Viele deutsche Stromversorger sind schmutziger, als sie tun.
Ein Gesetz will, dass sie ihren Ökostromanteil künstlich groß rechnen. Nach jahrelanger Kritik plant die Regierung nun eine Reform. Von Stefan Schultz 29.04.2021.
Deutschlands Stromversorger liefern ihren Kundinnen und Kunden erheblich weniger Ökostrom, als sie offiziell ausweisen. Das geht aus einem Gutachten des Hamburg Instituts im Auftrag des Ökostromanbieters Lichtblick hervor.
Der Energiekonzern E.on zum Beispiel weist einen Ökostromanteil von 56 Prozent aus, obwohl erneuerbare Energien nur sieben Prozent seines Strommixes ausmachen. Der Versorger EnBW steigert seinen Ökostromanteil auf dem Papier von 13 auf 65 Prozent, das Unternehmen Vattenfall von 15 auf 66 Prozent. Insgesamt hat das Hamburg Institut 30 Versorger untersucht, die meisten davon sind schmutziger, als sie auf dem Papier ausweisen.
Ursache des groß angelegten Greenwashings ist die gesetzliche Stromkennzeichnung. In dieser muss jeder Versorger angeben, aus welchen Quellen er die Elektrizität für seine Kunden beschafft hat und wie viel Gramm CO₂ bei der Produktion einer Kilowattstunde seines Stroms verursacht werden.
In diesen Strommix müssen die Anbieter allerdings nachträglich Ökostrom reinrechnen, den sie gar nicht gekauft und geliefert haben:
In den Anfangsjahren der deutschen Energiewende hatte diese Regelung womöglich ihre Berechtigung. Inzwischen aber ist der Anteil erneuerbarer Energien an der deutschen Stromversorgung stark gewachsen – und mit ihm sind auch die zusätzlichen Ökostromprozente immer höher geworden, die die Versorger auf ihren Strommix draufschlagen müssen.
Verbraucher werden so in die Irre geführt. Dazu wird der Wettbewerb verzerrt: Versorger, deren Strom größtenteils aus Kohlekraftwerken stammt, wirken auf dem Papier fast so klimafreundlich wie echte Ökostromanbieter.
Die Regierung will das veraltete Gesetz nun reformieren. …
Aufzeichnung der 85. Ausgabe von Europe Calling, dem digitalen Veranstaltungsformat von Sven Giegold, Sprecher der deutschen Grünen im Europaparlament.
die Europawahl war die erste Klima-Wahl überhaupt. Millionen Menschen sind auf die Straße gegangen. Ihre Forderung an die Politik: Nehmt die Klimakrise und die Wissenschaft endlich ernst!
Doch nun zeigt sich: Diese Rufe wurden nur vermeintlich gehört. Die neue EU Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen brachte zwar den “European Green Deal” auf den Weg. Der Deal sollte Europas “Man on the Moon”-Moment werden. Aber nun da es an die Umsetzung geht, fallen die großen Ankündigungen in sich zusammen.
Die EU-Staaten, allen voran die deutsche Bundesregierung, blockieren jedes einzelne Vorhaben des Green Deals und schwächen die großen Ambitionen bis zur Unkenntlichkeit ab.
Vom Klima-Champion ist weit und breit keine Spur, sondern die Errungenschaften werden nach und nach abgebaut. → Bei der EU-Landwirtschaftspolitik werden rund 400 Milliarden Euro verplant, die dem Klima noch mehr schaden, anstatt dass dieser klimaschädliche Sektor endlich zum Klimaschutz beiträgt. → Bei der EU-Regelung für nachhaltige Finanzprodukte (EU-Taxonomie) drohen klimaschädliches Gas und tödliche Atomkraft als “nachhaltige Investition” beworben werden. → Beim EU-Klimaziel, dem zentrale Orientierungspunkt des Green Deals, kommen statt der vom EU-Parlament geforderten 60 Prozent Treibhausgasreduktion nur 52,8 Prozent Reduktion raus. Ein Ende der klimaschädlichen Subventionen? Fehlanzeige!
Das Europäische Klimagesetz, der Pfeiler des Green Deals, steht auf Sand und versinkt gerade. Unter dem Druck ihrer nationalen Regierungen scheren nun Sozialdemokraten und Liberale aus der progressiven Klima-Allianz im Europaparlament aus und akzeptieren die schmutzigen Deals der Christdemokraten, der EU-Mitgliedstaaten und der EU-Kommission.
Es reicht! Wir lassen uns nicht länger abspeisen. Die EU Kommission, die Bundesregierung und die EU-Staaten müssen ihre Verantwortung für den Planeten und die junge Generation endlich ernst nehmen.
Während die USA unter Präsident Biden beim Klimaschutz mit einem Klimaziel von 57 Prozent Treibhausgas-Minderung auf die internationalen Bühne zurückkehren, blockiert Deutschland – unter der Federführung von Verkehrsminister Andreas Scheuer und Wirtschaftsminister Peter Altmaier.
Denn noch ist das möglich! Es ist noch nicht vorbei. Auch wenn wir jetzt Rückschläge erleiden und die Gegner*innen von ambitionierter Klimapolitik es ausnutzen, dass niemand auf die Straße gehen kann. Wir kommen wieder. Im Sommer wird das größte Klimagesetzespaket vorgestellt, das es je in der EU gab. Dann werden die Klimaregeln für Autos, Energieeffizienz von Gebäuden und der entscheidende CO2-Preis festgelegt. Dieses Paket muss Europa auf den 1,5 Grad-Pfad bringen.
