Weltklimakonferenz 2021: Welche vier Ziele COP26 erreichen muss

(29.10.21, spektrum.de ) , Original : hier

Die Konferenz in Glasgow gilt als »letzte Chance«, die Klimaziele von Paris zu erreichen. Dafür müssen dort vier große Probleme gelöst werden. Eines davon: Gerechtigkeit.von Christopher Schrader

Klimakonferenz 2021

Der Klimazug verlässt Amsterdam am Samstag, dem 30. Oktober um 8.47 Uhr. Er nimmt in Rotterdam und Brüssel noch Fahrgäste auf, ist mittags in London und rollt abends um sechs in Glasgow ein – falls im britischen Bahnnetz alles gut geht. Wer den ausgebuchten Sonderzug nimmt, der vor allem für (junge) Aktivistinnen und Wissenschaftler gedacht war, dürfte daher rechtzeitig zur Klimakonferenz COP26 in der schottischen Großstadt sein, die am Sonntag eröffnet wird.

Was dort in den ersten beiden Novemberwochen passiert, darauf blickt – das ist keine Übertreibung – die ganze Welt. »Sie gilt als die wichtigste Konferenz seit Paris 2015«, sagt Rixa Schwarz, die bei der Organisation Germanwatch die internationale Klimapolitik verfolgt. Ob die Staaten ausreichende Zusagen machen, um die Erderhitzung zu begrenzen, und weitere Schritte vereinbaren, hängt von den Verhandlungen in Schottland ab. Auch der Weltklimarat IPCC hatte im Sommer geurteilt: »Wenn es keine sofortigen, schnellen und umfassenden Reduktionen der Treibhausgas-Emissionen gibt, ist das Begrenzen der Erwärmung auf wenig mehr als 1,5 oder sogar 2,0 Grad nicht mehr möglich.« Diese Zahlen beziehen sich auf die Temperaturzunahme im Jahr 2100 gegenüber der vorindustriellen Zeit; 1,1 Grad sind laut dem jüngsten IPCC-Bericht bereits erreicht.

Vor allem das so genannte 1,5-Grad-Ziel in Reichweite zu halten, ist das vermutlich wichtigste Vorhaben der britischen Gastgeber und der meisten Teilnehmenden. Es hat eine bemerkenswerte Karriere gemacht: Ging es beim gescheiterten Gipfel von Kopenhagen 2009 noch um eine Grenze bei 2,0 Grad und verlangte das Pariser Abkommen »deutlicher unter 2,0 Grad« mit einer Option zu 1,5 Grad, so ist diese Temperaturgrenze mittlerweile praktisch unwidersprochen das zentrale und einzige Ziel. Das auch, weil sich inzwischen die Erkenntnisse mehren, dass es schon danach zahlreiche gefährliche, unbeherrschbare Klimafolgen geben dürfte. Doch ob es überhaupt noch möglich ist, die Grenze einzuhalten, erscheint vielen vor allem angesichts der schleppenden Reaktion der Gesellschaft zweifelhaft. Vom 31. Oktober bis zum 12. November 2021 findet in Glasgow das 26. Treffen der Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention von Rio (Conference of the Parties, COP) statt. Verfolgen Sie unsere aktuelle Berichterstattung im Liveblog und lesen Sie mehr rund um Klimawandel und Klimaschutz auf unserer Themenseite.

Wie so oft bei diesen Conferences of the Parties, also den Treffen der Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention von Rio, kursieren schon in den Wochen vor Beginn viele wichtige Berichte, stellen Organisationen ihre Forderungen und verkünden Staaten ihre Positionen. Während der Konferenz werden dann Beschlüsse oder Fortschritte in vier wichtigen Bereichen erwartet.

Die Ausgangslage

In den Tagen vor der Konferenz haben gleich zwei UN-Organisationen erklärt, anhand der vorliegenden Zusagen der Nationalstaaten werde die Welt die im Pariser Abkommen vereinbarten Ziele verfehlen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, UNEP, stellt in seinem jährlichen »Emissions Gap Report« fest: Zurzeit steuert die Welt auf eine Erwärmung von 2,7 Grad zu. Falls die Staaten die gegebenen Zusagen für 2050 einhalten, nämlich gemäß einer Bilanzrechnung von Quellen und Senken keine Klimagase mehr auszustoßen – »Netto-Null«–, könnte es bei einer Erhitzung um 2,2 Grad bleiben.

Keeling Curve des CO2 am Gipfel des Mauna Loa.
© National Oceanic & Atmospheric Administration (Ausschnitt) Treibhausgasmessungen am Gipfel des Mauna Loa | Die prominenteste Datenreihe atmosphärischer Kohlendioxidkonzentrationen zeigt: Beim Treibhausgas kommt das Auf und Ab der internationalen Klimapolitik bisher nicht an.

Ähnlich urteilte das internationale Klimasekretariat in Bonn, bei dem die Staaten ihre – laut Pariser Abkommen freiwilligen – Klimaschutzpläne einreichen. Gemäß der jüngsten Auswertung könnte die Politik der 143 Nationen, die ihre Ziele kürzlich aktualisiert und meist verschärft haben, dazu führen, dass ihre Emissionen bis 2030 ungefähr elf Prozent unter den reduzierten Ausstoß im Pandemiejahr 2020 sinken. Nimmt man jedoch alle 192 Staaten, dann kommen etwa 14 Prozent mehr Treibhausgase in die Atmosphäre als zuletzt.

»Diese COP ist die letzte Chance, das 1,5-Grad-Ziel in Reichweite zu halten«, sagt Niklas Höhne vom NewClimate Institute in Köln. »Mit allen Beiträgen, die die Länder bisher vorgeschlagen haben, stabilisieren sich die globalen Treibhausgas-Emissionen ungefähr bis zum Jahr 2030. Für 1,5 Grad müssten sie aber halbiert werden. Das ist eine enorme Lücke.«

Weitere aktuelle Befunde:

Unmittelbar vor der COP tagen in Rom noch die Regierungschefinnen und -chefs der größten Industriestaaten. Auf dem Treffen der so genannten G20 werden weitere Zusagen und Festlegungen erwartet, die dann – so ist das von Großbritannien und Italien gemeinsam geplant worden – auf einem World Leaders Summit, also einem Gipfeltreffen am Anfang der Konferenz, den Verhandlungen in Glasgow den richtigen Schwung geben.

Erstes Ziel: Mehr Klimaschutz

Vor der COP26 hat es eine Welle von Zusagen von Staaten gegeben, die sich dem Netto-Null-Ziel in der Mitte des 21. Jahrhunderts verpflichten wollen. Die EU möchte das 2050 erreichen, Deutschland hat sein Zieljahr nach dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts auf 2045 vorgezogen. Nach den USA hat auch Australien nun verkündet, 2050 in Summe keine Treibhausgase mehr ausstoßen zu wollen. https://datawrapper.dwcdn.net/AGLW9/3/

China spricht hingegen bisher vom Jahr 2060 wie seit Kurzem auch Saudi-Arabien. Die Türkei verkündet, nun als letzter G-20-Staat das Pariser Abkommen zu ratifizieren und ab 2053 seine Emissionen zu stoppen. Ein Plan von Indien fehlt und könnte in Rom oder Glasgow verkündet werden. Erwartungen, dass China dort oder schon vorher noch einmal nachlegt und ehrgeizigere Ziele vorlegt, wurden am Donnerstag aber enttäuscht: Die Supermacht hat die Angaben nur formalisiert und etwas präzisiert.

»Netto-Null ist das neue Normal«, freut sich darum Karsten Sach vom Bundesumweltministerium, der deutsche Chefverhandler bei den COP-Treffen. »80 Prozent der Länder bekennen sich dazu, und der Druck auf die übrigen wächst.« In Glasgow 100 Prozent zu erreichen, werde aber trotzdem nicht möglich sein.

