Hitze wird zum globalen Gesundheitsproblem

Der diesjährige „Lancet Report“ zieht ein ernüchterndes Zwischenfazit nach fünf Jahren Pariser Klimaabkommen. Hitzewellen und andere extreme Wetterereignisse nehmen aufgrund des Klimawandels rasant zu. Mit verheerenden Folgen für die globale Gesundheit.

Die derzeitige Erderwärmung deutet nicht nur auf einen möglicherweise irreversiblen Klimawandel – mit all seinen verheerende Folgen – hin, sie ist bereits heute ein Gefahr für die Gesundheit vieler Menschen. So hatten die Rekordsommer der vergangenen Jahre teils dramatische Auswirkungen. Die mit Hitze verbundene Mortalität bei Menschen über 65 Jahren ist in den letzten 20 Jahren um 53,7 Prozent gestiegen. Die drittmeisten Hitzetoten in dieser Altersgruppe hatte dabei im Jahr 2018 Deutschland zu verzeichnen (nach China und Indien). Insgesamt starben 2018 weltweit 296.000 Menschen durch extreme Hitze.

Die Zahlen stammen aus dem diesjährigen „Lancet Countdown on health and climate change“ der heute im Laufe des Tages veröffentlicht wird. Der Bericht untersucht die Folgen und Zusammenhänge zwischen Klimawandel und globaler Gesundheit. Dahinter steht die Grundannahme, dass Klimawandel und Gesundheitsrisiken zwei Phänomene sind, die sich nicht trennen lassen. Sie bedingen sich, teils verstärken sie sich gegenseitig. Konzeptionell wird dieser Gedanke unter anderem durch den Begriff „Planetary Health“ zum Ausdruck gebracht. „Es ist wichtig, dass wir verstehen, dass Klimawandel unsere Gesundheit und unsere Existenz bedroht. Das System Erde ist bedroht und somit auch das System Mensch“, sagt etwa Claudia Traidl-Hoffmann, Professorin für Umweltmedizin an der TU München sowie am Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, während eines virtuellen Pressebriefings zu den Ergebnissen des „Lancet Reports“.

Alle Klima-Indikatoren haben sich verschlechtert

Für den diesjährigen Bericht wurden 43 Indikatoren zu den Auswirkungen des Klimawandels, zur Anpassung, Planung und Resilienz der Gesundheit, zu Klimaschutzmaßnahmen und gesundheitlichen Co-Benefits, zu Wirtschaft und Finanzen sowie zum öffentlichen und politischen Engagement untersucht. Ergebnis: Sämtliche Indikatoren, welche der Report zu den Auswirkungen des Klimawandels analysiert hat, haben sich in den vergangenen Jahren verschlechtert – und weitreichende Konsequenzen für die globale Gesundheit nach sich gezogen.

Ein besonderer Fokus wird dabei in diesem Jahr auf den Risikofaktor der extremen Wetterereignisse gelegt. Vulnerable Bevölkerungsgruppen seien in den vergangenen Jahren weltweit zusätzlichen 475 Millionen Hitzewellenereignissen ausgesetzt gewesen, was sich wiederum in einer höheren Morbidität und Mortalität niederschlug. Darüber hinaus haben die steigenden Temperaturen und die Zunahme extremer Wetterereignisse auch unmittelbare Konsequenzen für die Gesundheit. Der mögliche Ertrag der wichtigsten Feldfrüchte sei zwischen 1981 und 2019 um 1,8 bis 5,6 Prozent gesunken. Für die Übertragung von Infektionskrankheiten hätten sich die klimatischen Bedingungen seit den 1950er Jahren rapide verbessert – im Jahr 2018 allein für das Dengue Fiebers um 15 Prozent. Zwischen 145 und 565 Millionen Menschen seien außerdem in Zukunft von Überschwemmungen durch das Abschmelzen großer Eisflächen und dem daraus resultierenden Anstieg des Meeresspiegels bedroht. Auch die Wirtschaft leide unter Hitzewellen. 2019 seien dadurch mehr als 302 Milliarden Stunden potenzieller Arbeitskraft eingebüßt worden.