Hier setzen wir an, den Europäischen Green Deal zu retten. Wir fordern: Ein EU-Kohleausstieg muss bis spätestens 2030 durch einen europäischen CO2-Preis in Europa von weit über 100 Euro geschehen.Keine neuen Autos mit Verbrennungsmotoren ab spätestens 2030.Alle Kräfte mobilisieren für 100 Prozent Erneuerbare Energien.
Hier entscheidet sich der Europäische Green Deal in der Umsetzung und hier werden wir kämpfen. Das bedeutet, wir werden Druck auf die Bundesregierung ausüben und alle Mitgliedstaaten und die EU Kommission. Rettet Europas Green Deal! Unterschreibt gleich hier und teilt den Link mit anderen: https://www.change.org/save-the-green-deal Mit entschlossenen europäischen Grüßen, Michael Bloss MdEP & Sven Giegold MdEP
Vor ca 30 Jahren war die erste Weltklimakonferenz. Damals war ich noch zu jung, um die Konsequenzen zu verstehen. Aber schrittweise dämmerte es mir. Ich engagierte mich in der Greenpeace Jugend und kam darüber in die Politik. Auch wenn Armin Laschet nicht das Warum verstand, war 2019 die erste Klima-Wahl überhaupt. Dank Euch, die ein Zeichen setzen wollten. Dass es dazu überhaupt kommen musste, ist natürlich ein Politikversagen, dass wir jetzt reparieren müssen.
Die Europawahl in Deutschland war ein Weckruf, für Armin Laschet, aber auch die gesamte Politik. Der jetzige CDU-Vorsitzende und frisch gekürte Kanzlerkandidat der CDU ließ damals tief in die Ratlosigkeit der Klima-Politik der Bundesregierung blicken. Was dann folgte, waren viele neue “Empty Promises.”
Denn trotz des Wahlergebnisses wurden auch auf europäischer Ebene diese Rufe nur vermeintlich gehört. Die neue EU Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) versprach den “European Green Deal” – Europas “Man on the Moon”-Moment. Viele blumige Worte, die jetzt aber im stillen Hinterzimmer-Kämmerlein von ihrer eigenen Partei zerpflückt wurden.
Das EU Parlament schritt voran
Aber beginnen wir vorne. Vor gut einem Jahr stellte die Kommission mit dem EU-Klimagesetz das Herzstück des Green Deals – die Rahmengesetzgebung, die mit ihren Emissionsminderungszielen die Richtschnur für die Klima-Ambitionen für die nächsten 30 Jahre festlegt. Zielmarke: Klimaneutralität 2050 und Klimaziel 2030 von 50 – 55 Prozent. Der Gesetzentwurf war eine Farce. Greta Thunberg nannte es eine Kapitulation vor der Realität. Der Green Deal von Kommissionspräsident Ursula von der Leyen bröckelte und doch blieb noch Zeit, es zu korrigieren.
Im Oktober legte dann das EU Parlament seinen Beschluss vor:
Ein Klimaziel von 60 Prozent bis 2030 – ohne Rechentricks.
Ein Treibhausgas-Budget
Ein unabhängiger EU Klimarat
Das Aus für fossile Subventionen
Ein Recht auf Klimaschutz
Die 2050 Klimaneutralität für alle EU-Staaten
Das war ein Meilenstein und ein wirklicher Klima-Hammer, den wir gegen Widerstände von Konservativen, den Rechten und in Teilen der Liberalen durchsetzen konnten. Das Parlament schritt voran und dafür habe ich gemeinsam mit euch über ein Jahr lang gekämpft.
Der EU Rat blieb stehen
Dann sollten die Verhandlungen mit dem EU Rat losgehen, aber der ließ auf sich warten. Wertvolle Wochen verstrichen und erst Ende Dezember legten sich die Mitgliedsstaaten auf ein unambitioniertes Ziel von minus 55 Prozent netto fest – also mit jeder Menge Rechentricks.
Rechentrick? Ja, weil die Senken nichts anderes bedeuten als Wälder, Moore und Co mit einzubeziehen, die im alten Klimaziel außen vor gelassen wurden. Und das aus gutem Grund. Denn brennt ein Wald ab oder gibt es eine schwere Dürre, verschiebt sich die Rechnung massiv. Ein Senkenziel birgt große Unbekannte und sollte vermieden werden.
Anfang 2021 begannen dann die Verhandlungen schrittweise um erste Punkte des EU-Parlamentsvorschlages, aber der Rat weigerte sich über das Klimaziel 2030 zu sprechen. Wieder verstrichen wertvolle Wochen und Monate, ohne dass wir irgendwie voran kamen.
Und dann musste auf einmal alles ganz schnell gehen. Bis zum 22. April 2021 sollte alles stehen, weil der Rat und die Kommission beim Earth Day zusammen vor den USA im Rampenlicht stehen wollten. Es ging um eine Show, obwohl sich nichts änderte. Denn Vizekommissar Frans Timmermans und der EU Rat bewegten sich beim Klimaziel noch immer nicht. Keinen Millimeter. Was bedeutete das? Nichts gutes fürs Klima. Wir endeten mitten in der Nacht bei 52.8 Prozent und einem Senkenziel, dass mehr Magie verspricht als wirklich konkret zu sein.