Ohnehin sehen Klimaexpertinnen die eigentliche Herausforderung woanders. »Ein Ziel ohne einen Plan ist bloß ein Wunsch«, sagt Astrid Kiendler-Scharr vom Forschungszentrum Jülich, die Vorsitzende des Deutschen Klimakonsortiums. Um 2050 die Emissionen zu stoppen, müssten die Staaten umgehend konkrete Schritte einleiten. Niklas Höhne, dessen Institut an den Auswertungen des »Climate Action Trackers« auf Länderebene beteiligt ist, bestätigt: »Kein einziges dieser Länder hat Maßnahmen umgesetzt, um sich tatsächlich auf den Pfad Richtung Netto-Null zu begeben, kein einziges.« Die Lücke sei darum so groß, »dass sich die Frage gar nicht stellt, wer gut genug ist: Niemand ist gut genug.«

»Diese COP ist die letzte Chance, das 1,5-Grad-Ziel in Reichweite zu halten«(Niklas Höhne)

Immerhin gibt es Abstufungen: So will Saudi-Arabien nur innerhalb des Landes auf Netto-Null, aber weiter Öl produzieren – die Emissionen gehen dann nach den Vorstellungen der Regierung auf das Konto der Abnehmer. Australien möchte bis zum bitteren Ende Kohle verkaufen und 2030 auch nur um 26 bis 28 Prozent mit seinen Emissionen runter. Mexiko und Brasilien haben internationale Partner mit Rechentricks verärgert, die ihnen höhere Emissionen ermöglichen, ohne auf dem Papier ihre Ziele aufzuweichen. Einer Auswertung des Climate Action Trackers zufolge ist bisher nur der Plan von Gambia komplett mit dem 1,5-Grad-Ziel kompatibel, vier weitere afrikanische Staaten sowie Nepal, Costa Rica und als einziges Industrieland Großbritannien sind immerhin nahe dran. Dort ist der Kohleausstieg praktisch auch schon vollzogen.

Zweites Ziel: Fortschritte bei Einzelthemen

USA und EU schlagen für die COP ein Abkommen zum Thema Methan vor. Es ist ein Treibhausgas, das wesentlich schneller wieder aus der Atmosphäre verschwindet als CO2, aber Molekül für Molekül viel stärker wirkt. Insgesamt ist es darum der zweitgrößte Faktor der Erderhitzung. Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas und wird außerdem in Kohlegruben, Müllkippen und der Landwirtschaft frei, vor allem bei Tierhaltung und Reisanbau.

Das Abkommen, das inzwischen 34 Staaten unterstützen, sieht vor, den Ausstoß des Gases bis 2030 um 30 Prozent zu senken. Der US-amerikanische Sonderbeauftragte für Klimapolitik, Ex-Außenminister John Kerry, hofft laut Zeitungsberichten, mehr als 100 Zusagen zu bekommen. Allerdings lehnen vier der größten Emittenten die Vereinbarung bisher ab: China, Brasilien, Indien und Russland.

Weiteren Fortschritt versprechen sich die britischen Gastgeber in vier Sektoren, die Premier Boris Johnson als »coal, cars, cash, and trees« zusammenfasst: Kohle, Autos, Geld und Bäume. So gehören inzwischen 41 Nationen sowie viele Regionen, Provinzen und Firmen einer Allianz namens »Powering Past Coal« an; in Glasgow sollen neue Zusagen verkündet werden. Staaten sollen die Kohle im eigenen Land nicht mehr einsetzen und Projekte in anderen nicht mehr fördern. Ein Konferenztag ist dort auch dem Transportsektor gewidmet, hier erhoffen sich die Briten Fortschritte bei emissionsfreien Autos. https://datawrapper.dwcdn.net/FXlQ9/2/

Außerdem haben die Gastgeber eine Initiative gestartet, um die Abholzung von Wäldern zu stoppen und Flächen wieder aufzuforsten. Im ersten Schritt soll es für den Anbau von Kaffee, Kakao, Soja und Palmöl keine Genehmigungen für Rodungen mehr geben.

»Das war bisher eine vergessene Frage: Wie stellen wir Ökosysteme wieder her, die Kohlendioxid binden?«, sagt Isabel Cavalier von der kolumbianischen Organisation Transforma. »Ohne solche Veränderung in der Landnutzung ist das 1,5-Grad-Ziel unabhängig von der Entwicklung der Emissionen nicht zu erreichen. Das muss jetzt eine Rolle spielen.«

Drittes Ziel: Genug Geld für ärmere Staaten

Der fehlende der vier Begriffe in Johnsons Mantra ist cash: Geld. Schon bei der Konferenz in Kopenhagen 2009 hatten die Industrieländer versprochen, ab 2020 und dann jedes Jahr 100 Milliarden US-Dollar bereitzustellen, damit Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung finanziert werden können. Zurzeit gilt die Zusage bis 2025, danach soll die Summe erhöht werden. Das Versprechen haben die reichen Nationen für das Startjahr aber vermutlich gebrochen, wie der designierte Präsident der COP26, Alok Sharma, einräumt.

Das hat viel Kritik ausgelöst. So sagte der Leiter des Zentrums für Klimawandel und Entwicklung in Dhaka in Bangladesch, Saleemul Huq, bei einem Interview im September: »Wenn sie in Glasgow nicht die 100 Milliarden für 2021 bereitstellen, können sie ihre Zusagen offenbar nicht halten.« Das hätte, so sahen es auch andere Experten und Expertinnen, einen Rückfall in starre Lager bedeutet.

Darum hat Sharma den deutschen Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth mit dem kanadischen Umweltminister zusammengespannt, um die Finanzierung zu retten. Die Ergebnisse wurden am vergangenen Montag verkündet: Demnach schaffen die Industrieländer die symbolische Summe von 100 Milliarden Dollar wohl erst 2023, stellen jedoch für die Jahre 2021 bis 2025 im Durchschnitt genügend Geld pro Jahr zur Verfügung. Der Fehlbetrag 2020 von womöglich 15 Milliarden würde aber dann vermutlich nicht ausgeglichen.

»Es war nicht das, was wir versprochen haben«, räumt auch Flasbarth ein. »Zusagen zu erfüllen, ist die wichtigste Währung in den Verhandlungen, aber dieses Ergebnis sollte uns zumindest in eine gute Stimmung bringen.« Das Geld bereitzustellen, habe nichts mit Großzügigkeit zu tun: »Es ist ein essentieller Teil der Klimapolitik, ein Zeichen der Fairness und der historischen Verantwortung.«

Allerdings stimmt die Verteilung offenbar auch nicht. Alok Sharma selbst sagt, es müsste mehr nicht zurückzahlbare Zuschüsse geben: 2019 machten sie nur 30 Prozent aus, der Rest waren Kreditangebote. Und Saleemul Huq rügte, dass nicht wie erwartet die Hälfte des Geldes für Anpassungsmaßnahmen an die verletzlichsten, schwächsten Staaten gegangen sei: Es waren zuletzt nur 20 Prozent, während 80 Prozent in stärkere Staaten und in Projekte zur Emissionsreduktion floss.

Außerdem müsse sich der Gipfel in Glasgow, forderte der Experte aus Bangladesch, endlich mit der dritten Säule neben Klimaschutz und Adapation befassen: Sie wird allgemein »Loss and Damage« genannt, es geht also um Geld für das Wiederherstellen von beschädigter oder verlorener Infrastruktur und Wirtschaftsgütern. Dafür gebe es einen hohen zusätzlichen Finanzbedarf, sagt auch Sven Harmeling von der Organisation Care International. »Wir dürfen das nicht weiter als Unterthema von Anpassung darstellen und damit klein halten.«

Ohnehin ist längst klar geworden, dass der Kampf gegen die Klimakrise die kostengünstigere Option ist, wenn man es mit Abwarten vergleicht. Das hatte schon 2006 der Report von Lord Nicholas Stern vom Grantham Institute in London festgestellt. Eine am Dienstag erschienene Aktualisierung bekräftigt die Schlussfolgerung: »Jede sinnvolle Schätzung der Kosten des Nichthandelns wäre heute höher, und die Kosten des Handelns sind niedriger als 2006.«

Viertes Ziel: Regelwerk zum Pariser Abkommen komplettieren

Seit Jahren arbeiten die Länder bei den COPs daran, sich gemeinsame Regeln für die Buchhaltung der Treibhausgase und andere Klauseln des Pariser Abkommens zu geben. Vieles davon wurde 2018 verabschiedet. Offen bleiben zum Beispiel gemeinsame Basisjahre und Zeithorizonte, die Zahlen vergleichbar machen. Außerdem fordern zahlreiche Beteiligte voneinander vollkommene Transparenz über den Ausstoß und die Effekte der jeweiligen Politik. »Dagegen gibt es natürlich auch politische Widerstände«, sagt Rixa Schwarz von Germanwatch. »Manche wollen sich nicht so sehr in die Karten schauen lassen.« Andere Staaten fürchten, dass sie nicht die Kapazitäten haben, die Angaben für das Ausfüllen womöglich kleinteiliger Formulare zu erheben.