Kampf gegen Klimawandel und Corona-Epidemie verbinden

Der „Lancet Report“ erscheint in diesem Jahr zum vierten Mal. Er wurde von der Zeitschrift The Lancet, eine der einflussreichsten Zeitschriften im medizinischen Bereich, initiiert und vom Wellcome Trust gefördert. Für den Bericht haben zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus über 35 akademischen Organisationen zusammengearbeitet. Aus Deutschland waren an dem Bericht das Center for Energy Markets der TU München sowie das Data Science Lab der Hertie School Berlin beteiligt.

Die Autorinnen und Autoren fordern, den Kampf gegen den Klimawandel in den kommenden fünf Jahren deutlich zu intensivieren und auch mit der Bekämpfung der aktuellen Corona-Pandemie zu verknüpfen. „Viele der Schritte zur Vorbereitung auf unerwartete Krisen wie eine Pandemie ähneln denen, die erforderlich sind, um sich an die extremen Wetterbedingungen und neuen Bedrohungen anzupassen, die mit dem Klimawandel einhergehen“, heißt in der Zusammenfassung des Reports. „Dazu gehört die Notwendigkeit, vulnerable Bevölkerungsgruppen zu identifizieren, die Kapazität der öffentlichen Gesundheitssysteme zu bewerten, Vorsorgemaßnahmen zu entwickeln und in diese zu investieren sowie die Notwendigkeit einer widerstandsfähigen und gerechten Gemeinschaft zu betonen.“

Anlass, die Klimaziele neu zu justieren, könnte auch das Pariser Klimaabkommen bieten, das sich am 12. Dezember 2020 zum fünften Mal jährt. In dem Abkommen ist festgelegt, dass die Staaten alle fünf Jahre ihr Maßnahmen evaluieren und gegebenenfalls aktualisieren.

Hohes Potenzial bei der Entwicklung des urbanen Raums

Konkrete Maßnahmen für die einzeln Nationen werden in Zusammenhang mit dem „Lancet Report“ in sogenannten Policy Briefs vorgeschlagen. Für Deutschland werden diese von der Charité, der Bundesärztekammer, dem Helmholtz-Zentrum sowie dem Potsdam-Institut für Klimaforschung ausgesprochen. Koordiniert wurde die Erarbeitung von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit. Ein Schwerpunkt des Policy Briefs für Deutschland liegt dabei auf dem urbanen Raum. Da in Deutschland 75 Prozent der Menschen in Städten lebten und diese weltweit gesehen für 70 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich seien, sei die Entwicklung nachhaltiger und resilienter Städte eine besonders effektive Maßnahme.

Auch Claudia Traidl-Hoffmann vom Helmholtz-Zentrum München sieht hierin ein „enormes Potenzial, um sowohl etwas für die Gesundheit als auch gegen den Klimawandel zu tun“. Dafür brauche es allerdings mehr Transdisziplinarität, so die Ärztin. So fordert sie, das Thema Klimawandel in das Curriculum des Medizinstudiums aufzunehmen. Andersherum sei es in der Stadtplanung wichtig, auch öfter Stimmen aus dem Gesundheitswesen einzubeziehen. Als ein Beispiel, warum das so wichtig sei, nannte Traidl-Hoffmann die Bepflanzung des Potsdamer Platzes in Berlin mit zahlreichen Birken. Das sei zwar gut für das Klima, gleichzeitig seien die Bäume aber auch sehr starke Allergieauslöser. Solche Zielkonflikte müssten sichtbar gemacht werden.

Kommunen müssen Verantwortung übernehmen

Laut dem Policy Brief für Deutschland haben fünf von sieben Städten, die eine Folgeabschätzung gesundheitlicher Auswirkungen klimabedingter Risiken abgeschlossen haben, extreme Hitze als Hauptrisiko identifiziert. Dem könne man durch eine Stadtplanung entgegensteuern, die auf grüne Infrastruktur (Parks, Grünanlagen) setzt, gleichzeitig könnte eine solche diversifizierte Raumnutzung zum Zu-Fuß-Gehen und Radfahren animieren. Letzteres würde sowohl die Gesundheit fördern als auch die Umwelt schonen, was sich nochmals positiv auf die Gesundheit auswirken würde. 

