deutschland 2050 nicht wiederzuerkennen sein
„Deutschland 2050. Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird“- Es wird bald sehr ungemütlich
(22.06.21) Besprechung bei Deutschlandfunk Kultur , Original : hier (Von Günther Wessel)
Das Wasser wird knapp, Schienen verbiegen sich und es wird Kälteräume brauchen. In knapp 30 Jahren wird sich vieles in Deutschland wegen des Klimawandels ändern. Was genau, das beschreiben Nick Reimer und Toralf Staud erschreckend realistisch.
Die beiden Journalisten Nick Reimer und Toralf Staud haben für ihr Buch „Deutschland 2050. Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird“ mit zahlreichen Wissenschaftler*innen gesprochen, unter anderem mit denen vom Deutschen Wetterdienst. Deren Prognose: 2050 wird es in Deutschland zwischen 1,9 bis 2,3 Grad Celsius wärmer sein als 1881, egal was wir tun. Denn die CO2-Mengen, die dann das Klima bestimmen werden, sind schon längst in die Atmosphäre emittiert.
Detailliert bröseln Reimer und Staud auf, was zwei Grad Erwärmung für uns Menschen konkret bedeutet: Das Leben in Deutschland wird ungemütlich.
Gab es beispielsweise im Südwesten von 1971 bis 2000 im Schnitt an 30 Tagen Temperaturen von über 25 Grad Celsius, werden es Mitte des Jahrhunderts bis zu 80 Tage sein – bei Spitzenwerten von 45 Grad. In Stuttgart wird es an 70 Tagen heißer als 30 Grad Celsius sein. In Hamburg herrscht dann ein Klima wie heute in Pamplona, in Berlin wie in Toulouse.
Städte werden Kälteräume einrichten müssen und Altenheime müssen dauerhaft klimatisiert sein.
Außerdem wird es im Winter mehr, im Sommer weniger regnen und wenn, dann mehr als Starkregen mit Überschwemmungen. Trotzdem nimmt die Trockenheit zu, da der ausgedörrte Boden das Wasser nicht aufnehmen kann. Der sinkende Grundwasserpegel gefährdet die Wasserversorgung, und Konflikte um Wassernutzung sind programmiert.
Kaum eine Folge der Erwärmung bleibt so unerwähnt und genau das macht dieses Buch so lesenswert. Alles ist nachvollziehbar beschrieben. Denn Reimer und Staud haben fleißig die Ergebnisse verschiedener Studien zusammengetragen. Nichts dabei ist Kaffeesatzleserei, alles ist wissenschaftlich fundiert und abgesichert.
Leider, muss man sagen, denn die Befunde sind bedrohlich: So sind von den in Deutschland vorkommenden 71.900 Tier- und Pflanzenarten 30 Prozent durch den Klimawandel bedroht.
Zahlreiche einheimische Tiere sind bedroht
Die Brockenanemone wird ganz sicher aussterben. Das Hahnenfußgewächs gedeiht nur noch auf dem höchsten Gipfel des Harzes, denn es braucht bestimmte niedrige Temperaturen, aber die wird es in ein paar Jahren auf dem Brocken nicht mehr regelmäßig geben.
Oder der Moselapollofalter: Diese Schmetterlingsart kommt weltweit nur an der Mosel vor, wo sich die Raupen von der weißen Fetthenne ernähren. Normalerweise schlüpften die Raupen erst im April, jetzt aber wegen des fehlenden Frostes immer früher, und finden dann kein Futter, weil die Fetthenne noch nicht herangewachsen ist. Selbst Igel und Kuckuck werden 2050 bedroht sein.
Dafür wird es mehr asiatische Tigermücken geben, die das Denguefieber verbreiten können. Die Mückenart wurde 2007 erstmals im Südwesten Deutschlands nachgewiesen und wird sich bis 2050 im ganzen Land verbreitet haben.
Beeindruckende Lektüre
Den beiden Autoren ist ein beeindruckendes und irritierendes Buch gelungen. Beeindruckend ob der Faktenfülle und der Anschaulichkeit, irritierend, weil der Klimawandel, die Klimakrise so nahe rückt. Das Fazit: Alles wird sich ändern, wenn wir nichts ändern.
Nick Reimer/Toralf Staud: „Deutschland 2050. Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird“ Kiepenheuer & Witsch 2021 388 Seiten, 18 Euro
Spätestens 2050 will die EU klimaneutral sein. Dürre und Dauerregen bleiben Deutschland bis dahin trotzdem nicht erspart. Im Gegenteil.
Die Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat neuen Druck im Kampf gegen den menschengemachten Klimawandel erzeugt. Kurz zuvor hatte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) im Auftrag der Deutschen Bahn eine Analyse zu klimatischen Veränderungen in der Bundesrepublik vorgelegt. Demnach wird es hierzulande etwa bis 2060 deutlich mehr Hitzetage und weniger harte Winter geben. Innerhalb der EU ist man sich weitgehend einig, dass man bis zum Jahr 2050 klimaneutral sein will. Die Folgen des Klimawandels aufhalten wird man damit laut Experten nicht – höchstens abmildern. Wie es in Deutschland bis dahin aussehen könnte, zeigen Klimaforscher und andere Fachleute.
Die Folgen der Klimakatastrophe
HITZE: Dass lang anhaltende hohe Temperaturen mit dem menschengemachten Klimawandel verbunden sind, daran gibt es in der Fachwelt kaum Zweifel. Für die Zukunft wird das die Menschen vor große Herausforderungen stellen, wie Daniela Jacob betont. Sie ist Meteorologin und Direktorin des German Institute for Climate Services (Gerics) in Hamburg. “Um 2050 müssen wir damit rechnen, dass die Sommermonate deutlich heißer und trockener sind”, so Jacob. Etwa für den Oberrheingraben bei Karlsruhe lasse sich schon heute projizieren, dass sich dort bis zur Mitte des Jahrhunderts die Zahl der heißen Tage (Tagesmaximum der Temperatur über 30 Grad Celsius) im Vergleich zum Zeitraum von 1970 bis 2000 circa verdoppeln werde.