Eine besondere Rolle spielt der Artikel 6 des Pariser Abkommens. Er sieht vor, dass Staaten kooperieren dürfen, um Emissionen zu reduzieren. Dann könnte zum Beispiel ein Land in den Tropen seinen Wald mit Finanzierung durch eine Industrienation aufforsten, die sich schließlich das gebundene CO2 auf ihre Ziele anrechnet. Der Artikel warnt aber bereits vor Missbrauch – etwa, dass beide Länder den Effekt in ihre Bilanz aufnehmen.

Kohlendioxidausstoß in Deutschland
© Stefan Rahmstorf / CO2-Emissionen in Deutschland / CC BY-SA 4.0 CC BY-SA (Ausschnitt) Kohlendioxidausstoß in Deutschland | Grün: Emissionen bis 2018 nach Zahlen des Umweltbundesamtes (für 2018 habe ich denselben Wert wie 2017 veranschlagt, da die Zahl noch nicht veröffentlicht ist). Blau: exemplarische lineare Emissionsminderung, die einem fairen Beitrag Deutschlands zu den Paris-Zielen entsprechen könnte.

Diese Kompensation anderswo möchten manche Staaten zu einem internationalen Marktplatz ausbauen; womöglich sollen dort auch Zertifikate gehandelt werden, die durch einen ähnlichen Mechanismus des Kyoto-Protokolls von 1997 entstanden sind. Beides versuchen vor allem Klimaschutzorganisationen zu verhindern. Die alten Zertifikate sind oft unter zweifelhaften Regeln erteilt worden; und selbst wenn sie einen hohen Standard haben, liegt die Emissionseinsparung bereits weit in der Vergangenheit.

»Zertifikatehandel soll nur ermöglichen, was zu Hause nicht zu schaffen ist,« erklärt Rixa Schwarz die Position von Germanwatch. »Ein Senken der Emissionen findet vorrangig im eigenen Land statt, das ergibt in Summe mehr Klimaschutz.« Greenpeace würde es sogar ausdrücklich als Erfolg der Verhandlungen in Glasgow werten, wenn ein solcher internationaler Handelsmechanismus abgewendet wird, sagt die zuständige Campaignerin Lisa Göldner. Die Verhandlungen zu Artikel 6 könnten daher die vielleicht größte Herausforderung werden, schätzt Staatssekretär Flasbarth.

Die Regeln spielen zudem eine Rolle dabei, wie sich die Emissionen von Luftverkehr und Schifffahrt entwickeln. Sie unterliegen nicht den nationalen Plänen. Die Flugindustrie zum Beispiel hat einen Mechanismus namens Corsia eingeführt, um das erwartete Wachstum der Emissionen mit Zertifikaten zu kompensieren  – zunächst auf freiwilliger Basis. Ob das überhaupt einen Effekt hat, könnte sich daher auch in Glasgow entscheiden.

Grundsätzlich halten es aber viele Expertinnen und Experten für sehr wichtig, dass die Regeln endlich verabschiedet werden – schon um zu zeigen, dass die Weltgemeinschaft im Rahmen des Pariser Abkommens auch Beschlüsse fassen kann.

Was würde die Konferenz zum Erfolg machen?

Neben den Einzelthemen wird vermutlich besonders zählen, ob die Konferenz als Ende der ersten Phase nach Paris gesehen wird oder als Anfang eines Jahrzehnts der rapiden Treibhausgas-Einsparung. »Wenn die COP es nicht schafft, eine Perspektive aufzuzeigen, wie in der nächsten Dekade Ambition erhöht wird, sowohl bei der Emissionsvermeidung als auch bei der Bereitstellung von Finanzierungsmitteln, dann wird es eine vertane Chance sein«, sagt Carl-Friedrich Schleusner von der Humboldt-Universität und der Forschungsgruppe Climate Analytics in Berlin. Wichtig für einen Erfolg wäre auch, ergänzt Lisa Göldner von Greenpeace, die nächste Überprüfung der nationalen Klimaziele auf 2023 vorzuziehen, anstatt wieder fünf Jahre zu warten. Und zu verankern, dass der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen jetzt schnell in Angriff genommen werden soll.

Vieles davon steht jedoch auf einer Wunschliste, auf der etliche Punkte unerfüllt bleiben könnten. »Wir werden große Fortschritte machen«, sagt der britische Sonderbeauftragte für Klimawandel Nick Bridge, »aber wir können nicht alles lösen.« Vielleicht ist es ja auch schon ein Zeichen, dass der Klimazug seine internationalen Passagiere nicht von Glasgow zurück nach Amsterdam bringt. Um die Rückreise muss sich jede und jeder selbst kümmern. Ein Partywagen ist erst recht nicht vorgesehen.


Tip von Ingo

Saudi-Arabien, Japan und Australien Staaten sollen versucht haben, IPCC-Klimaberichte abzuschwächen (spiegel)

(21.10.21, spiegel.de) , original : hier

Ausstieg aus fossiler Energie nicht so dringend? Kurz vor der Weltklimakonferenz sorgt ein Datenleck für Wirbel: Laut einem Medienbericht versuchten Staaten und Lobbyverbände, auf einen Bericht des Weltklimarats einzuwirken.

Bis zum Start der Klimakonferenz COP26 in Glasgow sind es nur noch wenige Tage. Kurz vor dem Beginn am 1. November berichtet die »BBC« über ein Datenleck, das zeige, wie mehrere Staaten die Uno aufforderten, die Notwendigkeit einer schnellen Abkehr von fossilen Brennstoffen herunterzuspielen. Demnach zählen Saudi-Arabien, Japan und Australien zu diesen Ländern. Klimakrise

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Wohlhabende Industriestaaten sollen zudem infrage gestellt haben, ob finanzielle Zuwendungen an ärmere Staaten, die den Umstieg auf klimaschonende Technologien ermöglichen sollen, in den bisher genannten Umfängen wirklich nötig sind, heißt es in dem Bericht.

Die »BBC« verweist auf mehr als 32.000 geleakte Dokumente und Kommentare, die aus Regierungskreisen oder von Unternehmen und anderen Interessengruppen stammen. Damit soll versucht worden sein, Wissenschaftler, die an Zustandsberichten des Weltklimarats IPCC, einem Uno-Gremium, arbeiteten, zu beeinflussen.

Mit Blick auf den Weltklimagipfel in Glasgow werfen die Dokumente zu dem Berichtsentwurf Fragen auf, heißt es. Denn damit sei offen, inwiefern Bemühungen dieser Staaten, die Ziele von Paris einzuhalten, ernst genommen werden könnten.

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Welcher Bericht genau gemeint ist, bleibt unklar. Aber das Leak zeige, dass eine Reihe von Ländern und Organisationen argumentieren, dass die Welt den Verbrauch fossiler Brennstoffe nicht so schnell reduzieren muss, wie es der aktuelle Berichtsentwurf empfiehlt.

So habe etwa ein Berater des saudischen Ölministeriums gefordert, dass Formulierungen wie »die Notwendigkeit dringender und beschleunigter Minderungsmaßnahmen auf allen Ebenen« aus dem Bericht gestrichen werden sollen. Ein ranghoher australischer Regierungsvertreter lehnte dem Bericht zufolge die Schlussfolgerung ab, dass die Schließung von Kohlekraftwerken notwendig sei. Dabei ist das Ende der Kohlenutzung eines der erklärten Ziele der COP26-Konferenz. Australien exportiert große Mengen Kohle, Saudi-Arabien ist einer der größten Ölproduzenten der Welt.

Manche der Länder sehen offenbar in der Speicherung von klimaschädlichem Kohlendioxid im Untergrund eine Lösung für das Klimaproblem, darunter Saudi-Arabien, China, Australien und Japan – allesamt große Produzenten oder Nutzer fossiler Brennstoffe. Dabei gilt diese bisher noch teure Technologie bis auf Weiteres höchstens als ergänzende Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel. Zudem steckt die Carbon-Capture-and-Storage-Wirtschaft (CCS) noch in den Anfängen. Laut dem Uno-Bericht könne die Technik in Zukunft eine Rolle spielen, jedoch wird festgehalten, dass es Unsicherheiten über seine Durchführbarkeit gibt. Ähnliches hatte bereits ein früherer IPCC-Bericht festgehalten.