Von den Mühen bei der Umsetzung klimaschonender Maßnahmen berichtete Michael Kopatz vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. „Alle finden Klimaschutz sehr wichtig, aber der Raumwärmebedarf, der Heizaufwand, geht nicht zurück in Deutschland“, sagte Kopatz, der außerdem Stadtrat für die Grünen in Osnabrück ist. „Er ist sogar jetzt leicht zunehmend, weil alle Städte ständig neu bauen, auch solche Städte, deren Einwohnerzahl schrumpft.“ Er forderte von der Kommunalpolitik mehr Verantwortung bei diesem Thema zu übernehmen. „Häufig wird auf den Bund verwiesen und die Verantwortung dort, aber hier kann die Kommune sehr viel gestalten. Auch die Entscheidung darüber, ob man einen neuen Gewerbepark ausweist oder Neubaugebiete in schrumpfenden Städten, das haben die Stadtväter und Stadtmütter selber in der Hand.“

Neben der Entwicklung resilienter Städte sehen die Autorinnen und Autoren des Policy Briefs in der Förderung einer gesunden und nachhaltigen Ernährungsweise ein weiteres Thema, bei dem gleichzeitig das Klima geschützt als auch die Gesundheit gefördert werden kann. Einseitige Ernährung sei eines der wichtigsten Risikofaktoren für Krankheiten und vorzeitigen Tod. Gleichzeitig sei die Nahrungsmittelproduktion für etwa ein Viertel der Treibhausgasemission verantwortlich.

( aus tagesspiegel.de news )

Studie der RLS : Kohleausstieg und Strukturwandel

Für eine sozialökologische Transformation im Rheinischen Revier

( RLS : Rosa Luxemburg Stiftung )

Reihe : Studien
Autor/innen : Hendrik Sander, Bastian Siebenmorgen, Sören Becker

( Ankündigung bei der RLS : hier )

( Direkter Download : hier )

Im Sommer 2020 wurden zwei Gesetze verabschiedet: Das «Kohleausstiegsgesetz» regelt die Abschaltung deutscher Kohlekraftwerke bis zum Jahr 2038, das parallel dazu verabschiedete «Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen», wie die milliardenschweren Finanzhilfen zur Förderung des Strukturwandels in den am meisten vom Kohleausstieg betroffenen Regionen verteilt werden sollen. Ersteres steht in der Kritik, weil die als Kohlekompromiss beschlossenen Schritte bei Weitem nicht ausreichen werden, um die nötigen CO2-Einsparungen zu erzielen, und mit üppigen Entschädigungen für die Energiekonzerne erkauft wurden. Zudem ist fraglich, ob mit den gesetzlich festgelegten Konditionen der Mittelvergabe manche Gruppen und Interessen nicht eindeutig bei der Gestaltung des Strukturwandels benachteiligt werden.

Diese Studie befasst sich aus einer sozialökologischen Perspektive mit der aktuellen Umsetzung des sogenannten Kohlekompromisses im Rheinischen Braunkohlerevier in Nordrhein-Westfalen. Das heißt für uns anzuerkennen, dass der Kohleausstieg möglichst schnell erfolgen muss, dabei aber auch die Interessen der in der Industrie Beschäftigten zu beachten sind. Gleichzeitig gilt es, die Grenzen des Wachstums zu akzeptieren und sich auf die Suche nach wirklich innovativen Alternativen im sozialen und ökologischen Sinne zu begeben …..

Inhalt

Vorwort 

Zusammenfassung

Einleitung 

1 Politische und diskursive Rahmenbedingungen 

  • Der umstrittene Kohlekompromiss
  • Viel Geld für die Regionalförderung
  • Der Diskurs zum Strukturwandel 

2 Kohleausstieg und Strukturwandel im Rheinischen Revier 

  • Ausgangslage: RWE und die Beschäftigten 
  • Der Kohleausstieg und die regionale Zivilgesellschaft 
  • Die Zukunftsagentur Rheinisches Revier: Organisation des Strukturwandels 
  • Das Wirtschafts- und Strukturprogramm: Inhalte und Projekte des Strukturwandels

3 Eine linke Transformationsstrategie für ein sozialökologisches Revier 

  • Einordnung 
  • Alternative Eckpunkte 
  • Handlungsfelder 
  • Strategischer Ausblick 

Literatur 

Autoren

Hendrik Sander ist freiberuflicher Politikwissenschaftler und politischer Aktivist. Er hat in Bremen und Oldenburg studiert und in Kassel zum Thema grüner Kapitalismus und deutsche Energiepolitik promoviert. Als PR-Referent, politischer Bildner und Kolumnist hat er gelernt, komplexe Sachverhalte anschaulich für verschiedene Zielgruppen aufzubereiten. In der deutschen Klimabewegung war er seit ihren Anfängen aktiv, etwa beim Berliner Energietisch oder bei Ende Gelände.