GESUNDHEIT: Entgegen der Vorstellung von strahlendem Sonnenschein und Urlaubsatmosphäre kann “warmes Wetter” sehr schlecht für unsere Gesundheit sein. “Wenn die Temperatur auch nachts nicht unter 20 Grad fällt, bedeutet das, dass wir uns nicht richtig ausruhen können und weniger leistungsfähig sind”, erklärt Jacob. Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig geht davon aus, dass die Hitze das Gesundheitssystem zusätzlich belasten wird. So könne es etwa zu mehr Kreislauferkrankungen kommen.
Frankreich habe zum Beispiel 2003 eine große Hitzewelle gehabt und als Folge dauerhaft hoher Temperaturen damals gut 35.000 zusätzliche Todesfälle. Deutschland sei in dem Jahr weitgehend verschont geblieben, weswegen es hierzulande schlechtere Warnsysteme für Hitzewellen gebe. Bis 2050 werde sich das wahrscheinlich ändern, sagt Marx.
LANDWIRTSCHAFT: Anhaltende Hitze und langer, starker Regen wird Experten zufolge auch eine Umstellung für diejenigen bedeuten, die sehr auf das Wetter angewiesen sind. “In der Landwirtschaft müssen wir auf Sorten setzen, die mit diesen starken Temperatur- und Feuchtevariationen zurechtkommen”, sagt Forscherin Jacob. Ein Problem ist demnach auch, dass Wasser bis 2050 knapper wird. “Die Landwirtschaft muss sich so umstellen, dass sie die Böden nicht so oft bewässern muss”, ergänzt sie.
Darüber hinaus sollten Landwirte die Böden aber auch möglichst nicht zu stark austrocknen lassen. Allgemein sei es wichtig, die in der Landwirtschaft erzeugten Lebensmittel auch sorgsam zu konsumieren, betont der Vorsitzende des Deutschen Klima-Konsortiums, Mojib Latif. Schon heute würden viel zu viel Lebensmittel weggeschmissen. “Da wird eine Menge Energie und Rohstoffe unnötigerweise verschwendet. Das kann einfach nicht angehen.”
Mehr Überschwemmungen
HOCHWASSERSCHUTZ: Als Folge des menschengemachten Klimawandels werde Hochwasser mit Blick auf das Jahr 2050 vor allem in Gebieten in Nord- und Westeuropa zunehmend eine Bedrohung darstellen, sagt Ralf Merz. Der Hydrologe arbeitet am Standort Halle an der Saale des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung. Diese Entwicklung hänge vor allem mit dem sogenannten Jetstream zusammen. Dieser treibt in der oberen Atmosphäre die Hoch- und Tiefdruckgebiete über Europa hinweg, wie der Wissenschaftler erklärt. Wegen des Klimawandels habe sich der Strom verändert, sodass Hoch- oder Tiefdruck-Systeme länger an einem Ort stehen bleiben. “Und das ist auch jetzt wieder passiert bei dem Tiefdruckgebiet “Bernd”.” Demnach wäre früher ein solches Tief nach zwei Tagen weitergezogen, jetzt ist es an einem Ort stehen geblieben – mit verheerenden Folgen. Lesen Sie auch Infrastruktur im Katastrophenfall: “Im Extremfall sterben Menschen”
TOURISMUS: Die Themen Tourismus und Klimawandel sind heute schon eng verbunden. Zur Mitte des Jahrhunderts werden sich unsere Urlaubsziele nach Einschätzung der Meteorologin Jacob verändert haben. Nord- und Ostsee könnten damit rechnen, dass die Sommer dort einmal wärmer und stabiler werden. Die Bedrohung durch den steigenden Meeresspiegel sei dort bis 2050 gering – die deutschen Küsten darauf also “relativ gut vorbereitet”. Kritischer werde das jedoch bis zum Ende des Jahrhunderts. Andere Regionen werden laut Experten unter dieser Entwicklung leiden. “Ich glaube, der Mittelmeerraum wird in Zukunft nicht mehr so attraktiv sein”, sagt etwa auch der Vorsitzende des Klima-Konsortiums, Latif. Laut Jacobs werden dort über 40 Grad in den Sommermonaten herrschen. “Das ist für Urlaub zu warm. Diese Regionen gehören dann zu den Verlierern im Tourismus.”
Parkanlagen und Gewässer nötig
WOHNEN: Wenn es draußen unerträglich warm ist, flüchten wir uns auch schon heute gerne in kalte Innenräume. Dass diese auch energieintensiv mit Klimaanlagen runtergekühlt würden, verschärfe das Problem des menschengemachten Klimawandels, sagt Jacob. Wissenschaftler Marx, Mitglied der Helmholtz-Klima-Initiative, empfiehlt daher, Gebäudehüllen wesentlich besser zu dämmen, “dann hat das auch im Sommer den Effekt, dass Hitze nicht so schnell ins Haus kommt.” Gerade deutsche Städte müssen seiner Einschätzung nach neu gedacht werden. “Wir brauchen in der Stadt grüne und blaue Infrastruktur, das heißt Parkanlagen und Gewässer.” So könne man für deutliche Abkühlung in heißen Häuserschluchten sorgen. “Das liegt daran, dass Pflanzen Wasser verdunsten und dabei Energie weggeführt wird.”