Auch bei den fossilen Subventionen ging der Rat nicht mit. Die sollen weiter in Diesel, Benzin, Kerosin und Co fließen. Das Recht auf Klimaschutz wurde fallen gelassen. Alles, was unbequem für die Regierungen ist, wird einfach blockiert. Oder anders gesagt: alles was tatsächlich Emissionen senkt, wurde gekürzt. Stattdessen verlässt man sich jetzt auf ein Russisch-Roulette-Klimaziel mit vielen Senken.
Immerhin konnten wir einen Klimarat und ein Treibhausgas-Budget etablieren – letzteres ist aber deutlich abgeschwächt und hat wenig Aussagekraft.
Der Green Deal löst sich auf
Diese Entwicklung im Green Deal ist systematisch. Erst wurde die Landwirtschaftsreform zur Lachnummer auf Kosten der Klimakrise, dann finden sich unfassbare fossile Schlupflöcher für Gas und Atomkraft in der EU Taxonomie für nachhaltige Finanzen und jetzt verkümmert das Klimagesetz in der Ecke. Ja, der Green Deal wurde groß angekündigt. Es wurden auch einige Fortschritte gemacht. Ich glaube sogar, Ursula von der Leyen will wirklich was bewegen. Und allein Dank Eures Drucks, meines Teams und der Arbeit meiner Parlamentskolleg*innen, konnten wir einiges retten. Aber ich bin ehrlich: das ist noch lange nicht genug. Weder für das Klima, noch für die Wirtschaft oder für ein gutes Leben auf einem lebendigen Planeten.
Der vormalige Klima-Champion, der die EU sein wollte, ist nicht zu sehen. Die Union, im EU-Parlament unter der EPP-Fraktion vertreten, scheint gemeinsam mit Rechten und teilen der Liberalen beschlossen zu haben, den Green Deal zu bekämpfen, anstatt der Klima-Realität in die Augen zu blicken.
#SaveTheGreenDeal
Das ist alles sehr bitter. Ich habe von der Leyens Worten geglaubt. Ich wollte ihnen glauben. Denn als Grüne im Parlament stellen wir nur keine Mehrheit und wir brauchen starke Verbündete in allen Reihen, die gegen die massive Lobbyarbeit der Öl- oder Gas-Industrie antritt, aber auch gegen Politiker*innen mit zweifelhaften Verbindungen in die fossile Industrie.
Jetzt aber reicht es für mich. Ich will mich nicht länger abspeisen lassen. Die EU Kommission und die Bundesregierung muss ihre Verantwortung für den Planeten und die junge Generation endlich ernst nehmen. Das macht mich wütend, aber es gibt mir auch Ansporn. Nach den heutigen Verhandlungen und dem schwachen Deal für das EU Klimagesetz, dürfen wir nicht aufgeben und müssen in die nächste Runde. Noch ist nichts verloren. Das EU-Parlament muss den Kompromiss noch einmal absegnen. Hier können wir ansetzen und die Klima-Wende schaffen.
Denn der nächste Dürresommer kommt bestimmt. Das nächste Extremwetter durch die Klimakrise kommt bestimmt. Und dann darf es nicht heißen, wir hätten von nichts gewusst.
Bochum. Vom Ostpark bis Gerthe-West: In Bochum entstehen neue Wohnungen, Häuser und ganze Wohngebiete. Eine Übersicht der großen Neubauprojekte:
Bochum baut – im Stadtgebiet entstehen in öffentlicher und privater Hand Wohnungen, Häuser und ganze Neubaugebiete.
Dazu gehören in Bochum große Wohnbauprojekte wie der Ostpark oder „Gerthe-West“, nobler Wohnungsbau wie das Dichterviertel oder ungewöhnliche Konzepte wie der Umbau der Antoniuskirche.
Doch genauso ist der Wohnungsbau in Bochum Teil einer Diskussion, die Befürworter wie Gegner des Handlungskonzepts Wohnen sowie einzelner Bauprojekte führen.
Das Handlungskonzept Wohnen, das die Stadt 2017 beschlossen hat, sieht den Bau von 800 neuen Wohnungen pro Jahr vor.
Es ist die derzeit größte Wohnbauflächenentwicklung in Bochum: das Projekt „Ostpark – neues Wohnen.“ In den Stadtteilen Altenbochum und Laer entstehen in den kommenden Jahren zwei voneinander unabhängige Quartiere, die an die Siedlungen Feldmark im Westen und Havkenscheider Höhe im Osten anknüpfen. Knapp 43 Hektar stehen zur Verfügung, 14 Hektar davon werden bebaut – für den Rest sind Wasser-, Frei- und Grünflächen eingeplant.
Das „Quartier Feldmark“ bekommt Zuwachs zwischen dem Sheffieldring, der Immanuel-Kant-Straße, Feldmark und dem Eichendorffweg. „NRW.Urban“ entwickelt bis Ende 2025 das Gelände, auf dem knapp 700 Wohneinheiten Platz finden werden – zwischen Einfamilien-, Mehrfamilien- und Reihenhäusern sind Stadtvillen und Doppelhaushälften geplant. Ende 2021 sollen in Teilabschnitten die ersten Hochbauten stehen.
Während in der einen Hälfte des neuen Ostparks bereits schweres Gerät rollt, steckt das „Quartier Havkenscheider Höhe“ noch in der Planungsphase. Östlich der Havkenscheider Straße entstehen 600 Wohneinheiten, einen endgültigen Fertigstellungstermin gibt es noch nicht.