Bastian Siebenmorgen studiert Geografie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Im Umfeld seines Studiums hat er verschiedene selbstorganisierte Seminare und Exkursionen initiiert, geplant und umgesetzt, wie zum Beispiel eine dreitägige Fahrradexkursion durch das Rheinische Braunkohlerevier. Aufgewachsen im Rheinland, ist er seit Jahren Teil der Klimagerechtigkeitsbewegung mit Ausrichtung auf das Rheinische Braunkohlerevier.

Sören Becker lehrt und forscht zu nachhaltiger Regionalentwicklung, zu Digitalisierung sowie zur Verankerung demokratischer Energiepolitik in Städten und Regionen. Zusätzlich zu seiner Forschung arbeitete er wiederholt zusammen mit Kommunen und sozialen Bewegungen an Projekten im Energiebereich.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit — Beiträge WDR

Hier mal 2 Beiträge zum Klimaschutz- und Nachhaltigkeits-Problem, dass mit der enormen Digitalisierung einher geht :

Digitalgeräte: Es geht auch nachhaltig

Aufsicht auf einen Arbeitstisch mit Smartphone, Tablet, Laptop, Bleistift und Papier Audio starten, abbrechen mit Escape <MEDIA>@https://wdrmedien-a.akamaihd.net. 00:00:00 Audio starten, abbrechen mit Escape

WDR 5 Morgenecho – Beiträge. 01.12.2020. 02:27 Min.. Verfügbar bis 01.12.2021. WDR 5. Von Louisa Schmidt.

Seltene Erden im Handy, Tablet-Billigproduktion auf Kosten der Umwelt. So sollte Digitalisierung nicht laufen. Doch wie Endgeräte stattdessen nachhaltig produziert werden könnten, erläutert Louisa Schmidt.

( Original beim WDR : hier )


“Digitalisierung und Klimaschutz nicht getrennt betrachten”

Svenja Schulze Audio starten, abbrechen mit Escape <MEDIA>@https://wdrmedien-a.akamaihd.net. 00:00:00 Audio starten, abbrechen mit Escape

WDR 5 Morgenecho – Interview. 01.12.2020. 06:22 Min.. Verfügbar bis 01.12.2021. WDR 5

“Digitalisierung und Klimaschutz nicht getrennt betrachten”

WDR 5 Morgenecho – Interview. 01.12.2020. 06:22 Min.. Verfügbar bis 01.12.2021. WDR 5.

Digitale Geräte verbrauchen viel Strom und sind auch in der Herstellung nicht nachhaltig. Gleichzeitig biete die Digitalisierung auch “Riesenchancen” für den Klimaschutz, sagt Umweltministerin Svenja Schulze (SPD), etwa in der Verkehrssteuerung.

( Original beim WDR : hier )

Arte Doku : Umweltsünder E-Auto ? — zur Diskussion

Solarpanels, Windkraftanlagen und E-Autos – Umwelttechnologien sollen helfen, die Energiewende zu beschleunigen. Doch in GreenTech stecken Metalle wie Kupfer und seltenere mineralische Rohstoffe. Förderländer in Lateinamerika und Asien zahlen für die grüne Wende einen hohen Preis – denn der Abbau von Lithium hat dramatische Folgen für Mensch und Umwelt. Investigative Reportage.Angesichts der Erderwärmung ist das Gelingen der Energiewende oberstes Gebot.

Um eine Abkehr vom Kohlenstoff im Energiesektor zu erreichen, steigen viele Länder auf umweltfreundliche Technologien um; Solarpanels, Windkraftanlagen und natürlich Elektroautos stehen für saubere Mobilität und Umweltbewusstsein. Doch für die Herstellung von Elektroautos werden große Mengen an Metallen und selteneren mineralischen Rohstoffen wie Graphit, Kobalt oder Lithium benötigt. Auch in Windrädern und Solarpanels stecken Metalle und Seltene Erden. Nach der Abhängigkeit von Erdöl und Kohle begibt sich die Welt in eine Abhängigkeit von Rohstoffen, die der breiten Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt sind.