Dass mehr getan werden müsse, um den Anstieg des Klimawandels zu bremsen, betonen die Experten im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. “Wir verlassen gerade den Wohlfühlbereich”, warnt etwa Klimaforscher Latif. “Wie viele Jahrhundertfluten hatten wir eigentlich in den letzten 30 Jahren?” Es sei aber immer noch möglich, die Pariser Klimaziele einzuhalten – auch wenn das einer “Herkulesaufgabe” gleiche. Nach Einschätzung des Hydrologen Merz ist der Klimawandel zwar fortgeschritten, “aber wir stehen hoffentlich immer noch vor dem Kipppunkt, an dem sich das Klima auf Dauer stark verändert. Das heißt, wir müssen jetzt die Entwicklung aufhalten, bevor es zu spät ist.”
Wetterextreme: das neue Normal? – Dramatische Bilder: Bei der Hochwasser-Katastrophe im Westen und Süden Deutschlands haben mehr als 150 Menschen ihr Leben verloren. Werden solche Wetterextreme angesichts der Klimakrise zum Normalfall? Harald Lesch geht in der Sondersendung “Leschs Kosmos Spezial – Wetterextreme: das neue Normal?” den Fragen nach, die sich jetzt stellen. Was ist über die Ursachen der Flutkatastrophe bekannt? Forschende führen viele Wetterextreme wie Kälteeinbrüche, Dürren und Hitzerekorde auf die Veränderung des Jetstreams zurück, einer starken Luftströmung in der oberen Atmosphäre. Denn die steigenden globalen Temperaturen verändern die Dynamik der Atmosphäre. Doch lässt sich genau beziffern, welchen Anteil die Klimakrise an der Entstehung einzelner Wetterextreme hat? Was weiß die Wissenschaft von den künftigen Entwicklungen – und wie können wir uns für die Zukunft zu wappnen?
(17.07.21, bo-alternativ ) Extinction Rebellion setzt ein Zeichen in Gedenken an Opfer der Naturkatastrophe Klimakrise ernst nehmen
Um auf die Dringlichkeit der Klimakrise hinzuweisen, veranstaltete Extinction Rebellion am Samstag eine Eilversammlung mit etwa zwanzig Personen vor dem Bochumer Rathaus.
Bezug genommen wurde auf eine Kolumne von Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. In dieser betont sie, dass Katastrophenschutz und Klimaschutz dringend notwendig sind, um Überschwemmungen wie die der letzten Tage vorzubeugen.
Wer die aktuellen Geschehnisse mit der Klimakrise in Verbindung bringt, muss sich schnell den Vorwurf anhören, es sei pietätslos, weil es das Leid der Betroffenen politisiere. Wann aber werden wir endlich darüber sprechen, dass die Wissenschaft seit Jahren warnt, dass Extremwetterereignisse wie dieses zunehmen werden? Wann werden wir über die Gründe dafür sprechen, dass Extremwettereignisse von Hitzewellen über Wirbelstürme zu Überschwemmungen aktuell häufiger und intensiver werden? Wann werden wir darüber sprechen, was wir tun können, um Menschen zu schützen, damit sie eben nicht das durchmachen, was gerade geschieht?
Aktuell sind wir bei ca. 1,2°C durchschnittlicher Erderwärmung. Wir erleben bereits jetzt, dass dies massive Einwirkung auf unsere Umwelt hat. Selbst in den kältesten Regionen der Welt wurden in den letzten Wochen – mal wieder – Hitzerekorde gemessen. Große Gletscher in der Antarktis stehen aktuell kurz vor dem Kipppunkt. Das Abschmelzen des Eis führt auch dazu, dass die Temperaturen an den Polen überproportional steigen und somit der Temperaturunterschied zwischen Nordpol und Äquator geringer wird. Dies wiederum führt dazu, dass Starkwinde, die durch diesen Temperaturunterschied beeinflusst werden, schwächer werden – der Jetstream nimmt zunehmend ab. Eine gute Erklärung, wie genau das funktioniert, findet ihr hier. Der Jetstream ist auch für die Wetterlage in Mitteleuropa verantwortlich. Wenn er sich abschwächt, bleiben Hoch- oder Tiefdruckgebiete, wie aktuell das Tiefdruckgebiet Bernd, länger an einem Ort, ziehen nicht so schnell weiter. Und es macht eben einen Unterschied, ob eine Region nur kurz Höchsttemperaturen oder starken Regenfällen ausgesetzt ist oder über mehrere Tage hinweg.
Nichtsdestotrotz antwortet Armin Laschet, Ministerpräsident des stark getroffenen Nordrhein-Westfalen und Kanzlerkandidat der CDU in der aktuellen Stunde des WDR auf die Frage der Journalistin Susanne Wieseler, ob er nun gedenke Klimaschutz ambitionierter voranzubringen, dass man „weil jetzt so ein Tag ist“ nicht die Politik ändere.
Für die Bürgerinitiative Grabeland Am Ruhrort erklärt Heike Schick: »In Dahlhausen ist die Straße Am Ruhrort diesseits des Bahndamms am schlimmsten vom Hochwasser betroffen.
Man kann sich kaum vorstellen, was eine Evakuierung für die Bewohner bedeutet, wenn man es nicht selbst erlebt hat.
Bei der Debatte um die Maßnahmen zur Eindämmung der Klimakrise geht es um Menschen, und nicht darum, Investoren einen finanziellen Profit zu verschaffen. Wenn es etwas Positives über den Tag des Hochwassers in Dahlhausen zu sagen gibt, dann ist es die Hilfsbereitschaft unter den Nachbarn.«
Wissenschaftlern zufolge könnten starke Regenfälle mit verheerenden Folgen, wie in Westdeutschland, in Zukunft häufiger werden. Ist das Land dagegen gewappnet?