Unsere Berichterstattung zum Projekt „Ostpark – neues Wohnen“:
Damit erhalten die frisch gebauten Mehrfamilienhäuser, die parallel zur Königsallee entstanden, bald Gesellschaft. Ebenso wie drei mächtige Eichen, die unter Denkmalschutz stehen. Hier fordert vor allem die SPD einen besseren Schutz, nach bisherigen Planungen soll um die Bäume herum gebaut werden.
Etwas weiter nördlich, an der Querenburger Straße, hält die Bollmann Bauen&Wohnen GmbH ebenfalls das Planungszepter in ihren Händen. Neben dem Neuen Gymnasium entstehen Einfamilien-, Doppel- und Mehrfamilienhäuser im gehobenen Preissegment.
Wann die ersten Grundsteine gelegt werden, erfahren Sie hier:
Kaum ein Thema diskutieren die Bewohnerinnen und Bewohner von Weitmar wohl so kontrovers wie die Pläne von Stadt und Investor Eckehard Adams Wohnungsbau, an der Schloßstraße insgesamt 270 neue Wohnungen zu errichten – darunter 20 Prozent Sozialwohnungen. Die Bürgerinitiative Schloßpark sieht das Vorhaben überdimensioniert, bei der Vorstellung im Oktober äußerten die Bürger viel Kritik. Schloßstraße Neubau Schloßstraße Bochum: Viel Kritik bei Planvorstellung
Auch die Versiegelung von Flächen und ein mögliches Verkehrschaos in der Siedlung treibt die Bewohner um. Die Planungen für die Wohnungen zwischen 35 und 140 Quadratmetern sind noch im Fluss, die Öffentlichkeit soll weiter eingebunden werden.
Alles rund um die Schloßstraße und den Wohnungsbau in Weitmar:
Umstritten ist auch das Bauprojekt im Bochumer Nordosten, das die Stadt und der Treuhänder „NRW.Urban“ als Stadtentwickler seit Ende 2018 vorantreiben: „Gerthe-West“. Auf etwa 13 Hektar Fläche sollen 800 Wohneinheiten entstehen mit dem Ziel, „attraktiven und bezahlbaren Wohnraum“ (Stadt) zu entwickeln. https://www.facebook.com/plugins/post.php?app_id=1650819678556421&channel=https%3A%2F%2Fstaticxx.facebook.com%2Fx%2Fconnect%2Fxd_arbiter%2F%3Fversion%3D46%23cb%3Df344f1b6604abca%26domain%3Dwww.waz.de%26origin%3Dhttps%253A%252F%252Fwww.waz.de%252Ff33050dbfda99a%26relation%3Dparent.parent&container_width=619&href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2FGertheWest%2Fposts%2F2806017626391980&locale=de_DE&sdk=joey&width=619
Die Corona-Pandemie erschwert aktuell die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der Beteiligungs- und Planungsphase. Dennoch machten Anfang Oktober rund 170 Bochumer ihrem Ärger im Ruhrcongress Luft, vor allem das Wachstum auf Kosten von Grünflächen und die damit verbundenen Einschnitte in die Lebensqualität im Viertel kritisierte Sabine Schoening als Sprecherin der Bürgerinitiative „Gerthe West – so nicht!“
In der Lewacker-Schule in Bochum-Linden fand schon seit 2011 kein Unterricht mehr statt, seit vergangenem Jahr ist auch das Gebäude Geschichte. An dessen Stelle sollen bald Neubauten in die Höhe wachsen, 40 Wohneinheiten in Form von Einfamilienhäusern, Doppel- und Reihenhäusern sowie einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung sind an der Lewackerstraße geplant.
Mindestens 30 Prozent sollen im geförderten Wohnungsbau entstehen, die Stadt Bochum möchte die Fläche zum Großteil selbst vermarkten. Genauso sollen die mehr als 50 Bäume rund um das Gelände nach Möglichkeit in die Bebauung integriert werden.
Warum das Bauprojekt an der Lewackerstraße erst verspätet Fahrt aufgenommen hat:
Unter Leitung des Kölner Investors Kreer Development GmbH sind 115 neue Wohnungen angedacht, dazu sollen die 15.000 Quadratmeter für Büros, Praxen und Dienstleistungen genutzt werden. Der Startschuss dürfte allerdings erst in mehreren Jahren erfolgen.
Was passiert mit den vielen Kirchen in NRW, die etwa auf Grund von Gemeindezusammenlegungen entwidmet werden und leer stehen? Im Bochumer Westen haben sich der Planungsausschuss und die Bezirksvertretung Mitte für eine kreative Lösung entschieden: In die Antoniuskirche werden Wohnungen integriert.
Die Antoniuskirche im Griesenbruch soll für Eigentumswohnungen umgebaut werden. Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Zwölf anstatt der ursprünglich geplanten 39 Einheiten entstehen, Teile der Kirche wie etwa der Chorraum werden erhalten. Ein Investor erhielt Anfang Oktober die Baugenehmigung – Ziel ist es, den Veränderungsprozess im Stadtumbau West fortzusetzen und die Identifikation der Bewohner mit ihrem Stadtteil zu fördern.
Wie der Umbau der Antoniuskirche genau geplant ist:
Zu den 99 Einheiten am Lennershof sollen etwa öffentlich geförderte Mietwohnungen, Studentenwohnungen und Eigentumswohnungen gehören. Lesen Sie hier, wie das Neubauprojekt am Lennershof genau ausgestaltet wird.