Die investigative Reportage nimmt die ZuschauerInnnen mit auf eine Reise zur „dunklen Seite“ der Energiewende. Die Spurensuche führt vom chinesischen Norden über die Salzseen in Bolivien, die Vereinigten Staaten, Norwegen, die Schweiz und Frankreich bis in die Atacama-Wüste in Chile. Die Förderländer zahlen einen hohen Preis dafür, dass die Energiewende in Europa gelingt – denn der Abbau der begehrten Rohstoffe hat dramatische Folgen für Mensch und Umwelt. So paradox es klingt: Weil für klimaneutrale Technologien immer mehr Kohle benötigt wird, gehen die CO2-Emissionen weltweit nicht zurück. Steckt hinter der Energiewende nur ein gigantisches “Greenwashing”? Schaden saubere Energien der Umwelt letztlich mehr als die fossilen Energieträger?

Zudem enthüllt die Reportage, dass westliche Regierungen und Unternehmen zahlreiche Expertenberichte über die tatsächlichen Umweltkosten grüner Technologien einfach ignorieren. Denn hinter der sauberen Energie stecken handfeste politische und wirtschaftliche Interessen. So steuert die Welt sehenden Auges auf die nächste Umweltkatastrophe zu. Und der Westen wird immer abhängiger von China als wichtigstem Produzenten mineralischer Rohstoffe und Weltmarktführer bei erneuerbaren Energien.

  • Regie : Jean-Louis Perez , Guillaume Pitron
  • Land : Frankreich
  • Jahr : 2020
  • Herkunft : ARTE F

Link zur Doku / Film : hier (Achtung , nur bis 22.01.21)

Klimakrise und Lebensgrundlagen — Wer hat die Macht, Verträge zu brechen?

Gastbeitrag von Luisa Neubauer und Carola Rackete Projekte wie die A49 durch den Dannenröder Forst zerstören ganz legal die Lebensgrundlagen auf diesem Planeten. Aus dieser Feststellung kann es nur eine Konsequenz geben: Wir brauchen einen Systemwandel. 12.11.2020, 15.02 Uhr

Man hat der Maschine, die in Dekaden gewachsene Bäume wie Karotten herausreißt, den charmanten Namen “Harvester” gegeben. Mit großen Greifarmen arbeiten sich ebendiese Harvester seit Oktober durch ein Waldgebiet in Mittelhessen und befeuern einen Konflikt weit über den Waldrand hinaus. Zu den Autorinnen

Luisa Neubauer, geboren 1996 in Hamburg, ist Klimaschutzaktivistin und einer der führenden Köpfe der deutschen Fridays-for-Future-Bewegung.

Carola Rackete, geboren 1988 in Preetz, hat Naturschutzmanagement studiert und ist Klimaschutzaktivistin. International bekannt wurde sie im Juni 2019, als sie als Kapitänin der “Sea-Watch 3” trotz eines Verbots der italienischen Behörden mit 53 Flüchtlingen an Bord den Hafen der Insel Lampedusa anlief.

Seit dieser Woche ist eine neue Eskalationsstufe erreicht – es beginnen die Räumungen im Dannenröder Wald. Aktivisten hängen in den Bäumen, auf dem Boden stapfen viele Hundertschaften von Polizisten. Sie sind da, um die Aktivisten aus dem Weg und den Harvestern den Weg freizuräumen. Die Polizisten sind im Auftrag der schwarz-grünen Landesregierung da, die wiederum im Auftrag der Bundesregierung Asphalt durch diesen 300 Jahre alten Mischwald verlegen soll.

Die Aktivisten, die dort seit Monaten Baumhäuser bauen und Forstfahrzeuge blockieren, haben keinen formalen Auftrag, wenn überhaupt haben sie sich selbst den Auftrag gegeben, Bäume, Wald, Ökosysteme, Trinkwasser, Arten zu schützen vor einer Straße, deren Nutzen für das “öffentliche Interesse” mehr als umstritten ist. 