Stattdessen sei aber behauptet worden, dass die Kohlendioxidspeicherung die Emissionen fossiler Brennstoffe aus Kraftwerken und einigen Industriesektoren drastisch reduzieren könnte. Saudi-Arabien fordere die Wissenschaftler der Uno auf, ihre Schlussfolgerung zu streichen, dass der Fokus der Dekarbonisierungsbemühungen im Energiesektor auf der schnellen Umstellung auf kohlenstofffreie Quellen und dem aktiven Ausstieg aus fossilen Brennstoffen liegen müsse. Auch Argentinien, Norwegen und die Opec widersprechen der Aussage. Mehr zum Thema

Die Forschenden des IPCC schätzen die Versuche der Beeinflussung offenbar als wenig dramatisch ein. Zwar seien Regierungskommentare von zentraler Bedeutung für den wissenschaftlichen Überprüfungsprozess. Aber die Autoren sind nicht verpflichtet, sie in die Berichte aufzunehmen. »Unsere Prozesse sind darauf ausgelegt, Lobbyarbeit zu verhindern – von allen Seiten«, zitiert der »BBC«-Bericht den IPCC. Zudem bestehe kein Zweifel an der Unparteilichkeit der Berichte. Alle Kommentare würden nach rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten überprüft, unabhängig davon woher sie kämen, sagte die Klimaforscherin Corinne Le Quéré von der University of East Anglia, die selbst an drei IPCC-Berichten mitgewirkt hat, der »BBC«.

Dass also ein Land oder eine Branche versucht, die eigenen Interessen durchzusetzen, kann nicht verwundern. So argumentieren die großen Fleischproduzenten Argentinien und Brasilien gegen eine Reduzierung des Fleischkonsums, die laut dem Berichtsentwurf notwendig ist, um weniger Treibhausgasemissionen zu produzieren.

Glasgow ohne viele Pazifikstaaten

Klimaexperten und Aktivisten fürchten unterdessen, dass ein ganz anderer Umstand einen negativen Einfluss auf die Klimakonferenz in Glasgow haben wird. Wegen der Coronapandemie planen viele kleine Inselstaaten und Territorien im Pazifik, keine eigenen Regierungsvertreter nach Glasgow zu schicken. Das sei aber wichtig, da gerade diese Nationen stark vom Klimawandel betroffen sind. Bei einem Treffen der pazifischen Regionalorganisationen sei bestätigt worden, dass sieben dieser Länder keine eigenen Vertreter nach Großbritannien entsenden wollten, 13 würden das trotz Corona beabsichtigen. Unter den abwesenden Ländern sind etwa die Marshallinseln oder Vanuatu.

Möglicherweise will man Interessen bündeln und mit anderen Delegationen abgleichen. Aber insgesamt werden dieses Jahr weniger Vertreter aus dieser Region der Welt anwesend sein als sonst – auch weil hohe Reisekosten eine Rolle spielen. Dabei habe bei der Klimakonferenz von Paris gerade die persönliche Anwesenheit dieser Staatsvertreter eine Rolle bei den Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels gespielt, sagte laut einem Bericht des »Guardian« der Oppositionsführer von Vanuatu.

Viele der Pazifikstaaten hatten es geschafft, die Pandemie von ihren Territorien fernzuhalten. Deshalb sei es zu riskant, aufgrund einer so langen Reise die Einschleppung des Virus und die Erkrankung von wichtigen Staatsoberhäuptern zu riskieren oder langwierige Quarantänen umzusetzen, hieß es.

Erneuerbare Energien Wenig Wind lässt Anteil der Ökoenergie am Stromverbrauch sinken (Handelsblatt)

(28.09.21 , Handelsblatt) , Original : hier

Energie

Vor allem Windräder produzierten in den ersten drei Quartalen des Jahres weniger Strom als im Vorjahr. 43 Prozent des Bruttostromverbrauchs wurden durch Erneuerbare Energien gedeckt.

Berlin Ökostrom aus Wind, Sonne und anderen erneuerbaren Energiequellen hat in diesem Jahr nach Branchenangaben bislang rund 43 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland gedeckt – und damit weniger als im Vorjahreszeitraum. Vor allem Windräder an Land und auf See produzierten von Januar bis September weniger Strom als in den ersten drei Quartalen 2020, wie vorläufige Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigen.

Von Januar bis September 2020 lag der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoinlandsstromverbrauch den Angaben zufolge mit knapp 48 Prozent deutlich höher als in diesem Jahr. Der höhere Anteil an erneuerbaren Energien im Vorjahr sei allerdings von einem ungewöhnlich windreichen ersten Quartal 2020 und einen durch die Corona-Einschränkungen deutlich niedrigeren Stromverbrauch geprägt gewesen, berichtete der BDEW. Inzwischen liege der Stromverbrauch wieder auf dem üblichen Niveau.

„Die Energiewende muss ganz oben auf der To-Do-Liste der neuen Bundesregierung stehen“, sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, mit Blick auf die beginnenden Koalitionssondierungen. Vor allem beim Ausbau der Windenergie an Land müsse es mehr Tempo geben.

Professor Frithjof Staiß, geschäftsführender Vorstand des ZSW, mahnte Fortschritte beim Stromsparen und der Energieeffizienz an. „Darum muss sich die neue Bundesregierung intensiver kümmern, wenn sie das ambitionierte Klimaschutzziel von 65 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen gegenüber 1990 bis zum Jahr 2030 erreichen will“, sagte er.

KfW sieht für Klimaneutralität Investitionsbedarf von 5 Billionen Euro (heise)

(07.10.21, heise) , Original : hier

Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden. Dafür müssen nicht nur alle Wirtschaftssektoren umgebaut werden, nötig ist auch ein enormer Investitionsschub.
Von Andreas Wilkens

Damit Deutschland sein Ziel erreicht, bis zur Mitte dieses Jahrhunderts klimaneutral zu werden, sind Investitionen in Höhe von etwa 5 Billionen Euro erforderliche. Das geht aus einer Studie im Auftrag der Förderbank KfW hervor. “Das ist eine gewaltige Summe, aber es ist machbar. Damit die Herausforderung gelingt, müssen öffentliche Investitionsmittel zielgerichtet eingesetzt und private Investitionen mobilisiert werden”, sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib.

Allerdings relativiere sich das hohe Investitionsvolumen, denn vielfach gehe es um ohnehin anstehende Investitionen, die nun in eine nachhaltige Verwendung fließen müssten, heißt es in der Studie ” Der Beitrag von Green Finance zum Erreichen von Klimaneutralität in Deutschland ” (PDF). Mehrinvestitionen seien in Höhe von jährlich 72 Milliarden Euro zu erwarten. Der eigentliche Mehrbedarf an Investitionen wird auf insgesamt 1,9 Billionen Euro beziffert.

Erforderliche Investitionen müssten verstärkt in Alternativen gelenkt werden, die einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten. Das Klimaziel erfordere eine umfangreiche Transformation in allen Wirtschaftssektoren, vom Verkehr über die Industrie bis hin zu den privaten Haushalten, hieß es in der vom Prognos Institut, Nextra Consulting und dem Institut für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI) erstellten Studie.

Die Bundesregierung hatte sich im Mai darauf geeinigt, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral werden soll. Bis 2030 sollen die Treibhausgaseimissionen um 65 Prozent sinken. Damit reagierte die Regierung auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz von Ende April.

Den größten Teil der Investitionen mache dabei der Verkehr mit 2,1 Billionen Euro aus. Wegen der Neuausrichtung ohnehin anstehender Reinvestitionen in diesem Bereich beliefen sich die Mehrinvestitionen auf 153 Milliarden Euro. Die zweithöchsten Investitionen benötige der Bereich Energie mit 840 Milliarden Euro, auf die privaten Haushalte entfielen rund 636 Milliarden Euro. Davon sind den Berechnungen zufolge rund 254 Milliarden Euro Mehrinvestitionen, vor allem für einen klimagerechten Wohnungsbestand.