Im Schnitt kauft jeder Deutsche 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr. Doch die Herstellung neuer Klamotten belastet unsere Umwelt massiv. Ein Gespräch mit Textil-Experte Manfred Santen über die CO2-Bilanz von Fast Fashion.
( 23.04.21 Original bei faz.net , hier , Von Christian Schwägerl )
Ein nuanciertes Bild der neuen Ökologie: Bernhard Kegel schildert, wie sich der Klimawandel auf die Natur auswirkt. Seine wichtigste Botschaft betrifft aber nicht Tiere und Pflanzen, sondern den Menschen.
Dass es, wenn wir Menschen die Atmosphäre weiter mit Kohlendioxid und Methan vollpumpen, immer heißer, in manchen Regionen der Erde viel zu trocken und in anderen viel zu nass wird, gehört inzwischen zum Allgemeinwissen. Doch die Klimakrise, in der wir uns befinden, ist kein rein physikalisches Phänomen. Nicht nur die Temperatur und die Verteilung des Wassers auf der Erde verändern sich, nein, alles gerät ins Rutschen, die gesamte Natur.
Die natürlichen Lebensgemeinschaften von heute, also etwa Wälder, Savannen, Korallenriffe und die Tundra, werden „in der Verteilung und Zusammensetzung, wie wir sie kennen, keinen Bestand haben“, warnt der Biologe und Autor Bernhard Kegel in seinem neuen Buch „Die Natur der Zukunft“. Anschaulich und kenntnisreich legt er dar, dass es sich nicht um einen Wandel handelt, wie er ganz normal ist für die Evolution, sondern um ein schnelles und gewaltiges Geschehen. Kegel schöpft dabei wie in früheren Büchern sowohl aus eigenem Erleben wie auch aus einem umfassenden Studium wissenschaftlicher Quellen, was sein Werk zugleich gut lesbar und lehrreich macht.
Warnende Töne
Die Natur gerät durch die Erwärmung schon heute in Bewegung. Nicht nur Tiere, auch Pflanzen reagieren auf die veränderten Klimabedingungen, werden seltener, weil sie mit den Veränderungen nicht mitkommen, oder auch häufiger, weil sich ihnen neue Territorien zur Besiedlung öffnen. In Deutschland etwa sei damit zu rechnen, dass sich Pflanzen wie die Beifuß-Ambrosie, die ursprünglich bei uns nicht heimisch war, aber warmes Klima mag, mit Ausnahme der hohen Gebirgslagen flächendeckend ausbreiten wird. „Für Allergiker ist das keine gute Nachricht“, schreibt Kegel. Schon heute macht diese äußerst allergene Pflanze vielen Menschen zu schaffen. https://aw.faz.net/api/book/3832181385
Zu den Vorzügen des Buchs zählt, dass der Autor kein schwarzweißes, sondern ein nuanciertes Bild der neuen Ökologie zeichnet. So stellt er auch dar, dass Neophyten, also pflanzliche Einwanderer, durchaus eine positive Rolle spielen könnten, wenn sie Funktionen in Ökosystemen übernehmen, die heimische Pflanzen nicht mehr ausfüllen können. Insgesamt überwiegen jedoch die warnenden Töne. Anhand eines früheren Temperaturmaximums der Erdgeschichte, an der Grenze von Paläozän zu Eozän vor rund 56 Millionen Jahren, führt Kegel seinen Lesern vor Augen, mit welchen Umbrüchen in der Natur bei starkem Anstieg von Kohlendioxid und Temperaturen zu rechnen ist: Von Massensterben von Meeresorganismen bis zur evolutionären Schrumpfung von Säugetieren hätten damals die Konsequenzen gereicht.
Eine existentielle Gefahr für viele Vogelarten
Dass die Natur diese Ereignisse verkraftet hat, dürfe uns nicht trösten: Die Phasen des Wandels seien für Lebewesen, die sie durchmachen mussten, oftmals existenzbedrohend gewesen. „Außerdem ist diese Krise (…) anders: Sie ist schneller, sie spielt sich in einer Welt ab, die vom Menschen völlig verändert wurde, in der Arten sich nicht mehr frei bewegen können, in der es überall Grenzen und Hindernisse gibt und in der viele Arten, ganze Ökosysteme bereits angeschlagen und in hohem Maße gefährdet sind“, warnt Kegel.
Akribisch beschreibt der Autor Prozesse, die bereits heute ablaufen. Während sich mancher darüber freuen wird, dass die Winter kürzer werden, bedeutet dies zum Beispiel für viele Vogelarten eine existentielle Gefahr. Die Rhythmen des Vogelzugs seien auf das bisherige Klima eingestellt. Kürzere Winter in Europa bedeuten, dass sich Insekten früher entwickeln. Das bekommen Vogelarten zu spüren, die zur gewohnten Zeit aus den Winterquartieren zurückkehren und deren Jungen dann nicht mehr weiche, gut verdauliche Larven vorfinden, sondern bereits weiterentwickelte Insekten mit härteren Körpern.