Zur Einordnung: Wir befinden uns in einer Zeit, in der Verlust und Fragmentierung von Lebensräumen immer mehr zum Verhängnis wird, in der das 6. Massensterben der Arten global das wohl vernachlässigste und gleichzeitig verhängnisvollste ökologische Problem ist. Es ist auch ein moralischer Auftrag, von dem hier gesprochen wird, zum Schutz zukünftiger Generationen und der Menschen im Globalen Süden.

Zurück nach Hessen: Der Konflikt, der nun zwischen Wald und Straße, zwischen Aktivisten und der lokalen Bürgerinitiative auf der einen und der Polizei auf der anderen Seite, zwischen Grünen und Klimabewegung, zwischen Bund und Land und zwischen Naturwissenschaft und Politik verläuft, ist seit Beginn der Räumung in den anliegenden Wäldern “Herri” und “Mauli” vor einem Monat vielfach besprochen.

Und es lassen sich zwei ganz wunderbare Geschichten daraus machen: Die eine handelt von Grünen, die immer dunkler werden, deren ökologische Integrität an der Realität zerschellt, die keinen Unterschied machen und von Status-quo-Hinterfragern zu Status-quo-Bewahrern werden – sobald sie wirklich was verändern könnten. Und von den Grünen, die ein Jahr vor der Bundestagswahl vor einer Bewährungsprobe stehen, ein Gleichgewicht zwischen politischem Kompromiss und physikalischen Tatsachen herzustellen.


( Hinweis von Ingo , von spiegel.de : hier )

Hinweis Projekt GreenZero von Dirk Gratzel

„Greenzero“ ist mein Vorhaben, die Ökobilanz meines Lebens auszugleichen. Ich bin dabei, alle Umwelt- und Klimaschäden, die ich als „moderner Mensch“ verursacht habe und noch verursache, bis zum Ende meines Lebens auszugleichen.

Die „grüne Null“ erreichen – nur: Wie? Wie sieht das Leben damit aus? 16 Grad Raumtemperatur im Winter? Nur noch Knäckebrot aus nachhaltiger Produktion? Selbstkasteiung und Besserwisserei, bis meine Freunde die Straßenseite wechseln, wenn sie mich kommen sehen?

Keineswegs. Erstaunlicherweise ist mein Leben und das meiner Familie mit diesem Vorhaben reicher geworden – an Wissen, Zufriedenheit, erfüllenden Begegnungen und Sinngefühl. Und, mich selbst überraschend, auch an wertschöpfenden, unternehmerischen Projekten. Reicher an dem Wesentlichem.

Ich arbeite mit Wissenschaftlern, Umweltorganisationen und Unternehmen zusammen, um fundiert Maßnahmen zur Verbesserung meines Lebensstils und zur Kompensation zu entwickeln. Unsere Erfahrungen dabei berühren wesentliche Fragen der Zukunft: Wie schaffen wir ökologischen Ausgleich? Wie beseitigen wir schon eingetretene Schäden, etwa beim Klima, beim Wasser oder auch bei der Zerstörung biologischer Vielfalt?


Ein interessantes Projekt , Link zur Site : hier

Hinweis , Link zum Buch : hier
In diesem Buch habe ich meine erstaunlichsten, abenteuerlichsten und skurrilsten Momente auf meinem bisherigen Weg zur grünen Null zusammengetragen.

33 BAUKULTUR Rezepte

33 BAUKULTUR Rezepte

deutsch : Download (PDF 8MB) , hier
englisch : Download (PDF, 3MB, Datei ist barrierefrei/ barrierearm)

( Original : hier )


Die Publikation “33 Baukultur Rezepte” vermittelt Themen der Baukultur auf einem ungewöhnlichen Weg: Ein “Kochbuch für Baukultur” präsentiert 33 Vermittlungsformate in Form von “Rezepten”, die das Bewusstsein für das gute Planen und Bauen stärken sollen. Die Rezepte reichen von öffentlichen Aktionen und Exkursionen über Vernissagen und Ausstellungen bis hin zu Workshops und Beratungsangeboten. Herausgekommen sind übertragbare Ideen zum “Nachkochen” für alle, die sich vor Ort engagieren möchten.