Nach den Daten des UBA würde ein ungebremster Klimawandel erhebliche Schäden für Natur, Infrastruktur und das Wirtschaftssystem in Deutschland mit sich bringen. Starkregen-Ereignisse haben laut Messner klar gezeigt: Ohne ambitionierten Klimaschutz wird sich die Lage verschlimmern.
“Wir müssen jetzt diese nationale Katastrophe national beantworten”, lautet Schulzes Appell. Erst Anfang Juli war das erste bundesweite Beratungszentrum zur Klimaanpassung in Kommunen an den Start gegangen. Es hilft und berät etwa in Pflege- oder Obdachlosenheimen, damit Bewohner bei Höchsttemperaturen im Schatten sitzen können. Unter anderem – denn: Der Anpassungsbedarf ist enorm.
Statistisch gesicherte Aussagen über die Starkniederschläge der Zukunft lassen sich laut Umweltbundesamt (UBA) bislang nicht treffen. Klar ist nur: Der Klimawandel ist längst in Deutschland angekommen – und wird nicht wie ein vorübergehendes Wettertief einfach wieder abziehen.
Die Flutkatastrophe hat Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nicht so überraschend getroffen, wie bisher angenommen. Denn laut einer britischen Hochwasser-Expertin lagen deutschen Behörden sehr konkrete Warnungen vor.
Vier Tage vor den Fluten habe Efas die Regierungen der Bundesrepublik und Belgiens vor Hochwasser an Rhein und Maas gewarnt. 24 Stunden vor der Katastrophe sei den deutschen Stellen nahezu exakt vorhergesagt worden, welche Gebiete vom Hochwasser betroffen sein würden
Hochwasser, Klimaschutz – wären das nicht Themen für die Grünen? Warum die Partei, allen voran Annalena Baerbock, so zurückhaltend auf die Katastrophe reagiert.
Erstens den Opfern helfen, zweitens bessere Vorsorge und Schutz vor Hochwasser, drittens, sagt Baerbock in ZDF, “bei den Klimaschutzmaßnahmen jetzt wirklich oben draufsatteln”.
Katrin Göring-Eckardt: “Ich glaube nicht, dass es hilft, wenn jetzt ein Armin Laschet sagt, es muss jetzt schnell gehen mit der Bewältigung der Klimakrise, aber dann wieder nichts macht.”
Entgegen früherer Aussagen erwartet das Ministerium einen wachsenden Bedarf. Dafür braucht es mehr erneuerbare Energien. Hanno Böck
Das Bundeswirtschaftsministerium geht davon aus, dass der Stromverbrauch in Deutschland in den kommenden Jahren deutlich steigen wird. Für das Jahr 2030 erwartet das Ministerium demnach, dass etwa 20 Prozent mehr Strom benötigt wird.
Die Ankündigung überrascht, denn bisher gingen sowohl der Wirtschaftsminister als auch die Bundesregierung von einem leicht sinkenden Strombedarf aus. Dies erklärte Wirtschaftsminister Peter Altmaier etwa im vergangenen Jahr in einem Interview mit der Taz.
Das Problem dabei: Bisher wurde auch der Ausbau der erneuerbaren Energien mit diesen niedrigen Annahmen geplant. Kritik daran gab es schon länger.
So wies etwa das Energiewirtschaftliche Institut der Universität Köln (EWI) bereits Anfang 2020 darauf hin, dass die zu niedrigen Annahmen über den künftigen Stromverbrauch dazu führen könnten, dass die Ausbauziele für erneuerbare Energien nicht erreicht werden. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, im Jahr 2030 65 Prozent des Stroms mithilfe erneuerbarer Energien zu erzeugen.
Andere Experten prognostizieren noch höheren Strombedarf
Die neue Schätzung des Wirtschaftsministeriums wurde in einem Gutachten durch die Firma Prognos ermittelt. Demnach soll der Stromverbrauch 2030 zwischen 645 und 665 Terawattstunden liegen. Zum Vergleich: 2020 lag der Stromverbrauch bei 544 Terawattstunden, im Jahr 2019 bei 519 Terawattstunden. Gegenüber anderen Prognosen sind die Zahlen immer noch niedrig. Das EWI erwartet für 2030 einen Stromverbrauch von 748 Terawattstunden. Erneuerbare Energien und Klimaschutz: Hintergründe – Techniken und Planung – Ökonomie und Ökologie – Energiewende (Deutsch)
Der Grund für den höheren Stromverbrauch ist, dass künftig in vielen Bereichen, die bisher direkt mit fossilen Energieträgern versorgt wurden, direkt oder indirekt Strom genutzt werden soll. Das gilt etwa für die Elektromobilität, Heizungen mit Wärmepumpen und für den Einsatz von grünem Wasserstoff, der mithilfe von Strom aus Wind- und Sonnenenergie erzeugt wird.
Die Ausrufung eines weltweiten Klimanotstandes ist dringendst notwendig. Wirtschaftliche Aktivitäten sind drastisch zurückzufahren
Das Eis der Arktis schmilzt, zahlreiche Gletscher drohen zu verschwinden. Das Abschmelzen des Grönland-Eisschildes wird einer Studie zufolge kaum mehr zu stoppen sein.
In Teilen des grönländischen Eisschilds dürfte laut einer neuen Studie bald ein kritischer Kipppunkt überschritten werden, ab dem ein Abschmelzen kaum noch zu stoppen wäre. Aufgrund der steigenden Temperaturen habe die Destabilisierung zentral-westlicher Gebiete bereits begonnen, teilte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) unter Berufung auf Erkenntnisse deutscher und norwegischer Forscher mit.
Das Abschmelzen könnte dann auch bei einer nur noch begrenzten Erderwärmung weiter fortschreiten.
Wir haben Belege dafür gefunden, dass sich der zentral-westliche Teil des Grönland-Eisschildes destabilisiert hat.