Ganze Ökosysteme sind bedroht
Auch physiologisch könnten viele Arten den Veränderungen nicht gewachsen sein, schreibt Kegel. Für Miesmuscheln und andere Meerestiere könnte der Ozean von morgen zu heiß werden. Zwar gebe es in jeder Population „Plastizität“, also Individuen, die mit Extremen besser klarkommen als andere, und zudem die Fähigkeit zur Adaptation, also zu einer schnellen Anpassung an neue Bedingungen. In der warmen Zukunft werde sich das Rad der Evolution aber schneller drehen: „Ob es reichen wird, um entstandene Lücken im Artenbestand wieder zu füllen und Tiere und Pflanzen schnell an den Klimawandel anzupassen, kann heute noch niemand beantworten.“
Dass ganze Ökosysteme bedroht sind, etwa Korallenriffe, und die Erderwärmung zur Ausbreitung von gefährlichen Krankheitserregern und sogar neuen Pandemien beitragen kann, verleihen den Ausführungen ihre Dringlichkeit: „Zeitbomben“ heißt ein Unterkapitel, „Defaunation“ ein anderes.
Ist der Klimawandel wirklich unaufhaltsam? Technologische Innovationen könnten die Gefahren der Erderwärmung abwehren. Aber ist die Menschheit bereit, weit genug dafür zu gehen?
Die Dokumentation stellt teils vielversprechende, teils aber auch umstrittene neue Verfahren vor, mit denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler versuchen, die Zukunft unseres Planeten zu retten.
Seit der Industriellen Revolution sind es Schätzungen zufolge mehr als eintausend Milliarden Tonnen Kohlendioxid, die durch den Einsatz fossiler Brennstoffe auf der Erde in die Atmosphäre ausgestoßen wurden. Enorme Mengen eines Gases, das die Wärmeabstrahlung von der Erde verringert und so zum Temperaturanstieg auf unserem Planeten führt. Jedes Jahr kommen weitere 37 Milliarden Tonnen Kohlendioxid hinzu, von denen wir heute wissen, dass sie mehrere Jahrhunderte in der Erdatmosphäre verbleiben werden. Das Tempo der Erderwärmung wurde lange unterschätzt. Ihre Folgen sind dramatisch: Eisschmelze, Anstieg des Meeresspiegels, verheerende Brände und immer schlimmere Dürren. Für die Wissenschaft ist klar, dass der Klimawandel weltweite Konzepte und Gegenmaßnahmen erfordert. Die Technologien, mit denen das gelingen könnte, sind zum Teil heute schon vorhanden – und manche Lösungsansätze nutzen das, was die Natur selbst bereithält. Die Dokumentation stellt vielversprechende Verfahren vor, von denen jedoch einige noch umstritten sind, etwa das Filtern von Kohlendioxid aus der Luft, um es anschließend unter der Erdoberfläche zu lagern oder als Baustoff zu verwenden. Eine weitere Möglichkeit, den Treibhauseffekt zu stoppen, wäre mehr Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern, zum Beispiel durch den Umstieg auf Wind- und Sonnenenergie. Andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Versprühen von Kalziumkarbonat-Partikeln, die das Sonnenlicht in der Stratosphäre besonders stark reflektieren, die globale Temperatur senken könnte. Auch das systematische Pflanzen mehrerer Billionen Bäume oder das Kompostieren organischer Abfälle zur Herstellung von Naturdünger könnte dem Klimawandel entgegenwirken.Die Dokumentation untersucht außerdem, mit welchen Kosten die verschiedenen Methoden verbunden sind und ob sie kurzfristig umsetzbar wären – denn die Zeit drängt.
(15.04.21 Original WAZ.de : hier ) Von Gernot Noelle
Bochum-Dahlhausen. Bei der geplanten Bebauung am Ruhrort hat die Bezirksregierung Arnsberg erhebliche Bedenken. Die Stadt Bochum kommt dabei nicht gut weg.
… Nun ist auch herausgekommen, weshalb die Stadt Bochum die Beschlussvorlage für den Bebauungsplan Nummer 997 im Januar plötzlich, kurz vor den politischen Sitzungen, zurückgezogen hat. Die Bezirksregierung Arnsberg hatte kurz zuvor in einer Stellungnahme weiterhin erhebliche Bedenken gegen die angedachte Bebauung geäußert. Die Stadt Bochum, speziell das Planungsamt, kommt dabei gar nicht gut weg.
Bezirksregierung hat wegen Neubaugebiet Bedenken – Rüffel für die Stadt Bochum
Das Bochumer Netzwerk für bürgernahe Stadtentwicklung konnte sich Zugang zu einer schriftlichen Stellungnahme aus Arnsberg verschaffen. In diesem Schreiben vom 19. Januar reagiert die Bezirksregierung auf die Antwort des Bochumer Planungsamtes (11. Januar) zur Stellungnahme aus Arnsberg vom 29. Juni 2020, in der die Bezirksregierung erhebliche immissionsschutzrechtliche Bedenken zu dem Planungsentwurf dargelegt hat.
Von diesen Bedenken, das macht die Bezirksregierung sehr deutlich, rückt sie auch nicht ab. Mehr noch: Das Antwortschreiben des Bochumer Planungsamtes wird regelrecht auseinander genommen: Die dargelegten Ausführungen ‟sind teilweise nicht zutreffend und die vorgebrachten immissionsschutzrechtlichen Bedenken werden hierin nicht beantwortet bzw. die angesprochenen Probleme sind nicht erkannt und nicht gelöst worden”, heißt es darin. Stadtentwicklung Neubaugebiet: Stadt hält Klimagutachten nicht für nötig
Arnsberg kommt zu dem Ergebnis, dass die Antwort des Planungsamtes ‟völlig unzureichend” sei und …
Kritik an Stadt Bochum: Lärmmessung zur falschen Zeit am falschen Ort
So wird in Arnsberg etwa moniert, dass die ohnehin nur einmalige und damit wenig aussagekräftige Lärmmessung zur falschen Zeit, wenn ohnehin nicht so viel Lärm sei, und noch dazu an einem geschützten Ort durchführt worden sei. So sei eine Beurteilung der Lärmsituation dort nicht möglich. Im kritischen südwestlichen Bereich des geplanten Wohngebietes hingegen sei nicht gemessen worden. ….