Auf den Industriebereich kommen 620 Milliarden Euro zu. Davon sind 462 Milliarden Euro tatsächliche Mehrinvestitionen. Produktionstechniken könnten vielfach nur mit großem Aufwand klimafreundlich umgestellt werden, hieß es zur Begründung. Im Bereich Gewerbe, Handel und Dienstleistungen fallen mit rund 237 Milliarden Euro verhältnismäßig geringe Klimaschutzinvestitionen an, etwa 113 Milliarden Euro seien Mehrinvestitionen.

Aus Sicht der KfW bieten die Klimaschutzinvestitionen zugleich die Chance, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu verbessern, indem zum Beispiel neue Technik entwickelt werde. Dies könne den exportorientierten Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig stärken. Die Effekte auf das Bruttoinlandsprodukt und die Beschäftigung seien insgesamt gering einzuschätzen; ein Mehr an Klimaschutz beeinträchtige das Wirtschaftswachstum nicht, sondern bringe positive Impulse.

Von der Transformation betroffen sei generell das energieintensive verarbeitende Gewerbe, während bei Handel und Dienstleistungen eher positive Effekte zu erwarten seien. Die Studie zeige jedoch laut KfW, dass ein 95-Prozent-Reduktionspfad in allen Bundesländern zu Wirtschaftswachstum und positiven Beschäftigungseffekten bis 2050 führe. “Somit besteht Spielraum, besonders stark betroffene Regionen bei der Bewältigung der Transformation zu unterstützen, bis die positiven Investitionseffekte in allen Regionen zum Tragen kommen.”

Gemeinsamer Paragraph 24 Antrag von mehreren Initiativen zur Einhaltung des Klimanotstandes – vom Rat abgelehnt


(12.10.21) Kommentar von ‘Die Linke’ (Newsletter)

3. Klimanotstand: Arroganter Koalitions-Auftritt gegenüber Bürger:innen

Ganz ausdrücklich unterstützt haben wir eine Bürgeranregung, die das Bochumer Klimaschutzbündnis, Fridays For Future, das Netzwerk „Stadt für Alle“ und weitere Initiativen in den Rat eingebracht haben. Hintergrund ist, dass der Bochumer Rat zwar im Juni 2019 unsere gemeinsame Resolution zur Ausrufung des Klimanotstands in Bochum beschlossen hat. Wir hatten den Resolutionstext damals zusammen mit den Fraktionen von SPD und Grünen sowie der Sozialen Liste eingebracht. Leider mussten wir seitdem regelmäßig kritisieren, dass der Beschluss, bei allen Entscheidungen „die Auswirkungen auf das Klima sowie die ökologische, gesellschaftliche und ökonomische Nachhaltigkeit“ zu berücksichtigen, bisher kaum umgesetzt wird. Während wir uns für ein soziales Klimapaket für Bochum einsetzen, hat es die Verwaltung bisher leider noch nicht einmal geschafft, wie beschlossen bei allen Beschlussvorlagen neben den finanziellen Auswirkungen auch die jeweiligen Klimafolgen auszuweisen. In der Bürgeranregung haben die Initiativen jetzt unter anderem eine Klarstellung eingefordert, dass der Beschluss nicht nur rein symbolisch war, sondern zukünftig auch verbindlich umgesetzt wird. Nachdem die Bochumer Biologin Sofia Zeisig Tschijevski mit einer guten und sachlichen Rede die Anregung begründete, reagierte der grüne Fraktionsvorsitzende Sebastian Pewny überraschend arrogant und eindeutig ablehnend auf die Vorschläge. Dagegen sprach sich unser Fraktionsvorsitzender Horst Hohmeier in der Debatte ganz ausdrücklich für eine Zustimmung zur Anregung aus und bedankte sich bei den Aktiven für ihr Engagement. „Wenn die Stadt nicht handelt, dann sind solche Bürgeranregungen die logische Konsequenz“, erklärte Horst Hohmeier. Und er appellierte an die Ratsmitglieder der anderen Fraktionen: „Da kann man auch einfach mal zustimmen und sich als Stadt vornehmen, es in Zukunft besser zu machen.“ Dennoch stimmte die Ratsmehrheit gegen die Stimmen unserer Fraktion leider dem Vorschlag der Verwaltung zu, der Bürgeranregung nicht zu folgen.


(11.10.21) Ablehnung der Stadt — Beschluss

Betreff: Anregung gem. § 24 GO NRW, “KlimaNotStand”
Datum: Mon, 11 Oct 2021 09:51:14 +0000

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich bitte Ihre Mitglieder entsprechend zu informieren.

Mit freundlichen Grüßen


(10.10.21) Leserbrief (unveröffentlicht)

Klimanotstand endlich umsetzen

Die Anregung von sechs Bündnissen zielte auf Transparenz für Politik und Bevölkerung und insbesondere auf zügiges Handeln von Verwaltung und Politik beim Klimaschutz ab. 28 Monate nach Verabschiedung der Resolution zum Klimanotstand gibt es immer noch keinen Klimacheck für Verwaltungsvorlagen. Die Ablehnung der Politik ist umso unverständlicher als wir jedes Jahr nach Angaben des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung gegenüber dem Vorjahr 22,5 % weniger Treibhausgase in die Luft pusten dürfen. Dies ist notwendig um unser Budget zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze nicht zu überschreiten. Dies sollten unsere Ratspolitiker*innen endlich zu ihrer Handlungsleitlinie machen.

Dokument Infos zur Erderwärmung :

(09.10.21) , WAZ – Bericht


(08.10.21) BO-Alternativ – Bericht

Die Sitzung des Rates der Stadt Bochum am 07.10.2021 im RuhrCongress hatten zahlreiche Bochumer Initiativen unter das Thema „Klimanotstand“ gestellt. Die drinnen und draußen durchgeführte Aktionen bewertet Wolfgang Czapracki-Mohnhaupt für das Netzwerk für bürgernahe Stadtentwicklung als hilfreich auf dem Weg zu einem transparenten Rathaus. Los ging es draußen vor dem RuhrCongress:

Die Initiative „Grabeland Am Ruhrort“ griff mit dem Schauspiel „Monopoly Am Ruhrort“ die Themen Flächenversiegelung, Klimakrise und Kommunalpolitik am Beispiel der geplanten Bebauung des als natürliches Regenrückhaltebecken dienenden Grabelandes in Bochum-Dahlhausens auf. Die vermisste Transparenz bei den Geschäften und Entscheidungen zum Bauvorhaben „Am Ruhrort“ wurde spielerisch dargestellt. Zahlreiche Initiativen, aber auch Einzelpersonen waren zur Unterstützung erschienen, so dass die Ratsmitglieder letztendlich von 30 Bürger*innen begrüßt wurden.

Weiter ging es dann im RuhrCongress. Und die Teilnahme an dieser Sitzung des Rates hat sich mit dem Ziel, Transparenz zu schaffen, dann auch durchaus gelohnt.

Marina Elmentaler

In der „Fragehalbestunde“ zu Beginn der Sitzung erfuhren die Ratsmitglieder und die interessierte Öffentlichkeit durch Stadtbaurat Markus Bradtke auf Fragen, die von Mitgliedern der Initiative „Grabeland Am Ruhrort“ und des Netzwerks eingereicht worden waren, welche Erkenntnisse das in Auftrag gegebene wasserwirtschaftliche Modell zum Bebauungsplan „Am Ruhrort“ bringen soll. Auf die Nachfrage von Marina Elmentaler, unmittelbare Anwohnerin Am Ruhrort, stellte Stadtbaurat Bradtke eine vorgezogene Information in Dahlhausen in Aussicht, sobald das Gutachten, für dessen Erstellung aber ca. 6 Monate veranschlagt werden müssten, vorliegen würde.

Für die Betroffenen Am Ruhrort war damit mehr Transparenz geschaffen und noch mehr zugesagt.

Nach knapp zwei Stunden musste sich der Rat dann mit der Eingabe zum „Klimanotstand“ befassen, die gemeinsam von dem Bochumer Klimabündnis, dem Netzwerk für bürgernahe Stadtentwicklung, dem Ernährungsrat/EssBo!, dem Netzwerk Stadt für Alle, Fridays for Future und Extinction Rebellion eingebracht worden war.