PIK-Wissenschaftler Niklas Boers
“Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es in der Zukunft zu einem deutlich verstärkten Abschmelzen kommen wird – was sehr besorgniserregend ist”, erklärte der PIK-Wissenschaftler Niklas Boers.
Temperaturen müssten unter vorindustrielles Niveau absinken
Ursache sind demnach Rückkopplungseffekte, wodurch die Erwärmung des Eisschildes schneller voranschreitet, wenn sich seine Höhe verringert. Um dann noch ein Abschmelzen zu verhindern, müsste daher nicht nur die Erwärmung gestoppt werden, sondern die Temperaturen müssten deutlich unter das vorindustrielle Niveau absinken, um wieder die Eisschildhöhe der vergangenen Jahrhunderte zu erreichen.
“Praktisch wird also der gegenwärtige und in naher Zukunft zu erwartende Massenverlust des Eises weitgehend irreversibel sein”, erklärte dazu Boers.
Deshalb ist es höchste Zeit, dass wir die Treibhausgasemissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe schnell und deutlich reduzieren und das Eisschild und unser Klima wieder stabilisieren.
PIK-Wissenschaftler Niklas Boers
Gesamter Eisschild könnte vollständig abschmelzen
Nach bisherigen Modellergebnissen ist laut PIK das Abschmelzen des Grönland-Eisschildes ab einer kritischen Schwelle der globalen Mitteltemperatur von 0,8 bis 3,2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau unvermeidlich.
Sobald diese Schwelle überschritten wird, könnte der gesamte Eisschild über hunderte oder Tausende von Jahren vollständig abschmelzen, was zu einem globalen Meeresspiegelanstieg von mehr als sieben Metern und einem Zusammenbruch der atlantischen meridionalen Umwälzzirkulation (AMOC) führen könnte, die für die relative Wärme in Europa und Nordamerika verantwortlich ist.
Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht in Virginia ganze Wohngebiete. Das Projekt “Blue Line Project” fordert ein Umdenken in der Klimapolitik. Beitragslänge: 1 min Datum: 08.05.2021
Forscher in Ohio: Schneefall im Winter reicht nicht
Zu einem ähnlichen Ergebnis sind im vergangenen Jahr ebenfalls Wissenschaftler der Ohio State University gekommen, die ihre Untersuchung in der Fachzeitschrift “Nature Communications Earth & Environment” veröffentlicht hatten. Ihnen zufolge ist das allmähliche Abschmelzen der Eisdecke auf Grönland wahrscheinlich nicht mehr aufzuhalten.
Die Experten haben Daten zu 234 Gletschern in der Arktis ausgewertet. Die Erhebung umfasst 34 Jahre bis 2018. Ihrem Fazit zufolge dürfte der alljährliche Schneefall im Winter nicht ausreichen, um die Auswirkungen der Schneeschmelze im Sommer wettzumachen.
US-Außenminister Antony Blinken hat zu Beginn einer mehrtägigen Reise nach Dänemark, Island und Grönland die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen getroffen. Die Regierungschefin von Deutschlands nördlichstem Nachbarn empfing den Chefdiplomaten von US-Präsident Joe Biden am Montagmorgen in ihrem Sommersitz Marienborg nördlich von Kopenhagen, wo sie erst im Juli 2020 Blinkens Amtsvorgänger Mike Pompeo begrüßt hatte. Themen des Treffens waren unter anderem der Kampf gegen die Klimakrise, die Sicherheitspolitik und die Zusammenarbeit in der Arktis.
Für den Gast aus Washington standen außerdem eine Audienz bei Königin Margrethe II. sowie Treffen mit Dänemarks Außenminister Jeppe Kofod und den Außenbeauftragten Grönlands und der Färöer-Inseln, Pele Broberg und Jenis av Rana, an. Grönland und die Färöer sind weitgehend autonom, gehören offiziell aber zum dänischen Königreich. Beide streben eine engere Kooperation mit den USA an, die wiederum vor allem aus sicherheitspolitischer Hinsicht ein Interesse an ihnen haben.
(26.10.20 , aus spiegel.de , Original : hier , Auswertung des IPCC-Berichtes)
Der SPIEGEL-Klimabericht zeigt, wie der Klimawandel voranschreitet. Ständig aktuell, basierend auf dem etablierten Stand der Forschung und vollständig transparent. Lesen Sie hier alles über sein Zustandekommen.
Zu den größten Herausforderungen im Kampf gegen den Klimawandel zählt das Auseinanderfallen von Ursache und Wirkung. Die Klimafolgen jeder einzelnen Entscheidung – sei es die Wahl des Verkehrsmittels auf dem Weg zur Arbeit, das Konsumverhalten, oder der gewählte Wohnort – werden nie direkt sichtbar. Dabei führt die Summe all dieser jetzt weltweit getroffenen Entscheidungen zu einer Veränderung des Klimas von morgen.
… Weltweit geht Primärwald verloren und das verbleibende CO2-Budget zur Einhaltung des 2-Grad-Ziels schwindet, während der Ökostromanteil wenigstens bereits andeutet, wie der Wandel zu einer nachhaltigeren Lebensweise aussehen könnte. Der Klimabericht – Daten zur Lage des Planeten
… Welche Daten wir hierfür nutzen, wie wir einzelne Werte berechnen und wie oft sich die Angaben aktualisieren, ist hier dokumentiert:
Erderwärmung
Die dargestellte Temperaturdifferenz ist die Veränderung der globalen Durchschnittstemperatur (gemessen als Lufttemperatur in Bodennähe sowie Oberflächentemperatur der Wasserflächen) gegenüber der vorindustriellen Zeit. Die Angabe stammt aus dem Sonderbericht des Weltklimarats IPCC zur globalen Erwärmung aus dem Jahr 2018 (Zusammenfassung des Berichts).