“Das Lesen soll Spaß und Lust auf mehr machen – die Texte sind mit einem Augenzwinkern zu lesen”, sagt BBSR-Expertin Karin Hartmann. “Unser Rezeptbuch zeigt, dass viele oft auch unkonventionelle Wege das Gespräch in den Gemeinden über Baukultur beleben – und damit den Mehrwert qualitätsvoller Architektur und von Freiräumen deutlich machen. Attraktive Orte stiften Identität, gerade in ländlichen Räumen.” Die vorgestellten Formate sind aus dem ehrenamtlichen Engagement von Baukulturinitiativen in Klein- und Mittelstädten hervorgegangen.

Die Rezepte des Kochbuchs enthalten Angaben zum Küchenpersonal (Beteiligte), zu den Zutaten (Materialien, Räume, Werkzeuge), zur Vorbereitung (Zeitplanung) und zur Zubereitung (Vorgehen). Zudem gibt das Buch an, für welche Anlässe sich das Vermittlungsformat eignet und welche Ziele sich damit erreichen lassen. Eine dreistufige Bewertung in den Kategorien “Aufwand”, “Kosten” und “Akteure” hilft Interessierten, den personellen, finanziellen und zeitlichen Aufwand einzuschätzen.

Stiftung 2 Grad — Unternehmer für Klimaschutz – Klimapolitik

Klimapolitik

Wir engagieren uns, um die Politik bei der Etablierung marktwirtschaftlicher Rahmenbedingungen für den Klimaschutz zu unterstützen und die Lösungskompetenz deutscher Unternehmen für den Klimaschutz zu aktivieren.

Als die letzte Bundesregierung mit dem Klimaschutzplan 2050 die Ziele des Paris-Abkommens für die nationale Ebene in einen Rahmen gegossen hat, sahen manche schon das Gespenst der Deindustrialisierung Deutschlands umgehen. Ohne Frage befinden wir uns in einem großen Umwälzungsprozess, an dessen Ende sich nicht zuletzt die Frage der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Industrienation Deutschland entscheiden wird. Es muss das Ziel der Bundesrepublik sein, ihre Vorreiterschaft bei Energiewende und Klimaschutz aktiv zu verteidigen, sonst werden andere die Meilensteine setzen.

Die Politik muss den Rahmen setzen

Deshalb hilft es nicht, einfach im Weiter-so zu verharren und den Kopf in den Sand zu stecken. Ganz im Gegenteil – es gilt, die Voraussetzungen für die 2°-Wirtschaft jetzt zu schaffen, und zwar branchenübergreifend. Dabei spielt die Politik als Rahmengeber eine wichtige Rolle.

Der Startschuss der aktuellen Großen Koalition ist jedoch getrübt durch den Abschied vom 2020-Klimaziel. Umso mehr kommt es jetzt darauf an, auf die Impulse des Koalitionsvertrags aufzubauen, Spielräume zu nutzen und Klimaschutz zu einem Modernisierungsprojekt für Deutschland zu machen. Die Politik kann dabei auf eine Partnerschaft mit ambitionierten Unternehmen bauen.

(mehr dazu hier )

Klimakrise Warum zwei Grad Erderwärmung zu viel sind

von spiegel.de

Ein Gastbeitrag von Stefan Rahmstorf Seit mehr als zehn Jahren wird international debattiert, ob die Erderwärmung bei 1,5 oder 2 Grad gestoppt werden soll. Aber kommt es überhaupt auf ein halbes Grad an? 09.11.2020, 20.58 Uhr

Mit jedem Zehntel Grad wachsen auch die Gefahren für uns Menschen, Opfer von Überflutungen, Ernteausfällen oder Tropenstürmen zu werden

Mit jedem Zehntel Grad wachsen auch die Gefahren für uns Menschen, Opfer von Überflutungen, Ernteausfällen oder Tropenstürmen zu werden Foto: Francis Mascarenhas/ REUTERS

Fast wäre das Pariser Abkommen 2015 an dieser Frage gescheitert: 1,5 oder 2 Grad? Was sollte als gerade noch tolerierbare Obergrenze der globalen Erwärmung gelten? “Die verflixten anderthalb Grad” titelte der SPIEGEL damals. Rund 40 kleine Inselstaaten waren entschlossen, Paris nicht ohne 1,5-Grad-Ziel zu verlassen – denn so manche von ihnen fürchteten zu Recht, mit 2 Grad den Untergang ihres Staatsgebiets zu unterschreiben.