Sofia Zeisig Tschijevski macht eine Redepause, bis das Gequatsche im Hintergrund aufhört

Sofia Zeisig Tschijevski, Biologin und tätig in verschiedenen Initiativen, die sich für Natur in Bochum und anderen Orten einsetzen, begründete zu Beginn der Aussprache die Eingabe des Bündnisses. Mit Blick auf die von der Verwaltung erstellte Vorlage, der Eingabe mangels Handlungsbedarfs nicht zu folgen, beendete sie ihre Rede mit dem Appell:

„Wir als Bürger*innen dieser Stadt, die noch im letzten Jahr den Oberbürgermeister wählten und die Zusammensetzung dieses Rates mitbestimmen durften, wollen wissen, ob Sie Handlungsbedarf sehen – oder ob Sie die Verwaltung weiter machen lassen wie bisher. Wir alle hier im Saal wissen, dass es ein Weiter-So nicht mehr geben darf. Die Zeit zu handeln ist jetzt! Wir fordern Sie auf, endlich wieder selbst zu handeln. Sie weisen immer zu Recht darauf hin, dass am Ende der Rat entscheidet. Dann tun Sie es aber auch! Entscheiden Sie – und stimmen nicht einfach einer Verwaltungsvorlage zu, die einen Beschluss des Rates für belanglos erklärt.“

Aber wieder einmal hat die rot/grüne Koalition das Anliegen von Initiativen, mehr Transparenz zu schaffen und den Klimanotstandsbeschluss in jeder Einzelmaßnahme umzusetzen, offenbar nicht wirklich verstanden. Nur so lässt sich erklären, dass Sebastian Pewny stellvertretend für die Koalition die Anregungen der Initiativen wortgewaltig als „Sammelsurium von Einzelmaßnahmen“ und „Schnellschüssen“ abtat und für Rot/Grün ankündigte, sich die Zeit nehmen zu wollen, um in Bochum beim Klimaschutz das „große Rad zu drehen“.

Verstanden worden war das Anliegen der Initiativen offenbar nur in Reihen der Opposition.

„Die Linke“ und „Die Partei/Die Stadtgestalter“ sahen die Anregungen als zwangsläufige zu erwartende bürgerschaftliche Reaktion auf das Nicht-Handeln der Verwaltung und gleichzeitig als Unterstützung ihrer eigenen, seit Jahren vorgebrachten Forderung nach Darlegung der Klimarelevanz in jeder einzelnen Verwaltungsvorlage.

Selbst die CDU, die den Klimanotstandsbeschluss wie die Verwaltung eher als „deklaratorische Erklärung“ sehen wollte, der Koalition aber gerade deshalb eine reine „Shownummer“ vorwarf, konnte sich vorstellen, der Anregung zu folgen, mit der eine Darstellung der Klimafolgen in jeder Vorlage gefordert wurde. Als Oberbürgermeister Eiskirch sich dann aber – offenbar auch für einen Großteil der im Sitzungssaal Anwesenden völlig überraschend – veranlasst sah, anzukündigen, die Ausweisung der “Klimarelevanz“ würde nun kurzfristig von der Verwaltung umgesetzt, war die Eingabe für sie erledigt.

Die Initiativen-Eingabe wurde zwar abgelehnt – angesichts der Ankündigung durch den Oberbürgermeister hat sie aber eine Transparenz geschaffen, die sowohl der Opposition im Rat als auch der Bürgerschaft sonst verborgen geblieben wäre und war insoweit doch erfolgreich.

weitere Impressionen der Veranstaltung vor dem Ruhrkongress

Original – 24-Antrag (durchsuchbares PDF)

Weiteres Material

  • bei bo-alternativ hier
  • Die Fragen an den Stadtrat : hier
  • Der pp 24-Antrag : hier
  • Die Rede von Sofia : hier
  • Die Vorlage / Ablehnung der Stadt : hier
  • Bilder der LionksFraktion : hier
  • AudioFile des Schauspiels (folgt)
  • Video-(Schnipsel) des Schauspiels (folgt)

Historisches

CO2-Ausstoß weltweit: Treibhausgasemissionen pro Kopf nach Ländern

Da die negativen Auswirkungen von CO2 auf das Klima nur sehr langsam im Verlaufe von Jahrhunderten bis Jahrtausenden abklingen müssen die historischen Emissionen bei der Verantwortung der einzelnen Staaten zu Grunde gelegt werden.

(27.07.21, tech-for-future) , Original : hier

Welche Länder haben den höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf? Und warum steigen die Treibhausgasemissionen weltweit immer weiter?

Deutschland verursacht nur 2,4% der weltweiten Treibhausgasemissionen” sagen Klimaschutzgegner. Das stimmt zwar, aber wir stellen auch nur 1% der Weltbevölkerung.

Die CO2-Emissionen pro deutschem Staatsbürger sind also mehr als doppelt so hoch, als sie im Durchschnitt sein dürften. Und selbst der Durchschnitt muss rapide sinken – bis auf Null.

Statt zu fallen, steigt der weltweite CO2-Ausstoß immer weiter. Wir stoßen immer schneller immer mehr CO2 aus – außer vermutlich im Corona-Jahr 2020.

Deutschland hat auch absolut gesehen höhere CO2-Emissionen als fast alle anderen Länder. Wir sind mit unseren 2,4% auf Platz 6 der Klimasünder, hinter China, USA, Russland, Indien und Japan.

Und das ist nur der Anteil, den wir heute noch ausstoßen. Historisch gesehen sind wir mit 5,6% der kumulierten CO2-Emissionen die viertgrößte Klimasau.

Also so viel zum Thema, Deutschland wäre unbedeutend beim Klimaschutz. Lies weiter für einen kompletten Ländervergleich.

Entwicklung des CO2-Ausstoßes weltweit

CO2 Ausstoss weltweit nach Kontinent - CO2-Ausstoß weltweit: Treibhausgasemissionen pro Kopf nach Ländern

Nach wie vor wachsen die CO2-Emissionen Jahr für Jahr. Das heißt, statt weniger auszustoßen, stellen wir weltweit jedes Jahr neue Emissionsrekorde auf.1

Das liegt aktuell vor allem an Asien, wie man bei der Aufteilung nach Kontinenten sieht. China ist dabei der große Vorreiter auf dem langen Weg von der dritten Welt in die erste. Aber auch Südasien und Südostasien holen langsam auf.

Wenn Schwellen- und Entwicklungsländer zu etwas bescheidenen Wohlstand kommen wollen, dann geht das nur über Wachstum. Und für Wachstum braucht man Energie. Die günstigste Energiequelle Kohle ist aber leider klimaschädlich.

In Südamerika und vor allem Afrika gibt es zwar auch sehr viele Schwellen- und Entwicklungsländer, aber das sind noch schlafende Riesen. Wenn Afrika endlich aus der Subsistenzwirtschaft erwacht, dann werden die CO2-Emissionen deutlich steigen – außer wir schaffen es bis dahin klimafreundliche Energie deutlich günstiger zu machen.

Ländervergleich: CO2-Ausstoß nach Ländern im Jahr 2019

CO2 Ausstoss weltweit nach Land - CO2-Ausstoß weltweit: Treibhausgasemissionen pro Kopf nach Ländern

Es stimmt, im Vergleich zu den Top-Emittenten wie China oder den USA stößt Deutschland deutlich weniger CO2 aus. Unser Beitrag ist aber immer noch sehr groß, siehe Ländervergleich.

Wir sind mit 2,4% Anteil an den Gesamtemissionen unter den sechs schlimmsten Klimasündern der Welt. Und das obwohl wir ein kleines Land mit nur 83 Millionen Einwohnern sind.

CO2-Ausstoß weltweit pro Kopf

Und China hat ist immerhin das bevölkerungsreichste Land mit 1,4 Milliarden Einwohner. Um die Bevölkerung zu berücksichtigen macht es Sinn die CO2-Emissionen pro Kopf anzugeben:

CO2 Ausstoss weltweit pro Kopf - CO2-Ausstoß weltweit: Treibhausgasemissionen pro Kopf nach Ländern
  • 38,2 tCO2/Kopf: Luxembu

https://www.tech-for-future.de/wordpress/wp-content/uploads/2021/07/CO2-Ausstoss-weltweit-kumuliert-treemap.png

CO2 Ausstoss weltweit kumuliert treemap - CO2-Ausstoß weltweit: Treibhausgasemissionen pro Kopf nach Ländern

Tip von Ingo

Globales Beteiligungsprojekt: Klima-Bür­ge­r:in­nen­rat startet (taz.de)

(05.10.21, taz.de) , Original : hier

Zufällig ausgewählte Menschen aus aller Welt erstreiten seit Dienstag klimapolitische Einigungen. Sie sollen der Weltklimakonferenz Druck machen.