Basierend auf historischen Beobachtungsdaten aus vier verschiedenen Peer-Review Publikationen wird im IPCC-Bericht für den Zeitraum 2006 bis 2015 eine Erderwärmung von +0,87 Grad (mit mindestens 66 Prozent Wahrscheinlichkeit zwischen +0,75 und +0,99 Grad) gegenüber der Periode 1850-1900 ermittelt.
In Kombination mit der aktuellen Geschwindigkeit der Erderwärmung von circa 0,2 Grad pro Jahrzehnt, ergibt sich für das Jahr 2020 als wahrscheinlichster Wert eine Erderwärmung von rund +1,1 °C gegenüber der vorindustriellen Zeit (vollständiges Kapitel “Framing and Context” des IPCC-Sonderberichts, S. 56-59). Der dargestellte Wert ist fest in der Grafik hinterlegt und wird nur angepasst, falls sich Änderung am etablierten Stand der Forschung ergeben sollten.
Prinzipiell fällt die Erderwärmung über Landflächen höher aus als über dem Meer und so leben Menschen in zahlreichen Weltregionen bereits heute mit einem Temperaturanstieg von mehr als einem Grad. Dies gilt auch für Deutschland: Die Jahresmitteltemperatur ist bundesweit seit dem Jahr 1881 um wohl mindestens +1,6 Grad (linearer Trend auf Basis von DWD Temperatur-Zeitreihen), wenn nicht gar bereits +2,0 Grad angestiegen (nicht-linearer Trend, der die zunehmende Geschwindigkeit der Erderwärmung berücksichtigt. Mehr dazu hier).
Meeresspiegelanstieg
Die Grafik zeigt den durchschnittlichen globalen Meeresspielanstieg zum aktuellen Zeitpunkt gegenüber dem Jahr 1880. Als Grundlage dienen auch hier Angaben des IPCC, in diesem Fall aus dessen fünftem Sachstandsbericht (Arbeitsgruppe The Physical Science Basics,Kapitel Observations: Ocean, S. 285-287). Ihnen gefällt diese Art Journalismus?
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Basierend auf Daten von Gezeitenstationen weltweit wird darin für den Zeitraum 1880 bis 2009 ein durchschnittlicher globaler Meeresspiegelanstieg von 210 Millimetern berechnet (nach Church & White 2011). Die Geschwindigkeit des Meeresspiegelanstiegs hat sich in den vergangenen Jahrzehnten beschleunigt und wird für den Zeitraum von 1993 bis 2009 auf 3,2 Millimeter jährlich geschätzt. Satellitengestützte Beobachtungen liefern weitestgehend übereinstimmende Werte.
Für die Grafik berechnet wurde der Anstieg bis 2009 (210 Millimeter), plus ein jährlicher Anstieg von 3,2 Millimetern. Gerundet ergibt sich ein Meeresspiegelanstieg von 25 Zentimetern gegenüber dem Jahr 1880. Dieser Wert ist fest in der Grafik hinterlegt und wird nur angepasst, falls sich Änderungen am etablierten Stand der Forschung ergeben sollten.
Arktisches Meereis
Die Ausdehnung des arktischen Meereises ist jahreszeitlich bedingt starken Schwankungen unterworfen. Für den Klimabericht wird folglich ein Vergleich der derzeitigen Fläche des Meereises mit dem langjährigen Durchschnitt (1981-2010) für denselben Tag des Jahres angestellt. Beide dabei verwendeten Werte stammen vom National Snow & Ice Data Center (NSIDC), einer US-amerikanischen Forschungseinrichtung, die auf die Bereitstellung von Daten sowie die Kryosphärenforschung spezialisiert ist.
Das NSIDC veröffentlicht täglich Daten zur Ausdehnung von Meereisflächen weltweit, die mittels kontinuierlicher Satellitenbeobachtung gewonnen werden (genannt Sea Ice Index), sowie historische Referenzdaten. Für die Berechnung der Größenabweichung des arktischen Meereises gegenüber dem historischen Durchschnitt wird alle sechs Stunden automatisiert der neueste verfügbare Wert des Sea Ice Index abgerufen und mit dem arithmetischen Mittel für denselben Tag des Jahres aus der Periode 1981-2010 abgeglichen. Die ermittelte Differenz wird im Klimabericht als Prozentwert dargestellt.
Waldverlust
Statistiken zum Waldverlust weltweit sind oft mit großer Unsicherheit behaftet. Mittels Satellitenbeobachtung kann der Verlust von Waldflächen weltweit beobachtet werden. Weniger eindeutig ist allerdings die Erfassung der anschließenden Nutzung (findet eine Wiederaufforstung statt oder ist die Waldfläche dauerhaft verloren?).
Ökologisch besonders wertvoll sind Primärwälder, also ursprüngliche Waldflächen frei von menschlichen Eingriffen – auch “Urwälder” genannt. Sie weisen eine besonders große Biodiversität auf, speichern große Mengen CO2 und selbst eine Wiederaufforstung an derselben Stelle hätte ökologisch nicht denselben Wert.
Im Klimabericht dargestellt wird eine laufende Hochrechnung der Fläche an besonders wertvollem tropischen und subtropischen Primärwald, die derzeit weltweit verloren geht. Präzise tagesaktuelle Daten liegen hierfür nicht vor. Stattdessen wurde der durchschnittliche jährliche Flächenverlust dieser Wälder aus den Jahren 2001 bis 2018 (basierend auf Satellitenbeobachtungen, Auswertung durch Global Forest Watch) als Grundlage genommen. Die in diesem Zeitraum verloren gegangenen 60,5 Millionen Hektar entsprechen einem Flächenverlust von 0,149 Fußballfeldern pro Sekunde.