Aus Sicht der Bezirksregierung sei nicht auszuschließen, dass in den oberen Etagen der geplanten Wohnbebauung, die nicht durch die Ofenhalle der benachbarten Fabrik Dr. C. Otto abgeschirmt werden, ‟wesentlich höhere Lärmimmissionen zu erwarten sind”. Stadtteil-Check Dahlhausen: Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan
…
Die Wilma Immobilien AG will am Ruhrort auf einer Fläche von 2,6 Hektar 64 Einfamilien-, Reihen- und Doppelhäuser bauen. Für dieses Bauvorhaben wurde der Bebauungsplan 997 aufgestellt. Darin ist auch festgelegt, dass der Großteil der für die Baugrundstücke und die Erschließung vorgesehenen Flächen wegen Hochwassergefahr um ca. zwei Meter angehoben werden.
Die Bezirksvertretung Südwest hatte sich bereits für das Neubauprojekt in Dahlhausen ausgesprochen. Kurz vor der Sitzung des Ausschusses für Planung und Grundstücke hatte die Verwaltung die Vorlage mit dem Satzungsbeschluss jedoch zurückgezogen. Auch die Beratung und Beschlussfassung in Hauptausschuss und Rat wurden verschoben.
Das Netzwerk für bürgernahe Stadtentwicklung kritisiert, dass die Verwaltung die politischen Gremien bis heute nicht über diese konkreten Bedenken der Bezirksregierung informiert hat.
Thomas Sprenger, Sprecher der Stadt Bochum, hatte sich im Januar auf WAZ-Anfrage so geäußert: ‟Wir haben die Vorlage zunächst zurückgezogen, weil es noch Fragen zu klären gibt, etwa zum Baumbestand und zum Schallschutz. Wir sehen bei einigen offenen Aspekten noch Optimierungsbedarf. Wenn alles geklärt ist, wird der Satzungsbeschluss erneut vorgelegt.” Wohnungsbau Wohnen in Bochum: Neues Park-Viertel — Käufer gesucht
Stadtbaurat Markus Bradtke habe gegenüber dem Netzwerk erklärt, auch wenn das Schallgutachten nun voraussichtlich überarbeitet bzw. ergänzt werde, gehe er davon aus, den Bebauungsplan zum Satzungsbeschluss zu bringen; es handele sich insofern um ein Nachschärfen der Unterlagen im Hinblick auf eine möglichst große Rechtssicherheit. Dies teilt Wolfgang Czapracki-Mohnhaupt für das Netzwerk mit. Er befürchtet, dass es nun nur noch darum gehe, ‟die Unterlagen gerichtsfest zu machen”.
Anfrage zur Sitzung der Bezirksvertretung Bochum-Mitte am 15.04.2021 Betrifft: Irgendwas mit Bäumen und so Status: öffentlich Datum: 10.04.2021 Verfasser/in: Arnim Backs ( Die PARTEI)
Gender-Disclaimer: In diesem Antrag wurde aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Femininum verwendet. Männliche und andere Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint.
Die sehr gute Partei Die PARTEI fragt an:
Kann die Verwaltung bitte ein wenig erklären, was eigentlich in Sachen Bäume, Fällungen, Wiederaufforstung, Nachpflanzungen etc. abgeht?
Das ist ja nicht mehr feierlich, was da so an Bäumen im Bezirk Bochum-Mitte gefällt wird. Und auch wenn es ja seine Gründe haben mag, dass wegen Druckzwiesel, Fäule, Aldi, Pilzbefall , Pflegeheim oder aufgrund sonstiger Erwägungen der ein oder andere Feldahorn oder gar die Kirsche das Zeitliche segnet, so befindet sich Bochum immer noch im Klimanotstand und es müssen ja wohl mindestens mal entsprechende Nachpflanzungen vorgenommen werden.
Kann daher bitte jemand transparent machen: Wo genau wird nachgepflanzt bzw. wie wird kompensiert?
Wie knietief im Dispo ist der Kontostand auf dem Öko-Konto und wie erfolgt die Buchhaltung dabei? Wie erfolgt die Auftragsvergabe hinsichtlich der Fällungs-Arbeiten? Wie erfolgt die Auftragsvergabe hinsichtlich der Nachpflanzungen und sind dabei Faktoren wie Klimaresilienz berücksichtigt?
Die sehr gute Partei Die PARTEI ist der Ansicht, dass auch zu diesem Themenkomplex ggf. eine Vertreterin des Umweltamtes zu einer Fragestunde geladen werden müsste.
Wäre dies nicht eine dufte Möglichkeit, um den Beta-Test für das neue Videokonferenzsystem der BV Bochum-Mitte durchzuführen, zwinkersmiley?