Wie kommt die Kohle aus der Energiewelt?

BERLIN taz | Sie sind nicht gewählt, sondern ausgelost, haben weder ausgewiesene Expertise noch ein erkennbares Eigeninteresse: 100 Menschen aus aller Welt sollen in einem globalen Bürgerrat darüber diskutieren, wie die Menschheit die Erde bewohnbar halten soll, die sie selbst gefährlich aufheizt.

Das Projekt startete am Dienstag. Initiiert haben den Bürgerrat NGOs, unterstützt wird er auch von den Vereinten Nationen und Regierungen, allen voran Großbritannien.

Das Vereinigte Königreich richtet im November in Glasgow die diesjährige Weltklimakonferenz aus, die oft mit „COP 26“ abgekürzt wird. Dort soll der Bürgerrat auch seine politischen Empfehlungen präsentieren. Von einer „fantastischen Initiative“ sprach der diesjährige Klimagipfelpräsident Alok Sharma.

Dass sie zufällig ausgewählt sind, ist der Clou an Bürger:innenräten. Nur auf eine repräsentative Verteilung von demographischen Faktoren wie Geschlecht oder Bildungsstand wird geachtet. Im Rahmen des Projekts bekommen alle Teil­neh­me­r:in­nen dieselben wissenschaftlich gesicherten Informationen – dann müssen sie diskutieren.

Worauf kann sich die Gesellschaft einigen?

Damit unterscheiden sie sich von Beteiligungsgremien wie beispielsweise der Kohlekommission in Deutschland, die das Kohleausstiegsgesetz vorbereitet hat. An der waren zwar auch Bür­ge­r:in­nen beteiligt, aber nur solche, die etwa durch ihren Wohnort besonders von der Kohlewirtschaft betroffen sind.

Daneben saßen darin auch Unternehmensverbände, Umweltverbände und Wissenschaftler:innen, also Personen mit besonderen Perspektiven auf das fragliche Thema. Das ist bei Bür­ge­r:in­nen­rä­ten bewusst anders. Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, worauf sich die Gesellschaft einigen kann.

….


Das brauchen wir auch für Bochum …..

Klimaforscher Hasselmann erhält Physik Nobelpreis

Wenige Wochen vor der Weltklimakonferenz in Glasgow hat sich das Nobelkomitee entschieden, drei Wissenschaftler für ihre Beiträge zur Erforschung des Klimas zu ehren: Der Physiknobelpreis geht in diesem Jahr an den deutschen Wissenschaftler Klaus Hasselmann sowie den in den USA forschenden Japaner Syukuro Manabe und den Italiener Giorgio Parisi. Sie werden für ihre “bahnbrechenden Beiträge zu unserem Verständnis komplexer physikalischer Systeme” ausgezeichnet, wie das Nobelkomitee mitteilte.

Sie hätten mit ihrer Forschung die Grundlage für das Wissen über das Erdklima und den Einfluss des Menschen gelegt und die Theorie ungeordneter Materialien und zufälliger Prozesse revolutioniert.

Einige Links und Auszüge :

(05.10.21, tagesschau.de) Erneut Physik-Nobelpreis für Deutschen

Original : hier

Hervorgehoben wurde die Bedeutung von Hasselmanns und Manabes Forschung für das physikalische Modellieren des Klimas der Erde. Sie hätten die Grundlage für das Wissen über das Erdklima und den Einfluss des Menschen gelegt. Parisis Forschung beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Unordnung und Fluktuationen physikalischer Systeme von der atomaren bis hin zur planetarischen Ebene.

Hasselmann zählt zu den führenden deutschen Klimaforschern und war zunächst Professor und später Direktor des Instituts für Geophysik und Planetarische Physik an der Universität Hamburg. Nach mehreren Auslandsstationen übernahm er von 1975 bis November 1999 die Leitung des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg und war von 1988 bis 1999 erster wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Klimarechenzentrum in Hamburg.

(05.10.21, taz.de) , Nobelpreis für Klimaforscher: Klaus Hasselmann gewinnt

Original : hier

https://taz.de/picture/5146033/948/28562132-1.jpeg

Der Hamburger Meteorologe Klaus Hasselmann musste 89 Jahre alt werden, bis er mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Gilt als „Erfinder“ des menschengemachten Klimawandels: der Physik-Nobelpreisträger Klaus Hasselmann

Foto: Fabian Bimmer/reuters

BERLIN taz | Wahrscheinlich wäre es für alle – also wirklich für alle – besser gewesen, wenn dieser Mann diesen Preis schon einige Jahrzehnte früher erhalten hätte. So musste der Meteorologe Klaus Hasselmann 89 Jahre alt werden, bevor er an diesem Dienstag mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Hasselmann gilt als „Erfinder“ des menschengemachten Klimawandels. Er hat eine Methode entwickelt, mit der der Effekt menschengemachter Treibhausgase auf die globale Durchschnittstemperatur nachgewiesen werden konnte.

Sein Modell wies nach, dass die globale Erderwärmung nicht mit natürlichen Ursachen zu erklären ist.

Wegen Hasselmann stellte der zweite große Bericht des UNO-Weltklimarats IPCC 1995 erstmals fest, der Einfluss des Menschen auf die Erderwärmung sei erkennbar. Damit war die Handschrift der Schöpfung im Klima eingraviert. Dies ist heute Gemeinwissen für fast die gesamte Wissenschaft – auch wenn AfD oder Donald Trump immer noch Zweifel daran sähen wollen.

In den kommenden 100 Jahren würde der Meeresspiegel um einen Meter zulegen und sich der Globus um zwischen 2 und 6 Grad erwärmen, deshalb habe Hasselmann „die Klimaentwicklung als weitreichendstes Umweltproblem in der Katastrophenliste ganz oben angesiedelt“, schrieb die taz bereits 1988. Er sei „wirklich einer der Helden unseres Forschungsfeldes, einer der Gründer der modernen Klimawissenschaft“, betonte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung am Dienstag.

„Ich will gar nicht aufwachen“, sagte Hasselmann, „für mich ist das ein schöner Traum“

Hasselmann studierte Physik und Mathematik in Hamburg, von 1975 …

Doch dann wies Hasselmann bereits 1979 auf den Abdruck des Menschen beim Klima hin. Nur: Diese Arbeit sei „für Außenstehende völlig unverständlich“ gewesen, gab der Emeritus erst vor zwei Wochen in einem Interview zu. Bei der nächsten Veröffentlichung habe er dann eine Pressekonferenz gegeben, danach wusste „plötzlich der Friseur, wer ich war“, sagte Hasselmann. Aber nur für kurze Zeit.

Beitrag zum Verständnis des Erdklimas

zusammen mit seinem US-japanischen Kollegen Syukuro Manabe für deren physikalische Modelle für eine „zuverlässige Vorhersage der Erderwärmung“ geehrt

(05.10.21, mpg.de) , Physik-Nobelpreis für Klaus Hasselmann

Original : hier

Klaus Hasselmann, ehemaliger Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie, erhält gemeinsam mit Syukuro Manabe (USA)  und Giorgio Parisi (Italien) den Nobelpreis für Physik 2021 5. Oktober 2021 Geoforschung Klima Preise

Klaus Hasselmann und Syukuro Manabe werden für ihre fundamentalen Beiträge zur Klimaforschung, Giogio Parisi für seine Forschung an ungeordneten Materialien und Zufallsprozessen geehrt. Klaus Hasselmann hat unter anderem ein Modell entwickelt, wie kurzfristige Wetterphänomene und langfristige Entwicklungen des Klimas zusammenhängen, wie also etwa die schnellen Temperaturschwankungen der Atmosphäre die langfristige Veränderung der Ozeantemperatur beeinflussen. Er lieferte so Belege, warum Klimamodelle trotz kurzfristiger Wetterschwankungen zuverlässige Vorhersagen liefern können.