CO2-Budget
Durch menschliche Aktivitäten ausgestoßene Treibhausgase (zu rund 80 Prozent CO2) sind der Haupttreiber der Erderwärmung. Basierend auf diesem Zusammenhang lässt sich eine verbleibende Menge an CO2 berechnen, die die Menschheit noch ausstoßen darf, um die Erderwärmung auf einem bestimmten Maximalwert zu begrenzen. Das sogenannte CO2-Budget.
Für die Darstellung im Klimabericht wird das verbleibende CO2-Budget verwendet, um den Temperaturanstieg mit 67 Prozent Wahrscheinlichkeit auf maximal 2,0 Grad zu begrenzen (basierend auf Klimamodellrechnungen, die durchgehend mit Lufttemperaturen arbeiten. Methodische Details können Sie hier nachlesen).
Laut IPCC verblieben der Menschheit hierfür zum 1.1.2018 noch Emissionen in Höhe von 1170 Milliarden Tonnen. Pro Jahr werden weltweit derzeit 42 Milliarden Tonnen freigesetzt, oder in Sekunden umgerechnet: 1332 Tonnen (Kapitel Mitigation Pathways im IPCC-Sonderbericht zur globalen Erwärmung, S. 107-108).
In der Grafik werden vom 1.1.2018 insgesamt zur Verfügung stehenden Budget sekündlich 1332 Tonnen abgezogen. Ausgangswert sowie sekündliche Änderungsrate werden nur angepasst, falls sich Änderungen am etablierten Stand der Forschung ergeben sollten.
Ökostrom
Als Ökostromanteil wird hier der Anteil regenerativer Energien an der Nettostromerzeugung zur öffentlichen Stromversorgung in Deutschland dargestellt. Im Gegensatz zur Bruttostromerzeugung werden bei der Nettostromerzeugung elektrische Verluste der Kraftwerke, die direkt im Kraftwerk verbraucht werden, nicht mitberücksichtigt. Die Angaben entsprechen somit dem Strommix, der tatsächlich zu Hause aus der Steckdose kommt und der im Haushalt verbraucht wird oder mit dem auch Elektrofahrzeuge öffentlich geladen werden.
Die Angabe stammt von energy-charts.info, einer Webseite des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE, die Angaben der Netzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet, TransnetBW sowie der europäischen Strombörse EEX und der ENTSO-E Transparency Platform aufbereitet und veröffentlicht.
Als Ökostromanteil wird der Anteil der erneuerbaren Energien, also von Wasserkraft, Windkraft, Biomasse und Solarenergie, an der Nettostromerzeugung berechnet (genauere Informationen zu den einzelnen Energieträgern finden Sie hier). Die Daten werden stündlich aktualisiert und stehen in der Regel mit einer Verzögerung von zwei bis drei Stunden bereit.
Seit dem 30.10.2020 wird das verbleibende CO2-Budget als “Wert bis die Zwei-Grad-Marke erreicht ist” beschriftet. Zuvor wurde der Begriff “Zwei-Grad-Ziel” verwendet, der sich nur schwer eindeutig in ein CO2-Budget umrechnen lässt.
Seit dem 3.12.2020 wird die Erderwärmung mit +1,1 Grad Celsius anstatt zuvor mit +1,0 Grad angegeben. Hintergrund ist der Wechsel der Berechnungsgrundlage für die Erderwärmung im vergangenen Jahrzehnt. Zuvor wurde hier ein Wert aus einer im IPCC-Bericht zitierten Einzelpublikation verwendet (+0,17 Grad), mittlerweile ein an derselben Stelle veröffentlichter Wert, der sich auf mehrere Publikationen stützt (+0,2 Grad).
Bochum. Das Nein der Grünen zu neuen Bauprojekten auf freien Flächen ruft Reaktionen hervor. Die CDU spricht von Chaos, der Mieterverein ist irritiert.
10.000 neue Wohnungen bis 2030 seien genug für eine schrumpfende Stadt. Das wichtigste Argument der Grünen, das Handlungskonzept Wohnen früher als verabredet auf den Prüfstand zu stellen und vorerst Neubauprojekte im Grünen auf Eis zu legen, dürfte im Koalitionsausschuss am Dienstagabend für heftige Diskussionen sorgen. Die SPD spricht immerhin von Wortbruch und Klientelpolitik.
Grüne in Bochum ernten viel Kritik für Nein zu Neubauprojekten
‟Wie Grüne und SPD miteinander umgehen, geht uns natürlich nichts an. Aber vor der Evaluation des Handlungskonzepts Wohnen bereits jetzt die gewünschten Ergebnisse zu definieren, ist überaus irritierend”, so Wenzel. Immerhin solle die Evaluation ja vorrangig über die neu gegründete Allianz für Wohnen gesteuert werden.
Wenzel fordert sowohl von den Grünen als auch vom Koalitionspartner SPD klare Aussagen zu den ‟Kernproblemen auf dem Bochumer Wohnungsmarkt”. Der soziale Wohnungsbau funktioniere nicht, bezahlbare Wohnungsbestände müssten gesichert, Leerstände zurückgebaut und die städtische VBW gemeinwohlorientiert umgebaut werden.
CDU fordert verlässliche Planung zur Schaffung von Wohnraum
‟Anstatt unsere Stadt nach vorne zu bringen, werden ideologische Grabenkämpfe ausgetragen.” Das sei ein Offenbarungseid für Rot und Grün in Bochum. ‟Niemand will jedes grüne Fleckchen in Bochum zubauen”, so Christian Haardt. ‟Wir brauchen aber eine verlässliche Planung für die Schaffung von Wohnraum. Dazu müssen wir in einzelnen Fällen auch Gebiete neu entwickeln.”