Arnim Backs Sehr guter Bezirksvertreter der sehr guten Partei Die PARTEI Mail: arnim@die-partei-bochum.de
( 04.04.21 Original und vollständiger Artikel bei zeit.de : hier )
Eine Studie legt nahe, dass das Schmelzen des Pine-Island-Gletschers bereits unumkehrbar ist. Die Konsequenz könnte ein meterhoher Anstieg des Meeresspiegels sein. von Dr. Jakob Simmank
Eine diese Woche erschienene Studie der britischen Northumbria-Universität legt nahe, dass das Abschmelzen einer der wichtigsten Gletscher der Antarktis nicht mehr aufzuhalten sein könnte (The Cryosphere: Rosier et al., 2021). Die Forscher modellierten den Eisfluss des Pine-Island-Gletscher im Westen der Antarktis und errechneten Kipppunkte, an dem der Eisverlust irreversibel sein könnte.
Der letzte Kipppunkt, so die Analyse der Gletscherforscher, sei erreicht, wenn das Meerwasser in der Nähe des Gletschers sich dauerhaft um mehr als 1,2 Grad Celsius erwärme. Und genau das sei durch eine Erwärmung des zirkumpolaren Tiefenwassers und sich verändernder Winde in der Amundsensee immer wahrscheinlicher, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität. Newsletter
Der Pine-Island-Gletscher verliert schon heute mehr Eis als alle anderen Gletscher der Antarktis. Zusammen mit dem benachbarten Thwaites-Gletscher ist sein Schmelzwasser gegenwärtig für zehn Prozent des globalen Anstiegs des Meeresspiegels verantwortlich. …
Der Erstautor der Studie, Sebastian Rosier, sagte laut Pressemitteilung, es sei schon lange über mögliche Kipppunkte für den Pine-Island-Gletscher und antarktische Eisschilde diskutiert worden, “aber unsere Studie ist die erste, die bestätigt, dass [der Gletscher] drei wichtige Schwellenwerte überschreitet”.
Hilmar Gudmundsson, Professor an der Northumbria University und Mitautor der Studie, sagte, die Studie sei ein großer Schritt für das Verständnis der Dynamiken dieser Region. Gudmundsson: “Aber die Ergebnisse machen mir auch Sorgen. Wie diese Studie zeigt, könnte es unmöglich sein den Gletscherrückgang aufzuhalten, wenn er einmal begonnen hat.”
… Ammoniak ist dem chemischen Laien vom Mist- und Güllegeruch bekannt. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten Fritz Haber und Carl Bosch ein Verfahren entwickelt, um das Gas aus Elementen der Umgebungsluft zu gewinnen. Sein Stickstoffanteil machte Ammoniak zur Basis des Kunstdüngers und damit jener gewaltigen landwirtschaftlichen Produktivität, ohne die heute Milliarden Menschen nicht satt würden. Um das Klima zu schützen, interessieren sich Ingenieure jetzt für seinen anderen Bestandteil, den Wasserstoff.
Das Prinzip: Während Wasserstoff sehr flüchtig ist, lässt sich Ammoniak leichter lagern und verflüssigen. Seine Strukturformel (NH₃) zeigt: Jedes Stickstoffatom bindet drei Wasserstoffatome an sich, die man bei Bedarf wieder herauslösen kann. Wird Energie aus regenerativen Quellen bei der Erzeugung des Ammoniaks eingesetzt, so sind seine drei H-Atome grüner Wasserstoff – von dem die Schwerindustrie Unmengen benötigt, um klimaneutral zu werden. ….
Die Technik: Bezeichnenderweise setzte das dünn besiedelte Australien besonders früh auf Ammoniak als “erneuerbaren Brennstoff aus Sonne, Wasser und Luft” (Science). Dort sind die Potenziale für Sonnen- und Windenergie riesig, potenzielle Abnehmer wie die wasserstoffbegeisterten Japaner aber weit entfernt. Da bietet sich verflüssigtes Ammoniak als Exportgut an. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat in ihrem Szenario einer nachhaltigen Entwicklung längst große Mengen Ammoniak eingeplant. Ein erster Schritt dahin ist es, die fürs Haber-Bosch-Verfahren ….
Der Haken: Ein genereller Vorbehalt gegenüber allen Techniken, die von Ökostrom abhängen, gilt auch hier: Es gibt (noch) viel zu wenig davon. Ein zweiter kommt beim Ammoniak hinzu. Auf konventionellem Wege hergestellt, ist er selbst eine Klimabürde. Nach Berechnungen der Royal Society entfallen rund zwei Prozent des globalen CO₂-Ausstoßes auf seine Erzeugung, diese Emissionen muss man erst einmal drücken. Drittens gibt es noch die Zweifel an der Wasserstoffwirtschaft: Wo ist sie sinnvoll? Wie lange dauert der Aufbau der Infrastruktur?
Stand der Dinge: Premiere wird der stinkende Energieträger wohl auf hoher See feiern. “Ammoniak hat viele Vorteile, unter anderen jenen, dass man es in Verbrennungsmotoren einsetzen kann”, betont die Reedervereinigung International Chamber of Shipping in einer Studie vom November. Schon 2024 könnte der Hersteller MAN, Weltmarktführer bei Schiffsdieseln, den ersten speziellen Ammoniak-Schiffsmotor auf den Markt bringen. Ein Jahr später soll ausgerechnet im Öl-Königreich Saudi-Arabien ein Ökokraftwerk zur Erzeugung grünen Ammoniaks entstehen.