Auf diese Weise wies er gemeinsam mit anderen Forschenden den Zusammenhang zwischen dem Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre und der Erderwärmung nach.

Der 89-Jährige beschäftigte sich schon früh mit dem menschengemachten Klimawandel und dem Treibhauseffekt.

“In 30 bis 100 Jahren, je nachdem, wieviel fossiles Brennmaterial wir verbrauchen, wird auf uns eine ganz erhebliche Klimaänderung zukommen. Klimazonen werden sich verschieben, Niederschläge anders verteilen. Dann wird man nicht mehr von Zufallsergebnissen reden können”,

sagte er vorausschauend in einem Interview von 1988. “Man sollte sich bewusst werden, dass wir in eine Situation hineinkommen, wo es keine Umkehr mehr gibt.”

Klaus Hasselmann hat ein Modell entwickelt, das Wetter und Klima miteinander verknüpft und damit die Frage beantwortet, warum Klimamodelle zuverlässig sein können, obwohl das Wetter wechselhaft und chaotisch ist. Er entwickelte auch Methoden zur Identifizierung spezifischer Signale,  Fingerabdrücke, die sowohl natürliche Phänomene als auch menschliche Aktivitäten im Klima hinterlassen. Mit seinen Methoden wiesen Forschende unter anderem des Max-Planck-Instituts für Meteorologie nach, dass der Temperaturanstieg in der Atmosphäre auf den Kohlendioxidausstoß des Menschen zurückzuführen ist.

(05.10.21, rp-online.de) , Physik-Nobelpreis geht an drei Klimaforscher – auch Deutscher dabei

Original : hier

Stockholm Für seine Klimamodellierungen erhält der deutsche Klaus Hasselmann als einer von drei Forschern den Nobelpreis für Physik. Er habe mit seinen Kollegen den „Grundstein für unser Wissen zum Klima der Erde“ gelegt, begründete die Akademie.

Wenige Wochen vor der wichtigen Weltklimakonferenz in Glasgow werden drei Wissenschaftler für ihre Beiträge zur Erforschung des Klimas und anderer komplexer Systeme mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet. Der Deutsche Klaus Hasselmann und der Japaner Syukuro Manabe teilen sich eine Hälfte des Preises, die andere geht an den Italiener Giorgio Parisi. Alle drei hätten entscheidend zum Verständnis des Erdklimas und anderer komplexer Systeme beigetragen, teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm zur Begründung mit.

… Er entwickelte ein Modell, das verdeutlichte, dass Klimamodelle verlässlich sein können, obwohl sich das Wetter selbst chaotisch verhält, schreibt das Nobel-Komitee. Er entwickelte zudem Methoden, die es ermöglichten, Spuren menschlicher Aktivitäten im Klima nachzuweisen.

Der in 1931 in Japan geborene Manabe forscht an der Princeton University in den USA. Er zeigte mit seinen Arbeiten, dass ein erhöhter Kohlendioxid-Gehalt in der Atmosphäre einen Anstieg der Temperatur an der Erdoberfläche zur Folge hat, so das Komitee. Seine Arbeiten seien grundlegend für die Entwicklung der gegenwärtigen Klimamodelle gewesen.

Manabe und Hasselmann hätten im Geiste von Alfred Nobel zum größten Nutzen für die Menschheit beigetragen, indem sie eine solide physikalische Grundlage für unser Wissen über das Erdklima geschaffen haben, begründet das Nobelkomitee seine Entscheidung. „Wir können nicht mehr sagen, wir hätten es nicht gewusst – die Klimamodelle sind eindeutig. Erwärmt sich die Erde? Ja. Ist die Ursache dafür die erhöhte Menge an Treibhausgasen in der Atmosphäre? Ja. Kann dies allein durch natürliche Faktoren erklärt werden? Nein. Sind die Emissionen der Menschheit der Grund für den Temperaturanstieg? Ja.“

(05.10.21, sueddeutsche.de) , Ohne vernünftigen Zweifel

Original : hier

Seit etwa dreißig Jahren kann die Erwärmung in den Daten nachgewiesen werden: Eisplatten auf dem Arktischen Ozean am Nordpol.

Mit der Auszeichnung von zwei Klimaforschern setzt Stockholm ein Zeichen: Die Modellierung der Erderwärmung basiert auf solider Physik. Wenn trotzdem nicht genug passiert – an der Wissenschaft liegt das nicht.

Kommentar von Marlene Weiß

Es ist normalerweise eher die Aufgabe des Friedensnobelpreises, politische Botschaften zu senden. In der Vergangenheit ist das manchmal geglückt, manchmal ging es ziemlich daneben. In diesem Jahr jedoch liegt ein ungewöhnlicher Fokus auf den Aussagen, die man in die wissenschaftlichen Preise hineinlesen kann. Viele hatten erwartet, das Nobelpreis-Komitee würde den am Montag bekannt gegebenen Medizinnobelpreis nutzen, um sich für den Segen der Corona-Impfungen starkzumachen. Diese Gelegenheit hat die Akademie verstreichen lassen, vorerst jedenfalls.

Nun jedoch enthält stattdessen der Physiknobelpreis eine ziemlich deutliche Botschaft. Er geht unter anderem an zwei Forscher, die vor Jahrzehnten die Grundlagen dafür gelegt haben, dass man heute erstens die Erderwärmung hervorragend messen und vorhersagen kann. Und dass man sie zweitens zum größten Teil eindeutig den Taten des Menschen zuordnen kann.

Der Klimawandel ist real, dagegen hilft auch keine schlechte Laune

Was das heißen soll, wäre selbst dann klar gewesen, wenn es nicht bei der Verkündung der Entscheidung noch einmal explizit gemacht worden wäre: Die Modellierung des Klimas basiert auf absolut solider Wissenschaft, es handelt sich schlicht und einfach um Physik, die bestens verstanden und gesichert ist. Wer es also weiter vermeiden möchte, im Klimaschutz zu Taten zu schreiten, soll sich auf irgendetwas berufen – Bequemlichkeit, Ängste, schlechte Laune, Zahnschmerzen. Aber bitte nicht auf Zweifel an der Wissenschaft.

Es ist natürlich ein Jammer, dass es im Jahr 2021 noch nötig ist, diese Tatsache festzuhalten. Seit rund fünfzig Jahren gibt es Modelle, die die Entwicklung des Klimas vorhersagen können, seit etwa dreißig Jahren kann die reale Erwärmung in den Daten nachgewiesen werden. Ähnlich lange gibt es Bemühungen, dem politisches Handeln entgegenzusetzen – noch reichen sie bei Weitem nicht aus, trotz aller Fortschritte.

Doch eines ist mit dem diesjährigen Physiknobelpreis nochmals klargestellt: An der Wissenschaft liegt das nicht.

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So viel CO2 stößt der Straßenverkehr aus

(05.10.21, heise), Original : hier

Statistik der Woche: So viel CO2 stößt der Straßenverkehr aus

Pkw, Busse, Schwerlaster: Unsere Infografik zeigt, wie der CO2-Ausstoß auf deutschen Straßen verteilt ist. Von Mathias Brandt

158 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO₂) hat der Straßenverkehr in Deutschland 2019 verursacht – das sind 22 Prozent des hierzulande emittierten CO₂. Größter Umweltverschmutzer ist der Individualverkehr, wie der Blick auf die Statista-Grafik zeigt.

Personenkraftwagen (PKW) sind für rund 63 Prozent des CO2-Austoßes auf deutschen Straßen verantwortlich. Auf Schwerlastwagen und Busse entfallen 29 Prozent. Unter den PKW sind die größten auch die schädlichsten. Ein Kleinwagen stößt pro Jahr im Schnitt 870 Kilogramm weniger CO₂ aus als ein großer SUV. Bei einem Mittelklassewagen beträgt die Differenz im Vergleich zu einem großen SUV 720 Kilogramm.

Moderne PKW verursachen zwar weniger CO₂ aus als frühere Fahrzeuggenerationen – weil es aber insgesamt mehr Autos gibt, steigen die Emissionen unterm Strich trotzdem. So sind die Emissionen pro Verkehrsleistung dem Umweltbundesamt zufolge seit 1995 um rund fünf Prozent gesunken, während die absolute Summe der Emissionen um rund fünf Prozent zugelegt haben.