Linke: Steigende Mietpreise sind das Problem
Die Linksfraktion fordert mehr Ehrlichkeit in der Debatte. Grüne und SPD weigerten sich, wirkungsvolle Maßnahmen gegen steigende Mietpreise zu ergreifen. Neubau auf der grünen Wiese sei dafür nicht notwendig. ‟Es ist schon beeindruckend, wie sich beide Parteien wortgewaltig erklären, ohne das zentrale soziale Problem der Bochumer Wohnungspolitik auch nur zu erwähnen”, sagt Mehriban ×zdogan, Ratsmitglied der Linken. ‟52,6 Prozent der Bochumer Miethaushalte sind laut einer aktuellen Studie mit den Wohnkosten überlastet. Sie müssen mehr als 30 Prozent des Haushaltseinkommens für die Miete, Heizung und Nebenkosten ausgeben.”
FDP setzt auf Verbesserungen im Bestand
Die FDP indes setzt sich ein für Verbesserungen im Bestand und eine Beschleunigung von Baugenehmigungen. ‟Insbesondere Modernisierungen, Aufstockungen und Dachausbauten bei Neubauten können dafür sorgen, dass neuer Wohnraum entsteht, ohne dass neue Flächen versiegelt werden”, sagt die stellvertretende Vorsitzende der Ratsfraktion, Luisa-Maximiliane Pischel.
Wohnungsbau : Grüne in Bochum stoppen den Wohnungsbau auf Freiflächen
Die Koalition in Bochum steht vor einer Zerreißprobe. Die Grünen wollen Wohnungsbau auf unversiegelten Flächen stoppen. Die SPD ist erschüttert.
Knapp zehn Monate nach der Kommunalwahl steht die rot-grüne Koalition in Bochum vor einer Zerreißprobe. Grund ist eine Abkehr der Grünen vom Wohnungsbau auf unversiegelten Flächen. Die SPD spricht von einem Verstoß gegen den Koalitionsvertrag und einem ‟Spiel mit dem Feuer”.
Das umstrittene Neubauprojekt Hattinger Straße/Hinter der Kiste in Linden soll das letzte auf einer unversiegelten Fläche sein, dem die Partei zustimmen will. ‟Die Zustimmung zum Wohnungsbau auf dieser Fläche im Südwesten ist für uns schwierig. Die Zielkonflikte zwischen Wohnungsneubau und Naturschutz treten immer offener unauflösbar zu Tage”, sagt Sebastian Pewny.
Grüne in Bochum stoppen Wohnungsbau auf unversiegelten Flächen
Nicht weiter verfolgen will die Partei daher folgende Projekte, die auf unversiegelten Flächen mit größtenteils schützenswerten Böden geplant sind: Am Rübenkamp, Ridderstraße Nord, Im Vogelspoth/ Südstraße, Schulte-Hiltrop-Straße, Everstalstraße, Im Meerland, Im Haarmannsbuch und Ministerstraße.
Handlungskonzept Wohnen kommt auf den Prüfstand
364.454 Einwohner in Bochum
Grundlage für das Handlungskonzept Wohnen war u.a. eine Wohnraumbedarfsprognose, der eine Prognose zur Bevölkerungsentwicklung der Stadt Bochum für die Jahre 2015 bis 2030 zugrunde lag.
Drei Varianten wurden dabei berechnet: eine Fortschreibung des Trends zum Prognosezeitraum und zwei Wachstumsvarianten.
Für 2020 sah die Prognose 367.000, 369.000 oder 370.000 Einwohner in Bochum vor. Das Landesamt Information und Technik hat für den 31.12. 2020 indes nur 364.454 Einwohner in Bochum registriert.
Für die Grünen ist dies ein Indiz, dass Bochumer künftig doch eher schrumpf als wächst.
Auch das mit der SPD vereinbarte Handlungskonzept Wohnen, das den Bau von jährlich durchschnittlich 800 Wohnungen vorsieht, müsse mit Blick auf neue Studien und Bevölkerungsprognosen neu bewertet und hinterfragt werden. Der grünen Ratsfraktion zufolge werden in Bochum bis Ende des Jahrzehntes über 10.000 neue Wohnungen entstehen. Das Ziel sei damit mehr als erreicht.
Die neue Position der Grünen, die auf einem Parteitag am Dienstag bei einer Gegenstimme und wenigen Enthaltungen beschlossen wurde, sorgt beim Koalitionspartner SPD für Entsetzen. ‟Ich bin erschüttert”, sagt der Vorsitzende der Fraktion, Burkhard Jentsch. ‟Das ist ein klarer Verstoß gegen den Koalitionsvertrag.” Neubauprojekte Bauen in Bochum: Wo Wohnungen entstehen — eine Übersicht
‟Wir haben in Bochum ein gewaltiges Problem mit Wohnraum”, so Jentsch. Es kann nicht sein, dass junge Familien keine finanzierbaren Immobilien finden, ältere Menschen, die sich räumlich verkleinern wollen, das nicht können, weil es an barrierearmen Wohnungen fehlt und sozial Schwache keine finanzierbare Bleibe finden, die aktuellen Standards entspricht.”
Koalitionsausschuss tagt am Dienstag
Der Wortbruch der Grünen sei ‟ein Schlag ins Gesicht”. Die Grünen setzten ‟alles auf die Karte, dass einige Prognosen einen Bevölkerungsrückgang herbei orakeln”. Ignoriert werde dabei aber der Trend zu Single-Haushalten und Kleinfamilien. ‟Die einseitige Betrachtung der Grünen kann sich für die Menschen unserer Stadt bitter rächen”, so der SPD-Fraktionschef.
Was der Streit um die Wohnungsbaupolitik für die seit 1999 bestehende rot-grüne Koalition am Ende bedeutet, könnte sich in der kommenden Woche zeigen. Für Dienstagabend ist kurzfristig eine Sitzung des großen Koalitionsausschusses angesetzt worden.