Die Debatte über die Obergrenze der Erderhitzung hatte da schon eine lange Vorgeschichte. Bereits 1987 hatte der damalige Präsident der Malediven, Maumoon Abdul Gayoom, vor der Uno-Vollversammlung eindringlich vor dem drohenden Untergang seiner Nation gewarnt. 2009 beschloss der Klimagipfel in Kopenhagen formell eine 2-Grad-Grenze – aber mit der Hintertür, auch eine Begrenzung auf unter 1,5 Grad “zu erwägen”. Ich selbst habe bei der dem Gipfel vorangegangenen Wissenschaftskonferenz in Kopenhagen argumentiert, dass 2 Grad Erwärmung große Risiken bedeuten würde.


Zum Autor

Foto: Astrid Eckert

Stefan Rahmstorf schreibt regelmäßig für den SPIEGEL über die Klimakrise. Er ist Klima- und Meeresforscher und leitet die Abteilung Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Seit 2000 ist er zudem Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Paläoklimaforschung, Veränderungen von Meeresströmungen und Meeresspiegel sowie Wetterextreme.


Der nächste Gipfel in Cancun beschloss, diese Frage “auf Basis der besten verfügbaren wissenschaftlichen Kenntnisse” zu klären. Vor dem Pariser Klimagipfel 2015 erschien dazu ein Uno-Bericht auf Grundlage von Konsultationen mit 70 Wissenschaftlern. Die Folgerung war klar: Eine Begrenzung auf 2 Grad wäre “inadäquat”. Seit 2018 gibt es dazu auch einen ausführlichen Sonderbericht des Weltklimarats IPCC.

Was sind die Unterschiede zwischen 1,5 Grad und 2 Grad Erwärmung? Das sind die wichtigsten Punkte:

Insgesamt kann man sagen, dass bei einer Erwärmung um 2 Grad die Folgen des Klimawandels, die wir teils schon heute spüren, graduell immer schlimmer werden. Die Häufigkeit von tödlichen Hitzewellen etwa, wie im “Jahrhundertsommer” 2003, der in Europa rund 70.000 Menschenleben kostete. Zudem bedeuten 2 Grad im globalen Mittel für die meisten Landgebiete 3 bis 4 Grad Erhitzung.

Dazu kommt die Häufigkeit von Überflutungen durch Extremregen (Beispiel Braunsbach 2016). Oder wachsende Probleme mit Dürren und Wassermangel, wie die letzten Jahre auch in Deutschland. Oder noch heftigere tropische Wirbelstürme – schon in den letzten vier Jahrzehnten hat der Anteil der stärksten Hurricane-Kategorien 3 bis 5 (“major hurricanes”) an allen Hurricanes in den Satellitenbeobachtungen um ein Viertel zugenommen, angefacht durch steigende Meerestemperaturen. https://spiegel-online-neu-profil.newsletter2go.com/unter-zwei.html

Darüber hinaus gibt es kritische Grenzen der Belastbarkeit von Ökosystemen, die schon unterhalb von 2 Grad überschritten werden. So rechnet der IPCC bei 2 Grad praktisch mit dem Totalverlust der tropischen Korallenriffe. Gelingt es dagegen, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, könnten 10 bis 30 Prozent der Korallen überleben. Das lange vorhergesagte weltweite Korallensterben ist inzwischen in vollem Gang.

Auch für die Wälder gibt es kritische Grenzen – trocknen sie zu stark aus, werden sie leicht Opfer von Insektenbefall oder verheerenden Bränden, oft ausgelöst durch Blitzschlag, wie dieses Jahr in Australien, Sibirien, Kalifornien oder Colorado. Selbst der Amazonasregenwald war in den vergangenen Jahrzehnten von extremen Dürren betroffen, die das Baumwachstum stark geschwächt und die Kohlenstoffspeicherung reduziert haben.

Kipppunkte im Klimasystem

Hinzu kommt ein langjähriger Trend: Die Trockenzeit dauert Jahr für Jahr länger. Setzt sich dies in den kommenden Jahrzehnten fort, droht der Wald bei weiterer Erwärmung stark zu degradieren.

…..

Vollst. Artikel bei Spiegel.de


( Tip von Ingo )